Wohnungsnot in FR treibt Preise

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis – ganz einfach. Die Preise für ETWs in Freiburg haben sich von 2011 bis 2016 verdoppelt, die Mietpreise stiegen um ca 30%. Freiburg als Schwarmstadt zieht Studenten, Coole, Hippe,  Ruheständler und Wohlfühl-ler an. Dazu kommt die gigantische Massenimmigration seit Budapest 9/2015, die das Auseinanderdriften von Stadt und Land weiter verstärkt: Flüchtlinge zieht es z.B. von Herrischried im Hotzenwald nach Freiburg, in die Nähe ihrer in der Stadt bereits wohnhaften Landsleute.
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Was tun gegen die Wohnungsnot? Entweder die Attraktivität von Freiburg für “Die schon länger hier Lebenden” (Merkels Bezeichnung für “Deutsche“) und die Flüchtlinge drosseln – was nicht funktioniert. Bleibt also nur der Bau zusätzlicher Wohnungen, wobei es nichts bringt, Alternativen gegeneinander auszuspielen, wie etwa “Nachverdichtung ODER Dietenbach”. Nein, ALLE Möglichkeiten müssen gleichzeitig in Angriff genommen werden:
(A) Neuen Stadtteil Dietenbach bauen incl. Flächenverbrauch.
(B) Nachverdichtung durch Aufstockung bzw. Dachausbau im Bestand fördern. Warum läßt das Bauordnungsamt Freiburg die Bauwilligen 5-6 Monate bis zur Erteilung der Baugenehmingung (Roter Punkt) warten, während es in Heidelberg nur 2,5 Monate sind?
(C) Nachverdichtung durch Überbauung der Parkplatzflächen im Stadtgebiet. Hier können die Freiburger Behörden mit gutem Beispiel vorangehen.
(D) Leerstand bekämpfen: In Freiburg stehen über 2500 normale Wohnungen dauerhaft leer. Dazu kommen noch die mindestens 5000 Studentenzimmer, die von Oma/Opa in ihren übergroßen Wohnungen aus “Angst” vor der Oma-unfreundlichen Gesetzeslage unvermietet bleiben. Warum können Mietvertragsklauseln wie “Abends ab 20 Uhr absolute Ruhe” oder “Rauchen verboten” oder “Die Übernachtung Fremder ist beim Vermieter anzufragen” in den USA oder Kanada mit fristloser Kündigung belegt werden, in Deutschland hingegen nicht?
(E) Wohnfläche pro Kopf senken: Der Einzelne beansprucht immer mehr Wohnfläche für sich, nicht nur aufgrund der Zunahme der Single-Haushalte. Der Trend zu immer größeren, schnelleren Autos mit immer mehr PS scheint gebrochen. Warum ist eine solche Trendwende nicht auch beim Wohnflächenbedarf in Sicht?
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Die nun anlaufenden Auseinandersetzungen um den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach zeigen zweierlei: Zum einen sind wir noch weit entfernt von einer “konzertierten Aktion” der Möglichkeiten (A) bis (E), um die Wohnungsnot in Freiburg abzubauen. Zum anderen ist unsere Diskussionskultur zerstört ist..
6.3.2017
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Feldbesetzung als Protest gegen den Stadtteil Dietenbach
“Rettet Dietenbach” – mit diesem Slogan protestierten Landwirte und Umweltaktivisten bei einer symbolischen Feldbesetzung gegen den geplanten neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach. Sie fordern andere Lösungen. … Alles vom 5.3.2017 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/feldbesetzung-als-protest-gegen-den-stadtteil-dietenbach

Demo gegen Dietenbach-Neubau
Vielleicht sollten die Menschen, die auf der endlos langen Liste der Wohungssuchendenkartei stehen, vielleicht sollten die jungen Familien, die keine bezahlbare Wohnung finden, auch eine Bürgerinitiative gründen und dann auch mal ein Feld in Dietenbach besetzen. Jede Wette: Es würden viel, viel mehr als nur 120 Demonstranten kommen…..
