Wir werfen 50 % aller Lebensmittel auf den Muell – Hunger ringsum

50 % aller Lebensmittel landen in Europa und USA auf dem Müll. 40 % aller Nahrungsmittel verrotten in den Entwicklungsländern mangels Speicher- und Transportmöglichkeiten. Millionen Hektar Ackerland in der 3. Welt dienen allein dem Anbau von Futtermittel für unser Vieh und fehlen dort zur Ernährung der hungernden Bevölkerung. Über 30% der Maisernte wird in den USA zur Benzinherstellung verwendet und daran soll sich auch 2012 trotz Dürre und Mißernte nichts ändern. Wie soll man dieser Verschwendung begegnen? Ein paar tausend Jahre warten, bis sich die Menschheit qua Evolution an die Nahrungsfülle angepasst hat? Ernährungsforscher und der gesunde Menschenverstand fordern das Gegenteil: die menschliche Anpassungsfähigkeit mobilisieren, indem wir a) die Verhältnisse und b) unser Verhalten ändern.
a) Zwänge mit Regeln einführen: Agrarsubventionen für landwirtschaftliche Großbetriebe stoppen. Warum nicht eine Schokoriegelsteuer einführen, ähnlich wie die Tabaksteuer? Oder Fernseher herstellen, die man nur mit dem Hometrainer starten kann? Oder eine hohe Biomüllsteuer erheben auf Lebensmittelabfälle?
b) Weitaus schwieriger ist es, unser individuelles Verhalten zu ändern. Wir gehen abends mit Freunden “nett essen” und ordnen “Essen” als zwar ungesund, aber äußerst angenehm ein. Alles was mit “Ernährung” zu tun hat gilt hingegen als gesund und langweilig fade. Wir müssten also in unserem Gehirn einen Schalter umpolen, so dass wir sagen könnten, heute abend mit Freunden “nett ernähren” zu gehen.

Wir essen zu viel, auch zu viel Fleisch, auch weil es zu billig ist. Der durchschnittliche Konsum pro Kopf und Jahr ist mit 88 kg Fleisch und 214 Eiern sehr hoch: Jeder Deutsche vertilgt also jeden Tag ca 250 Gramm Fleisch und 2/3 eines Eis. Durch EU-Subventionen zur Förderung der Massentierhaltung werden die Fleischpreise tief gehalten. Zwei Forderungen der ökologischen Landwirtschaft: 1. Subventionen stoppen und 2. Die Preise müssen zukünftig die “ökologische Wahrheit” ausdrücken, das heißt, die versteckten Kosten der Umwelt- und Klimazerstörung nüssen in die Preise eingerechnet werden. Das Fleisch würde teurer, der Konsum zurückgehen. Für den Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein als Vertreter des Ökolandbaus gilt: Die industrialisierte Landwirtschaft ist ein Auslaufmodell, das sich die Welt zukünftig nicht mehr leisten kann. Sie hängt am Tropf des billigen Erdöls und stößt enorme Mengen an klimarelevanten Gasen aus. Pestizide und Kunstdünger belasten das Grundwasser, verschmutzen Flüsse und Meere, bedrohen die Artenvielfalt. Zudem führt ihr Einsatz auf lange Sicht zur Verarmung der Böden.
Der ökologische Landbau hingegen fördert die Bodenfruchtbarkeit, schützt das Klima und stützt die Biodiversität. Die europäischen Ökolandbauregeln eins-zu-eins auf die Entwicklungsländer zu übertragen, wäre unsinnig – man muß die reichen, jahrhundertealten Erfahrungen der Bauern vor Ort aufgreifen und ökologisch intensivieren. Dazu nennt Löwenstein ein Beispiel von den Philippinen: Mehr als eine Million Reisbauern unterstützen dort die der Masipag-Bewegung, um gemeinsam mit Agrarforschern alte Reissorten zu sammeln, weiter zuzüchten und dann ohne  Kunstdüngereinsatz sogar höhere Erträge zu erzielen als die Hochertragssorten der “Grünen Revolution”.

Felix zu Löwenstein: Food Crash. Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr
Pattloch Verlag München 2011
320 Seiten, 19,99 Euro
Löwenstein ist im Präsidium von www.naturland.de
Löwenstein ist aktiv im Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft BOEL www.oekolandbau.de

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