Sida Energiepflanze Ernte

Sida Riesenmalwe in Heitersheim geerntet: Peter Kaltenbach ist nicht nur Gärtnermeister, sondern auch ambitionierter Pionier bezüglich nachwachsende Rohstoffe (Nawaro). Neben einem Mitstreiter am Bodensee ist er in Baden-Württemberg Vorreiter beim Anbau von Sida hermaphrodita, einer Energiepflanze mit hohem Potenzial. Gespannt wartete er auf trockene Kälte, um auf 300 Quadratmetern Versuchsfläche die erste Ernte der zweijährigen Sida einzufahren. Das Ergebnis erfüllte alle Erwartungen und weckte das Interesse von Fachleuten aus Freiburg. Die Gewächshäuser der Gärtnerei wurden früher mit Öl und Erdgas befeuert. In den Jahren 2005 und 2007 stellte Peter Kaltenbach auf Hackschnitzel um. Auf diese Weise können 3000 Quadratmeter Gewächshäuser nahezu CO2-neutral beheizt werden. Der Kontakt mit der Nawaro-Szene brachte ihn vor zwei Jahren auf die Idee, die nachwachsenden Rohstoffe selber zu produzieren und Sida anzupflanzen. Das erforschte Großgras “Miscanthus” wählte er nicht, weil es beim Verbrennen viel Schlacke bildet und wegen seiner Inhaltsstoffe nur in Edelstahlkesseln verheizt werden kann. Sida indes hat Aschewerte wie Holz und gewichtsbezogen auch den gleichen Heizwert.
Zum Setzen der Pflanzen (Richtgröße 600 pro Hektar) diente eine alte Tabakpflanzmaschine. Zwei Jahre bildete sich der Wurzelstock aus, von dessen Qualität die Biomasseerträge abhängen. Im Frühjahr treiben aus einem robusten Wurzelstock 20 bis 30 Triebe, die drei bis vier Meter Höhe erreichen. Ab dem Herbst stehen sie zur Ernte bereit. Die erfolgt vorzugsweise im Winter, weil dann die holzigen Stängel einen niedrigen Feuchtigkeitsgehalt haben. Doch bevor es dem Nawaro-Freund so richtig “Sida”-warm wird, muss er sich schockfrosten lassen.
Bei minus fünf Grad trommelte Peter Kaltenbach Nawaro-Beobachter zur ersten Ernte zusammen. Die Agentur für nachhaltige Nutzung von Agrarlandschaften (ANNA) hatte eine Spezialmaschine organisiert, die bei der Vatermais-Entfernung zum Einsatz kommt. Michael Nahm von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes notierte Zahlen zur Ernteeffizienz. Das Landratsamt Breisgau Hochschwarzwald entsandte den Fachbereichsleiter für Landwirtschaft, Jürgen Maier. Auch Sulzburgs Bürgermeister Peter Wehrle ließ sich die Ernte-Premiere auf Gemarkung Laufen nicht entgehen.
Wegen des Schneebruchs in der Anlage mussten die dürren Stängel von Hand korrigiert und der Maschine zugeführt werden. Diskutiert wurde die Schnitthöhe. Jeder Zentimeter, der stehen bleibt, schmälert den Ertrag. Ein zu tiefer Schnitt gefährdet möglicherweise den Austrieb. Die Zerkleinerung war sehr fein, aber in der Hackschnitzelanlage im Mischbetrieb verwertbar. Nächstes Jahr kann Kaltenbach eine benachbarte zweijährige Sida-Fläche dazu nehmen und mit einem gröberen Maishäcksler ans Werk gehen, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.

 Sida im September grün (Ernte erst im März)

Dennoch entsprach das Ergebnis von 350 Kilogramm auf 300 Quadratmetern im zweiten Jahr den Literatur-Recherchen. Bei einer Restfeuchte von 19,18 Prozent ergeben sich hochgerechnet auf ein Hektar mehr als neun Tonnen Trockenmasse im Jahr, was etwa 4500 Litern Heizöl entspricht. Seine gesamte Sida-Fläche beziffert Kaltenbach mit 0,75 Hektar. Parallel testet er jedoch noch auf 2,75 Hektar den Anbau von Paulownien (Blauglockenbäumen) und Pappeln als schnellwachsende Rohstoffe. “Wenn alle Kulturen im vollen Ertrag sind, kann ich circa ein Drittel der Wärmeenergie für die Gärtnerei aus eigenem Anbau beziehen”, kalkuliert Kaltenbach. Ein langer, mühsamer, zeitweise ganz schön frostiger Weg.

Sida – Riesenmalwe: Die Sidapflanze gehört zur Staudenfamilie der Malvengewächse. Sie stammt aus Nordamerika und ist frostbeständig bis minus 35 Grad Celsius. Sida-Plantagen können 15 bis 20 Jahre genutzt werden. Im ersten Jahr bildet Sida ein stark verzweigtes Wurzelsystem bis zu drei Metern Tiefe aus. Deshalb erweist sich die Pflanze als resistent gegen Wassermangel während der Wachstumsphase und zeichnet sich durch schnelle, hohe Biomasseerträge von 14 bis 20 Tonnen Trockenmasse pro Hektar aus. Damit könnte man ein Einfamilienhaus ein Jahr heizen. Das entspricht in etwa 7000 bis 10 000 Litern Heizöl. Die Imker schätzen die Blüte von August bis November mit einem hohen Honigertrag. Muss man auf Nutzholz in Wäldern mehrere Jahre warten, bringt Sida bereits ab dem zweiten Jahr erste ordentliche Erträge.
11.3.2013, Sabine Model

Kaltenbach KG Gärtnerei Blumenfachgeschäft
Johanniterstr. 90, 79423 Heitersheim, Tel (07634) 2024

ANNA – Agentur für nachhaltige Nutzung von Agrarlandschaften
Agentur für Nachhaltige Nutzung von Agrarlandschaften, Klarastrasse 94, 79106 Freiburg, Tel 0761/202323-0
www.anna-consult.de

 

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