Schlossbergturm – Holz marode

Der Turm auf dem Schlossberg ist marode und derzeit gesperrt, da die Holzkonstruktion vom Pilz befallen und nicht mehr zu retten ist. Eigentlich logisch, da der Witterung schutzlos ausgesetztes Holz hierzulande nach spätestens 20 Jahren verrottet ist. Baukosten 2002: 350.000 Euro durch Spenden. Sanierung 2009: 31.000 Euro. Provisorische Sicherung 2014: 50.000 Euro. Endgültige Wiederherstellung 2015: …

 

Pilzbefall am Schlossbergturm: Experte erhebt Vorwürfe
Der Stützen des Freibuger Schlossbergturms sind marode. Dass das Holz nicht lange hält, hätte man schon lange wissen können, meint ein Holzexperte. Und: Dass der Turm trotz Pilzbefalls lange Zeit noch geöffnet war, hält er für bedenklich. … Alles vom 16.5.2014 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/pilzbefall-am-schlossbergturm-experte-erhebt-vorwuerfe–84892354.html

 

Die einfachen Lehren aus der Holzbautradition
Der Witterung schutzlos ausgesetztes Bauholz ist in unseren Breiten nach 15 bis 20 Jahren am Ende. Egal welche Holzart, ob bei Vollmond eingeschlagen oder wie auch immer vorbeugend vergiftet. Durch Kesseldruckimprägnierung mit Eindringtiefen von 20 bis 40 mm wird nur das oberflächennahe Holz geschützt. Sie eignet sich für Bretter, Bohlen und nicht zu dicke Kanthölzer. Nicht aber für massive Rundholzstämme, bei denen tiefe Schwindrisse den ungeschützten Querschnittskern dem Angriff von Feuchte, Pilzen und Insekten öffnen. Abhilfe könnte nur der “konstruktive Holzschutz” bieten. Dem im konkreten Fall die Exponiertheit in Verbindung mit den speziellen Gestaltungsansprüchen diametral entgegenstehen.
Bedenken wir die Lehren aus bewährter Holzbautradition. Ausnahmslos alle überdauernden Holzbauwerke haben ein Dach. Besonders augenfällig ist das bei historischen Holzbrücken. Die brauchten das Dach um das empfindliche Holz vor Witterung zu schützen und somit möglichst wirtschaftlich in teure Infrastruktur zu investieren. Nicht etwa um die Fuhrleute trocken zu halten, die sonst auf dem Weg auch nirgends Schutz vor Regen hatten. Bei Planung und Bau von tragenden Konstruktionen gibt es genau drei übergeordnete Kriterien der Bautechnik zwingend zu beachten: Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit. Um das vorgängige Planen der Dauerhaftigkeit wurde sich offenbar herumgeschummelt. Damit ist es nach vorhersehbar kurzer Zeit auch mit der Gebrauchstauglichkeit und Sicherheit vorbei.
28.5.2014, Michael Kitzlinger, Freudenstadt

 

Seit 22.5.2015 ist Schlossbergturm gesperrt, da seine Holzträger morsch sind. Teuer: Bau in 2012 nach Plänen von Architekt Hubert Horbach für 375.000 Euro, Sanierung durch die Stadt FR bisher 100.000 Euro, weitere 150.000 Euro für verzinkte Stahlstützen stehen an. Holz oder Stahl?

Einsturzgefahr: Maroder Schlossbergturm ab sofort gesperrt
Der Schlossbergturm ist ab sofort gesperrt. Fachleute haben festgestellt, dass die Schäden schlimmer sind als angenommen: Mehrere Stämme sind durchgefault. Bei einem Sturm droht Einsturzgefahr. ….
Alles vom 22.5.2015 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/einsturzgefahr-maroder-schlossbergturm-ab-sofort-gesperrt–105177330.html

