Wandern in Albert Schweitzers Geburtsstadt Kaysersberg

Albert Schweitzers Geburtsstadt Kaysersberg im Elsass macht es dem Wanderer nicht leicht fortzukommen, zu    schwer  liegen Köstlichkeiten wie Kougelhopf, Flammkuchen und Chasselas, aber auch Sehenswürdigkeiten wie das  Renaissance-Rathaus, die Brückemit den Schießscharten und das Albert-Schweitzer- Museum wollen einen halten.  Doch wer zum Ursprung möchte, reißt sich los und biegt am unteren Ende des Städtchens in den „Schlosswaj”  rechts ab. Die im 13. Jahrhundert von den Staufern erworbene Burg sicherte in alter Zeit die Handelsstraße nach Westen. Heute bietet die Ruine vom Turm aus einen Rundblick über Wald und Wein, Tal und Ebene. Das Wahrzeichen Kaysersbergs wird im Sommer nachts beleuchtet, der Anblick soll wunderschön sein. Für die nächste Etappe braucht es etwas Kondition, der Weg ist steil und felsig. Doch mehrere Sitzbänke mit schöner Aussicht nehmen dem Wadenzwicker den Biss. Kaum verschwindet der Pfad im Eichenwald, ist das Schlimmste überstanden. Nach dem Wald wartet das wilde Felsmassiv Rocher Corbeau (Rabenfelsen) und die mächtige Eiche mit Bildstock. Das Restaurant Saint Alexis istnachzweieinhalbStunden Wanderzeit in Sichtweite. Der erste Eindruck von Gasthaus, Kapelle, Garten, Obstbäumen und Weiden nährt das Bild vom idyllischen Elsass und gibt einen Vorgeschmack auf die Küche: Suppe, Tourte, Schinken, Speck, Knepfle, Kartoffeln und natürlich Fleisch, zum Schluss Kuchen. Bei einem Menü (drei Gänge ab 15 Euro)werden die zuvor verbrannten Kalorien großzügig ersetzt. Wem der Sinnnach Kultur steht, der sollte sich die auf eine Einsiedelei aus dem 17. Jahrhundert zurückgehende Kapelle mit Barockaltar anschauen. Der Wirt hat den Schlüssel. Aber nun zum Ursprung. Nach einer kleinen Steigung wird’s leger, denn der Weg verläuft über die Straße. Schock! Der Ursprung ist eine Sackgasse. Doch gemach, nur für Autos. Der Ursprung entpuppt sich als eine Ansammlung von Ferien-, Wohn- und Bauernhäusern, die sich um einen etwas verwegenen Bauernhof gruppieren, zu dem augenscheinlich zahlreiche Rostlauben und Hunde gehören. Diese beißen nicht, sind aber anhänglich, vor allem, wenn man mit ihnen Stöckchen holen spielt. Der Abstieg nach Kaysersberg ist über zwei Wege möglich. Unterwegs liegt rechter Hand nach dem Fischweiher die Klosterruine St. Jean, kurz danach folgt der Bildstock St. Johannes aus dem Jahr 1895. In Kaysersberg dann verbirgt sich die Klosterruine Alspach hinter einer Kartonagenfabrik; nach dem  Neubaugebiet verschwindet der Wanderweg erneut in der Natur und geht in einen Baumlehrpfad an der Weiss über. Jetzt ist man da, wo man ursprünglich hin wollte, wäre einem nicht die Wanderung zum Ursprung in den Weg  gekommen.

KAYSERSBERG liegt von Freiburg 65 Kilometer westlich, erreichbar über Colmar. Die Wanderung Kaysersberg – St. Alexis – Ursprung – Kaysersberg dauert etwa vier Stunden. Das Restaurant Saint Alexis hat täglich außer Freitagge öffnet. Reservierung unter Telefon 0033/389739038. Am Ende wartet der Ursprung. Für den Weg zum Urspung braucht es Kondition, zum Lohn gibt es schöne Ausblicke.
Pascal Cames, 29.4.2012, www.der-sonntag.de

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