Snowden Datenspionage NSA

Daten kann man lesen oder schreiben. Wer das Lesen (Anschauen, Mithören, Entschlüsseln) erlaubt, der kann das Schreiben (Abspeichern, Löschen und Abändern) nicht verhindern. Da das Lesen von Jung (cool) wie Alt (Zeitgeist) akzeptiert wird, ist zwangsläufig auch das Schreiben zulässig – doch im schreibenden Zugriff mit der Möglichkeit zur Manipulation wird Datenschutz zur Farce, eine Gefahr für Bürger wie Demokratie.

Nachrichtendienste wie die NSA lesen und speichern Metadaten, also Verbindungsdaten darüber, wer, wann mit wem kommuniziert hat per Tel, Mobilfunk, Mail, Chat, Blog, Twitter-Posting, Facebook-Like, Homepage-Formular, Bild hochladen, … Die NSA will alle Metadaten nicht etwa nur temporär, sondern für immer speichern. Metadaten sind wertvoller als der eigentliche Inhalt der Kommunikation, da sich aus ihnen der Inhalt in den meisten Fällen wiedergewinnen läßt.
“Ich kann nicht erkennen, dass der Mann politisch verfolgt wird.” Diese Aussage des SPD-Datenschützers Dieter Wiefelspütz zum Asylantrag von Whistleblower Edward Snowden offenbart die Realitätsverleugnung der Politiker zur Überwachung der Geheimdienste. Und mit Aussagen wie “Ich habe nichts zu verbergen, die können alles über mich sammeln und in der Cloud speichern” oder “Man kann ja doch nichts dagegen tun” verraten auch die Bürger, dass sie die Dimension dessen, was ihnen droht, nicht erkannt haben. Denn: Wer Daten liest bzw. abzweigt, der kann sie auch schreiben bzw. manipulieren.
Zum einen kommt die Aussage, dass im Fall Snowden keine politisch motivierte Verfolgung vorliege bzw. dass verdachtsunabhängige und totale Überwachung in einer Demokratie zulässig sei, einer Kapitulation vor der global ausufernden Spionagemaschinerie gleich.
Zum anderen liegt im Schreibzugriff eine völlig neue Dimension des Missbrauchs: Unsere Daten lassen sich beliebig verfälschen und manipulieren:  Aus “Nein zur Gentechnik” wird “Ja zur Gentechnik”. Der Beitritt wird zum Austritt. Der Strafzettel über 10 Euro wird zu 100 Euro. Aus Frau Müller wird Herr Müller. Die Identität von XYZ wird gelöscht. Heute zieht beinahe jeder im Internet eine Datenspur hinter sich her, die manipuliert werden kann. Jeder weiß es und ignoriert es. Dies ist keine Krise des Internets, sondern eine Krise der Demokratie, die sich am Internet entzündet hat.
9.7.2013

 

Ihn als Verfolgten zu präsentieren, käme einem Affront gleich

Zu: “Er ist nicht allein”, Beitrag von Julia Prosinger (Die dritte Seite, 20. Juni):

 

 

Was soll die Aufregung in der Causa Snowden/NSA?
Was ist an der Zusammenarbeit von Geheimdiensten befreundeter Staaten so tragisch? Hat die Bundesrepublik in den 65 Jahren ihrer Existenz jemals einen Nachteil durch die Tätigkeiten eines amerikanischen Geheimdienstes erfahren? Eine intensivere Zusammenarbeit deutscher und amerikanischer Geheimdienste hätte die Attentate vom 11. September 2001, die in Hamburg geplant worden sind, verhindern können.
Die Verantwortlichen an den entsprechenden Schaltstellen täten ferner im Interesse der Bundesrepublik und des seit mehr als 60 Jahren einwandfrei funktionierenden transatlantischen Bündnisses gut daran, Asylgesuchen Snowdens von vornherein eine Absage zu erteilen.
Orientieren wir uns an den Fakten: Edward Snowden war über Jahre Mitarbeiter der NSA, eines Geheimdienstes, dessen Praktiken geheimdienstlich Interessierten lange bekannt sind. Schon daher ist das allerorten artikulierte Ausmaß an vorgeblicher Ahnungslosigkeit mindestens mit dem Vorwurf der Heuchelei zu kontern. Dass Geheimdienste nun einmal – wie die Bezeichnung impliziert – im Geheimen operieren und kein Sinnbild für Transparenz darstellen, hat sich im gesamten Verlauf der Menschheitsgeschichte noch nie anders dargestellt! Woraus wird geschlossen, dass der BND sich stets auf dem Pfad der Tugend befindet?
1.7.2014, Matthias Kaiser, Hausach

 

Dank an Edward Snowden, Bradley Manning, Julian Assange & WikiLeaks
Mein Dank geht an Edward Snowden, Bradley Manning, Julian Assange & WikiLeaks. Dieses unglaubliche Video erklärt meinen Dank und zeigt auch, warum wir WikiLeaks und Whistleblower, gerade auch in einer Demokratie, so dringend brauchen. Bradley Manning soll jetzt 35 Jahre ins Gefängnis. Die Mörder im Hubschrauber, deren Taten er öffentlich gemacht hat, werden nicht einmal vor Gericht gestellt. Wer sich an Unrecht gewöhnt, gefährdet seine eigene Freiheit!
26.8.2013, Axel Mayer, BUND

