Zeit – Geld Konsum – Fastenzeit

Zeit fehlt – nicht aber das Geld: Die verfügbare Zeit läßt sich nicht vergrößern, auch nicht mit dem Trick, mehrere Tätigkeiten gleichzeitig auszuführen. Denn laut Neurobiologie ist der Mensch nicht multitasking-fähig. Schon der Versuch, mit dem Smartphone Mails zu beantworten und gleichzeitig zu telefonieren (also zwei Tasks) funktioniert nur scheibchenweise.
Immer mehr Konsummöglichkeiten prasseln auf uns ein. Wir müssen auswählen, was Streß erzeugt. Jedem Angebot wird ein geringeres Quantum an Zeit zuteil, was uns oberflächlich macht. Beides zusammen, Streß und Oberflächlichkeit, führt zu Burnout (ich schaffe es nicht) und Depression (Rückzug aus der Reizüberflutung).
Fazit: Da wir uns einerseits zum Multitasking nicht eignen, andererseits aber immer mehr Konsumfeatures leisten können, hat der Zeitmangel den Geldmangel längst abgelöst. Dazu der Wachstumskritiker Nico Paech: “Moderne Gesellschaften haben ein Stadium erreicht, in welchem längst nicht mehr Kaufkraft, sondern Zeit den Engpassfaktuor des individuellen Strebens nach Glück darstellt. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem gerade noch die Zeit aufgebracht wird, Konsumgüter zu suchen, zu identifizieren, zu vergleichen, zu prüfen, zu kaufen, entgegenzunehmen, unterzubringen – und dann womöglich nicht zu nutzen, einfach weil die dafür notwendige Zeit bereits durch die Summe unzähliger Auswahl- und Kaufhandlungen aufgezehrt wurde” (Paech: Befreiung vom Überfluß, Seite 127).
.
Was tun? Der Postwachstumsökonomie von Nico Paech folgen und den eigenen Lebensstil durch Reduzierung von Konsum und Mobilität ändern. Oder den grenzenlosen Technikoptimismus des Vors. der Heinrich-Böll-Stiftung Ralf Fücks teilen und mit “Grüner industrieller Revolution” auf “erneuerbare Energien, Flugzeuge, die mit Algenkraftstoff fliegen und eine abfallfreie Kreislaufwirtschaft” setzen? Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte?
An einem kommen wir jedoch nicht herum: Wenn uns der Zeitmangel nervt, dann müssen wir eben Konsum und Mobilität, die unsere verfügbare Zeit aufzehren, reduzieren. Konsumreduzierung: Auf einige der ca 10.000 Dinge, die ein Durchschnittsdeutscher besitzt, verzichtet. Mobilitätsreduzierung: Auf die geplante Flugreise nach Thailand, die ja nicht anderes ist als ein Dienstleistungsimport (Sonne und Meer nach D importieren) verzichten.
.
Die Fastenzeit lädt zu solchem Verzicht ein, darf aber nicht wie ein Ablaßhandel praktiziert werden: Vier Wochen Auto-Fasten mit einer Flugreise nach Vietnam rechtfertigen. Nehmen wir das Fasten anstelle eines Alibis zum Startpunkt eines ehrlicheren Lebensstils

Dieser Beitrag wurde unter Bildung, Gesund, Industrie, Nachhaltigkeit, Sparsamkeit, Zukunft abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort