UWC Kartaus – Einzug im August

Nachhaltigkeit, soziales Engagement und Toleranz für an­dere Kulturen, das sind wesentliche Eckpfeiler und Grund­werte des United World-College (UWC). Es gibt zurzeit 12 Colleges weltweit, Freiburg ist das einzige in Deutschland. Mitte August ziehen die ersten 102 Schüler/innen in die neuen Wohnhäuser am Hang der Kartaus ein, auch wenn noch nicht alle Schülerhäuser bis dahin fertig sind. Weitere 100 Schüler kommen erst im zweiten Jahr dazu. Grundlegende Werte sind Nachhaltigkeit, soziales En­gagement, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz. Diese Werte finden sich nicht nur im Lehrplan, sie werden auch im Schulalltag gelebt und beim Bauen und Umbauen be­rücksichtigt.

Schülerpraktika mit Kooperationspartnern auch aus Litten­weiler
Während der gesamten Schulzeit werden die Jugendlichen im Alter von 16 bis 19 Jahren sich dreimal pro Woche in un­terschiedlichen Projekten kreativ, sportlich und sozial en­ga­gieren. Es ist eine Kooperation mit dem Kunzenhof, der Schulsozialarbeit an der Reinhold-Schneider-Schule und der Freiburger Turnerschaft geplant. Die Schüler/innen en­ga­gier­en sich regelmäßig über einen Zeitraum von einem Jahr in einem Projekt. Das CAS-Programm ist ein zentraler Be­standteil des UWC-Konzepts.

Grundwerte des UWC – Nachhaltigkeit, soziales En­ga­gement und Toleranz
Engagement ist gefragt und Toleranz. Kurt Hahn, Be­grün­der der UWC-Bewegung war der Ansicht, dass die Gren­zen, die bei den Jugendlichen im Kopf entstehen, am ehes­ten dann aufbrechen, wenn sie miteinander leben, lernen und über die Beschäftigung mit einer Sache, zum Beispiel mit Nachhaltigkeit. Und dies nicht nur im Schulalltag oder in den Projekten, das gilt auch für die Schulgemeinschaft. „Für eine nachhaltige Zukunft ist es wichtig, diesen Aus­tausch miteinander anzugehen“, so Christian Bock, der pä­da­gogische Leiter des Robert Bosch Colleges.

Schüler/innen packen im Haushalt mit an
Zu tun gibt es genug. Die Jugendlichen  werden auch in den normalen Alltag mit eingebunden. Sie helfen im Haus­halt, in der Küche und im Kräutergarten. „Wie das konkret aus­sehen wird, das wird gemeinsam entschieden. Aber die Rahmenbedingungen stehen und im Zusammenleben gilt für alle das Jugendschutzgesetz. Die Lehrer leben als Be­zugs­personen im angrenzenden Lehrerhaus. Es ist immer ein Erwachsener für zehn Jugendliche zuständig und ver­ant­­wortlich.“, so Christian Bock.

Schüler übernehmen Verantwortung, helfen mit und kümmern sich um andere
Hier wird mit angepackt und jedes Kind muss für einen be­stimmten Bereich Verantwortung übernehmen. Vier Schü­ler oder Schülerinnen teilen sich ein Zimmer, es sind immer ein/e Deutsche/r und drei aus anderen Nationen zu­samm­en. In jedem Haus gibt es eine Etage mit drei Zimmern mit jeweils vier Schülerinnen und eine Jungsetage. Auf jeder Etage gibt es WC und Duschen und in jedem Haus einen Gemeinschaftsraum mit Küche. „Die Schüler, die sich hier bewerben, wollen in der Gemeinschaft leben. Die Möbel sind flexibel. Wer seinen eigenen Bereich braucht, kann eine Trennwand nutzen, aber wir hatten auch schon einen Fall in einem College in Kanada, wo sich ein Junge aus Indonesien einsam gefühlt hat, der sonst in einer Groß­familie gelebt hat. Die Jungs haben dann alle vier Betten ne­ben­einander geschoben für die ganze Schulzeit. Alle fanden das klasse“, so Christian Bock. Trotzdem gibt es Rück­zugs­mög­lichkeiten für Einzelne und klare Regeln im Zu­samm­en­leben.

Nachhaltiger Bau und Umbau, Erhalt der Baudenkmäler
Die Robert Bosch Stiftung hat das Grundstück und die Ge­bäude der Schule finanziert, sie ist auch für die Renovier­ung und den Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude zu­stän­dig. In Zusammenarbeit mit der Stadt Freiburg ist sie auf einem guten Weg, alle Gebäude zu erhalten und wieder instand zu setzen. Wichtig ist aber zunächst, dass die Schü­ler­häuser fertig werden, dann die Lehrräume im ehemaligen Kartäuserkloster. Der historische Bauernhof, das histori­sche Wasserkraftwerk, das Wäschehaus und die Nebengebäude sind zum Teil 250 Jahre alt. Sie sollen alle erhalten werden. Wie sie endgültig genutzt werden ist noch nicht ganz klar. Auf den Dächern der Schüler- und Lehrerhäuser befinden sich Solaranlagen, Warmwasser für den Eigen­be­darf und den gesamten Strom kann die Schule so selbst er­zeugen.

