Stegen: Bau Rad Gewerbe DSL

Dreisamtäler: Herr Kuster, das Ortsbild Stegens wird momentan durch Baustellen geprägt. Was nun gebaut wird, war seit Jahren schon Thema im Gemeinderat.
Kuster: Es geht dabei um zwei zentrale Punkte: da ist einmal der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses Ecke Weiler Straße/Kirchzartener Straße und zum anderen die Umgestaltung der Ortsmitte mit ihrer Ortsdurchfahrt.

Dreisamtäler: Beginnen wir mit dem Neubau des Wohn- und Geschäftshauses.
Kuster: Uns ist es ein großes Anliegen, den bestehenden Lebensmittelmarkt in Stegen zu halten, damit alle Dinge des täglichen Bedarfs fußläufig in Stegen eingekauft werden können. Der alte Markt war zu beengt, so dass nach Lösungen gesucht werden musste. Mit dem neuen Wohn- und Geschäftshaus nun wird es in Stegen einen großzügigen modernen Markt mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche geben, der dem Betreiber Wirtschaftlichkeit und den Bürgern eine umfassende Grundversorgung garantiert. Der Gemeinderat befasst sich mit dieser Thematik schon seit mehreren Jahren. Für das Gebäude wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnisse der Bevölkerung auch vorgestellt wurde. Um nach dem Abriss und während der Bauzeit die Lebensmittelversorgung in Stegen dennoch gewährleisten zu können, wurde der Markt in die kleine Sporthalle verlegt und Übergangslösungen für die Volksbank und das Friseurgeschäft gefunden. Damit bleibt die bestehende Infrastruktur für die Bevölkerung erhalten. Bis die Verträge alle unter Dach und Fach waren, hat seine Zeit gebraucht und es kam auch zu Verzögerungen. Man hat hier unterschätzt, dass die Planung eines Marktes etwas anderes ist, als die einer Wohnung. Vor zwei Wochen fand nun der Spatenstich für das neue Gebäude durch den Bauverein Breisgau e.G. statt und wir gehen von einer Fertigstellung des Gebäudes Ende 2014 aus.

Dreisamtäler: Das komplette Erdgeschoss ist neben einer kleinen Bankfiliale für den Lebensmittelmarkt vorgesehen. Was ist für das Gebäude geplant?
Kuster: In den Obergeschossen entstehen weitere gewerbliche Räume und Wohnungen, die alle barrierefrei zugänglich sind, da durch Aufzüge erschlossen. Die Wohnungen, die entstehen, werden ausschließlich Mietwohnungen unterschiedlicher Größe sein, so dass der Bedarf unterschiedlicher Gruppen auch abgedeckt werden kann.
Dreisamtäler: Das zweite Großprojekt ist die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt.
Kuster: Auch damit befasste sich der Gemeinderat schon lange Zeit und hier brauchte es seine Zeit für die Umsetzung, weil Zuschüsse genehmigt werden mussten. Im Moment realisieren wir den ersten Bauabschnitt von den Baugebieten Stockacker/Schlossacker bis zur Weilerstraße. Wir gehen davon aus, dass er bis Ende 2013 umgesetzt ist. Unser Anliegen war es, die Maßnahme so durchzuführen, dass der zweispurige Straßenverkehr ohne Ampelregelung aufrecht erhalten werden kann und das unter der Berücksichtigung des erheblichen Schüler-Radverkehrs, insbesondere für das Kolleg St. Sebastian. Kein ganz leichtes Unterfangen, weil der Radweg während der Bauphase entfällt! Der Radverkehr wird zum Teil über abgesicherte Bereiche geführt und es gilt eine Tempo-30-Regelung. Außerdem fand der Schwerpunkt der Abbrucharbeiten in den Sommerferien statt. Ein weiterer Bauabschnitt soll 2014 erfolgen, der noch vor der Inbetriebnahme des neuen Lebensmittelmarktes abgeschlossen werden soll, so dass dort keine Behinderungen im Bereich des Parkens und der Zulieferung  auftreten.

Dreisamtäler: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Umgestaltung der Ortsmitte?
Kuster: Die Kirchzartener Straße bzw. die Landesstraße 133 hat eine übergeordnete Funktion und ist momentan vom Straßenverkehr dominiert. Sie soll fußgängerfreundlicher umgestaltet werden. Deshalb wird die Straße von 6.50 m auf 6.00 m verschmälert, was den Geh- und Radwegen zu Gute kommt. Die Hochbord-Randsteine werden verschwinden, so dass der Verkehrsraum barrierefrei wird und die zwei Aufweitungen der Straße im Bereich der Jägerstraße und des ÖZ lassen dort Platzsituationen entstehen. Weitere Maßnahmen sind die Schaffung eine weiteren Fußgängerüberweges im Bereich des Dienstleistungszentrums, wohin auch die Bushaltestelle „Friedhof“ verlegt wird. Die Überquerungshilfe beim Stockacker wird in Richtung Unterbirken verlegt, das Kolleg bekommt für die Radfahrer eine neue Rad-Zufahrt und der Friedhofseingang wird neu gestaltet.

