Rieselfeld

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Buggi 50 am 13.11.2010 in Weingarten: Tele-Blick nach Westen übers Rieselfeld und den Tuniberg zu den Vogesen

 

         
(1) Blick vom Mooswald ostwärts zum Rieselfeld am 5.5.2013                          (3)

Grad die alten Hüte sind von ganz besond’rer Güte

“Alter Hut!” – so schallt es laut,
dass im Rieselfeld im Westen
man den Stadtteil weiterbaut
wie’s erneut jetzt von den besten
“vorigen Jahrhundert”-Planern
wird zur Diskussion gestellt,
die dereinst zu den Absahnern
zählten, wenn es ging um Preise
für gelung’nen Städtebau –
die da in der ganzen Welt
war’n als Werber auf der Reise
für das Freiburg-Image – Wow!
Deshalb sollt’s Establishment
sich nicht sperr’n so vehement,
deren gute Argumente
ernsthaft anzuhör’n – zu wägen,
ob man nochmal prüfen könnte,
nicht gleich auf die Seite legen,
diese alte, sogenannte
“unmögliche” Planvariante –
nicht mit solcher Arroganz
jene ignorieren ganz,
sie als “Rentnertrupp” brüskieren –
die Debatte strikt blockieren.
’s kommt mir in den Sinn hier prompt,
dass, was gut ist, wiederkommt –
und dass grad die alten Hüte
sind von ganz besond’rer Güte.
13.4.2015,
Hilmar Glogau, Kirchzarten

Hilmar Glogau ist Architekt und war bis 2003 insgesamt 30 Jahre lang als Stadtplaner
für den Süden der Stadt von St. Georgen bis Littenweiler zuständig

Städtebau und Natur müssen keine Gegensätze sein, beides kann miteinander harmonieren
Im Gemeinderat der Stadt Freiburg sitzen elf grüne Stadträte und ein Oberbürgermeister, die eine Autobahn durch Freiburg wollen und alles dafür tun, dass dies auch geschieht. Mitten durch Wohngebiete hindurch mit einem Vollanschluss bei der Brauerei Ganter – aus Zuschuss- und Unterhaltungsgründen. Im Gemeinderat sitzen elf grüne Stadträte und ein Oberbürgermeister, die einen Stadtteil Dietenbach wollen, eingerahmt von der gewollten Autobahn und der verkehrsreichen Westrandstraße, dazu noch in einem Überschwemmungsgebiet, um künftigen Bewohnern die Möglichkeit zu eröffnen, verlärmt zu wohnen und feuchte Keller und Wände zu genießen. Im Gemeinderat sitzen elf grüne Stadträte, die fach- und sachkundige Bürger und deren Meinung verhöhnen und ausgrenzen mit der Begründung, sie seien alt und eine Rentnertruppe aus dem vorigen Jahrhundert. Insgesamt eine Haltung, die auch durch Menschenverachtung geprägt ist!
Nicht das Wohlbefinden der Bürger dieser Stadt steht im Zentrum der Überlegungen dieser Gruppierung, nein, man missbraucht seine Macht, um städtebauliche Fehlentscheidungen (Autobahn, Dietenbach) durchzusetzen und bereits gemachte (Naturschutzgebiet Rieselfeld West) irreversibel zu festigen.
Den grünen Stadträten sei gesagt: Städtebau und Natur müssen keine Gegensätze sein, beides kann durch intelligente Stadtplanung miteinander harmonieren, ja sich sogar ergänzen (Freiraumplanung). Wir müssen wegkommen von einem “dogmatischen” Naturschutz und hingehen zu einem anwendungsorientierten Naturschutz im Städtebau. Das Rieselfeld West wurde unter Naturschutz gestellt, weil eine Mehrheit des damaligen Gemeinderates gegen den Rat der Bauverwaltung dies durchsetzte. Eine solche (Naturschutz-)Rechtsverordnung ist immer änderbar und ergänzbar (beispielsweise durch Unterschutzstellung von Teilen von Dietenbach und Herausnahme eines Teils des Rieselfeldes), zumal dann, wenn die Fläche in ihrer Qualität diskussionswürdig ist – was zutrifft, so auch sachkundige Naturschützer. Das wissen sowohl die Juristen der Stadt als auch die des Regierungspräsidiums, man muss es nur wollen. Ich halte eine behutsame, den Naturschutz integrierende städtebauliche Entwicklung von Rieselfeld West für möglich und wünschenswert und eine Diskussion darüber für dringend geboten. Denkverbote – wir können es täglich erleben – sind sehr beliebt, aber wenig hilfreich.
Wir leben in einer sehr dynamischen Zeit mit sich ändernden Rahmenbedingungen, auch und gerade was das Anwachsen der Städte angeht. Der Mensch und Bürger dieser Stadt hat einen Rechtsanspruch auf gesundes Wohnen, dies verlangt das Baugesetzbuch. Daher muss eine neue Gesamtabwägung zur Bebauung des Rieselfelds West auf den Weg gebracht werden. Dabei geht es nicht um “das Schlagen alter Schlachten”, sondern um Berücksichtigung neuer Erkenntnisse und deren Wertung. Und wenn der ehemalige Umweltschutzamtsleiter Dieter Wörner den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt beklagt, dann wohl deshalb, weil in der Landwirtschaft immer größere Flächen von Monokulturen geprägt sind. Schließlich hat sich doch mittlerweile herausgestellt, dass sich sowohl die Pflanzen- als auch die Tierwelt innerhalb der Städte besser entwickeln als in den umgebenen landwirtschaftlichen Flächen. Es gibt eben auch eine “Klugheit” der Natur. Man muss es nur wahrnehmen.
13.4.2015, Dr. Dieter Kroll, Freiburg