Wo bleibt die Solidarität mit Bradley Manning?
Ich verstehe die Berichterstattung in der BZ und in vielen deutschen Medien zum “Geheimnisverräter” Bradley Manning nicht. Herr Manning soll jetzt für Jahrzehnte ins Gefängnis unter anderem, weil er ein geheimes Video von einem Hubschraubereinsatz im Irak-Krieg öffentlich gemacht hat. Das Video zeigt, wie aus dem Hubschrauber heraus unbewaffnete Zivilisten, darunter journalistische Berufskollegen, gezielt und kaltblütig ermordet werden. Die Mörder im Hubschrauber, deren Taten Herr Manning öffentlich gemacht hat, werden nicht einmal angezeigt oder vor Gericht gestellt, und der Whistleblower soll ins Gefängnis? Wo bleibt hier die Solidarität von Journalisten zu ihren ermordeten Kollegen? Wer sich an derlei Unrecht gewöhnt, gefährdet seine eigene Freiheit! Edward Snowden und Bradley Manning sollten in einem demokratischen Land, also in Deutschland, Asyl bekommen. Freiheit und Demokratie sind nichts Theoretisches, sondern etwas sehr Praktisches.
14.8.2013, Axel Mayer, Endingen

Gilt ein Leben auf der bösen Seite weniger?
“Er (Bradley Manning) hat nicht nur Fehlverhalten aufgedeckt, sondern auch Menschenleben gefährdet. Dafür verdient er eine Strafe.” Sehr zynisch, diese Worte! Gelten denn die Menschenleben auf der Seite der “Bösen” so viel weniger? Da werden aus einem Kampfhubschrauber Zivilisten wie von der Konsole eines Videospiels niedergemäht; sind sie weniger wert als die Soldaten eines Unrechtskrieges? Was ist mit den Menschen, die durch die Veröffentlichung dem Tode entgehen oder schon entgangen sind? Und soll jemand seine Gewissensnot schlucken, weil er nicht in der Lage sein kann, 700 000 Dokumente zu prüfen? Das zu tun ist doch ersehnte Aufgabe der Medien. Ich kann nur hoffen, dass sich Leute wie Manning und Snowden weiterhin von ihrem Gewissen leiten lassen, obwohl sie nie wieder frei sein können. Auch für Snowden befürchte ich das Allerschlimmste als Spielball der Mächtigen.
14.8.2013, Dieter Kaltenhäuser, Breisach
zu: “Urteil gegen Manning – Niederlage für US-Regierung”, Tagesspiegel von Thomas Spang (Politik, 31. Juli):
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/urteil-gegen-manning-niederlage-fuer-us-regierung–74059646.html

 

Nimm jo s I-Phone nit mit!
Do gohsch arglos im Schwarzwald ä weng spaziere un fotografiersch Rehgitzli inere Waldlichtung. Bisch ganz begeischtert un schicksch die Fotos übers I-Phone glii an diner libanesische Kumpel. Un hesch kei Ahnung devun, dass de amerikanische Geheimdienscht des fünf Minute später schun weiß. Wieso schickt do ä Ditscher sini Fotos an ä Libanes? Un dezue noch Rehgitzli! Verdächtig im höchschte Maß. D amerikanisch’ Nationale Sicherheitsagentur NSA het Zugang zu dinem Rucksack im Dreisamtal hinte. Des weisch du aber bloß, weil einer ussplaudert het, wer do alles wo mit wem zämmeschafft, schnüffelt, spioniert, Date abschöpft, digital uffklärt un digital abwehrt. Un selleweg huckt seller jetz vum amerikanische Geheimdienscht g’jagt uff em Moskauer Flughafe im Niemandsland. Mir hen derwiilscht könne erfahre, wie schwer s isch, s Grundg’setz un Datezugriff zämmebringe. Aber mir Ditschi hen’s guet: Weil d USA bi uns derf, was mir selber nit derfe, könne mir hintenooch selli Date vun de Amis „abzweige“ un dezue noch behaupte, mir hätte vun gar nix nix g’wisst. Des isch so demokratisch un ehrlig wie Hirsch esse un uff d Jäger schimpfe. Was heißt do au Grundrechte? Sicherheit goht vor un wer will do schu ebbis iiwende degege. Nix meh isches mit ä gmüetligs Bierli trinke inere lauschige Schwarzwaldstrauße. Weil des „Lauschige“ in dinem Rucksack mitlauscht. Un schu hen si di widder.
Stefan Pflaum , 26.7.2013, www.dreisamtaeler.de

 

