Stadthalle fuer 400 Fluechtlinge

Die Stadthalle Freiburg wird umgebaut zur Notunterkunft für 400 FlüchtlingeBürgerverein Oberwiehre-Waldsee koordiniert ehrenamtliches Engagement. Baden-Württemberg und die Stadt- und Landkreise stehen vor immensen Aufgaben. Über 130.000 Flüchtlinge wird das Land dieses Jahr aufnehmen, wovon Freiburg derzeit wöchentlich 89 Menschen zugeteilt bekommt. Die städtischen Flüchtlingsunterkünfte sind längst überbelegt. Nun werden sogar auf dem ZMF-Gelände auf dem Mundenhof vorübergehend zwei Zelte als Notunterkunft für 250 bis 300 Flüchtlinge aufgestellt und die Stadthalle, in der bis vor kurzem noch die Unibibliothek ihr Ausweichquartier hatte, wird ab Mitte Dezember als „PufferUnterkunft“ für über 400 Menschen dienen, als Notunterkunft, bis andere Unterkünfte hergerichtet werden konnten.
Bei einer Informationsveranstaltung, zu der der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee im Oktober in den Konzertsaal der Musikhochschule eingeladen hatte, informierten Oberbürgermeister Dieter Salomon und Bürgermeister Ulrich von Kirchbach über die Planungen.
Rotes Kreuz wird freier Träger Betrieben wird die Unterkunft in der Stadthalle vom Roten Kreuz als freier Träger. Es hat für die zentralen Verwaltungsaufgaben wie polizeiliche An- und Abmeldungen, Verpfl egung, Fort- und Weiterbildung sowie die Wäschereinigung zu sorgen. Objektbezogen ist die gesamte Organisation des Heimbetriebes, die sozialarbeiterische Betreuung, Hilfe, Beratung und Information bei Behördengängen, Gesundheitsfürsorge und Konfliktmanagement zu gewährleisten.
Die Halle wird in verschiedene Funktionsbereiche unterteilt: Schlafen, Freizeit, Sanitäre Einrichtungen, Verpflegung, Medizinische Versorgung, etc. Im gesamten Gebäude soll es WLAN geben. Schlafkabinen für zwei bis acht Personen werden in der Mitte und auf der Empore errichtet. Im Untergeschoss wird eine Wäscherei angesiedelt, das bestehende Casino wird zur Essensversorgung genutzt.
Eine Besonderheit ist, dass Besucher wie z.B. Deutschlehrkräfte und Ehrenamtliche, nicht in den Privatbereich gelangen. Die Wege werden so sein, dass die Besucher nicht an den Schlafkabinen der Bewohner vorbei müssen. Am Eingang der Stadthalle wird der Freizeitbereich angesiedelt werden. Wellenförmig wird eine Wand aufgestellt, sodass die Menschen in den Nischen verschiedene Unterhaltungsprogramme abhalten können.

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Von der Empore aus ist das „Innenleben“ der künftigen Flüchtlingsunterkunft gut zu erkennen. In der Mitte sind die Schlafkabinen zu sehen, im hinteren Bereich Duschen und Toilettenanlagen, links die Verwaltungsräume.

Auf der Homepage des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee, www.oberwiehre-waldsee.de sind zahlreiche Fotos, Pläne und weitere Informationen, damit sich alle Interessierten ein Bild von den Umbaumaßnahmen machen können. Weit über 500 Interessierte nahmen an der Informationsveranstaltung teil und die 380 Rückmeldebogen „Freiwilliges Engagement/ Ehrenamt im Flüchtlingsbereich“, welche der Bürgerverein vorbereitet hatte, waren am Ende alle vergriffen. Inzwischen sind über 50 Rückläufer beim Bürgerverein eingegangen und der Vorsitzende Hans Lehmann berichtet, dass Sprach- oder Nähkurse, Kinderbetreuung, aber auch Angebote wie „Freiburg kennen lernen“ ehrenamtlich angeboten werden können. Mitte November werden alle, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, eingeladen, um die Hilfe zu koordinieren. Den Meldebogen der Stadt Freiburg für Ehrenamtliches Engagement gibt es auf www.freiburg.de/fluechtlinge.
Bei der Diskussion am Ende der Informationsveranstaltung gab es jedoch auch Stimmen, die Ängste und Sorgen ausdrückten und die Bitte an die Stadt nach verstärkter Polizeipräsenz, genügend Aufsichtspersonal und guter Sozialbetreuung. Benachbartes ZO wird Hilfsund Unterstützungsmaßnahmen anbieten Mit dem Einsatz von SecurityDiensten reagieren manche Geschäfte in unmittelbarer Nähe von Flüchtlingsunterkünften. Doch das wird es im benachbarten Zentrum Oberwiehre, ZO, nach Aussage von Center-Manager Thomas Stonjeck nicht geben. „Wir gehen mit der Situation sehr gelassen um.
Von Panikmache oder Aktionismus sind wir sehr weit entfernt. Wir freuen uns auf eine Ergänzung der schon vorhandenen Vielfalt an Nationalitäten und Persönlichkeiten. Natürlich hoffen wir auch auf zusätzliche Kundschaft aus den Reihen der Neuankömmlinge und wollen abwarten, ob und wie wir gegebenenfalls unterstützend und helfend, auch mit dem Bürgerverein, tätig werden können. Die Mieter der Geschäfte möchten Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen anbieten und die Werbegemeinschaft, die auch Mitglied im Bürgerverein ist, hat ihm dies bereits angeboten. Ein Beispiel sind Überlegungen, ehrenamtliche Guides mit einem festen Platz im ZO (Info-Point) einzusetzen, die z.B. Flüchtlingen beim Einkaufen helfen oder sonstige Unterstützungen im näheren Umfeld anbieten. Des Weiteren könnten bestimmte Services der Mieter angeboten werden wie z.B. Brillen richten und reparieren“, so Thomas Stonjeck.
Auch Lars Millentrupp, Mitinhaber des Café „Biosk“, an der Stadthalle äußerte sich kürzlich in der BZ positiv „Vielleicht kann unser Biosk eine Art Begegnungsstätte werden, wo sich die Stammkunden mit Flüchtlingen treffen.“ „Die Freiburger sind neugierig, sie sind offen“, sagte Oberbürgermeister Salomon am Ende der Bürgerinformationsveranstaltung zur Umwidmung der Stadthalle „wenn eine Stadt das Flüchtlingsproblem hinkriegt, dann Freiburg“ und der Bürgervereinsvorsitzende Hans Lehmann ergänzt „Wir vom Bürgerverein versprechen, beim ‚Hinkriegen‘ so weit als möglich zu helfen.“
11.11.2015, Gisela Heizler-Ries, Der Dreisamtaeler

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