Hätte man auf einfache Regeln gehört, wäre eine Sanierung jetzt nicht nötig
Die erforderliche Sanierung des Schlossbergturms und der Beschluss des Gemeinderats, die Planung und den Bau eines Stadions in Holzbauweise zu prüfen, ruft offensichtlich nicht nur die üblichen Spaßvögel und ewigen Verbreiter von Volksvorurteilen gegen den Holzbau generell auf den Plan. Man kann ja nicht wissen, ob die BZ vom 20. Mai Baubürgermeister Martin Haag richtig wiedergibt. Aber es wird dort behauptet, er habe gesagt, “Holzbauweise sei immer mit höheren Kosten verbunden und benötige einen höheren Zeitaufwand”. Ich schätze Martin Haag sehr, aber da kann und muss man dagegenhalten!
In Freiburg und der Regio habe ich den Bau von vermutlich mehr als 200 Wohneinheiten betreut, wo der ökologische Holzrahmenbau zum Wesenselement gehört. Diese Wohnhäuser fallen im Schnitt nicht preislich aus dem Rahmen der einschlägigen Statistiken. Im Gegenteil, den Styropor–Beton–Verbundbauten, die irrtümlich Massivbauten genannt werden, sind sie in der Qualität weit voraus und deutlich schneller bezugsreif – und sie müssen nicht trockengewohnt werden. Jene die dort wohnen, schätzen sich sehr glücklich, dieser Bauweise begegnet zu sein. Jeder Baustoff hat unterschiedliche Vorzüge und Nachteile. Außerdem gehört noch Wissen und Können dazu, damit der Baustoff seine Vorzüge entfalten kann. Da ist doch eine Prüfung der Frage, ob Holz- oder Beton der maßgebliche Baustoff für das Sportclub-Stadion werden soll, keine schlechte Entscheidung. Selbst ein Holzstadion wird kein reines Holzstadion werden: Es wird Beton, Stahl, Glas und auch Kunststoff brauchen! Im Übrigen, als die Vordachkonstruktion der Berliner Kongresshalle aus Stahlbeton herunterklappte, weil der Rost die Zugbewehrung weggerostet hat, hat auch keiner vom Ende des Stahlbetonbaus geredet. Hätte man am Schlossbergturm auf die einfachen Regeln des konstruktiven Holzschutzes gehört, wäre eine Sanierung zumindest jetzt nicht nötig gewesen.
1.6.2015, Herrmann Hallenberger, Zimmermeister, Freiburg

Wer finanziert die Folgen von vermeidbaren Planungsfehlern?
Als steuerzahlender Bundesbürger bin ich irritiert, dass in solchen Fällen nicht das Verursacherprinzip angewendet wird und stattdessen der Steuerzahler – hier die Stadt Freiburg – für die Folgen von offensichtlichen Fehlplanungen aufkommen muss. Der mittlerweile ausgelutschte Begriff “nachhaltig” bekommt meines Erachtens bei der hier vorhandenen Nutzungsdauer für den nachwachsenden Rohstoff Holz eine weitere interessante Bedeutung: Nach 80 Jahren gefällt, nach 13 Jahren Nutzung verfault.
Nachdem schon unsere Vorfahren in der Lage waren, langlebige, weil materialgerecht verarbeitete Konstruktionen aus Holz zu bauen, ist es schon erstaunlich, mit welcher Unwissenheit, Ignoranz und gestalterischem Eigensinn man sich heute über alte Erfahrungswerte hinwegsetzt. Denn das gemeinsame Merkmal dieser langlebigen historischen Bauten ist eine kluge Bauweise mit einem integrierten konstruktiven Holzschutz – weil damals schon bei der Planung die allgemein bekannte materialtypische Schwäche von Holz bei Einwirkung von Dauerfeuchtigkeit berücksichtigt wurde.
Eine nicht materialkonforme Detailplanung für den konstruktiven Holzschutz zeigt sich auch bei ungeschützt im Regen stehenden Baumstämmen mit einem großen Querschnitt, der ein schnelles Abtrocknen des Holzkerns verhindert, sie deshalb auf biologisch natürliche Weise von innen her verfaulen lässt und dabei den natürlichen Nährboden für Pilze bildet. Das für den Materialmix preisgekrönte Bauwerk ergibt dann eine politisch angesagte modisch-schwarzwaldtypische Bio-Natur-Holz-Stahl-Konstruktion, bei der sich dann allerdings die überforderten Holzteile auf natürliche Weise durch selbständiges Kompostieren aus der Verantwortung für die Statik verabschieden. Und das auch noch ohne giftige Rückstände wegen des fehlenden wirksamen Holzschutzanstrichs.
Bleibt die Frage: Wer finanziert die Folgen von vermeidbaren Planungsfehlern? Vielleicht eine noch zu schaffende Lehrgeldbehörde. Und wer hindert einen Fehlplaner daran, erkannte Fehler bei der fälligen Sanierung zu wiederholen, weil er auf diese Weise einen Gesichtsverlust vermeiden will? Vielleicht eine aufmerksame Presse, die auch die Frage nach dem Verursacherprinzip zur Diskussion stellt.
1.6.2015 , Eberhard Schmidt, Freiburg

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