Gesamten Kommentar von Joachim Röderer vom 5.3.2017 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/muenstereck-7/kommentar-zur-dietenbach-demo-argumente-von-vorgestern
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Pro wie auch Contra Dietenbach haben Recht: Eine Diskussionskultur muß her
Man kann und sollte selbstverständlich als Journalist in einem Kommentar eine Meinung vertreten. Die Frage ist, wie man diese Meinung vertritt. Ich halte den Bau im Dietenbach auch für notwendig. Aber selbstverständlich haben die Demonstranten auch Recht. Den Gegner zu sagen, sie hätten die Argumente von vorgestern ist mehr als Öl in ein Feuer zu gießen. Dieses Öl ins Feuer gießen, haben wir gerade bei der Stadiondiskussion erlebt. Jetzt geht es im Dietenbach weiter. Die BZ kann und soll durchaus Standpunkte vertreten, im Stil hat sie aber noch unglaubliches Verbesserungspotential. Es ist ein Unterschied, ob Kommentatoren heftige Worte finden oder die BZ!
6.3.2017, Martin Synowzik,

Statt Dietenbach: Aufstockung, Hochbau, Fewo, Leerstand
Na, der Kommentar scheint von vorvorvorgestern zu sein! Der Neubaustadteil Rieselfeld hat inzwischen mit die höchsten Mieten in Freiburg und hat seinen Teil dazu beigetragen, dass der Mietspiegel für Freiburg, der alle 2 Jahre neu erstellt wird, in den Jahren ab 2004 und jetzt gerade kräftig angestiegen ist auf 8,25 € pro qm kalt (Mittel über alle erfaßten Baujahre usw.). Zu den Zahlen: https://ris.freiburg.de/sitzungen_top.php?sid=ni_2016-GR-149
Dietenbach als Grund für weitere Mietspiegel-Mietpreisspiralen nach oben, denn die neuen teuren Verträge von Neubauten verdrängen niedrige unveränderte alte Mietverträge! Also schwerer künftiger Nachteil für die meisten Mieter in Freiburg! Dietenbach sozial schädlich für die meisten Mieter in Freiburg…, die Mieten höher, die freie Kaufkraft sinkt.
Der schon etwas uninformiert-dogmatische Kommentar übersieht, dass gerade für Uni-Städte die Bundesanstalt für Bauwesen große Möglichkeiten für Aufstockungen und Dachausbau sieht, ähnlich die Architektenkammer B-W. http://www.ecotrinova.de/downloads/2016/160919_MM_ECOtrinova_zu_AufstockenDachausbau_-_Freiburg.pdf – Thema für die BZ?: Z. B. Vortrag 9.3.2017: 19 Uhr Uni KG 1, HS 1098: Bauhöhen.

Der BZ-Kommentator hat auch nicht gemerkt, dass die symbolische Feldbesetzung auf gut 100 Personen ausgelegt war für die Worte RETTET DIETENBACH und nicht auf Größe, sonst hätten die Wiesen mehr gelitten.
In Freiburg ziehen jährlich rund 10% fort (also über 20.000 Personen) und 11% kommen typisch hinzu. D.h. der Wohnungsmarkt gibt viel her, oft über Beziehungen, viel geht bei Studierenden. Viele Suchende haben eine ungeeignete Suchstrategie. Und im Umland gibt es auch Wohnungen und Leerstand.
Wohnungsnot ???: Es gab kürzlich laut Zensus in Freiburg rund 2500 Wohnungen Leerstand, fast alle sofort beziehbar, die durchschnittlich 79 qm, 3,8 Zimmer und zu 99% WC und Dusche oder Badewanne aufweisen. Diese Wohnungen können für 5000 bis über 7 000 Menschen ausreichen und sehr viel Neubau ersparen. In Freiburg gibt es zudem etliche hundert Ferienwohnungen, viel zu oft als Zweckentfremdung von Wohnraum, und Büro-Leerstand in unbekannter Höhe. Laut Wohnraumbedarfsprognose von Empirica bestand in Freiburg speziell bei Mehrfamilienhaus-Neubauten ein Jahr nach Erstbezug ein erstaunlicher Leerstand von über 800 Wohneinheiten, ein unbeachteter Skandal. Die Stadt will aber kein Leerstandskataster…, obwohl längerer Leerstand gegen das neue Freiburger Zweckentfremdungsverbot verstößt!
Quellen: mit Links zum Selbstnachlesen siehe bei http://www.ecotrinova.de/downloads/2016/160811_MM_ECOtrinova_zu_Leerstand_Wohnen-Bauen_-_Freiburg.pdf
und Weiteres siehe Medienmitt. in 2025, 2016 und Oktober 2013 zur Thematik: http://www.ecotrinova.de/pages/presse-kurzinfos.php
Die vom Oktober 2013 wollte die BZ nicht bringen, in Ihr haben mehrere Vereine die vielen vernünftige Alternativen zur Freiburger “Bauwut” dargelegt. Das passte wohl nicht zum “Dietenbach-Mantra!?
