Stahl

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Gasthaus zum Stahl am Hirzberg

Gemütliches Gasthaus mit Biergarten im Freiburger Osten am Fuße des Hirzbergs. Ruhige Lage an der Kartäuserstrasse (seit 28.10.2002 (Tunnel B31-Ost offen) keine laute Durchgangsstrasse mehr).
Kartäuserstrasse 99, 79104 Freiburg-Oberau, Tel 0761/33402
www.gasthaus-stahl-freiburg.de , info@gasthaus-stahl-freiburg.de
www.zum-stahl.de

 

                   
(1) Gasthaus zum Stahl 29.10.2012     (2)

                         
(4) Zwei Huskies                                        (5) Gasthaus zum Stadt 7.5.2013

 

 

 

Zum Stahl: Gastlichkeit seit 300 Jahren

Das Gasthaus “Zum Stahl” an der Kartäuserstraße besteht seit mehr als 300 Jahren. Errichtet in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wird das Anwesen bis heute gastronomisch genutzt, seit 1993 von den Brüdern Jürgen und Udo Plazek. Sie sind inzwischen Pächter des Müllheimer Weingutes Engler, das den “Stahl” vor zehn Jahren erworben hat. Von 1900 bis 1980 war das Anwesen in städtischem Besitz.
Durch die zwischenzeitliche städtische Zuständigkeit kommt es, dass im Stadtarchiv eine Hausakte des städtischen Liegenschaftsamtes aufbewahrt ist, aus der sich die Geschichte der Nutzung erschließt. Dort findet sich auch ein 1938 erstmals veröffentlichter Aufsatz des 1980 verstorbenen Freiburger Volkskundlers und Autors Karl Motsch über die Geschichte des “Stahl”.
Danach steht dessen Gründung im Zusammenhang mit dem Bau der Schlossbergfestung 1679. Denn ein Fahrweg führte den Hirzberg hinauf, über den sich das Baumaterial befördern ließ. Aus der Ansiedlung von Lagerschuppen und Pferdeställen am Fuß des Hirzbergs entwickelte sich ein Beherbergungsbetrieb, in dem Fuhrleute Station machten, war doch die Kartäuserstraße damals die wichtigste Ost-West-Verbindung durch Freiburg. 1735 tritt erstmals ein Eigentümer in Erscheinung, der sich “Wirt im Stall” nannte. Das war Andreas Strohmeier, der bei seiner Heirat 1734 mit der Bezeichnung “Stahlwürth” in das Ehebuch der Münsterpfarrei eingetragen wurde. Möglicherweise leitet sich der Wirthausname tatsächlich – wie bei der allerersten überlieferten Nennung – vom Wort “Stall” ab.
Von der Zerstörung der Schlossbergfestung durch französische Truppen 1744 war auch das Anwesen betroffen. 1760 wurde es von Josef Strohmeier, sehr wahrscheinlich ein Sohn Andreas Strohmeiers, wieder aufgebaut. Das Hauptgebäude mit der Giebelseite zur Straße besteht noch heute. Spätere Eigentümer waren von 1774 bis 1790 Andreas Hercher, von Beruf “Rebmann”, dann seine Witwe und ab 1807 sein gleichnamiger Sohn. Von dieser Übergabe gibt es eine Bestandsaufnahme, wonach ein Landwirtschaftsbetrieb zur Gaststätte gehörte.

Behörden verweigerten Ausweitung des Schankrechts
Eine gerichtliche Auseinandersetzung Herchers bestätigte den “Stahl” als einfache Vesperwirtschaft. Andreas Hercher Junior hätte gern eine Tavernenwirtschaft geführt mit dem Recht, auch größere Festgesellschaften auszurichten. Die großherzoglichen Behörden blieben jedoch beim einfachen Schankrecht für diesen Standort weit außerhalb der Stadt, die damals rund 8700 Einwohner zählte. Im “Stahl” machten nach wie vor Fuhrleute Station, auch fungierte er als Kantine für die Arbeiter aus den Betrieben am Gewerbekanal. Das waren unter anderem ein Eisenhammerwerk und eine Papiermühle.
Am 29. Mai 1900 verkauften die Enkelin Andreas Herchers, Genovefa, und ihr Ehemann Heinrich Günter das gesamte gut 24 000 Quadratmeter (2,4 Hektar) große Anwesen mit Gaststätte, Wohnung, Ökonomieteil mit Stall, Stroh- und Heulager, Wiesen, Äckern, Gemüsegarten und Weinreben an die Stadt Freiburg. Die Stadt hat es sich 130 000 Mark kosten lassen, die Flächen an “einer zukunftsweisenden Straße (…) für die Nachkommenschaft zu sichern”, wie aus der Vorlage an den Bürgerausschuss hervorgeht. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war Freiburg massiv gewachsen, und noch gab es die Schwarzwaldstraße nicht.
Bis 1906 haben Heinrich und Genovefa Günter Gaststätte und Landwirtschaft als Pächter weitergeführt, genau genommen als Unterpächter der Ganter’schen Brauerei-Gesellschaft, die am 30. Juni 1900 einen Pachtvertrag mit dem städtischen Liegenschaftsamt vereinbart hat. Dieser wurde 1917 und 1961 neu gefasst. Nach zwei Pächterwechseln erteilte das Großherzogliche Bezirksamt im August 1911 dem Wirt Valentin Schöllig die Konzession. Die älteren Freiburger dürften sich noch an diese Familie erinnern. Schöllig war bis zu seinem Tod 1953 Wirt des “Stahl”, wobei er auch verpflichtet war, einen kleinen Lebensmittelladen für den Zeltplatz zu führen, den die Stadt Anfang der 1950er Jahre auf dem östlichen Teil des Geländes angelegt hat, nachdem die Landwirtschaft eingestellt worden war. Auch die Kinder aus der so genannten “Freiluftschule”, die in den 1970er Jahren als heilpädagogischer Hort in den Unterlagen auftaucht, musste er preisgünstig verköstigen.

Wenn man sich die historische Aufnahme ansieht, die um 1930 entstand, als Valentin Schöllig Pächter war, kann man sich weitaus eher als heute (rechtes Bild) vorstellen, dass die Bezeichnung „Stahl“ vielleicht tatsächlich ursprünglich vom Wort „Stall“ abgeleitet war. Foto: Archiv Manfred Gallo 
Massive Pachterhöhung zwang Pächterin zur Aufgabe
Bis 1960 führte Schölligs Witwe Franziska den “Stahl” weiter. Angesichts einer 160-prozentigen Pachterhöhung nach einer Sanierung 1959 sah sie keine Perspektive mehr und kündigte. Der “Stahl” sei eine einfache Arbeiterwirtschaft, formulierte sie in einem Brief an die Stadtverwaltung. Auch ihr Nachfolger, Hans Merz aus Königschaffhausen, kam nicht auf einen grünen Zweig. 1964 konnte die Ganterbrauerei Gottfried und Liselotte Gerhart, bis dahin Inhaber der “Frohen Einkehr” an der Lehener Straße, als Pächter gewinnen, wobei die Gerharts auch den Campingplatz pachteten. Die Ganterbrauerei hatte dem Liegenschaftsamt geraten, die beiden Betriebe in eine Hand zu geben, um die wirtschaftliche Grundlage zu sichern. 14 Jahre später, im September 1978, hat das Amt für Öffentliche Ordnung den Gaststättenbetrieb vorübergehend geschlossen.
Kastanien und Linden beschatten den Garten
1980 verkaufte die Stadt die Gaststätte und einen Teil der Ökonomiegebäude und der Hoffläche an den Gastronomen Rainer Mülbert und den Architekten Eckehardt Banzhaf. Sie sanierten das Anwesen grundlegend und erweiterten die Wohnräume im Ober- und Dachgeschoss. Die Pächter Jürgen und Udo Plazek ließen 1993 den Gaststättenraum erneut renovieren. Auch möblierten sie den Hof mit den über 150 Jahre alten Kastanien- und Lindenbäumen als Gartenwirtschaft, und führten eine gehobene Küche ein, die dem saisonalen Angebot folgt. 2003 erwarben der Müllheimer Weingutswinzer Hans Engler und seine Tochter Andrea Engler den “Stahl”, um in der Weinstadt Freiburg ein Standbein zu haben. Im Januar und Februar 2012 erneuerten sie die Kücheneinrichtung. Einen Teil des Zeltplatzgeländes verkaufte die Stadt 1996 an Georg Ziegler, der diesen Betrieb nach wie vor führt. Dort besteht noch die historische Hufbeschlagschmiede des “Stahl”.
8.7.2013, Silvia Faller

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