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Blick über Heiligenbrunnen ob Hinterzarten nach Süden zum Feldberg am 22.2.2019

Blick über Heiligenbrunnen ob Hinterzarten nach Süden zum Feldberg am 22.2.2019

 

  • Fotoausstellung: Der Wald ist ihre Kirche (12.5.2019)

 

Der Wald ist ihre Kirche
In Hinterzarten feiert eine Fotoausstellung die ALTEN MENSCHEN der Region
Am Anfang stand eine Statistik. Nirgendwo in Deutschland ist die durchschnittliche Lebenserwartung höher als im Hochschwarzwald. Als Hommage an die alten Wälder gibt es nun eine Ausstellung in Hinterzarten.
Die Zutaten, die die Mehrheitsmeinung gemeinhin für ein langes Leben verantwortlich macht, sind bekannt: Gemüse und Obst essen, wenig Alkohol, viel Bewegung. Alles eher zweitrangig, wenn man den Worten des 1933 im Jostal zur Welt gekommenen Karl Waldvogel folgt. „Durch die herbe Aufzucht und die harte Arbeit bin ich so alt geworden.“ Die Jugend voller Entbehrungen, die Armut und die viele Arbeit auf den Höfen:
Solche Erinnerungen sind oft zu lesen, wenn die 15 für die Fotoausstellung ausgesuchten Senioren aus ihrem Leben erzählen. Männliche Hochschwarzwälder werden im Schnitt 80,9 Jahre alt, Frauen sogar 84,9 Jahre. Bundesweit ist das Spitze.
Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) brachte das auf die Idee, 15 alte Wälder ablichten und erzählen zu lassen. Weil der HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph den österreichischen Starfotografen Manfred Baumann, der in Wien vor kurzem eine Ausstellung mit den Fotografien von 100-Jährigen bestritten hatte, gut kennt, konnte er ihn für das Projekt gewinnen. Ergänzt werden die Fotografien von Waldgemälden der Künstlerin Angelika Khan-Leonhard aus Schluchsee. Direkt aus dem Wohnzimmer von Ex-Miami-Vice-Star Don Johnson sei er in die guten Stuben der alten Menschen in den Hochschwarzwald gejettet, erzählt Baumann.
An drei Tagen im Oktober 2018 suchte der Fotograf insgesamt 15 Senioren auf, etwas knapp kalkuliert könnte man bemängeln. Jeweils eine große Schwarz-Weiß-Fotografie in Studio-Optik und mehrere Farbaufnahmen sind dabei entstanden. Die Farbfotografien zeigen die alten Menschen dort, wo sie sich zu Hause fühlen. Auf der Kuscht, beim Schindelmachen, auf dem Traktor oder Motorrad, im Garten oder vor den eingerahmten Bildern der Verwandtschaft, gerne in einem von der Seite einfallenden milden Licht. Mehr Zeit haben sich offenbar die Verfasser der zu den Bildern gestellten Texte, Mitarbeiter der Badischen Zeitung und auch vom Sonntag, gelassen, als sie bei den Senioren zu Besuch waren. Ihre sehr gelungenen Texte, die zusammen mit den Bildern auch zu einem Buch gemacht wurden, geben oft anrührende Einblicke in Biografien von Menschen, die es von Kindheit an nicht einfach hatten und sich auch von Schicksalsschlägen nicht so schnell aus der Bahn werfen ließen.
Anton Rießle zum Beispiel, der Opa von Fabian Rießle, dem Team-Olympiasieger in der Nordischen Kombination. Sein ganzes Leben lang lebte er in Glashütte, einem Tal bei St. Märgen. Schon als Kind verlor er in der Uhrenwerkstatt einen Finger, seine Frau starb vor wenigen Jahren an einem Heiligabend. Oder der schon erwähnte Karl Waldvogel, der mit elf Jahren als Hirtenbub zu einem benachbarten Bauern musste und von einem Großteil seiner geliebten Stallhasen jetzt schon Abschied nahm, damit „meine Frau nicht mit all den Tieren dasitzt, wenn ich einmal sterbe“, hat er Charlotte Janz erzählt. Von Lebenszufriedenheit und Warmherzigkeit zeugen Bilder wie Texte. Nun ist nicht ganz unbekannt, dass der alt gewordene Wälder – von Außenstehenden mitunter auch als „Wäldler“ tituliert – auch bruddlig und eigensinnig sein kann.
Die eigentlichen Stars, die diese Ausstellung zu etwas Besonderem machen, bleiben dennoch die Porträtierten selbst. Bei ihrer Auswahl haben die Verantwortlichen ganz offensichtlich ein gutes Händchen gehabt. Dass auch Bauernschläue und ein eigenwilliger Witz vielen Hochschwarzwäldern zu eigen sind, wird etwa bei Andreas Hug, der am Kandel aufwuchs, erkennbar. „Dass ich schon eine halbe Stunde im Himmel bin, bevor der Teufel merkt, dass ich tot bin“, äußert er als seinen letzten Wunsch gegenüber Gabriele Hennicke. Und der Breitnauer Edelbert Faller, der schon 1968 seinen Milchviehbetrieb auf Bio umstellte, könnte als ein ganz früher Grüner bezeichnet werden. Dass das damals gar nicht en vogue war, hat ihn auch nicht abgehalten. „Ich hab’s keinem gesagt, es hätten sowieso nur die wenigsten verstanden“, sagt er zu Pascal Cames.
Mit dem Skifahrer Georg Thoma, 1960 Olympiasieger in der Nordischen Kombination, ist auch das vielleicht prominenteste Gesicht des Hochschwarzwaldes unter den Porträtierten. Thoma, der in der Kindheit im Sommer barfuß und im Winter auf Skiern den sechs Kilometer langen Schulweg bestritten hat, passt da hinein,wegen seiner Bodenständigkeit. „Der Wald ist meine Kirche“, sagt Thoma
.
HOCH LEBEN DIE WÄLDER,
Eine Ausstellung als Hommage an die ältesten Hochschwarzwälder,
Kurhaus Hinterzarten, Dienstag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag, 10 bis 18 Uhr, bis zum 10. Juni.
12.5.2019, Otto Schnekenburger, http://www.der-sonntag.de

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