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St.Peter im Schwarzwald - Blick zum Nebel des Rheintals im Oktober 2018

St.Peter im Schwarzwald – Blick zum Nebel des Rheintals im Oktober 2018

 

 

 

Zum Verhältnis von Buddhismus und Islam
Weltweit zählt der Buddhismus etwa bis zu 500 Millionen Anhänger, die meisten davon in China. Hierzulande leben schätzungsweise etwa 250.000 Buddhisten, davon ungefähr zur Hälfte Deutsche, die zumeist aktiv in Gruppen und Zentren organisiert sind. Die andere Hälfte stammt aus Asien, vorwiegend mit thailändischen und vietnamesischen Wurzeln. Die Zahl der Moslems weltweit wird mehr als dreimal so hoch geschätzt; in Deutschland leben knapp fünf Millionen.

Für bekennende Moslems sind Buddhisten, noch mehr als Christen, Ungläubige, weil sie an keinen Gott glauben. Der Buddhismus ist eine reine (Selbst-)Erfahrungsreligion oder „Religion vor der Religion“ (Shunryu Suzuki), er hat keinen Gottesbezug und kennt in seiner Ursprungsform keinen Glauben. Im Volksbuddhismus gibt es allerdings Götter, die jedoch nicht unsterblich sind, oder Bodhisattvas, den christlichen Heiligen ähnliche Verehrungswesen.
Vor diesem Hintergrund ist der Konflikt zwischen Islam und Buddhismus intrinsisch angelegt und wird zuweilen auch gewaltsam geführt. Eine expansionistische Strategie weltweit durch islamistische Kämpfer ist nicht zu übersehen, während der Buddhismus nicht auf Missionierung ausgerichtet ist und als friedvoll gilt. Dennoch haben Buddhisten in der Geschichte verschiedentlich zurückgeschlagen, wie 2017 in Burma (Myanmar) und in diesem Frühjahr auf Sri Lanka. Der heutige Dalai Lama erkennt Gegengewalt notfalls als legitim an.
Einer der größten blutigen Konflikte ereignete sich Ende des 12. Jahrhunderts in Indien, als der Buddhismus sich dort bereits im Rückzug und der Hinduismus als Volksreligion sich im friedlichen Vormarsch befand (der Hinduismus mit seinem Pantheon war dem Islam auch immer mehr als fremd, woraus oft blutige Konflikte bis heute resultieren, zum Beispiel in Kaschmir). Seinerzeit zerschlugen Islamisten unter anderem die hochangesehene buddhistische Universität von Nalanda und töteten bis zu 10.000 Studenten, zumeist Mönche. Auch die Eroberung Baktriens und Gandharas (heute Afghanistan beziehungsweise Teile Pakistans) durch Islamisten verlief überwiegend blutig.
In Malaysia dominiert heute die inzwischen moslemische Mehrheit zunehmend Staat und Politik und drängt besonders die buddhistische chinesische Minderheit zunehmend zurück. Ähnliches ereignete sich schon früher in Teilen Indonesiens. Auch im buddhistischen Thailand bombten sich Islamisten der kleinen moslemischen Minderheit in Tourismuszonen ins Gedächtnis ihrer Glaubensbrüder weltweit.
Der Buddhismus in Deutschland ist seit weit über einhundert Jahren präsent. Ein früher Vertreter war der Philosoph Arthur Schopenhauer, nachdem er sich intensiv mit altindischen Schriften und Lehren des Brahmanismus beschäftigt hatte. 1903 gründete sich eine erste Gemeinschaft in Sachsen unter dem Indologen Karl Seidenstücker. Eng mit dem Buddhismus verbunden waren Wilhelm Busch, Rainer Maria Rilke und Martin Heidegger, letzterer besonders mit der Philosophie des japanischen Zen (Shobogenzo des Dogen Zenji und der Kyoto-Schule). Richard Wagner plante sogar eine buddhistische Oper unter dem Titel „Die Sieger“.
Die deutschen Buddhisten sind heute teilweise in der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) organisiert. Dem traditionsübergreifenden Dachverband mit Sitz in München gehören nach eigenen Angaben 63 Mitgliedsgemeinschaften und über 2.500 Einzelpersonen an. Er gibt vierteljährlich die Zeitschrift Buddhismus Aktuell heraus. Viele buddhistische Vereinigungen, die zusammengenommen die Mehrheit der Buddhisten hierzulande bilden, sind jedoch nicht in diesem Dachverband vertreten, kritisieren dessen Vertretungsanspruch und vertreiben eigene Publikationen.
Hiesige Buddhisten, besonders Gruppen der DBU, haben sich lange Jahre in städtischen Zirkeln um einen Interreligiösen Dialog bemüht. Dieser ist inzwischen besonders wegen der doktrinären Positionen der Vertreter des Islam weitgehend als gescheitert anzusehen. Allerdings gibt es zwischen der DBU und den unorthodoxen Aleviten in Deutschland gute Kontakte.
Die DBU vertritt einen sehr gemäßigten Kurs gegenüber dem Islam in Deutschland, und über Übergriffe auf Vertreter des Buddhismus in Deutschland wurde bisher nichts bekannt. Der Dalai Lama, dessen Wort in Deutschland große Achtung genießt, warnte jedoch mehrmals eindringlich davor, den Islam sich in Europa etablieren zu lassen und rief dazu auf, dessen religiöses und gesellschaftliches Dominanzstreben zu unterbinden. „Europa, zum Beispiel Deutschland, kann kein arabisches Land werden“, sagte er Ende Mai 2016 in einem FAZ-Gespräch. Flüchtlinge sollten nur vorübergehend aufgenommen werden. „Das Ziel sollte sein, daß sie zurückkehren und beim Wiederaufbau ihrer eigenen Länder mithelfen“, erklärte der Dalai Lama. Bei einem Besuch in Schweden im September dieses Jahres setzte er nach: „Ich denke, Europa gehört den Europäern.“

Die DBU und deren Zeitschrift Buddhismus Aktuell halten sich in der aktuellen Einwanderungsdebatte zurück, lassen aber eine eher liberale Haltung durchblicken. Im Falle des Rohingya- Konflikts in Burma tendiert die vorherrschende Sichtweise allerdings im Sinne des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen dazu, die Buddhisten dort für die blutigen Auseinandersetzungen maßgeblich verantwortlich zu machen.
Die größte Mitgliedsorganisation in der DBU, die in Wuppertal ansässige Diamantweg-Vereinigung mit etwa 150 Zentren und Gruppen in Deutschland, drückt sich durch ihren Gründer und ersten Lama Ole Nydahl indes äußerst islamkritisch aus, insbesondere die Unterdrückung der Frauen betreffend. Ein leitendes Mitglied der Gruppierung in Österreich, Klaus Kaltenbrunner, rief verschiedentlich zu nachdrücklichem Widerstand gegen die Islamisierung in Europa auf. Dem dürfte wohl eine Mehrheit der Buddhisten hierzulande, wie auch in ganz Europa, beipflichten, besonders auch in Osteuropa, gerade auch Rußland, wo sich in den letzten zwei Jahrzehnten wieder viele buddhistische Vereinigungen gegründet haben.
Holger Stienen, 7.12.2018, Junge Freiheit, Seite 16
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Dr. Holger Stienen, Jahrgang 1954, war Mitglied der erweiterten Redaktionen der Zeitschriften „Buddhismus Aktuell“ und „Buddhistische Monatsblätter“ sowie vier Jahre im Vorstand der Buddhistischen Gesellschaft Hamburg.
Die Deutsche Buddhistische Union (DBU) hat ihren Sitz in München
http://www.buddhismus-deutschland.de

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