Weizsaecker Energieeffizienz

Strom vergeuden muss dem Geldbeutel weh tun. Ernst Ulrich von Weizsäcker fordert zur Energiewende die „Energieeffizienz-Revolution“. Auch wenn es sich unverschämt anhört, wagt Professor Ernst Ulrich von Weizsäcker diese klare Aussage in Sachen Energiewende: „Einer der besten Lehrmeister ist der Preis. Strom zu vergeuden, muss dem Geldbeutel weh tun.“ Damit bringt der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Physiker und Biologieprofessor aus Emmendingen im Kirchzartener Kurhaus seine Hauptforderung zur Durchsetzung einer sinnvollen Energiewende auf den Punkt: „Es muss vielmehr in Sachen Energieeffizienz geschehen!“
Vor über 100 Besuchern sprach der 1939 geborene Sohn des Physikers und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker und Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker auf einer gemeinsamen Veranstaltung von SPD und BUND Dreisamtal zum Thema „Energiewende – wohin?“ Für die SPD begrüßte Petra Zentgraf den seit 1966 der SPD angehörenden Redner und erinnerte daran, dass sich die heuer 150 Jahre alte SPD schon immer für Generationengerechtigkeit, zu der auch ein nachhaltiger Umgang mit Energie gehöre, eingesetzt habe. Die SPD im Ländle sei mit Kämpfern wie Erhard Eppler und Hermann Scheer in der eigenen Partei nicht immer unumstrittener Antreiber der Energiewende gewesen. Auch der BUND habe beispielsweise mit seinem Kampf gegen das AKW Wyhl die „zentrale Bedeutung und hohe Priorität der Energiewende für den Umweltschutz“ deutlich gemacht.
Spätestens seit Fukushima sei Atomkraft nicht mehr verantwortbar, so von Weizsäcker. Der danach in Deutschland angestrebte Atomausstieg werde in Frankreich und anderen Ländern argwöhnisch betrachtet: „Die schauen, wie wir das hinbekommen.“ Doch das sei wohl kein Problem, denn selbst 2012 habe Deutschland nach der AKW-Abschaltung mehr Strom exportiert als eingeführt. Die Energiewende werde durch den Ausstieg aus der Atomenergie und den Einstieg in erneuerbare Energien nur in kleinen Teilen erreicht. Weizsäckers Credo lautet mehr Energieeffizienz. In seinem Buch „Faktor fünf“, am Montagabend von der Kirchzartener Bücherstube präsentiert und vom Autor signiert, fordert er mit anderen eine Verfünffachung der Energieeffizienz. Eine Kilowattstunde sei ein „enormes Kraftpaket“, aus dem vielmehr herauszuholen sei.

          

Dass die Energiewende nur mit größerer Energieeffizienz möglich sei, unterstrich Ernst Ulrich von Weizsäcker im Kurhaus Kirchzarten. – Nach dem Vortrag signierte der Sohn des Physikers und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker sein Erfolgsbuch „Faktor fünf“. Fotos: Gerhard Lück

Konkret nannte Ernst Ulrich von Weizsäcker die Sektoren Gebäude, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft, in denen es noch sehr viel Energieeinsparpotenzial gäbe. Voll Begeisterung erzählte er von seinem eigenen Passivhaus, in dem lediglich eine kleine Pelletheizung für Notfälle ausreiche. Ansonsten genüge eine gute Dämmung und vorhandende Wärmenutzung aus. Beim Verkehr müsse das mögliche Ein-Liter-Auto vorangetrieben werden. Die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verursachte Verteuerung von Strom ist für von Weizsäcker in Ordnung, denn nur so könnten die Bürger zum Stromsparen geführt werden. Es müsste nur dafür gesorgt werden, dass über die Sozialsysteme ärmere Menschen nicht leiden und dass die Industrie nicht wegen hoher Energiepreise das Land verlasse. „Wir brauchen ein Gesetz“, so der Wissenschaftler, „das die schläfrige Effizienz aufweckt.“ Es müsse über die Jahre hinweg immer teurer werden, Energie zu verschwenden. Allerdings sieht der erfahrene Politiker auch: „Mit starren Vorstellungen und Angst vor den Lobbyisten bewegt sich die Politik nicht.“ Dem Vortrag von Ernst Ulrich von Weizsäcker schloss sich eine teilweise kontroverse Diskussion, von Kristin Ullrich moderiert, an. Für den BUND dankte abschließend Hannelore Schult dem Referenten
17.4.2013, gerhard Lück, www.dreisamtaeler.de

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