Ruhe und autofrei dank WM

Samstagabends ab 20 Uhr: Kaum Autos, B31 durch Freiburg verwaist, auf der Talstrasse hocken zwei Katzen, kein Verkehrslärm, die Amseln singen hörbar – Ruhe dank Fussball-WM Uruguay-Costa Rica (1:3) am 15.6.2014. Alles hockt am Fernseher und zusätzlich setzen 12,2 Mio Twitter-Nutzer ihre Botschaften ab (60 vor – 30 min nach dem Spiel). Beim WM-Eröffnungsspiel Brasilien-Kroatien (3:1) am 12.6. lag die TV-Quote bei 16 Mio, also ca. 40 Mio Menschen am Bildschirm (zum Vergleich: die höchste TV-Einschaltquote mit 31 Mio gab es bei der WM 2010 in Südafrika beim Halbfinalspiel Deutschland-Spanien). Da stehen uns ja – hoffentlich spielen die Deutschen Fussballer lange mit – noch viel ruhige Abende in Freiburg bevor.
Fazit: Für viele verkehrslärmgeplagte Freiburger ist die WM ein Segen, da während der Spiele wohltuende Ruhe einkehrt. Gleichwohl gibt die WM 2014 in Brasilien viel zu Denken: 1. Fifa-Korruption, 2. Schiedsrichterbetrug, 3. WM für Reiche (die Masse der fussballbegeisterten Brasilianer bleibt ausgesperrt, da die Tickets zum Eintritt in die Arenen für sie unbezahlbar sind) und 4. die 20 Mrd für den Stadionausbau fehlen bei Bildung und Infrastruktur/Wohnen.

 

Fussball mögen oder nicht
Es sind nun mal nicht alle fußballbegeistert oder was auch immer diese Art des Ballhinterherlaufens auslösen soll, es macht nur Spaß, Kindern beim Kicken zuzusehen – ich sehe einfach nur die weltweiten korrupten Auswirkungen und die echt beschi….. Zustände im Gastgeberland, die im Grunde wenige interessieren. Wenn die “Spiele” vorüber sind, bleiben die Leute wieder mit dem ganzen Mist alleine, die enthusiastischen Fans sind wieder im Alltagsmief versunken, aus dem sie mal kurz aufgetaucht sind. Für mich ist das alles nur “Opium fürs Volk”, im Bundestag werden unterdessen wieder im Eilverfahren Gesetze abgenickt, weil das Volk irgendwo beschäftigt ist.
Außerdem gibt es keinen Platz rund um die Stadt, an dem Ruhebedürftige Stille finden können, der Schallteppich reicht bis in die Wonnhalde. Jede Kneipe darf mitten in der Nacht Public Viewing machen, die Anwohner, die eher schlafen wollen, sind machtlos dagegen.
Wir werden einfach per Anordnung dazu verdonnert, Fußball zu “mögen” und gefälligst alles mitzukriegen und es auszuhalten. Die einsame Insel ist für mich leider nicht erreichbar….
17.6.2014, Bea Joeck
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Viellicht au – gar keini meh
Nemme mr aa, Du bisch achtzig Johr alt un hesch sitterem 16. Lebensjohr alli Fueßballweltmeischterschafte mit Begeischterung oder Enttäuschung oder ime Wechselbad vu beidem verfolgt. Im Radio, Fernsähne un Publc Viewing. No hättsch du während denne vieresechzig Johr sechzehn Weltmeischterschafte miterlebt. Genauer eigentlig bloß fuffzehni, denn die sechzehnt isch jo noch am Laufe.
Un jedsmol hesch du g’hofft un Millione anderi hen des au, dass Ditschland ganz wit nach vorne kunnt, ins Halbfinale, ins Finale oder gar Weltmeischter wurd. Millione hen ihri Geheimfavorite, ihri Geheimtipps, ihri Helde, Bösewichter, ihri Wut uff Schiris un Linierichter un ihri heimliche Wünsch au, wo si sich keinem sage traue. Un wer het nit sini Lieblingsspieler? Au wenn selli Brasilianer, Niederländer oder Spanier sin. Hauptsach isch, dass die nit grad im Spiel gege „uns“ Ditschi besser köpfe, schneller fießle un besser treffe. Vieli vun uns töne groß, sie dääde desmol nit so verruckt fascht jeds Spiel aaluege, hucke aber um’s Rumgucke dann doch wochelang Daag un Naacht vor de Glotzi. Wenn des Wahnsinns-Spektakel dennoo widder ämol vorbei isch, verwitschesch dich debii, wie de aafangsch an de Finger abzähle, wie viel Mol du wohl noch so-n-ä Weltmeischterschaft erlebsch. Einmol, zweimol, dreimol oder oder viellicht au – gar keini meh?
25.6.2014, Stefan Pflaum

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