6.3.2017, Dr. Georg Löser , ecotrinova
Nicht neu bauen?
Herr Löser, Ihre Logik, nicht neu zu bauen, weil dadurch der Mietspiegel nach oben getrieben werde ist bestechend. Bestechend verquer. Als ob Gleiches nicht auch für die von Ihnen vorgeschlagenen Nachverdichtungsbauten gälte!
6.3.2017, Aniela Schneider, BO

Nachverdichtung preiswerter als Neubau auf der grünen Wiese
@ Frau Schneider: Bitte erst genauer checken, bevor sie daneben zielen, die Leserschaft hier wird es Ihnen danken!:
(1) Nachverdichtung hat i.d.R. viel weniger Erschließungskosten (Stare, ÖPNV, Radwege, Energie- und Wasserver- und Entsorgung, im Vergleich zu Neubau auf der grünen Wiese. Aufstocken und Dachausbau als Teil der Nachverdichtung erst recht nicht. Die Bundesanstalt für Bauwesen hat das in vielen Städten untersucht. Das Angebot liegt dann i.A. in der mittleren Preislage, nicht in der oberen. Hinzu kommt dass energiesparende Aufstockungen und Dachausbauten die Energiekosten auch für die Unterlieger bzw. Hausgemeinschaft etwas senkt, da weniger Heizwärme durchs Dach entfleucht! Vielleicht kommt bei der Gelegenheit auch ein Solarstromanlage aufs Dach, evtl. von der Solarbürgergenossenschaft gemeinsam mit Mietern…, kann sich durchaus lohnen, für teilweise Eigenstromversorgung.
(2) Ich habe an keiner Stelle behauptet gar nicht (neu) zu bauen. Der erwähnte Verein ECOtrinova hat z.B. darauf verwiesen, einige Großparkplätze in Freiburg wohnzubebauen, das fand großes Echo in der BZ im Jan. 2015 und am 28.6 in Der Sonntag. Sogar bei der Stadtverwaltung und beim Rat kam das an, die nun u.a. den Rathausparkplatz wohnbebauen wollen und in Zähringen-Nord einen kleinen Neubaustadtteil auf den Großparkplätzen planen (war schon im Gemeinderat und BZ, verpaßt?), da sind die Stadtbahn und Hauptverbindungsstr. schon da…
(3) Der von Ihnen zu billig bemeckerte Verein ECOtrinova hat sich auch für den Bau von Studierendenwohnheimen eingesetzt:
http://ecotrinova.de/downloads/2015/150114%20MM%20ECOtrinova%20Studie-Wohnheime%20statt%20Neubaustadtteil.pdf
(4) Auch Haslach-Schildacker, Haid und andere Gebiete warten auf ökosozialen Stadtumbau, war alles im Gemeinderat, der Bürgerverein Mooswald macht eigene Vorschläge für mehr Wohnungen, ohne Waldabholzen.
(5) Wald abholzen hat zur Folge, das i.d.R. 3x mehr landwirtschaftliches Land stillgelegt werden muss. Die Landwirtschaft ist immer das letzte Opfer. Wovon wollen manche Leser hier eigentlich ihre Kinder und Kindeskinder ernähren? Ein Mensch braucht rund 600 bis 2000 Fläche zur Ernährung, 228.000 FreiburgerInnen also…., und die vom Landkreis und die vom Kreis Emmendingen… Wälder, Verkehrswege, Freizeitflächen usw. abziehen… Freiburg ernährt sich bei Obst und Gemüse nur noch zu 8-12 % nicht etwa aus dem Breisgau, sondern aus Südbaden, das geht bis zum Bodensee. In Krisenzeiten kommt nicht Wohnungsnot, sondern Hungersnot auf Freiburg zu.
