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Schneeglöckchen am 24.2.2014 - Frühling im Winter in Freiburg

Schneeglöckchen am 24.2.2014 – Frühling im Winter in Freiburg

 

UMF verübt brutalen Überfall auf eine Frau in FR – Opferschutz?
Mehr als eine Statistik – Wie lebt das Opfer eines brutalen Überfalls weiter?
In der Polizeistatistik war es ein Fall von vielen. Den Zeitungen war er ein paar Zeilen wert. Doch was bedeutet eine brutale Straftat für das Opfer? Wir haben mit einer 47- Jährigen gesprochen, die Mitte Dezember am Runzmattenweg überfallen und beraubt wurde. Ihren Namen haben wir geändert und nennen sie hier Aurelia P. Sie erinnert sich auch mehr als vier Monate danach noch ganz genau – die Bilder kommen immer wieder. Täglich, manchmal sogar stündlich.
Aurelia P. ist Altenpflegerin und wartet an diesem Dezembermorgen am Runzmattenweg auf die Stadtbahn. Es ist 5.40 Uhr und stockdunkel. „Ich war erst ganz allein am Bahnsteig und auf einmal steht da dieser Kerl mit einer Flasche Bier in der Hand.“ Er will eine Zigarette von ihr, sie sagt, sie habe keine. Dann geht es ganz schnell: Er stürzt sich auf sie, versucht ihr die Handtasche zu entreißen. Sie ist starr vor Schreck. Ein paar Minuten später findet eine Frau sie – halb über der Bank liegend, die Hände blau, voller Prellungen und mit Bier beschüttet. Die Handtasche ist weg: Mit Geld, persönlichen Dingen, ihrer Krankenversicherungskarte, also auch ihrer Adresse. Die Zeugin alarmiert die Polizei. Beschreiben kann Aurelia P. den Täter kaum, weiß nur noch, dass er dunkle Haut und eine weiße Mütze auf dem Kopf hatte. Dennoch kann ihn die Polizei schließlich verhaften, er wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft. Sie bekommt die Handtasche zurück. 20 Euro fehlen. Das ist das kleinste Problem.
„Seit diesem Tag ist nichts mehr so wie zuvor“, sagt Aurelia P. Sie traut sich kaum noch auf die Straße, muss das aber, sogar in der Dunkelheit, denn schließlich arbeitet sie im Schichtdienst. Auch die Straßenbahn muss sie weiter nehmen, für ein Auto reicht das Gehalt nicht. Aber noch einmal an dieser Haltestelle zusteigen? Nein. Sie geht fortan zu einer anderen, belebteren Haltestelle. „Doch jedes Mal, wenn jemand dazu kommt, habe ich Herzklopfen“, sagt sie. Ein-, zweimal gesellten sich morgens plötzlich Betrunkene zu ihr – „das war ein schlimmes Gefühl“.
Vor einigen Wochen war sie mittags erstmals wieder an der Stelle des Überfalls – „da kam das Ganze erneut mit voller Wucht hoch“. Die Telefonnummer der Opferhilfsorganisation „Weißer Ring“ hat sie von einer Sozialarbeiterin bekommen. Zunächst versucht sie aber, das Geschehen im privaten Rahmen zu verarbeiten. Mit der Familie, mit Freunden, Kolleginnen, mit vielen Gesprächen. „Doch die Leichtigkeit im Leben ist weg.“ Sie sei nie ein ängstlicher Mensch gewesen, sagt Aurelia P. Sie habe Großstadterfahrung, sei in Rumänien aufgewachsen, lebe seit über 20 Jahren in Deutschland und es sei nie etwas passiert. In letzter Zeit sei es aber in Freiburg sichtbar schlimmer geworden. Eine Bekannte sei abends bereits zweimal belästigt worden, obwohl sie mit ihrem Hund unterwegs gewesen sei. Fast alle Kolleginnen hätten inzwischen stets Pfefferspray dabei. „Wo leben wir hier?“, fragt Aurelia P. „Das ist doch Freiburg – und kein Kriegsgebiet.“
Ihren Peiniger hat sie wiedergesehen, denn neulich war die Gerichtsverhandlung. Aurelia P. war nicht das einzige Opfer, es wurde gleich ein halbes Dutzend Fälle mit diesem Täter verhandelt. Er entschuldige sich bei ihr, übersetzte der Dolmetscher. „Er begeht fünf oder sechs brutale Straftaten und entschuldigt sich mal eben so? Das kann ich nicht akzeptieren“, sagt die Altenpflegerin. Zumal ihre Hoffnung, der junge Mann lande hinter Gitter, enttäuscht wird. Es gibt eine Bewährungsstrafe, der minderjährige Täter ist auf freiem Fuß. In ihrem Viertel.
Auf die Erstattung ihrer Fahrtkosten für die Gerichtsverhandlung hat sie verzichtet. Aus Konsequenz, denn: „Der Täterschutz scheint wichtiger als der Opferschutz.“
28.4.2016, Stefan Ummenhofer. www.stadtkurier.de

 

 

Mitarbeiter im Hochschwarzwald dringend gesucht
Dieser Mann wollte einer bedrohten Person beistehen, wurde dabei zusammengeschlagen und ist ein Jahr später immer noch traumatisiert. Bei solchen Fällen kann der Weisse Ring auch die Gerichtsbegleitung übernehmen, denn die Konfrontation mit dem Täter ist für manch Einen schwer zu bewältigen. “Wir wollen erreichen, dass die Opfer aus ihrer Opferrolle herausfinden, das heißt, wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe”, betont Monika Toussaint. Sie macht es für die Opfer am Bild einer gemeinsamen Treppenaufstiegs fest: “Stellen Sie sich vor, ich sei das Geländer, Sie legen die Hand darauf, um Halt zu haben, aber die Treppe steigen Sie alleine.” Wie aus einem Munde äußern Toussaint und Noll einen Wunsch, den sie gerne erfüllt hätten: “Ganz dringend suchen wir Mitarbeiter für den Raum Hochschwarzwald. Wer Interesse hat und auch Zeit investieren kann, möge sich bitte bei uns melden.”…
Alels vom 29.4.2014 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/titisee-neustadt/raus-aus-der-opferrolle-x2x

Weisser Ring

Der Weiße Ring macht sich für den Opferschutz, die Kriminalitätsvorbeugung und für mehr Zivilcourage stark. Der Weiße Ring wurde 1976 gegründet und hat 420 Aussenstellen, 60 000 Mitglieder, in Freiburg 200, davon sieben aktive. Auf ihren ehrenamtlichen Dienst wurden ca 3200 Mitglieder in Seminaren gründlich vorbereitet.
Jährlich wenden sich bis zu 250 Geschädigte (zu 90 % Frauen) an die Freiburger Außenstelle, 30 bis 40 % wegen sexualisierter Gewalt.

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Der Weiße Ring Freiburg hat rund 200 Mitglieder.
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