Heimat

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… Heimat ist dort, wo man liebt


(1) Bollenhut und Evolution

 

 

Heimat

“Heimat, das ist für mich nicht allein der Ort, an dem die Toten liegen;
es ist der Winkel vielfältiger Geborgenheit,
in der Sprache, im Gefühl, ja, selbst im Schweigen aufgehoben,
und es ist der Flecken, an dem man wiedererkannt wird;
und das möge doch wohl jeder eines Tages: wiedererkannt, und das heißt: aufgenommen werden.”
Siegfried Lenz, Heimatmuseum Hamburg 1978, Seite 120
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“Heimat ist da, wo ich mich wohl fühle, wo ich zu Hause bin, wo Freunde sind, wo ich verstandenwerde und mich geborgen fühle.
Die Heimattage Baden-Württemberg wollen ein Bewußtsein für Heimatschaffen, das Verständnis für die Heimat vertiefen und das “Wir-Gefühl” der Menschen stärken.
Der Schwarzwald, 1/2018, Seite 32, www.schwarzwaldverein.de/heimatpflege oder www.heimattage-waldkirch.de

Wir sind Baden
Persönlichkeiten, die Baden prägen
http://www.badische-zeitung.de/wir-sind-baden

 

Berlin-Wedding-Brunnenviertel: Fremd im Stadtteil – heimatlos

Wer unvorbereitet im Weddinger „Brunnenviertel“ unterwegs ist, der glaubt sich leicht örtlich desorientiert. Es ist die augenfällige Orientalisierung des öffentlichen Raumes, die solche Eindrücke nährt. Fremdländische Sprachen, Kopftuchträgerinnen, auch halb- oder voll verschleierte Frauen mit Kinderwagen in knöchellangen Mänteln, die in gehörigem Abstand ihren Männern sittsam folgen, nebst zugehöriger soziokultureller und wirtschaftlicher Infrastruktur der neuen Einwohner lassen vermuten, man befände sich auf einer Auslandsreise im vorderen Orient. Sämtliche Freunde haben Berlin-Wedding längst den Rücken gekehrt, ich bin geblieben. Von einigen, die mein Verharren im „Brunnenviertel“ nicht begreifen, werde ich neuerdings auch schon mal „das Frontschwein“ genannt.

Das einst hier dominierende „Stammpersonal“ mit seinen markanten, unverwechselbaren Charakterzügen fristet das kümmerliche Nischendasein evolutionärer Verlierer. Wo sind sie hin, der helle, kritisch-zynische Geist, das nüchtern-protestantisch geprägte Pflichtbewusstsein, der spröde, polternde Charme, das einfache und offene Gemüt der ehedem hart arbeitenden Handwerker, Industriearbeiter, kleinen Angestellten, subalternen Beamten und Gewerbetreibenden? In wenigen Jahrzehnten scheint das über Generationen gewachsene Band persönlicher und gemeinschaftlicher Identität der ursprünglichen Bewohner einem Quantensprung gleichkommend korrodiert, zur Marginalie verkommen.

Berliner Dialekt als identitätsstiftende Bindung des Kollektivs verliert zunehmend an Bedeutung. Neben dem inflationären Gebrauch umgangssprachlicher Anglizismen finden sich im Straßenbild mehr und mehr türkisch- und arabischsprachige Bezeichnungen. Etabliert hat sich daneben, insbesondere unter Jugendlichen jedweder Herkunft, ein rudimentärsprachlicher Ghettojargon, während nicht wenige der bereits vor Jahrzehnten zugewanderten Erwachsenen, lediglich ihrer Muttersprache mächtig, als Gesprächspartner völlig ausfallen. Die wenigen hier noch ausharrenden Vertreter des einheimischen Bildungsbürgertums mühen sich emsig um Akzentfreiheit. Berliner Dialekt sprechen meist ältere Menschen, die sich und ihre Generation von soziokultureller Teilhabe zunehmend ausgeschlossen und entfremdet sehen.
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Die Fundamente gemeinschaftlicher Sinngebung sind zerbrochen, das eigentümliche Fluidum der Menschen und Orte, das man Heimat nennen durfte, ist Vergangenheit. Was bleibt sind Wehmut um das verlorene Erbe, um tradierte Werte und Normen und Groll auf die Verantwortlichen jenes unumkehrbaren Prozesses sui generis. Rascher und radikaler ist bislang die Bevölkerung eines Territoriums nur in der Folge von Kriegen ausgetauscht worden.
… Alles vom 24.8.2018 von Detlef Rogge bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/mein_leben_im_weddinger_brunnenviertel

