Tageszeitung BZ Regionalzeitung

 Regionalen Tageszeitungen geht es zunehmend schlecht – auch die BZ spürt diesen Trend.

 

 

 

Brauchen wir noch Tageszeitungen?
Meine Art, mich jeden Tag zu informieren, hat sich in den letzten zwei Jahren stark verändert. War es sonst immer klar, mit der “SZ” anzufangen (Titelseite, Seite 3, Panorama, ein bisschen Wirtschaft, ein bisschen Kultur, Medien, Sport), dann “taz” (überall mal so reinschauen), dann “FAZ” (Wirtschaft, Feuilleton, Sport), ist es jetzt: Twitter, Facebook, Flipboard, “Perlentaucher”, taptu. Auf diese Weise lese ich auch “SZ”, “taz”, “FAZ”, aber vorgelesen von Hunderten Frühaufstehern, aussortiert, geliket, gelinkt, und dazu: “New York Times”, “Guardian”, “buzzfeed”, “New Yorker”, “Atlantic”, all das, was schlaue Menschen für mich durchwühlt haben und präsentieren wie eine Jagdbeute. Die drei Zeitungen kommen jeden Morgen ins Haus, aber als von kundigen Redakteuren zusammengestelltes Morgenpäckchen erreichen mich die Zeitungen nur noch selten. Schuld ist das iPad, auf das ich mich jeden Morgen freue wie früher auf frische Tüten mit Fußballbildern….
Alles von Cordt Schnibben vom 1.8.2013 bitte lesen auf
http://www.spiegel.de/spiegel/2020-die-zeitungsdebatte-brauchen-wir-noch-tageszeitungen-a-914509.html
http://forum.spiegel.de/f7/2020-die-zeitungsdebatte-97094.html#post13382417 
  

Strukturierung der Information und Analyse
Was wir brauchen, ist Strukturierung der Information und Erklärung, Analyse. Die Meinungsgetriebenheit der Foren und Kolumnen ist natürlich interessant, macht es aber unmöglich, eine strukturierte Debatte über komplexe Themen zu führen oder zu verfolgen. Das ist der journalistische Job der Zukunft.
Eben nicht mehr freie Themenwahl und eben nicht mehr das rigorose Beharren auf der Redaktionsfreiheit, sei darunter jetzt einmal die Freiheit zur politischen Meinung bzw. der Meinung in einer konkreten Sachfrage verstanden, die vom Verleger oder Herausgeber nicht beeinflusst werden darf.
Nein, die Journalisten müssen uns, den Lesern, helfen, durchzublicken. Das ist auch der Grund, warum die TV-Talkshows gut laufen, so schlimm sie manchmal anzusehen und -zuhören sind. Sie lassen uns Testfahrten von Meinungen und Argumenten erleben, als wären es unsere. Und in guten Momenten sichern wir unsere Meinungen ab oder geben sie auf und verstehen, auf welcher argumentativen Basis wir dies vor uns selbst verantworten können. Dies ist in einer gut besetzten und gut moderierten Talkshow wirklich ein Gewinn, den ich bei Jauch und Will regelmäßig habe. Auch bei Illner. Wenn die Zeitungen es schaffen, diesen Gewinn zu bieten, werden sie leben. Egal ob digital oder gedruckt. Hierfür ist die eigene Meinung der Reakteure aber unwichtig. Sie ist einfach nicht mehr gefragt. Denn wir ertrinken in Meinungen. Die Journalisten müssen Moderatoren werden, Projektleiter des Projektes “Verständis”, “Lösen von Komplexität” oder “Diskutieren alternativer Blickwinkel”.
Helfen lassen können Sie sich von Philosophen, etwa von Peter Sloterdijk, der in faszinierend einfachen Bildern komplexe Sacherverhalte darstelle, zB die politischen Parteien als Banken für Zorn- und Wutkapital darstellt, was einen sehr leicht verstehen lässt, was ein Grund für Politikverdrossenheit sein könnte.
Hilfestellungen wie diese finden im Zeitungsjournalismus kaum noch statt.
Die Branche muss komplett umdenken. Aktualität kann sie vergessen, dieses Rennen ist nicht mehr zu gewinnen. Meinung ist von gestern, s.o. Was zählt für die Zukunft ist Meinungskompetenz und echte Hilfe.
Amadeus Mannheim

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