Schulverwaldung – 7.Klässler eine Woche im Wald – Waldhaus, badenova

Lernen mit Spaß im Wald – Projekte wie „Schulverwaldung“ vermitteln einen zusätzlichen pädagogischen Ansatz
Es tropft von den Blättern, der Weg ist feucht. Plötzlich taucht mitten im Freiburger Stadtwald unweit der Sternwaldwiese eine kleine Lichtung auf, auf der so etwas wie ein Dorf zu erkennen ist. Links des Weges steht ein kleiner Bauwagen, rechts davon schützt eine Plane mehrere Bänke. Im Hintergrund glüht die Kohle in einem Ofen und auf einem Feuer in einer ehemaligen Reifenfelge kocht Wasser. Hier leben keine Aussteiger,  hier sind für eine Woche Schüler „zu Hause“. Begonnen hat das Projekt „Schulverwaldung“ im letzten Jahr mit Freiburg als bundesweitem Vorreiter.

Auf die frische Pizza aus dem selbstgebauten Lehmofen freuen sich Justin, Juliane Trümmner, Lucas, Mike und Florian Wolf. Bild: Kickert

Für je eine Woche haben zwölf verschiedene Schulklassen und Gruppen daran teilgenommen. In diesem Jahr sind es bereits fünf gewesen. „Alle Lehrer, die teilgenommen haben, wollen wieder kommen, auch wenn einige anfangs überzeugt werden mussten“, sagt Florian Wolf. Der pädagogische Leiter der „Lernstatt Freiburg“ ist zum dritten Mal mit einer Gruppe im Wald.
Die Lernstatt Freiburg ist ein pädagogisches Time-Out-Modell von Werkrealschulen für Jugendliche aus der 7. und 8. Klasse, die an der Stammschule mit herkömmlichen pädagogischen Mitteln nicht mehr in Unterricht und Schulleben integrierbar sind. „Es haben bisher alle Schularten mitgemacht“, freut sich Projektleiter Philipp Gottwald. „Und es ist anders, als wir es uns vorgestellt haben. Am Anfang sind viele oft verhalten, weil sie den Wald nicht kennen. Aber am Ende lernen sie viel mehr.“ Der Mix aus Lernen, Spaß und Machen sei der Geist des Projektes, so Gottwald. Vor allem Schüler, die kurz vor dem Start ins Berufsleben stünden, würden von der Zeit in der Natur profitieren. Für Florian Wolf spielt besonders der präventive Charakter der Arbeit eine Rolle. „Hier können die Schüler soziale Kompetenzen einarbeiten, aber auch Grenzerfahrungen sammeln.“ Lucas ist einer der Schüler, die in dieser Woche trotz Regens im Wald sind. Auf dem Programm heute steht der Bau eines Bienenstocks. Und, wie jeden Tag, das gemeinsame Zubereiten des Mittagessens. Dafür steht ein Lehmofen zur Verfügung, den eine Gruppe im letzten Jahr erstellt hat. „Die erste Pizza war nicht so gut, weil die Lehmwand zu dünn war“, erinnert sich Gottwald. „Eine andere Schülergruppe hat diese dann verstärkt.“

Auch andere Gemeinschaftsergebnisse wie die Toilette oder ein „Spülbecken“ sind nach und nach entstanden. Auch wenn das selbstgezimmerte Plumpsklo wegen des Toilettenpapiers nicht hundertprozentig ökologisch korrekt ist, sei er froh, dass es jetzt eines gebe, sagt Philipp Gottwald.
Für viele Schüler ist es das erste Mal, dass sie in der freien Natur sind. Wenn die Bienenstöcke in Betrieb sind, werden zukünftige Gruppen vielleicht Honig verarbeiten können. In diesem Jahr wurden beispielsweise schon Kirschbäume gepflanzt. Im Gegenzug hat der zuständige Förster Bernhard Friedmann eine Tanne zur Verfügung gestellt, aus der Bänke gebaut wurden. „Wir sind auf der Suche nach neuer Arbeit, die für die Teilnehmer auch Sinn macht“, meint Gottwald.
Die Hälfte der Projektkosten wird vom Energieunternehmen Badenova getragen. „Die Waldhaus-Stiftung hat sich mit diesem Projekt beworben. Mit unserem Innovationsfonds für Klima- und Wasserschutz unterstützen wir jedes Jahr etwa 15 bis 20 Projekte, die nachhaltig sind und ein positives Beispiel geben wie die Schulverwaldung“, sagt Anke Held von der Badenova. Das Unternehmen unterstützt den neuartigen Ansatz mit 130.000 Euro.

„Es ist ein Geschenk, Mitarbeiter wie unseren Projektleiter zu haben“, lobt Waldhaus-Leiter Markus Müller. Der Erfolg des Projektes trägt erste Früchte. In Landwasser gibt es nun in Kooperation mit der Albert-Schweitzer Schule ebenfalls eine Station im Wald. Lehrer, die noch in diesem Jahr an dem Projekt teilnehmen wollen, müssen sich beeilen. Die Anmeldung ist ein halbes Jahr vorher nötig. Auch in anderer Hinsicht gibt es neue „Schul-Wege“, weitere pädagogische Ansätze. Das Schulfach Glück beispielsweise. Was es damit auf sich hat, darüber referiert am heutigen Donnerstag um 19 Uhr der Heidelberger Oberstudiendirektor Ernst Fritz-Schubert in der Max-Weber Schule.                  
www.stadtkurier.de, 11.5.2012, Nils Kickert

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