Verdichtung – Brielmann Neuhaeuser Wonnhalde

Neuhäuser, Wonnhalde. Freiburg wächst. Immer mehr Menschen drängen offenbar ans Dreisamufer, suchen entsprechend Wohnraum. Die (grün regierte!) Stadt ist deshalb auf der Suche – nach Bauland, Verdichtungsräumen dazu. Und Investoren. Denn die Stadt kann finanziell nicht stemmen, was ihr angeblich so wichtig ist: Wachstum und Entwicklung. Bei diesem Tun ist ein Perpetuum mobile der Selbstbeschädigung zu besichtigen.Die vor der Fertigstellung stehende Bebauung des ehemaligen Brielmann-Areals im Freiburger Westen spottet schon jetzt jeder Beschreibung. Freiburg schafft sich dort dank extrem verdichteter Bebauung ein neues Ghetto, bei dem dank des Investors sogar ein Waffengeschäft samt unterirdischer Schießanlage integriert wurde. Die entsprechende Klientel wird sich die Hände reiben.
Im Ortsteil Kappel/Neuhäuser soll sich offenbar eine zweite Köpenickiade anschließen. Geplant ist dort eine bauliche Verdichtung auf einer mit Blei, Cadmium und sonstigen hochgiftigen Schwermetallen kontaminierten Fläche eines ehemaligen Bergwerks. Dass aus den ursprünglich vorgesehenen 80 Wohneinheiten schwuppdiwupp und nach außen nicht kommuniziert mittlerweile 150 geworden sind, hat einen triftigen Grund: Den Investor nicht zu verprellen. Um zwischen dem Flüsschen Brugga und dem Naturschutzgebiet Schauinsland bauen zu können, muss zuerst die verseuchte Fläche saniert werden. Ein teures Unterfangen. Eines, das die Schlitzohrigkeit der Planer offenbar befeuert. Abgelagert werden soll der giftige Schutt nicht auf einer dafür geeigneten Deponie. Nein, die Stadt präferiert die Ablagerung quasi über den Köpfen der heutigen und künftigen Bewohner auf einem sich anschließenden, ebenfalls belasteten Bergrücken – der dafür von Bäumen befreit werden muss. Das Umweltschutzamt, eigentlich für den Schutz von Flora und Fauna, des Menschen obendrein, zuständig, hält dieses Vorgehen für angemessen.
Obschon heftig dementiert, ist wohl auch schon das Filetstück Wonnhalde ins Visier der Stadtplaner und Baufürsten gerückt. Endlich im Zentrum der Macht angekommen, halten dies, wie auch das Vorgehen in Kappel/Neuhäuser, sogar Stadträte der Grünen für eine prima Sache. Wen interessiert da noch, dass sich diese Partei – einst – für Umwelt- und Naturschutz engagierte und Nachhaltigkeit gepredigt hat. Von wegen “Green City”.
Weshalb diese Hörigkeit bei irgendwelchen Statistiken und Trends? Wer unbedingt hierher möchte, soll dies tun können. Aber nicht um jeden Preis. Ökologische und soziale Gesichtspunkte darf die Stadt nicht negieren. Viele Straßen, Brücken, Häuser und sonstige Bauwerke in dieser Stadt sind marode, dafür aber fehlt dass Geld. Die Expansion hingegen wird vorangetrieben. Kein Wunder, fängt’s bei vielen an, im Hals zu würgen.
29.10.2012, Rita Krieg, Freiburg

“Haag kritisiert Brielmann-Bebauung” vom 21. September 2012 auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/baubuergermeister-haag-kritisiert-brielmann-bebauung–63910638.html
“Haag – Nicht nur auf Rieselfeld-Nord setzen” , vom 19. September auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/wie-schnell-kann-freiburg-einen-neuen-stadtteil-bekommen–63862973.html
Dieser Beitrag wurde unter Freiburg abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort