Tourismus Dreisamtal – Gastgeber-Pilotprojekt mit Grundschule Kirchzarten

Bei Maiers (Namen geändert) in Kirchzarten wurde jüngst das Mittagessen zu Mama Juttas Tourismus-Lehrstunde. Empört sie sich doch so nebenbei beim Nachschöpfen der Spaghetti für Filius Martin, dass es im Moment beim Schwimmbad keine Parkplätze gäbe und bei der Edeka die Schlange an der Kasse immer länger würde. Und das alles nur wegen der vielen Holländer auf dem Campingplatz. Doch mit dieser mütterlichen Botschaft ist Martin überhaupt nicht einverstanden. „Mama“, sagt er mit rotem Bolognese-Soßenmund, „das ist gut, dass wir jetzt so viele Touristen bei uns haben. Die stärken unsere Beherbergungsbetriebe und lassen viel Geld in den Geschäften und Gasthäusern. Außerdem freuen die sich an unserem tollen Schwarzwald und erzählen daheim, wie wunderschön wir hier leben.“ Die Mama ist sprachlos.

Die Lösung für Martins kluge Reaktion liegt im Pilotprojekt „Tourismus macht Schule“, das seit Ostern in der Federführung von „Tourismus Dreisamtal“ in enger Zusammenarbeit mit der Grundschule Kirchzarten in deren dritten Klassen läuft. Vor der Presse zogen jetzt Rektor Heinrich Schneider, der Tourismusvereinsvorstand mit Vera Schuler und Günter Ziegler sowie Simone Herkersdorf von der „Touris-Info“, die Bürgermeister Andreas Hall und Siegfried Kuster, Naturpark-Schwarzwald-Geschäftsführer Roland Schöttle und Andreas Rombach vom Hotel Sonne und Jens Ziegler vom Campingplatz Kirchzarten Bilanz. Das Projekt mit „absolutem Pilotcharakter“, so Schöttle, hatte das Ziel, die Kinder für die Bedeutung des Tourismus in ihrer Heimat zu sensibilisieren. Zwanzig Schulstunden im Fach „Mensch, Natur, Kultur“ (früher sagte man „Heimatkunde“) standen zur Verfügung. Als fachkundige Begleiterin stand den Kindern und Lehrern Simone Herkesdorf zur Verfügung: „Ich war die Schaltzentrale für alles – angefangen vom Input für das Schülerheft bis zur Terminierung, Organisation und Durchführung sämtlicher Ausflüge.“ Das 72-seitige Schülerheft hatte Oliver Lohre von „entwurf-L“ grafisch und didaktisch ansprechend aufbereitet. „Daraus haben wir viel erfahren“, ist sich die Klasse 3b von Lehrerin Christiane Neugebauer sicher, „was wir bisher nicht wussten.“
Vor der Presse dankte Heinrich Schneider allen Beteiligten für ihr Engagement beim Projekt, das von großer Nachhaltigkeit geprägt sei: „Unsere Schüler konnten einen Blick hinter die Kulissen werfen, erfuhren ganz nah die Bedeutung des Tourismus und staunten nebenbei darüber, in welcher tollen Gegend wir wohnen.“ Tourismuschefin Vera Schuler erinnerte an ein Merkblatt aus den 50er Jahren, das ihr beim Einzug in die Tourist-Info vor sieben Jahren in die Finger gefallen sei. Darin hätten Handlungsanweisungen für Kinder gestanden, wie sie den Feriengästen gegenüber höflich begegnen sollten. Das hätte sie auf die Idee gebracht, ein Projekt mit der Grundschule zu initiieren. Dazu sei ein informatives Lehrbuch für die Kinder entstanden, deren einzelne Themen durch Ausflüge lebendig wurden. Die Kinder erforschten, wie sieht ein Tourist aus, wo er herkommt, was er hier will. Sie lernten das Dreisamtal und seine Ausflugsziele mit all ihren Vorteilen kennen. Sie besuchten das Hotel Sonne, den Campingplatz, das Hofgut Himmelreich mit dem Thema „Urlaub von Menschen mit Behinderung“, den Steinwasenpark und gondelten auf den Schauinsland. Gut 10.000 Euro kostete die Aktion. Der Naturpark Schwarzwald steuerte aus verschiedenen Töpfen knapp 8.000 Euro dazu.

Alle Schüler bekamen einen leuchtend grünen Rucksack vom „Tourismus Dreisamtal“ mit dem sie dann ihre Exkursionen machten – z.B. in den Steinwasenpark, der für manche Kids noch unbekannt war.

Für Andreas Rombach vom Hotel Sonne waren es spannende Stunden mit den drei Schulklassen. In verschiedenen Gruppen lernten die Kids das Hotel mit seinen verschiedenen „Abteilungen“ wie Rezeption, Restaurant, Zimmer, Terrasse oder Sauna kennen. „Der selbstgebackene Pfannkuchen bleibt sicher in Erinnerung – und“, so hofft Rombach, „auch der attraktive Arbeitsplatz im Hotel- und Gaststättengewerbe.“ Jens Ziegler vom Campingplatz konnte ebenfalls von großem Interesse der Kinder erzählen, die sich nicht gescheut hätten, mit den Campinggästen direkt zu sprechen. Stegens Bürgermeister Siegfried Kuster zeigte Interesse, auch in seinen Grundschulen das Projekt anzuregen. Und Andreas Hall freute sich, dass die Kirchzartener Grundschüler durch „Tourismus macht Schule“ bereits früh ein persönliches Bild von einem lebendigen Tourismus bekommen. Roland Schöttle will auf jeden Fall alles tun, dass das Kirchzartener Pilotprojekt „Schule macht“ und im Bereich des „Naturpark Schwarzwald“ vielfach probiert wird.
Gerhard Lück, 26.7.2012, www.dreisamtaeler.de

 

 

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