Stürzt der Münsterturm ein? Sanierung, Engagement, Spenden

 

Stürzt der Turm ein?  Freiburgs Wahrzeichen hält so dem Wind nicht mehr stand –  Sanierungskonzept steht. Seit 700 Jahren hält der Freiburger Münsterturm nicht nur Wind und Wetter,sondern auch Kriegen und Bombardements stand. Jetzt droht der Einsturz des Freiburger Wahrzeichens – wenn nicht gehandelt wird. Experten haben unlängst herausgefunden, dass die Risse im Turmhelm tiefer sind als bislang angenommen. „Die Diagnose der Spezialisten belegt, dass wir dringend handeln müssen“, sagt Münsterbaumeisterin Yvonne Faller. Inzwischen steht fest, dass die vor über einem Jahr entdeckten Risse in den Ecksteinen des Turmhelms auf die Windkräfte zurückzuführen sind, die am Turm zerren. Nach fast 700 Jahren zeigt die mittelalterliche Konstruktion an den tragenden Stellen kritische Ermüdungserscheinungen. Als die Schäden festgestellt wurden, sei die Sorge groß gewesen. Das Ausmaß und der Grund für die Risse mussten ermittelt werden. In den letzten eineinhalb Jahren  wurde mittels umfangreicher Untersuchungen und Berechnungen ein Sanierungskonzept entwickelt, das die filigrane Turmkonstruktion für die Zukunft sichert: Jeder geschädigte Stein wird dabei noch einmal intensiv untersucht. Die digitale Bestandsaufnahme habe ergeben, dass 24 von 48 Ecksteinen geschädigt sind. „Wir kennen jeden einzelnen Stein“, meint Yvonne Faller. Und jeder einzelne Stein bekomme eine eigene Behandlung. Je nach Schadensumfang werde der geschwächte Stein entweder mit einer Klammer beziehungsweise Bandage gestärkt oder durch einen neuen Stein ersetzt. Dieses behutsame Vorgehen stehe ganz in der Tradition der Errichtung und Erhaltung des Münsterturms seit seiner Fertigstellung um 1330 und dokumentiere nicht zuletzt den Respekt vor der Leistung der Erbauer. Schon in der Vergangenheit sei mit der „Klammer“ ausgebessert worden. „Das gibt uns Mut dieser Maßnahme zu vertrauen“, sagt Yvonne Faller. Der „schönste Turm der Christenheit“, wie ihn Jacob Burckhardt einst nannte, soll weitestgehend erhalten bleiben und möglichst wenig verfremdet werden. Denn 80 Prozent der Bausubstanz stammen nach wie vor aus dem Mittelalter. Und der Freiburger Münsterturm ist der weltweit erste seiner Art: ein gotischer Turm aus dem Mittelalter. Eine derart offene  und transparente Bauweise habe es zuvor nicht gegeben. Und um diese faszinierende Bauweise zu erhalten habe man jetzt eine „Stein für Stein austarierte Lösung gewählt“, erklärt der Vorsitzende des Münsterbauvereins Sven von Ungern-Sternberg. Das Sanierungskonzept sei kein Alleingang der Münsterbauhütte gewesen, sondern gemeinsam mit Denkmalpflegern, Statikern, Steinmetzen und Restauratoren entwickelt wurden. Ein  Sanierungskonzept das wohl noch mindestens zweieinhalb Jahre Arbeit in Anspruch nehmen werde. Das 116 Meter hohe Wahrzeichen Freiburgs wird also frühestens im Jahre 2015 ohne Gerüst zu sehen sein. Ein Anblick, an den sich die meisten Freiburger wohl schon gewöhnt haben: die ewige Baustelle Münster. Begonnen wurde mit der Turmsanierung nach einem regelrechten Warnsignal im Sommer 2005 – als sich in einer regnerischen und  windigen Nacht ein Stück löste und herabstürzte. Was dann folgte war ein beispielloses Engagement der Bürgerinnen und Bürger für „ihren“ Münsterturm. Unter dem Motto „Wir bauen mit!“ fanden sich zahlreiche Unterstützer,  um den Turm zu retten. In fünf Jahren habe man fünf Millionen verbaut, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Münsterbauvereins Martina Feierling-Rombach. Die Hälfte davon wurde durch Zuwendungen und Zuschüsse finanziert, die andere Hälfte durch private Spenden. Jetzt werden weitere „Turmretter“ gesucht. „Wir wollen die Menschen noch emotionaler an dieses wunderbare Bauwerk binden und es für die kommenden Generationen erhalten“, meint Feierling-Rombach. Der erste „Turmretter“ wurde schon gefunden: Bundestrainer Joachim Löw. Das bürgerschaftliche Engagement steht ganz in der Tradition des Münsterturms, der dank der Spenden der Freiburger Bürger erbaut werden konnte. Ein Engagement, das bis heute anhält und auch Minister Nils Schmid beeindruckt. Der badenwürttembergische Wirtschafts- und Finanzminister besuchte am Dienstagabend die Baustelle in luftiger Höhe, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Das Engagement von privater Seite zeige, dass der Erhalt des Münsterturms ein großes Anliegen der Bürger sei. „Ein guter Grund dies auch von staatlicher Seite zu unterstützen“, meint der Minister und brachte zwei Förderbescheide über insgesamt 515.000 Euro mit.
Katrin Hauf, 31.5.2012, www.stadtkurier.de 

 

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