Der alte Kräutergarten als wichtiger Teil des pä­da­go­gi­schen Konzepts
Der denkmalgeschützte Kräutergarten der Kartaus ist 650 Jahr alt. Früher nutzen ihn die Mönche, um Gemüse und Heilkräuter anzupflanzen. Diese Tradition pflegt Eva-Maria Schüle weiter. Im Rahmen einer Teilzeitstelle beim UWC betreut sie ab August den Garten gemeinsam mit ehren­amt­lichen Helfern/innen und bald schon mit den Schülern­/­innen. Es gibt Gemüse für den Eigenbedarf, eigene Tink­tu­r­en aus Kräutern wie der Engelwurz und Apfelsaft aus Äpfeln von eigenen Bäumen. Die ganze Familie hat sich seit vielen Jahren für den Erhalt des Geländes engagiert. „Ich war immer zuversichtlich, dass mein Fachwissen auch hier weiterhin gefragt sein wird. Ich habe mich selbst mal beim UWC beworben und mir war dadurch klar, dass die Zusammenarbeit gut klappen wird“, sagt Eva-Maria Schüle. Sie und ihr Mann Wolfram Seitz-Schüle werden im August in den ebenfalls denkmalgeschützten Rothenhof im Attental ziehen, wohin sie auch ihre Schafe mitnehmen können.
Eva-Maria Schüle ist mit dem Gelände verwurzelt, sie ist im angrenzenden Forsthaus auf dem Weg nach St. Ottilien auf­gewachsen. Seit 1992 hat sie in der ehemaligen Kartaus­wirt­schaft gewohnt. Zur Beginn des Umbaus  mussten sie ihre Wohnung auf dem Gelände verlassen. Übergangsweise weiden ihre Schafe noch hier. „Aber wir werden auch für das Gelände hier eine langfristige Lösung finden, damit die Wiesen wie bisher gepflegt werden“, meint Christian Bock. Denn wo könnten die Schüler/innen besser Nachhaltigkeit er­fahren und erleben als auf dem eigenen Grundstück, auf dem die Schüler bei der Landschaftspflege helfen, Unkraut jäten, pflügen, Obst ernten. Heu machen  oder den Kompost anlegen.

uwc-kartaus1408  Eva-Maria Schüle (Dozentin, Kräutergarten) und Christian Bock (päd. Leiter)

Schulprojekt – Freiburger Stromschlössle (1909 Stromversorgung für Littenweiler)
Auch das angrenzende Stromschlössle wird weiterhin betrieben. Es ist über 100 Jahre alt und hat lange Jahre aus Wasserkraft Gleichstrom erzeugt. Im August 1909 wurde ein Stromvertrag mit dem damaligen „Dorf“ Littenweiler abgeschlossen. 1914 nach der Eingemeindung wurde die Stromversorgung durch die Kartaus wieder zurückgebaut. Roland Schüle, der Onkel von Eva-Maria Schüle kümmert sich bis heute um das Technikdenkmal. Jetzt bekommt er Unterstützung von den Schüler/innen, denn Umwelttechnik ist eines der Schwerpunktfächer und hier können die Schüler/innen praktische Erfahrungen sammeln.

Auswahl der Schüler nach sozialem Engagement und Fähigkeiten
Für das inhaltliche Konzept und für die Auswahl der Schüler/innen die 147 nationalen Auswahlkomitees in 147 Ländern unabhängig von der Schule zuständig. Wichtig ist, dass die Schüler/innen sich schon während ihrer Schulzeit in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten enga­giert haben. Die Schulleistungen spielen auch eine Rolle, aber da die Schüler/innen aus vielen unterschiedlichen Län­dern kommen, sind die Leistungen schwierig zu ver­gleichen. Es wird vor allem darauf geschaut welche Fähig­kei­ten und Potenziale die Jugendlichen haben. In den ersten drei Monaten werden alle Jugendlichen auf einen gemein­sa­men Wissensstand gebracht. Englisch ist Unterrichtssprache, aber es gibt keinen Aufnahmetest, die Schüler lernen die Sprache dann in der Schule. Auf 45 der Plätze für deutsche Schüler/innen gab es 400 Bewerbungen. Aller­dings bewerben sich die Schüler/innen für das UWC, ohne zu wissen in welches Land sie kommen, sie können aber Prä­ferenzen angeben.

Erst die Zusage – dann das Geld
Jeder/e Schüler/in hat die gleichen Chancen aufgenommen zu werden, unabhängig vom Einkommen der Eltern. Erst er­folgt die Zusage, dann wird geschaut, was die Eltern zah­len können. Anhaltspunkt und Richtwert ist das, was die Kin­der zuhause kosten würden, wenn sie wohnen, essen, leben. Das ist in jedem Land sehr unterschiedlich, Mini­mum wäre hier in Deutschland das Kindergeld. 1/3 der Kin­der erhalten ein Vollstipendium und viele ein Teil­sti­pen­dium, dabei bekommen sie auch die Heimflüge in den Ferien finanziert. So leben und lernen ehemalige Straßen­kin­der mit Kindern wohlhabender Eltern aus den unter­schied­lichsten Nationen, mit verschiedenen Religionen und kulturellem Hintergrund zusammen. Wer sich hier bewirbt, lässt sich auf die Herausforderung ein und geht mit vielen Freunden aus aller Welt dann weiter im Leben. Viele ehemalige Schüler/innen bleiben dem UWC auch weiterhin verbunden, übernehmen Patenschaften oder unterstützen die Idee mit ihrem Einsatz oder finan­ziell.
Mehr Infos auf www.uwcrobertboschcollege.de
20.8.2014, Dr. Anja
Lusch. Littenweiler Dorfblatt

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