Regionalgeld Freitaler – Sozial-Euro zum Einkaufen in Freiburg

Es ist Urlaubszeit, und der eine oder andere wird auch in Zeiten des Euro mit anderen Währungen konfrontiert. Doch man muss gar nicht groß verreisen, um eine Alternative zum Euro zu finden: Seit 2004 verfolgt der Verein Freitaler e.V. das Ziel, eine Regionalwährung in Freiburg zu etablieren. Bis vor kurzem war dem Projekt kein großer Erfolg beschieden. Seit Anfang des Jahres weht nun ein frischer Wind im Verein. Das Konzept wurde geändert, neue Partner wie beispielsweise Slow Food e.V. wurden gewonnen. Einer der neuen Motoren ist André Naumann. Der zweite Vorstand hatte nach dem Abschluss seines Studiums im letzten Jahr ein Praktikum beim „Chiemgauer“ absolviert. Die Erfahrungen, die er bei der größten deutschen Regionalwährung sammeln konnte, bringt er seit sieben Monaten in Freiburg ein. An acht Ausgabestellen können derzeit Euros gegen Freitaler getauscht werden. Bezahlen kann man zum Beispiel auf den Wochenmärkten in der Wiehre und an der Habsburgerstraße, bei Webers Weinstube oder im Sedan-Café. Beim Eintauschen kann ein Projekt ausgewählt werden, das gefördert werden soll. Ein Freitaler ist einen Euro wert. Damit der nur regional gültige Gutschein auch ausgegeben und nicht gehortet wird, muss er alle drei Monate mit einer Marke aktiviert werden. „Es sollen nur Gutscheine in den Umlauf gebracht werden, mit denen das Gemeinwohl gefördert wird. Deshalb fließen sämtliche Einnahmen aus den Fördermarken direkt an die Förderprojekte“, sagt André Naumann. Im zweiten Quartal dieses Jahres konnten sich 17 Projekte und Vereine, darunter der Kinderschutzbund Freiburg und Wildwasser e.V., über eine Fördersumme von 156 Freitaler freuen. Die Zahl der Freitaler, die eingetauscht wurden, stieg auf 7.800 an. Neue Scheine werden jetzt gedruckt. Doch mit der steigenden Akzeptanz stößt der Verein mit drei operativen Vorständen, einem Praktikanten und neun ehrenamtlichen Helfern an erste Grenzen. „Wir suchen dringend einen Büroraum und weitere Mithelfer“, sagt André Naumann. „Regionalwährungen können dazu beitragen, die Kaufkraft in der Region zu binden und zu stärken“, gibt Marcel Thimm, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, dem Freitaler eine Chance. „Jedoch werden Regionalwährungen aufgrund ihrer begrenzten Einsetzbarkeit zukünftig nicht den gleichen Stellenwert wie der Euro oder ein anderes gesetzliches Zahlungsmittel einnehmen können und deshalb eher als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Zahlungsmitteln dienen“, schränkt Thimm ein. Und kommt zum Schluss: „Ich finde die Idee durchaus gelungen, jedoch stellt der Freitaler keinen Wertersatz und kein Werterhaltungsmittel dar. Darüber hinaus nehmen nicht alle Freiburger Geschäfte den Freitaler als Zahlungsmittel an, weshalb der Rahmen, in dem man mit dem Freitaler bezahlen kann, doch recht begrenzt ist.“ Dass sich noch mehr Teilnehmer finden und der Freitaler vielleicht eines Tages sogar sein Vorbild „Chiemgauer“ übertrumpft, das hoffen die Mitglieder des Vereins intensiv. Nils Kickert, 9.8.2012, www.stadtkurier.de

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