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Verschollenes Kirchenbuch von Umkirch aus der Barockzeit aufgetaucht 

Nach über 40 Jahren ist das verschollen geglaubte älteste Kirchenbuch von Umkirch wieder aufgetaucht. Es fand sich im Nachlass des früheren Kreisdenkmalpflegers Rudi Keller in Freiburg. Dessen Sohn, der Stadtrat Atai Keller, hat es jetzt dem Erzbischöflichen Archiv übergeben. Dort wird es am Sonntag, 30. Juni, beim Diözesantag öffentlich ausgestellt. In Umkirch ist man erleichtert, das das wertvolle Dokument, wieder da ist – und mit ihm viele wertvolle Personendaten aus über hundert Jahren Gemeindegeschichte.
Das Kirchenbuch der Umkircher Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt enthält Eintragungen aus den Jahren 1648 bis 1753. Es ist das älteste Kirchenbuch aus Umkirch. “Wir wussten, dass es vermisst war, weil Vinzenz Kremp Ende der 70er Jahre danach suchte, als er an der Ortschronik arbeitete”, erinnert sich Bernhard Kenk vom Heimat- und Geschichtsverein. Die jüngeren Kirchenbücher sind noch im Pfarrarchiv vor Ort, hat das Erzbischöfliche Archiv von Pfarrsekretärin Margrit Bock erfahren. Es hatte schon nach dem alten Kirchenbuch gesucht, als in den 70er Jahren begonnen wurde, diese auf Mikrofilmen abzulichten. Damit sollte ihr Inhalt leichter zugänglich werden, wenn in ihnen Daten gesucht werden, etwa zur Aufstellung von Stammbäumen.
Wie und wann genau das Kirchenbuch aus der Barockzeit den Umkirchern abhanden kam, lässt sich nur vermuten. “Mein Vater hat genealogisch, heraldisch und stadtgeschichtlich gearbeitet, er wurde auch gerufen, wenn wieder einmal etwas ausgegraben wurde,” wird Stadtrat Atai Keller in einer Pressemitteilung des Erzbistums zitiert. Ob Rudi Keller das Kirchenbuch für seine Studien benötigte oder es ihm vom damaligen Pfarrer zur Auswertung übertragen wurde, lasse sich heute nicht mehr feststellen. “Auf jeden Fall bin ich froh, das Kirchenbuch jetzt wieder in den richtigen Händen ist,” sagte demnach Keller, als es der Erzbischöfliche Archivar Christoph Schmider in Empfang nahm. Es werde jetzt auch auf Mikrofilm aufgenommen, damit die Daten einem weiten Nutzerkreis zur Verfügung stehen können, erklärte Schmider. Damit seien jetzt Stammbäume in Umkirch bis ins Jahr 1648 zurückverfolgbar. “Aus der Zeit davor gibt es keine Kirchenbücher, weil sie aufgrund des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) nicht geführt wurden oder in ihm verloren gingen”, erklärt Christoph Schmider.
   
Copulationsregister und Ketzerbekehrungen
Pfarrer Markus Ramminger, Leiter der Seelsorgeeinheit Gottenheim, zu der die Umkircher Pfarrei gehört, zeigte sich überrascht und zugleich erfreut über die Nachricht vom Wiederauffinden des alten Kirchenbuchs. Tatsächlich gebe es immer wieder Anfragen, vor allem von Personen, die nach ihrem Stammbaum forschen. Diese könne man nun für diese Zeit auf das Archiv in Freiburg verweisen. Das Kirchenbuch umfasst mehr als 300 Seiten. Es enthält mehrere Taufregister von 1686 bis 1747, ein “Copulationsregister” genanntes Verzeichnis über Eheschließungen von 1692 bis 1746 sowie ein Sterberegister von 1648 bis 1746 sowie zwei Firmlisten von 1650 bis 1657. Diese offenbaren eine Besonderheit, erklärt Archivar Christoph Schmider: “Gefirmt hat dabei oft nicht der Bischof von Konstanz, zu dem Umkirch damals gehörte, sondern der Bischof des benachbarten Bistums Basel, da waren die Reisewege kürzer.” Das Kirchenbuch in seiner vorliegenden Form wurde erst später, vom 1810 in Kirchzarten geborenen Pfarrer Franz Sales Kunle zusammengefasst, als dieser von 1850 bis 1880 Pfarrer in Umkirch war. Wes Geistes Kind Pfarrer Kunle in dem damals anhebenden Kulturkampf war, zeigt sein Vermerk zum Konvertitenverzeichnis der Jahre 1650 bis 1720: “Verzeichnis von 21 Personen, welche von der lutherischen Ketzerei in der Pfarrkirche hier zum Glauben zurückgekehrt sind.” Darüber muss sein heutiger Amtsnachfolger Markus Ramminger schmunzeln, der in seinen Pfarrgemeinden – wie dem bikonfessionellen Bötzingen, aber auch in Umkirch, wo seit den 60er Jahren viele evangelische Neubürger zugezogen sind – ein enges Miteinander mit den protestantischen Mitchristen und ihren Pfarrern pflegt. Die standesamtliche Arbeit wird nun schon lange von der politischen Gemeinde erledigt. Aber nach wie vor führen die Pfarreien Taufbücher. Darin sind auch viele wichtige persönliche Daten enthalten, ähnlich wo in den historischen Kirchenbüchern, erklärt Markus Ramminger, der einmal jährlich auch die neuen Einträge der Taufbücher prüfen muss. So enthalten sie Daten zu Geburt und Taufe, mit Eltern und Paten, dazu meistens auch zur Firmung, zur Heirat vor allem und auch zu den Sterbedaten.
Das älteste Umkircher Kirchenbuch wird nun im Erzbischöflichen Archiv verwahrt, das über zwei unterirdische und drei oberirdische, klimatisierte Archivgeschosse mit elf Regalkilometern Lagerkapazität verfügt, die etwa zur Hälfte schon belegt ist. Viele Kirchenbücher sind noch vor Ort in den Pfarreien, das Freiburger Archiv aber führt von ihnen Mikrofilme. Für die fünf Mikrofilm-Arbeitsplätze gibt es wochenlange Wartezeiten.
   
Zum Diözesantag am Sonntag 30. Juni 2013, öffnet das Archiv in der Schoferstraße 2 von 12 bis 16 Uhr. Dabei wird das Umkircher Kirchenbuch ausgestellt.

29.6.2013

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