(6) Statt jetzt auf 34,4 qm Wohnfläche pro Kopf (1.1.2016, kürzlich noch 38 qm 2011/2012) haben wir in den 1950ern auf 15-20 qm/Kopf gewohnt. Ich wär für einen Kompromiss von z.B. 25-30 qm/Kopf, den verwendet das Mietshäusersyndikat auch für seine Neubauten (leider auf Schrebergärten in Gutleutmatten; wäre aber auf den Großparkplätzen Behördengelände Herdern gegangen, wo Bauen mindestens seit 2004 durch Behördeninkompetenz verhindert wird. Sogar der Bürgerverein Herdern ist schon dafür…
6.3.2017 , Dr. Georg Löser, BO
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Flächenverbrauch auf Null setzen
Herr Löser, mein volles Kompliment. Als ich den Kommentar von Herrn Röderer las, dachte ich auch gleich: Argumente von vorvorgestern. Wieso schreiben inzwischen drei Landesregierungen von Baden-Württemberg in ihre Koalitionsverträge, dass sie den Flächenverbrauch durch Bebauung in Richtung netto Null führen wollen? Wieso gibt es die Regel, dass bei Neubauten Ausgleichsflächen auszuweisen sind, die die Stadt Freiburg weit und breit nicht mehr findet und z.B. meint, für das neue SC-Stadion auf dem Müllberg Eichelbuck Ausgleichsfläche ausweisen zu müssen? Wieso hat die österreichische Regierung feststellen lassen, dass durch die Bebauung von wertvollem Ackerland die Österreicher sich garnicht mehr selbst ernähren können und immer stärker auf Lebensmittelimporte angewiesen sind? Und wieso können wir in Freiburg nachweisen, dass noch lange nicht eine sinnvolle Nachverdichtung ausgereizt ist? Wenn man z.B. all die Autoparkplätze überbauen würde …
6.3.2017, Folkmar Biniarz
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Pro-Kopf-Wohnflächenbedarf steigt auch in FR
Ich sehe mehrere strukturelle Probleme: Zum einen steigt die Wohnfläche pro Kopf im Schnitt immer weiter. Wurde bereits von Kommentatoren erwähnt, ich greif es aber noch mal auf. Das heißt, daß auch in Freiburg ohne Neubürger, nur für die bereits bestehende Bevölkerung, immer neue Häuser gebaut werden müssen. Dieses Wachstum erinnert mich sehr an die stetig zunehmende Kilowatt- bzw. PS-Zahl bei neu zugelassenen Autos. Es wird unglaublich viel von Umweltschutz, von Klimawandel usw. geredet. Und wie sieht das Handeln, die Realität aus? Immer dickere Autos, immer mehr Wohnfläche je Person. Wenn dieses Wachsen des Wohnbedarfs je Kopf abgebremst bzw. gestoppt oder gar umgekehrt werden könnte, wäre schon sehr, sehr viel gewonnen. Ohne daß ein Acker zugebaut werden würde, ohne daß ein Wald gerodet würde. Wenn nur 1 Mensch jetzt ins Grübeln käme, wenn nur ein Mensch sein Handeln ändern würde, wäre schon was gewonnen. Wir sind übrigens vier Personen auf 90 Quadratmetern, also 23 qm je Person.
Zweiter Punkt:
Die Befristung der geförderten Wohnungen auf oft nur 15 Jahre ist fatal. Die Dauer sollte deutlich länger sein, am besten unbefristet. Sonst kann man alle 15 Jahre neue Stadtteile bauen, in die die Betroffenen dann umziehen können, wenn die Befristungen der geförderten Wohnungen in den früher gebauten Stadtteilen auslaufen.
Insgesamt bin und bleibe ich sehr skeptisch, daß ein neuer Stadtteil wie Dietenbach wirklich in großer Zahl denjenigen in Freiburg zugute kommt, die dringend bezahlbaren Wohnraum brauchen und suchen. Ich fürchte, Herr Kristian Raue hat mit seinem Kommentar recht, daß die Wohnungssuchenden in der Kartei nur als Rechtfertigung für einen neuen Stadtteil und den Profit der Bauenden dienen, ohne in nennenswerter Zahl selbst davon zu profitieren. Dann können all die, die bezahlbaren Wohnraum suchen, auch schön als Rechtfertigung für den übernächsten Stadtteil dienen usw. und sofort.
6.3.2017, Gregor Bähr
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Wohnflächen pro Kopf nehmen ab
2011 dachten Stadt und Rat, die wachsen in Freiburg.Kein Bedarf für den Neubau-Stadtteil Dietenbach! Taten sie aber nicht mehr. Dazu mehr:
Die Bedarfsfrage wird hauptsächlich an zwei Maßstäben gemessen:
1. Bevölkerungsentwicklung
2. Wohnfläche pro Kopf.
2.1. Wohnflächen pro Kopf sinken in Freiburg:
siehe 2 Grafiken in
http://www.ecotrinova.de/downloads/2016/161205_ECOtrinova.an.OB.BM.StadtFreiburg_zu6.12.TOP24DietenbachG16-095.pdf
Stadt und Gemeinderat setzen auf Basis eines Gutachtens von Empirica voraus, dass die Wohnfläche pro Kopf für alle in Freiburg von 2012 bis 2030 jedes Jahr im Durchschnitt um 0,2 Quadratmeter zunimmt – dies als eine quantitative Hauptgrundlage pro Neubaustadtteil. Kurz: „mehr Wohnflächen-Luxus für alle“. Siehe unterste Abb. bei (entnommen aus der dort genannten beschlossenen Gemeinderatsdrucksache, mit Pfeilen ergänzt):
http://www.ecotrinova.de/downloads/2016/161205_ECOtrinova.an.OB.BM.StadtFreiburg_zu6.12.TOP24DietenbachG16-095.pdf
Tatsächlich nahm diese in der Vergangenheit bis 2011 deutlich zu, Gründe sind i.w. Wohlstandseffekte, Vereinzelung, Demographie. Dieser Trend war aber schon von 2008-2011 halbiert auf 0,1 qm.
Ganz anders als die Prognose: Seit 2011 sinkt die Wohnfläche pro Kopf:
2011- 2015 minus rund 0,1 qm/Person/Jahr und von 2011 bis 2016 um minus fast 0,8 qm pro Kopf/Jahr.
2011: 38,2 qm Empirica-Studie 2014,
2012: 38,0 qm Empirica-Studie 2014,
2015: 37,6 qm (1.1.2015) Quelle: Freiburg im Breisgau – Stadtbezirksatlas 2015 – Dez. 2015, Seite 5
2016: 34,4 qm (1.1.2016) Quelle: Stadt Freiburg im Breisgau

Quellen-Links: http://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/get/params_E-1992662122/819329/Anlage_2.pdf,
Wohnflächen pro Kopf in Freiburg bis 2012 nach Empirica-Studie 2014, dort Abb. 12 Seite 14.
http://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/get/params_E780711466/925931/statistik_veroeffentlichungen_stadtbezirksatlas_2015.pdf S. 5 1.1.2016: . http://www.freiburg.de/pb/,Lde/207904.html
Hauptgründe für die Abnahme der WF/Kopf dürften sein:
1. die starke Zunahme der Anzahl Studierender durch doppelte Abi-Jahrgänge und
2. das Ende des Wehr- und Zivildienstes sowie
3. ein verstärkter Zubau von Studierendenwohnheimen.
Die Abnahme von 2015 auf 2016 ist teilweise durch den Zustrom Geflüchteter erklärbar. Stadt und Rat gingen bei Ihren Beschlüssen seit 2012 von den nun eindeutig überholten alten Werten aus. Eine Korrektur ist jetzt überfällig und müsste zur nächsten Ratssitzung endlich erfolgen, um Fehlent¬scheidungen pro Neubaustadtteil Dietenbach zu vermeiden und um nicht über 1 Mio. Euro für einen städtebaulichen Wettbewerb für einen überflüssigen Neubaustadtteil zu verschwenden und das Personal der Stadt nicht fehleinzusetzen. Mit gleichbleibender Wohnfläche pro Kopf z.B. mit Wert von 2011 entfällt bis 2030 ein Luxus-artiger Zusatzbedarf von fast 10.000 Wohnungen komplett, deutlich mehr als „Dietenbach“! Forderungen in Freiburg nach 1 oder mehr Neubaustadtteilen aus dem Grund Wohnflächen pro Kopf sind damit hinfällig.
Durchschnittliche Wohnflächenzunahme pro Kopf durch Bauen auf Äcker, Wald und Wiesen ist sowieso seit Jahren nicht mehr akzeptabel. Als Luxus-Faktor ist sie zudem für die Durchsetzung Enteignungen von Landwirten, wie die Stadt es ankündigte, überhaupt nicht geeignet und steht gegen das Allgemeinwohl. Der Erhalt von landwirtschaftlichem Boden und Wald als Lebensgrundlagen ist vorrangig, auch nach dem Grundgesetz Art. 20a. Mehr, auch zur Bevölkerungszunahme und Deckung des Bedarfs dafür hier mit Grafiken aus offiziellen Unterlagen der Stadt: http://www.ecotrinova.de/downloads/2016/161205_ECOtrinova.an.OB.BM.StadtFreiburg_zu6.12.TOP24DietenbachG16-095.pdf
6.3.2017, Georg Löser
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Freiburg als Schwarmstadt
Welche Dimensionen wird Freiburg einmal haben, wenn die Schwarmstadt 450.000 Schwärmer beherbergt, und wir so weiterbauen wie bisher? Warum nehmen in 30 km Entfernung von Freiburg fast alle Gemeinden permanent an Einwohnern ab? Helfen Neubauten, den allerneuesten Vorschriften entsprechend, direkt oder indirekt die Wohnungsnot zu beseitigen? Müssten wir land- und forstwirtschaftliche Nutzung auf der Gemarkung Freiburgs nicht einfach einschränken oder schlicht verbieten? Gibt es noch Bauern in Köln? Kann man Umlandgemeinden nicht einfach zwingen ihre Baugebiete für Freiburg zu opfern? Im Gegenzug würde man dort aufblühende Märkte (Möbelmärkte etc.) einfach verbieten?