Datenmanipulation für Nachrichtendienste nichts grundsätzlich Unvorstellbares
Die Totalüberwachung der digitalen Sphäre muss schon deshalb gestoppt werden, weil ihr Potential ständig wächst. An der University of Washington wurde kürzlich WiSee vorgestellt, eine Software, die ohne Zusatzgerät die Gestensteuerung in der gesamten Wohnung ermöglicht. Ein Wink mit der Hand – und die Musik wird lauter. In jedem Haushalt senden viele Geräte mit ihren W-Lan-Antennen ständig elektromagnetische Wellen aus. Jeder Körper, jede Bewegung lenkt diese Wellen auf spezifische Weise ab, und das ist messbar. WiSee scannt die gesamte Wohnung und alle Bewegungen darin ungefähr wie eine Fledermaus, nur mit W-Lan statt mit Ultraschall. Noch ist das ein universitärer Prototyp für harmlose Zwecke, aber wenn eine heimlich auf dem Router installierte Software ausreicht, um jede Bewegung innerhalb einer Wohnung aufzuzeichnen – weshalb sollte diese famose Spähmöglichkeit in Zukunft nicht genutzt werden? Nachrichtendienste haben offenbar einen umfassenden Lesezugriff. Was aber ist mit einem Schreibzugriff? Projekte wie der Bundestrojaner zeigen, dass Datenmanipulation für Nachrichtendienste nichts grundsätzlich Unvorstellbares ist. Es ergibt sich so eine völlig neue Dimension des Missbrauchs. Prism und Tempora dürfen nicht nur vor dem aktuell bekannten Stand der Technologie diskutiert werden. Die zukünftige Entwicklung muss mitberücksichtigt werden, ohne sich in Verschwörungstheorien verlieren. Es geht um die Frage, ab welchem Punkt sich ein Rechtsstaat durch systematische, heimliche Überwachung selbst pervertiert.  …..
Alles vom 8.7.2013 bitte lesen auf
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kolumne-von-sascha-lobo-snowden-wird-politisch-verfolgt-a-910147.html

.

Über 200 US-Agenten spionieren Deutsche in Deutschland (Bad Aibling) aus
spionieren insgesamt mehr als 200 US-Agenten, die hier offiziell mit Diplomatenstatus akkreditiert sind. Hinzu kommen vermutlich mehrere Hundert Angestellte privater Firmen, die im Auftrag der National Security Agency (NSA) arbeiten. Wie der SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, enthält ein Vertrag zwischen dem US-Geheimdienst NSA und dem Bundesnachrichtendienst (BND) für die Kooperation am Lauschposten im bayerischen Bad Aibling eine Ausnahmeklausel zur Ausspähung von Deutschen. Das am 28. April 2002 unterzeichnete Memorandum of Agreement (MoA) ist sechs Seiten lang, hat einen Anhang von 74 Seiten und ist als “streng geheim” gestempelt. ….
Alles vom 14.6.2014 bitte lesen auf
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mehr-als-200-us-geheimdienstler-spionieren-offiziell-in-deutschland-a-975285.html#js-article-comments-box-Pager

Deutschland formaljuristisch nicht souverän, sondern besetzt
Zu diesem Thema könnt ihr jeden beliebigen Staatsrechtler befragen. Die sind sich dahingehend relativ einig, dass Deutschland formaljuristisch nicht souverän, sondern besetzt ist. Es gilt immer noch das alliierte Besatzungsstatut, dass die Siegermächte nach Ende des Zweiten Weltkrieges eingeführt haben. Der 2+4 Vertrag ist ein Vertrag der Deutschland im Waffenstillstand hält. Dort wird besagt das Deutschland sich verpflichtet nichts an der Situation zu ändern. Mit anderen Worten Deutschland wird nicht versuchen einen Friedensvertrag zu schließen. Merkel zu G10 Gesetz: “Problem gelöst, wir sind souverän” Das sogenannte G10-Gesetz von 1968 regelte die Verpflichtung des Bundesnachrichtendienstes, den westlichen Geheimdiensten Informationen zu liefern. In einer Podiumsdiskussion, veranstaltet von der Stuttgarter Zeitung, teilte Angela Merkel mit, man habe diese Vereinbarungen jetzt per Verbalnote gekündigt. Damit sei Deutschland endgültig souverän. Auf die Frage nach einem Friedensvertrag ging die deutsche Kanzlerin nicht ein. Alle Details zum G10-Vertrag gibt es hier: http://wp.me/s2k24g-3117
14.6.2014
    .
Wir haben keinen Waffenstillstandsvertrag, wir haben eine bedingungslose Kapitulation unterschrieben. Ist auch okay. Aber wir haben eben keinen Friedensvertrag und ergo keine Verfassung – deshalb sind wir Besetzungsland und die USA ist eine Besatzungsmacht. Die DDR hat unabhängig davon einen Friedensvertrag mit der damaligen SU geschlossen und hatte danach eine Verfassung. Nur souverän war sie natürlich auch nicht – genauso wie heute Deutschland nicht souverän ist. Wir werden nie souverän sein. Verdammter Krieg, der uns das eingebrockt hat.
14.6.2014
Dieser Beitrag wurde unter Global, Internet, Medien abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort