Burg-Birkenhof

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Blick von Burg-Höfen nach Norden zu Burg-Birkenhof am 21.11.2012 – Nebel kriecht vom Dreisamtal her

 

Bürgerversammlung zur Zukunft des Burger Platzes

Die zunehmend von Politikern aller Couleurs unterstützte Forderung der Bürger nach mehr Transparenz und frühzeitiger Bürgerbeteiligung gerade auch bei wichtigen kommunalen Vorhaben fand jetzt ihren Niederschlag in der Bürgerversammlung zur 4. Bebauungsplanänderung „Birkenhof“. Zu dieser hatte die Gemeinde Kirchzarten auf gemeinsames Bemühen des Bürgervereins Burg sowie der Interessengemeinschaft „Offener Burger Platz“ Mitte April eingeladen, bevor es im Gemeinderat zum Offenlagebeschluss über das für den Ortsteil Burg/Birkenhof gravierende Vorhaben kommt. Gegenstand der Planänderung ist, wie hier schon mehrfach berichtet, die Umwidmung des südlich des Burger Platzes gelegenen Gemeinde- Grundstückes zugunsten einer privaten Bauherrengemeinschaft von „Gemeinbedarfsfläche“ im rechtsgültigen Bebauungsplan in ein „Allgemeines Wohngebiet“. Damit soll der Verkauf des Grundstücks und die Bebauung mit einer Senioren-Residenz ermöglicht werden. Hiergegen hatte sich schon gleich nach Bekanntwerden der Bauanfrage des Architekten Dirk Herlitzius vor etwa einem Jahr Widerstand vor Ort formiert, der sich in einer Sammlung von über dreihundert Unterschriften sowie Alternativvorschlägen manifestiert.
Der Einladung zur Bürgerversammlung in der Rainhofscheune in Burg waren trotz gleichzeitig stattfindendem Fußball-Pokalderby Stuttgart-Freiburg an die zweihundert interessierte Bürger gefolgt. Nach Begrüßung und einleitenden Ausführungen zur beabsichtigten „Nachverdichtung“ im Birkenhof sowie zum Verfahrensstand, erteilte Bürgermeister Hall dem mit der Erarbeitung des Bebauungsplanes beauftragten Stadtplaner Andreas Schütt, Lörrach, das Wort. Dieser erläuterte, unterstützt von der Landschaftsarchitektin Anne-Marie Pohla, den auf die Architekten-Planung zugeschnittenen Bebauungsplan-Entwurf mit der 3-geschossigenn, max. 35 m langen Wohnhauszeile. Gegenüber der ursprünglichen Planung habe man mit Rücksicht auf den schützenswerten Baumbestand auf der südlich angrenzenden Tarodunum-Böschung auf die Tiefgarage verzichtet und dafür Stellplätze auf dem östlichen Restgrundstück zum Feuerwehrhaus angeordnet. Aus dem gleichen Grunde habe man den Baukörper nach Norden bis fast an die Straßengrenze verschoben. Als Ausgleich für den nichtsdestotrotz noch  unvermeidbaren Eingriff in das Waldbiotop mit seiner in einer Bestandsaufnahme festgehaltenen Vogelwelt soll nach Bebauungsplan-Satzung  die Aufhängung von 3 Nistkästen erfolgen.
Gleich im Anschluss überraschte Arch. Herlitzius mit einer neuesten Variante seines Projektes, mit verkürztem, gegliedertem, nach wie vor 3-geschossigem Baukörper, der das im Bebauungsplan großzügig bemessene Baufenster (35×14 m) nicht ausnützen würde – sodass, wie er betonte, man nicht mehr von einem „Riegel“ sprechen könne, der den Blick in die Landschaft verstelle. Statt zwölf, zuletzt acht seien nunmehr nur noch sechs Wohnappartements für Senioren geplant.
Im nun folgenden Plädoyer des Bürgervereinsvorsitzenden Mathias Glaser bezog sich dieser auf die schon schriftlich eingegebenen Bedenken wegen der Verdrängung der öffentlichen Nutzung von dem dafür langfristig vorgesehenen, zentralen Platz und bekräftigte noch einmal eindeutig die Ablehnung der Bebauungsplanänderung seitens des Bürgervereins. Dann kam die initiativ gewordene IG „Offener Burger Platz“ mit ihrem Sprecher Peter Steybe zu Wort. Dieser bedankte sich ausdrücklich für das Zustandekommen der Bürgerversammlung als Gelegenheit für alle engagierten Bürger und Bürgerinnen, ihre Meinung hier frühzeitig einzubringen. Er begrüßte die vorliegende Planung als Anstoß, sich über die Platzgestaltung des seit über 20 Jahren unvollendeten Burger Platzes Gedanken zu machen, sowie sich grundsätzlich mit dem Thema der Wohnsituation für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger und den Entwicklungsmöglichkeiten hier in Burg zu befassen. Dazu sei jedoch eine Vorgehensweise sinnvoll, die mit einer grundlegenden Bedarfsermittlung der aktuellen Situation beginnt und die Wünsche und Bedürfnisse der verschiedenen Altersgruppen ermittelt, um dann anhand der sich ergebenden Erkenntnisse die entsprechenden Projekte an der richtigen Stelle zu initiieren. Die vorliegende Planung zur Befriedigung der Wohnwünsche einer kleinen Gruppe sei nicht zielführend und der zentralen Bedeutung des Platzes, mit seiner Öffnung zur Landschaft nicht angemessen. Besser wäre es, gemeinsam eine Gesamtkonzeption für den Burger Platz beidseitig der Straße zu entwickeln und diesen für alle Bürgerinnen und Bürger, so offen wie möglich, zu gestalten. Als Beispiel hierfür hatte er den Gestaltungsplan von Architekt Herlitzius parat, den dieser seinerzeit als Gewinner des städtebaulichen Ideenwettbewerbes Burg-Birkenhof im Auftrag der Gemeinde parallel mit dem Bebauungsplan erarbeitet hatte – mit Bürgersaal, Feuerwehrhaus und offenem Platz auf der Südseite sowie Einbeziehung der Straße in den Platz.

Nach Abarbeitung der vorgegebenen Rednerliste wurde die Runde für alle Bürger eröffnet, die mit ihren Wortmeldungen lebhaft Stellung bezogen. Es hagelte von allen Seiten heftige Kritik an der beabsichtigten Veräußerung des zentralen „Platzes für Alle“ an eine kleine Bauherrengruppe. Dabei wurden alle bekannten Aspekte, die für eine Beibehaltung der Gemeinbedarfsnutzung an dieser Stelle sprechen, ins Feld geführt – als da sind: Die einmalige städtebauliche Situation zwischen Ortsteil-Zentrum und offener Landschaft – die Mehrzwecknutzung als Fest- und Bouleplatz, zentraler Standort für Entsorgungseinrichtungen, Reserve-Parkplatz etc. – sowie der Bezug auf den südlich den Ort begrenzenden, geschichtsträchtigen Tarodunumwall. Es wurde mehrfach eindringlich dafür plädiert, nicht die Chance zu vertun, auf diesem bisher vorsorglich der Allgemeinheit gewidmeten Areal im Zentrum vom Birkenhof das Ensemble Altes Rathaus – Ladenzentrum – Birkenhofscheune –Gasthaus Birke – Kapelle mit angemessener Nutzung und Gestaltung abzurunden und als öffentlichen Raum aufzuwerten. Es gipfelte in dem Appell, den nachfolgenden Generationen diesen Freiraum nicht zu verbauen, sondern unbedingt zur öffentlichen Verfügung für den in Zukunft sich noch ergebenden Bedarf zu erhalten.
Bürgermeister Hall und die anwesenden Gemeinderäte nahmen von diesem Abend unmissverständliche Signale aus der Burger Bürgerschaft mit nach Hause. Die Bürger waren zusätzlich aufgerufen, ihre Stellungnahmen schriftlich im Rathaus abzugeben. Bleibt abzuwarten, ob es über die Bürgeranhörung hinaus zur echten Bürgerbeteiligung bei der nun anstehenden Gemeinderatsentscheidung über die Fortführung des Bebauungsplan-Änderung.
9.5.2013, H. Glogau, www.dreisamtaeler.de

 

