Sonnenuhr an Schule Kappel

Wenn ich aus dem Haus gehe, fällt mein Blick auf die Schauinsland-Grundschule in Freiburg-Kappel. Die südliche Giebelwand des Schulgebäudes wird von einer fast 30 qm großen Wandmalerei geschmückt, in die eine Sonnenuhr integriert ist.  Beherrschend ist die Figur eines Engels, dem rechts und links seiner ausgebreiteten Arme und Flügel die Darstellungen von Sonne und Mond beigegeben sind. Zwischen diesen beiden Gestirnen, zwischen  Tagesanbruch und Nacht, läuft der Schatten über das Zahlenband. In arabischen Zahlen sind die Stunden von neun Uhr am Morgen bis sieben Uhr am Abend eingezeichnet. Die Ziffer Acht ist beim Anbringen der Sonnenuhr vergessen worden, auch bei inzwischen erfolgten Restaurierungen ließ man diese letzte Stundenlinie ohne Bezeichnung.  Die Malerei wurde1961 von dem Kunstmaler Benedikt Schaufelberger (1929 – 2011) entworfen und ausgeführt. Schadhafter Putz und Witterungseinflüsse  machten  1989 und 2007 Restaurierungen des Gemäldes notwendig, dabei   wurde es auch geringfügig verändert.


Schauinsland-Grundschule FR-Kappel mit Sonnenuhr
 
Kappel ist seit 1974 ein Stadtteil Freiburgs, davor war es die eigenständige Gemeinde Kappel im Tal. Vor allem drei Berufe prägten hier bis ins 20. Jahrhundert hinein  das dörfliche Leben, waren Grundlage von Wirtschaft und Existenz. Der Künstler hat Vertreter dieser Berufe  gemalt: den Landwirt mit der Sense, den Waldarbeiter mit der Axt und den Bergarbeiter mit der Grubenlampe. Vom Mittelalter an haben die Menschen im Berg (im Schauinsland) nach Erzen geschürft, erst 1954 wurde der Bergbau hier aufgegeben. In dem Gemälde ist ein Stück Kulturgeschichte, ein Stück Dorfgeschichte Kappels festgehalten; inzwischen haben sich  Aussehen und Bevölkerung des Ortes  und die Lebensbedingungen der Bewohner  stark verändert. Benedikt Schaufelberger hatte sein Wohnhaus und sein Atelier  gegenüber der Schule. Die Verbindung zu seiner Gemeinde hat er nicht zuletzt durch die Darstellung dieser drei Arbeiter ausgedrückt, für deren Gesichter er Kappler Bürger portraitiert hat. Ursprünglich stand neben der Sonnenuhr ein Vers des römischen Dichters Horaz (65 – 8 v.Chr.): „CARPE DIEM, QUAM MINIMUM CREDULA POSTERO“ (genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden“). Da nicht jedermann und nicht jeder Grundschüler des Lateinischen mächtig ist, wurde bei einer Restaurierung der Text  durch das leicht verständliche „NÜTZE DIE STUNDE“ ersetzt. Dass dieses Nützen der Zeit  auch Lernen und Entspannen beinhalten kann, wird durch die Frau mit einem Buch und durch spielende Kinder ausgedrückt.
Heute noch ist den Kappler Bürgern die Sonnenuhr inmitten  der  Wandmalerei etwas wert. Das zeigte sich deutlich 2007, als die von Witterungseinflüssen  nahezu vollkommen ausgewaschene Malerei erneuert werden musste. Dafür fanden sich unter Privatpersonen und in den örtlichen Vereinen die nötigen Sponsoren.
30.12.2011, Renate Frank, Kappel, r.e.m.frank@web.de

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Schulen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort