VAB-O-Schulklasse Deutschkurs

Eine Besonderheit an der Hans-Thoma-Schule in Titisee-Neustadt ist seit September dieses Jahres eine VAB-O-Klasse. Hinter der Abkürzung verbirgt sich die „Vorqualifikation Arbeit/Beruf ohne ausreichende deutsche Sprachkompetenz. Sie wird derzeit von achtzehn überwiegend afrikanischen Flüchtlingen im Alter von 18 – 21 Jahren besucht. Mit in der Klasse sind auch vier Schüler, die aus dem europäischen Ausland nach Deutschland gezogen sind und die deutsche Sprache ebenfalls nicht beherrschen.
Auf ihrem Stundenplan steht in erster Linie das Fach Deutsch mit zwölf Wochenstunden. Genauso werden aber auch Fächer wie Lebensweltliche Kunde und Projekt- und Sozialkompetenz unterrichtet. Außerdem steht die individuelle Förderung auf dem Programm, in der die Schüler in Einzelgesprächen beraten und gefördert werden. Daneben ist der praktische Unterricht in den Berufsfeldern Holz, Metall, Elektro und Hauswirtschaft wichtiger Bestandteil des Lehrplans. Im Idealfall können die Absolventen nach einem Jahr dann eine Berufsfachschule besuchen und sich auf einen Berufszweig spezialisieren, so die Schulleiterin Dorothee Brendel. Von der Sprache her ist das Niveau A 1, das Alltagskommunikation ermöglicht, angestrebt.

Das Konzept sei anfänglich im Kollegium auf Skepsis gestoßen, so Hedwig Rauch, die Leiterin der Abteilung Hauswirtschaft und nun auch zuständig für die VAB-O-Klasse. Doch die Erfahrung zeigte, dass das Projekt ein Erfolg sei, da die Schüler ungeheuer motiviert und lernbegierig seien. Von Bedeutung sei hier auch der praktische Anteil, in dem die Absolventen oftmals schneller Erfolgserlebnisse erzielen könnten als beim Spracherwerb.

Die Landrätin Dorothea Störr-Ritter zeigte sich beeindruckt vom Engagement der verantwortlichen Lehrer und der Motivation der jungen Flüchtlinge. Sie machte allerdings auch deutlich, dass dies nur ein Anfang sei. Im Landkreis gibt es derzeit zwei solcher VAB-O-Klassen, in Müllheim seit Februar und in Titisee-Neustadt nun seit September. Eine weitere wird in Breisach ab kommendem Februar eingerichtet. Mittelfristig sollen die Klassen dann jeweils zweizügig geführt werden. Störr-Ritter betonte, wie wichtig Bildung sei. Auch wenn der Aufenthaltsstatus der jungen Flüchtlinge unklar sei und sie möglicherweise nicht bleiben könnten, so profitierten sie doch von dem, was sie hier lernten.

Hedwig Rauch betonte, dass jeder einzelne ihrer Schüler sein eigenes Schicksal mitbrächte und dass die Gründe für die Flucht absolut nachvollziehbar seien. In den Ländern, aus denen sie kämen, herrsche Willkür, Gewalt, Korruption. Es stelle sich aber auch die Frage, wie sich die Verhältnisse in diesen Ländern verändern ließen, so dass die Gründe zur Flucht wegfallen. Dabei spiele Bildung sicher eine ganz zentrale Rolle!

Die Hans-Thoma-Schule ist eine Berufsschule des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald mit vielfältiger Ausrichtung. Neben den gymnasialen Zügen im kaufmännischen und sozialwissenschaftlichen Bereich gibt es auch ein- und zweijährige Berufskollegs und Berufsfachschulen, teils in Vollzeit, teils im Dualen System, die den Schülern die unterschiedlichsten Abschlüsse bis hin zum Abitur ermöglichen. Die Schule sorge für die Ausbildung der Flüchtlinge, so Schulleiterin Brendel, dass die SMV ihren Beitrag dazu leisten wolle, dass die Flüchtlinge auch menschlich hier ankommen und dafür auch Veranstaltungen plane, darüber freue sie sich besonders.
4.11.2015, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

Dieser Beitrag wurde unter Hochschwarzwald, Integration, Jugend, Kultur, Schulen abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort