Stolberger Zink Altlastensanierung in FR-Kappel – Mogelpackung

Kappel (mb) Seit Jahren bemühen sich Kommunalpolitiker und Planer, das brachliegende Stolberger-Zink-Gelände  an der Gemarkungsgrenze FR-Kappel nach Kirchzarten in lukratives Bauerwartungsland zu verwandeln. Als „Tickende Zeitbombe“ und „Mogelpackung“ wurde vor wenigen Tagen bei einer Bürgerversammlung die neuerlich angestrebte Altlastensanierung bezeichnet.  Mehr als drei Stunden lang nutzten betroffene Anwohner die Gelegenheit, in der Mehrzweckhalle ihre teils massiven Bedenken gegen das Projekt vorzubringen. Einen schweren Stand hatten dabei die Vertreter städtischer Behörden, Investor und Sachverständige. Ihnen wurde vorgeworfen, die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel zu setzen. Vor etwa 150 Interessierten machte Umwelt-Bürgermeisterin Gerda Stuchlik deutlich, dass die Bürgerbeteiligung mit der Vorstellung des Sanierungsplanes erst am Anfang stehe. Ab sofort seien sämtliche Unterlagen im Rathaus Kappel sowie in der Innenstadt einsehbar. Sie versprach, Anregungen aus der Bevölkerung ernst zu nehmen. Ziel des Verfahrens sei es, eine nachhaltige Verbesserung des schadstoffbelasteten Geländes zu erreichen. Angesprochen auf die Haftung bei etwaigen Schäden ließ Ralf Zähringer vom städtischen Umweltschutzamt keinen Zweifel aufkommen, dass die Haftpflichtversicherung der einzelnen Firmen dafür einstehen müssen. „Und zwar unabhängig von deren Gesellschaftsform“, wie Zähringer aufgrund einer Kritik der Interessengemeinschaft Altlasten betonte. Als „Worst Case“, also  schlechtest  anzunehmender Fall, bezeichnete Zähringer etwaige Schäden, die erst nach Jahrzehnten auftreten oder entdeckt werden. Sollte dies passieren, werde die Frage der Haftung nach Polizeirecht beurteilt. „Störer“ werden haftbar gemacht, so Zähringer.
Kopfschütteln löste die Ankündigung des Geologen Thomas Osberghaus aus, dass „in Spitzenzeiten“ täglich bis zu 40 Ladungen schadstoffbelasteter Schlamm „über interne Baustellenstraßen“ auf die endgültige Ablagerungsfläche oberhalb von Kappel gekarrt werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass es ungefähr acht Monate dauern wird, bis die 45000 Kubikmeter in das vorgesehene Waldstück gebracht werden. Die Beschaffenheit des zu transportierenden Materials bezeichnete der Fachmann als „fest und nicht staubend“. Da nicht auszuschließen ist, dass Arbeiter mit dem Aushub in Kontakt kommen, werden sie Schutzanzüge tragen müssen. Der Investor müsse für „eine Abdichtung ähnlich wie auf einer Sonderdeponie“zu sorgen, so Osberghaus.
Auf besorgte Fragen nach gesundheitlichen Gefahren für die dort lebende Bevölkerung ging Osberghaus ausführlich ein. „Stäube können nur dann giftig werden, wenn sie in erheblichem Maß und über längere Zeit eingeatmet werden. Das ist hier nicht der Fall“, so die Einschätzung des Experten. Auch eine Gefahr für das Trinkwasser schloss er aus. Seine drei Kinder würde er „bedenkenlos auf der Fläche spielen zu lassen“, meinte Osberghaus. Relativiert wurde diese Beurteilung von Dieter Wörner, dem Leiter des städtischen Umweltschutzamt. Er kündigte an, dass die Aussage des vom Investor beauftragen Geologen durch unabhängige Experten beurteilt werde.
Zur an diesem Abend mehrmals geäußerten Behauptung, dass kein bodenschutzrechtliches Verfahren, sondern das strengere Deponierecht angewendet werden müsse, nahm Ralf Zähringer vom städtischen Umweltschutzamt Stellung. Es entstehe keine Deponie, weil lediglich eine Umlagerung in bestehendem Gelände vorgesehen sei. „Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass keine Schädigung der Allgemeinheit vorliegen darf“ , präzisierte Zähringer. Zudem müsse sicher gestellt werden, dass die Altlast besser als zuvor gesichert sei.Ein Veranstaltungsteilnehmer meinte, „dass nicht saniert werde, sondern nur ein Dreckhaufen von der einen Seite auf die andere Seite geschmissen werde“. Als „Mogelpackung mit ungewissem Ausgang“ und „keine nachhaltige Lösung sondern eine tickende Zeitbombe“ kritisierten Veranstaltungsteilnehmern das derzeit größte Altlast-Verfahren in Baden-Württemberg. Applaus bekam ein Anwohner aus der Neuhäuser Straße für seine Bemerkung, das städtische Umweltschutzamt werde einem verantwortlichen Umgang mit der Altlast „in keinster Weise“ gerecht.
bm, 4.7.2012, www.dreisamtaeler.de

 

 
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