Werkstatt-Brand in Neustadt

Für jeden der vierzehn, denen sie am vergangenen Montagnachmittag in der brennenden Behindertenwerkstatt zwei km westlich von hier nicht mehr haben helfen können, haben Frauen und Männer der Rettungskräfte zuvor im ökume-nischen Trauergottesdienst eine Kerze angezündet und einen Vornamen genannt: Elisabeth, Gerlinde, Marianne, Helga, Ingeborg, Michaela, Elisabeth, Barbara, Huberta, Johannes, Martin, Marianne, Hermann und Renate. Es waren dreizehn der Caritas-Schützlinge, die – wie der Neustädter Stadtpfarrer Johannes Herrmann die Trauergemeinde erinnerte – mit Holzarbeiten beschäftigt waren, die auf dem Adventsmarkt verkauft werden sollten, als der Tod sie holte. Dreizehn und eine ihrer Betreuerinnen……
Alles vom 3.12.2012 von Stefan Hupka bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/titisee-neustadt/trost-fuer-die-untroestlichen–66400293.html

“Die Katastrophe von Neustadt – Gefahren für ein Modell”, Leitartikel von Stefan Hupka (Politik, 28. November):
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/leitartikel-gefahren-fuer-ein-modell–66175232.html 

 

Brandkatastrophe in Neustadt: Behinderte nehmen Arbeit wieder auf
Rund sechs Wochen nach der Brandkatastrophe in der Caritas-Werkstatt in Neustadt haben die meisten Behinderten ihre Arbeit in Ersatzräumen wieder aufgenommen. Fünf Psychologen begleiten den Neustart.
Alels vom 9.1.2013 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/brandkatastrophe-in-neustadt-behinderte-nehmen-arbeit-wieder-auf 

Paradigmenwechsel von “Behinderte” über “behinderte Menschen” zu “Menschen mit Behinderung”
Es ist durchaus nicht politisch korrekt von “Behinderten” zu sprechen. Menschen mit Behinderung haben jahrzehntelang dafür gekämpft, nicht auf ihre Behinderung reduziert zu werden, was sich auch in einem begrifflichen Paradigmenwechsel von “Behinderte” über “behinderte Menschen” zu “Menschen mit Behinderung” äußerte. In diesem Zusammenhang weise ich u.a. auf die Arbeit des Netzwerks People First Deutschland hin, siehe http://www.people1.de.  Ihre Äußerungen führen uns, den professionellen Fachkräften in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, aber auch allen in diesem Bereich tätigen PolitikerInnen, weiteren Fachkräften und schließlich den Menschen mit Behinderung selbst vor Augen, dass wir noch lange nicht da angelant sind, wo wir hinmöchten: die Belange von Menschen mit Behinderung in die gesellschaftliche Mitte zu tragen. Hätten wir das bisher erreicht, würden wohl auch Sie (und die Redakteure der BZ) nicht von “Behinderten” und “Behindertenwerkstätten” (offiziell: Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) oder auch Werkstatt für Menschen mit Behinderung) sprechen. Es wartet also noch viel Arbeit auf uns, um der Vision einer inklusiven Gesellschaft ein kleines Stückchen näher zu kommen…
9.1.2013, Mathias Schulz

Was hatte dieser Ofen in der Werkstatt zu suchen?
Voller berechtigter Angst vor Verantwortung wird eine Tatsache schön gefärbt, die von jedem denkenden Menschen als sträflicher Leichtsinn erkannt wird. Wie kann man einen mobilen Gasofen mit zwangsläufig, wenn auch wahrscheinlich mechanisch geschütztem, offenen Heizregister von einer gleichfalls mobilen, wahrscheinlich anmontierten Gasflasche gespeist, in einem geschlossenen Raum, in dem sich Behinderte aufhalten, zum Einsatz bringen? Unbewusste Fehlbedienungen von Menschen, die sich mit dieser Technik nicht auskennen, reichen aus, ein Unglück dieser schrecklichen Dimension auszulösen. Die Frage, warum in einem doch noch als Neubau zu bezeichnenden Gebäude, das sicherlich über eine zentrale Heizung verfügt, außerdem noch mobile Heizkörper aufgestellt wurden, bleibt offen. Traurig!
7.12.2012, Hans Frieder Huber, Kirchzarten

Außerhalb der Werkstätten keine Möglichkeiten?
Alle Fassungslosigkeit über das schreckliche Ereignis in der Behindertenwerkstatt von Neustadt muss unbedingt ihren Platz und ihre Zeit haben. Doch sollte diese Bestürzung nicht auch die Presse zu gedanklicher Nachlässigkeit verleiten. Als solche Gedankenlosigkeit werte ich eine Passage des Leitartikels von Herrn Hupka, in der er die Werkstätten als “Segen” bezeichnet, da sie den Beschäftigten Gemeinschaft, Freundschaften und “das Bewusstsein, vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu sein,” brächten. Äußerungen dieser Art sind nicht nur abwegig, sondern gefährlich. Sie zementieren ein System der Segregation und Ausgrenzung, denn sie legen einen fatalen Umkehrschluss nahe: Außerhalb der Werkstätten sei es für die behinderten Menschen unmöglich, Gemeinschaft, Freundschaft und das Gefühl der Vollwertigkeit (auch im Arbeitsleben) zu erfahren.
5.12.2012, Kai Fischer, Freiburg

Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid verurteilt Sensationslust mancher Medien
BZ: Worauf führen Sie den medialen, sagen wir mal, Wildwuchs zurück?
Schmid: Die Medienwelt ist durchs Internet deutlich beschleunigt worden. Jeder möchte der Erste sein und hat nur noch seine Interessen im Blick. Der Perspektivwechsel für die Interessen des anderen gelingt oft nicht mehr. Der Zwang “Schnelligkeit vor Gründlichkeit” ist bei vielen deutlich spürbar. Es gilt meiner Meinung nach, innezuhalten und zur Gründlichkeit zurückzukehren. ….. Alles vom 7.12.2012 bitte lesen auf
www.badische-zeitung.de/suedwest-1/polizeisprecher-schmid-verurteilt-sensationslust-mancher-medien–66651915.html 

Tatsächlich geht es der Presse doch nicht wirklich um Information, es geht doch einfach nur um Geld!
Wem nützt es denn, zu wissen, wem der Ofen gehört… Es ist schon erbärmlich, dass man vorm notleidenden Nachbarn solange die Augen verschließt, bis er medienträchtig verstorben ist. Die Arbeit der gesunden wie behinderten Menschen hätte zu sensationsfreien Zeiten durchaus ebenso viel Aufmerksamkeit verdient. Darüber hinaus wäre sie dann womöglich ein Anreiz für Andere gewesen, über den Tellerrand hinauszuschauen und selber was Soziales zu tun. So aber sind wir mit einer weiteren Sensation bedient worden und sollen jetzt noch jemanden geliefert bekommen, auf den wir mit dem Finger zeigen können. Wie gesagt , erbärmlich… auch, dass wir das mitmachen!
Cornelia Koglin, 8.12.2012

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