Dreisamtäler: Umstritten war der ruhende Verkehr zwischen Friedhof und Lebensmittelmarkt, da die ein- und ausparkenden Autos über den Geh- und Radweg fahren müssen.
Kuster: Hinter den parkenden Autos wird ein reiner Fußgängerweg verlaufen. Vor dem parkenden Verkehr ist ein Gehweg mit Zusatz „Fahrrad frei“ geplant. Die Radfahrer sind dadurch nicht verpflichtet, ihn zu nutzen und können auch auf der Straße fahren. Dieser Streifen ist drei Meter breit und damit sehr großzügig und übersichtlich. Deshalb halte ich diese Lösung für gut! Ich kann die Bedenken mancher Bürger nachvollziehen. Die Standorte Lebensmittelmarkt und Schule verursachen Verkehr, was zu Konflikten zwischen den unterschiedlichen Nutzern führen kann. Dies geordnet und sicher abzuwickeln ist eine Herausforderung. Das ist jedoch der Preis dafür, den Markt in der Ortsmitte zu halten und nicht auf die grüne Wiese zu verlagern. Städtebaulich ist das, wir in Stegen nun realisieren, ein Gewinn und kommt der älteren Bevölkerung, die nicht mehr die Mobilität hat, sehr entgegen.

Dreisamtäler: … und auch junge Familien mit Kinder profitieren von einer guten Infrastruktur im Ort! Stegen wies ein neues Baugebiet in Oberbirken aus, das Familien mit Kindern Wohneigentum ermöglichen soll.
Kuster: Die Nachfrage war sehr groß und die Bauplätze sind überwiegend vergeben. Wir konnten dort zwölf Doppelhausgrundstücke vergeben, außerdem wird dort ein Mehrfamilienhaus für neun Miet- und Eigentumswohungen mit Belegungsrechten für die Gemeinde entstehen.
Dreisamtäler: Gegen die Ausweisung dieses Baugebietes gab es ja eine ganze Menge Einsprüche …
Kuster: Ein Argument bezog sich auf das Landschaftsbild, das beeinträchtigt werde. Im Moment gibt es keinen Übergang von der Bebauung in die Landschaft hinein. Für das neue, kleine Baugebiet wollen wir einen fließenden, eingegrünten Übergang zur freien Landschaft hin. Die Vergabe zeigt, dass der Bedarf wirklich da ist und wir diesen ohne dieses Gebiet nicht hätten decken können.
Dreisamtäler: Zeitgleich erweitern Sie auch das Gewerbegebiet.
Kuster: Im bestehenden Gewerbepark sind bis auf ein kleineres alle Grundstücke veräußert. Es besteht allerdings ein erheblicher Erweiterungsbedarf eines im Dreisamtal ansässigen und sehr erfolgreichen Familienunternehmens, dem bereits Grundstücke im Gewerbepark gehören. Die notwendige Expansion des Unternehmens erfordert jedoch einen größeren Flächenbedarf. Der Unternehmer ist Stegener Bürger und wir wollen diese Erweiterung ermöglichen, denn wir  sind froh über jeden Arbeitsplatz, der in Stegen entsteht. Es ist jedoch nicht so, dass wir nun sämtliche neu entstehende Grundstücke sofort vergeben wollen. Unser Gewerbepark muss noch lange halten, einen zweiten wird es nicht geben. Insofern muss man dies als sehr langfristige Planung sehen!
Dreisamtäler: Die Nachtbeleuchtung Stegens hat sich verändert!
Kuster: Richtig! Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik ist abgeschlossen. Wir legen in Stegen sehr viel Wert auf Nutzung und Produktion von erneuerbaren Energien, genauso wichtig ist mir jedoch die Einsparung von Energie. Mit der LED-Technik sparen wir pro Jahr 100.000 Kwh ein und damit fast 20.000,- Euro an Stromkosten. Die Kosten sind hier das eine, das andere ist die Energievermeidung und damit auch die Verringerung des CO2-Ausstoßes.
Dreisamtäler: Was macht Stegens DSL-Anschluss?
Kuster: Nach Eschbach und Wittental konnte nun auch Stegen an das schnelle Internet angeschlossen werden. Die Maßnahme musste mit 235.000,- Euro bezuschusst werden, wovon das Land 90.000,- Euro übernommen hat. Schnelles Internet ist eine wichtige Infrastrukturleistung, die bei der Vermietung von Wohnungen und Gewerberäumen bzw. bei der Ansiedlung von Gewerbebetrieben eine entscheidende Rolle spielt.
Der Dreisamtäler im Gespräch mit dem Bürgermeister Stegens, Siegfried Kuster

Dreisamtäler: Herr Kuster, ich danke für das Gespräch!
24.9.2013, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

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