Detlef Rogge lebt in der dritten Generation im Berliner Bezirk Wedding, nunmehr vierundsechzigjährig ist er seit 1981 im „Brunnenviertel“ zu Hause. Beruflich war er bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand in der Weddinger Kommunalverwaltung tätig. Einer politischen Partei gehört er nicht an.

 

Schwarzwald – Schwarzwälder Heimat – Schwarzwaldgeschichten im SWR

Im Programm des SWR werden viele “Schwarzwaldgeschichten” erzählt. Informativ und unterhaltend wird in aufwändig produzierten Dokumentationen, in spannenden Wissenssendungen oder auch in unterhaltenden Formaten der Region, ihren Besonderheiten und ihrer Geschichte nachgespürt. Im Sommerprogramm 2013 werden all die so informativen Schwarzwaldgeschichten wiederholt.  Alle Infos auf:
www.swr.de/schwarzwald
www.swr.de/swr2/wissen/geschichte-zeitgeschehen

Imogen Nabel, HA Film und Kultur, FS Zeitgeschehen
SWR Südwestrundfunk, 76522 Baden-Baden, Imogen.Nabel@swr.de
I ha für mi sit neuschtem e neui Definition vo Heimet
Heimet isch dört, wo der e Pöschtler alüttet, wenn de e unterfrankirte Brief igworfe häsch, un meldet: E Briefsortireri hebti de Rescht drufgchlebt, ass es ke Strofporto git, un de sottsch bi Glägeheit die 76 Cent vorbeibringe. Do bisch däheim. Merci.
Markus Manfred Jung, 7.4.2007

Heimat – Heimet? Ach ja, Heimat!
Sehnsucht nach Glück im Winkel. Sonntagsredenheimat. Mystifikation, Idylle, Schrebergarten, Teddybär, Sofakissen, Kulisse. Schwarzwaldmädel, Schwarzwaldklinik, Fallerhof. Aber auch Landsmannschaften, Vertriebenenverbände, Heimatvereine. Überall Sehnsucht nach Heimat, Heimatpflege. Kann man Heimat pflegen? Ostalgie, Datschenheimat, Nischenkultur, “Rotkäppchensekt”. Europa ist Heimat. Die Währung, die Partei. Die Kirchengemeinde, die Bibel, der Koran, die Firma, der Sportclub Freiburg, die Kawasaki, die Brieftaube. Lebensstil und Wohlstand – Kleider, Musik, Gastrokultur. Heimat als Konstruktion, individuelle Wahlmöglichkeit, Kaufangebot, Kaufentscheidung. Heimat als Collage aus dem globalen Waren – und Multi-Kulti-Angebot. Postkartenheimat, Heimat als Sehnsucht in die Ferne, Heimatkitsch, Heimatlüge. Heimat gegen Moderne, Staat, Kapitalismus, Technik. Heimat als Subkultur, Gegenkultur. Das Exotische als Heimat, das Archaische. Heimat als Karikatur. Wahlheimat. Die Flucht ins Private als Heimat. Stadtteilromantik. Heimat als Entfremdungsfurcht. Als Öko – Ethno – Toskana – Esoterikmischung, Folkloremix, Massenprodukt. Volkstümlichkeit als Heimatersatz. Heimat verkommen zu Gaudi und Spaß, nachdem sich Mobilität gegen Lokalität durchgesetzt hat. Quotenheimat im Privatsender. Gibt es Heimat im Internet? mehr

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