UKS Fabrik Dienstleistungen

Vielen ist das markante Fabrikgebäude, Am Kreuzsteinacker 2 – 8 in Freiburg-Littenweiler zwar bekannt, doch nur wenige wissen, dass sich hier in den vergangenen Jahren zahlreiche Dienstleistungs­unter­nehmen angesiedelt haben. Vom Architekten, Steuerberater, Fotograf bis zur Werbe- oder Marketingagentur sowie unterschiedlichen Künstlern, sind hier zahlreiche kreative Köpfe sesshaft geworden und haben ihre berufliche Existenz auf- bzw. ausgebaut. Drinnen herrscht ein frischer, kreativer Geist, doch dem Gebäude sieht man durchaus an, dass es eine bewegte Geschichte hinter sich hat, die viele gar nicht kennen – oder wussten Sie, dass die Deutsche Fußballmannschaft ihren WM-Titel 1954 auch dem Einsatz medizinischer Badewannen verdankt, die in eben diesen Hallen von der Firma UKS Fischer gebaut wurden?

Die Geschichte des Fabrikgebäudes
Einen Rückblick auf die Geschichte des Fabrikgebäudes ermöglicht Lothar Lienhard. Der 84-Jährige ist im Nachbargebäude aufgewachsen und lebt hier noch heute. Er berichtet, dass die Fabrik mit der „Villa Henrich“ als Wohnhaus im Jahre 1907 von Johann Henrich errichtet wurde, um Elektroherde herzustellen. Henrich, Sohn einer wohlhabenden und angesehenen Freiburger Familie, hatte das gesamte Gelände bis vor zur Kappler Straße und bis zum ehemaligen Reitplatz Rosenstihl aufgekauft. In der Wirtschaftskrise 1929/30 ging die Firma jedoch Konkurs. Hauptgläubiger war die damalige Gewerbebank, heutige Volksbank. Diese veräußerte den Besitz parzellenweise u.a. an die Evangelische Kirche. Ein Teil wurde zu Wohnungen umgebaut. Ökonomierat Karl Lienhard, Vater von Lothar Lienhard, erwarb 1938 die „Villa Henrich“, um mit seiner Familie hier einzuziehen. Das Fabrikgebäude wurde von der Uhrenfabrik Kaiser aus Villingen aufgekauft, um in Freiburg eine Zweigstelle zu eröffnen. Doch mit der Fabrikation konnte nie begonnen werden, da zwischenzeitlich der Krieg ausgebrochen war.

Statt Elektroherde nun Kraftfutter und Tee
Während des Krieges war die Fabrik an das Kräuterhaus Engler verpachtet und es wurden zahlreiche Teesorten und Kraftfutter für Tiere hergestellt. Margot Lienhard, die damals in der Wiehre lebte, erinnert sich noch gut daran, wie sie als kleines Mädchen mit ihrem Vater im Sternwald Bucheckern und Brombeerblätter gesammelt hat, um sie gegen ein kleines Salär in der Fabrik abzugeben. Dass ihr späterer Ehemann im Nachbarhaus wohnte, hat sie damals jedoch nicht ahnen können und sie ist ihm zu dieser Zeit wohl auch nie begegnet, „obwohl ich mich auch gerne in dem Fabrikgebäude herumtrieb um in den Tannenreisighäufen zu spielen und vom Kraftfutter zu naschen“, blickt Lothar Lienhard zurück. Auch dass die „Villa Henrich“, später ihr Zuhause werden sollte, konnte Margot Lienhard noch nicht ahnen, doch die schöne Villa ist ihr schon damals aufgefallen.

Geschäftsführerin Ursula Fischer vor der imposanten Klingelleiste der UKS-Fabrik. Foto: Gisela Heizler-Ries

Mit der Währungsreform kam dann auch das Ende der Firma Engler und in den Baracken, die zuvor für die Arbeiter des Kräuterhauses als Wohnungen dienten, siedelte sich Robert Fischer mit seiner kleinen Firma für Medizinische Bädereinrichtungen an. Das Fabrik­ge­bäude übernahm die Firma Leisinger, um hochwertige Holz-Kleiderbügel herzustellen. Robert Fischer entwickelte bald darauf eine Badewanne mit integrierter Unterwassermassage zur Muskel­therapie, welche, wie bereits erwähnt, bei der Fußballweltmeisterschaft Sepp Herbergers Mannen zum umjubelten Sieg verhalf. Dieser weltweit beachtete Erfolg sorgte für eine raketenhafte Entwicklung der Firma und Robert Fischer konnte zusätzlich auch noch das Fabrikgebäude erwerben und die Produktion erweitern. Die Firma Leisinger war zwischenzeitlich geschlossen worden, da Plastikkleiderbügel in Mode gekommen waren und die Nachfrage noch hochwertiger Holzware merklich nachgelassen hatte. Und so wurde im Jahr 1955 die Firma UKS Fischer im Kreuzsteinacker gegründet. Erfolg­reiche Jahre folgten, doch nach dem frühen Tod des Firmeninhabers im Jahre 1977 ging die Firma UKS Fischer als Erbengemeinschaft zwar an die Ehefrau und die drei Töchter über, doch im Jahre 1996 war der Betrieb am Ende und musste schließen. Das Fabrikgebäude blieb jedoch im Besitz der Erben und wird heute von Tochter Ursula Fischer als Geschäftsführerin verwaltet. Lange Zeit wusste die gelernte Betriebswirtin und Bank­kauffrau nicht, wie es weiter gehen sollte mit dem markanten, aber sanierungs­bedürftigen Gebäude. „Doch mir war klar, wenn wir verkaufen, wird die Fabrik abgerissen und das große Gelände bebaut. Das wollte ich meiner Mutter nicht antun, denn für uns alle stand fest, wir wollten das Lebenswerk meines Vaters bewahren.“Und so entschied sich die Familie, die Fabriketagen umzubauen, in einzelne Räume zu unterteilen und zu vermieten.
Neue Fenster wurden eingebaut, eine neue Heizungsanlage installiert und die ersten Mieter zogen ein. Anfangs waren es überwiegend Künstler, doch nach und nach änderte sich die Klientel und heute sind überwiegend Unternehmer aus der Werbe- und Grafikbranche, Steuerberater, ein Fotograf oder ein Kinderbuchillustrator die Nutzer.
26 Mieter haben hier eine berufliche Heimat gefunden. „Jeder hat hier seinen eigenen Raum, den er frei gestalten kann, aber trotzdem sind wir alle eine große Gemeinschaft“ so Ursula Fischer. Und da ihr „kreatives Dienst­leistungs­zentrum“, wie sie die UKS-Fabrik liebevoll nennt, so gut ange­nomm­en ist, plant die Geschäftsführerin auch weiter in das Gebäude zu investieren. Als nächstes soll die bröckelnde Fassade renoviert werden. Der Fabrikcharakter des Gebäudes soll jedoch erhalten bleiben, denn ihr markantes Gesicht soll die UKS-Fabrik nicht verlieren. Nähere Infos zur UKS Fabrik unter www.uks-fabrik.de.
17.12.2012, Gisela Heizler-Ries, Littenweiler Dorfblatt

http://www.freiburg-schwarzwald.de/littenweiler/kunst.htm#UKS-Fabrik – Ateliers in Freiburg-Littenweiler

 

 

 

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