Viele Wege führen nach Rom, aber der Freiburger Weg führt ins Nirgendwo. Ein (Stadt)Plan ist nur schwerlich erkennbar. Diejenigen, die den Flächenverbrauch geißeln, haben recht, aber auch diejenigen, die der Meinung sind, dass Notfälle in der Kartei der Wohnungssuchenden in aller Regel nicht in den Genuss einer Neubauwohnung eines frisch erschlossenen Wohngebietes ziehen. Vielleicht gibt es ja einen Nachrückeffekt bei den freiwerdenden Wohnungen?
Wenn wir das mit der Schwarmstadt einigermaßen ernst nehmen und Deutschland nicht aus allen Fugen wächst, gibt es dort, wo die Schwärmer herkommen, Leerstände, in Deutschland ca. 2,5 Mio Wohnungen. Städte im Osten kämpfen verzweifelt darum, an Gelder für den Rückbau ihrer früheren Erschließungen zu kommen. Ja, es gibt Städte im Westen, die den Wegzug eines großen Teils ihrer Einwohnerschaft zu verkraften haben. Mir persönlich ist es egal, ob mein Mais aus der Gegend von Pirmasens oder Quedlinburg kommt und dort vorher noch Wohnblocks standen. Warum müssen wir, wenn es um den Planeten geht immer nur bis Merdingen oder Eschbach denken?
Kein Weg wird daran vorbeiführen mehr Wohnraum in Freiburg zu schaffen, aber es wird nur funktionieren, wenn man von den unsäglichen Wochenentscheidungen wegkommt (siehe Wohn-Lärmwandbau an die Paduaallee/Granadaallee), sondern man sollte, möglichst mit den umliegenden Gemeinden, einen rollierenden Horizont von 50 Jahren abstecken, eine Prioritätenliste aufstellen und die Besiedelungsflicken als erstes angehen. Dabei sind die vielfach angesprochenen Nachverdichtungen vieler und teilweise recht großer Parkplatzflächen und Aufstockungen, wo möglich in fast jedem Stadtteil zu nennen. Wer Einfachwohnungen abreißt nimmt auch Einfachmietern aus Einfachverhältnissen den Wohnraum. Ob die Stadt schon einmal die Rechnung aufgemacht hat, was sie im Sozialhaushalt den so vertriebenen als Mietzuschüsse in neueren Wohnungen aufbezahlt hat?
Eine Aufzählung der Sünden in der jüngsten Vergangenheit ist (un)müßig. Aber wenn man WohnungsNot, verbunden mit Landmangel hat und neue Quartiere, wie die alten mit 5 Geschossen aufbaut, dann kann die Not nicht wirklich groß sein. (Schattenvillen Günterstal, Uni-Carré, ehemaliger Güterbahnhof, Sternenhof etc.)
Natürlich(!) wird Grünland oder Wald daran glauben, wenn alle Nachverdichtungen abgenudelt sind und trotzdem noch hoher Bedarf entsteht. Es bietet sich jedoch an, einmal etwas über den Tellerrand hinauszuschauen und sich dafür einzusetzen, dass Leerstände (auch anderswo) entweder abgerissen und renaturiert oder durch Renovierung und Neuvermietung abgebaut werden. Das Umland muss erschlossen werden. Dies kann mit Verlängerung z.B. bestehender Straba-Verbindungen geschehen, was die Stadt billiger käme, als die Erschließung komplett neuer Stadtteile. Für die so angeschlossenen Umlandgemeinden ein Geschenk mit Hintergedanken.
Wir haben nicht nur Wohnungsnot in Freiburg, sondern leider auch eine richtige Denk- und Planungsnot. Das scheint epidemisch zu sein, weil der Befall sich gelegentlich schon in der örtlichen Presse zeigt.
Georg Ruck, 6.3.2017, BO

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