Vision 60plusminus – Bauprojekt am Burger Platz

Vor genau einem Jahr in der Weihnachtsausgabe wurde im Dreisamtäler eine froh klingende Botschaft für die älteren Mitbewohner des Birkenhof verkündet: Zu ihren inzwischen in die Jahre gekommenen Reihenhäusern (die in Kirchzarten lange Zeit „Hasenställe“ genannt wurden) gibt es eine Alternative: Das Wohnprojekt „Vision 60plusminus“ am südlichen Rand des Burger Platzes: „Zukunftsorientiert wohnen und in Gemeinschaft alt werden“. Auch ich wohne im Birkenhof in solch einem Reihenhaus und gehöre zu der angepeilten Zielgruppe im + Bereich. Die schön klingenden Anpreisungen des Wohnprojektes erweckten mein Interesse und paßten von der Idee her zu meiner Lebenssituation. Die Teilnahme an einem Bürgergespräch des Bürgervereins mit dem planenden Architekten war für mich deshalb ein Muß.
Im Dreisamtäler wurde über  folgenden Zeitplan des planende Architekten berichtet: Das Interesse der Gemeindeverwaltung Kirchzarten hatte er sich geholt und er rechnete nach der Zusammenstellung einer Bauherrengemeinschaft bis Ostern dieses Jahres mit einer Baugenehmigung noch vor der Sommerpause. Bis 2013 könne das Haus bezugsfertig sein.
Nun geht dieses Jahr zu Ende. Der Zeitpunkt des Einzugs ist gekommen, aber weit und breit keine Spur von dem Gebäude am Burger Platz. Von einer Baugenehmigung ist nichts bekannt. Ja, die Gemeinde Kirchzarten musste erst einmal ein Bebauungsplan-Änderungsverfahren einleiten, da man so, wie der Architekt die Situation vorfand, auf dem Burger Platz baurechtlich gar nicht bauen durfte. Und so ein Verfahren dauert bekanntlich. In diesem Verfahren müssen die „Träger öffentlicher Belange“ ihre Stellungnahmen abgeben und Fachleute das Projekt beurteilen. Denn das Grundstück ist nicht einfach: Es liegt direkt angrenzend dort wo früher einmal  Hang und Reste der Mauer der Keltensiedlung Tarodunum war. Ein Gehölzstreifen befindet sich auf diesem Abhang. Das Gelände selbst ist bisher für den im Eingemeindungsvertrag zugesagten Gemeinschaftsbedarf der ehemalige Ortschaft Burg gewidmet. So ist deshalb dort das Feuerwehrhaus gebaut worden und im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs wurde es vor vielen Jahren bei dessen Entstehung in die Gestaltung des Burger Platzes einbezogen. Und schließlich haben sich auch noch Bürger aus dem Wohngebiet zu Wort gemeldet, obwohl deren Anhörung im offiziellen bauplanungsrechtlichen Verfahren in dieser Planungsstufe gar nicht vorgesehen ist. Über 300 von ihnen unterschrieben in den am Burger Platz ausliegenden Unterschriftenlisten, dass sie an dieser Stelle diesen „Wohnriegel“ nicht wollten, vor allem, weil er die Offenheit des für die Allgemeinheit und die Ortsgestaltung wichtigen Platzes zur umgebenden Landschaft absperrt. Dem Bürgermeister und den Fraktionen im Gemeinderat wurde dies von der sich dazu gegründeten “IG offenerer Burger Platz” bekannt gemacht und begründet.
War die Versprechung dieser Weihnachtsbotschaft vor einem Jahr nicht doch sehr abenteuerlich was den Zeitplan und auch die Realisierungsmöglichkeiten anbetraf? Hat ein erfahrener planender Architekt dies nicht in Betracht gezogen? Dennoch, diese Weihnachtsgeschichte sollte über die Feiertage einmal anregen, darüber nachzudenken, wie für die Menschen (wie auch mich) , die an sich das Angebot seniorengerechter Wohnprojekte brauchen, solches an eben weniger abenteuerlichen und  weniger umstrittenen Bauplätzen realisiert werden kann.
Manfred Schreiber, 21.12.2012, www.dreisamtaeler.de

 

 

 

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