 

 

Ex-Stadtplaner plädieren für Bebauung des Naturschutzgebietes Rieselfeld

Sie rühren an einem Tabu – das ist den fünf Männern, die am heutigen Donnerstag zu einer Pressekonferenz mit dem Titel „Quo Vadis – neue Bauflächen in Freiburg“ laden, klar. Klaus Humpert, Wulf Daseking, Bernhard Utz, Adalbert Häge und Paul Bert haben in der Vergangenheit in verantwortlichen Positionen Freiburgs im Bereich der Stadtentwicklung gearbeitet – und sie haben ein Ziel: Nicht im Dietenbach soll der neue Stadtteil Freiburgs entstehen, sondern in Rieselfeld-West. Aber: Das ist Naturschutzgebiet…
Das Gelände Dietenbach sei kein Bauland und „im Hinblick auf die Stadtentwicklung eine falsche Entscheidung“, betont das Quintett. Die vorgesehene Fläche mit zwei Bächen sei noch heute als Überschwemmungsfläche ausgewiesen. Vor einer Bebaubarkeit müssten erst die Dämme in Günterstal und Horben als Hochwasserschutz gebaut sein. Ebenfalls würden im Dietenbach durch die Lage am Zubringer Mitte und der Westrandstraße umfangreiche Schallschutzmaßnahmen nötig sein. Zudem: Der Boden, auf dem der neue Stadtteil Dietenbach gebaut werden soll, gehört insgesamt 380 privaten Grundbesitzern – was langwierige und teure Verhandlungen bedeutet.

Daher sei „nicht verständlich, dass das in nächster Nähe gelegene Rieselfeld (West) ohne jede Debatte als Option für weitere Bauflächen ausgeklammert wird“, schreiben Humpert, Daseking, Utz, Häge und Bert. Denn: Im Rieselfeld-West gebe es keine Hochwasserproblematik, keine derartigen Lärmprobleme und die Fläche sei komplett bereits jetzt im Besitz der Stadt Freiburg. Zudem sei der trockene Kieskörper für eine Bebauung ideal geeignet, und die Infrastruktur (auch über die Stadtbahnlinie 5 bereits vorhanden. Soll heißen: Die Verfahrensdauer für die Planung würde enorm verkürzt. Gut, denn: „Die soziale Verantwortung der Stadt verlangt ein schnelles Handeln“, betonen die Fünf im Hinblick auf die rasch wachsende Einwohnerzahl. Allerdings ist das westliche Rieselfeld ein Naturschutzgebiet – und ein Symbol, nicht zuletzt für die Grünen.
Die Bebauung des Rieselfeldes erfolgte nämlich ab den frühen 90er-Jahren in einer Art Deal, für den nicht zuletzt der damalige OB Rolf Böhme verantwortlich zeichnete. Dafür, dass knapp 120 Hektar des Rieselfeldes aufgrund der Wohnungsnot bebaut wurden, stufte man die westlich davon gelegene Fläche bis hin zum Mundenhof als Naturschutzgebiet ein. Seit 2007 ist sie gar als Vogelschutzgebiet unter europäischen Schutz gestellt. Dennoch lautet der neue Vorschlag, dieses Naturschutzgebiet mit dem vorgesehenen Dietenbachgelände zu tauschen. Dies sei zwar „für die Stadt eine enorme politische Herausforderung“, räumen Häge und Co. ein. Doch die Entscheidung zum Schutzgebiet 1995 sei von der Überzeugung getragen worden, dass das Flächenwachstum der Städte auslaufe. Inzwischen hätten sich die Verhältnisse aber dramatisch verändert, gebe es eine große Zuwanderungswelle, die Antworten verlange. Und:
„Die Tatsache, dass die doch nahe liegenden Argumente in der diskussionsfreudigen Stadt nicht offen politisch diskutiert werden, irritiert uns.“ Dass der Vorschlag bei den „Alt“- Rieselfeld-Bewohnern, denen einst ein Baugebiet mit angeschlossenem Naturschutz versprochen wurde, weniger gut ankommen dürfte, ist den Tabubrechern klar: Ein Ausgleich sei aber denkbar, indem große Flächen naturnah als Stadtpark geschaffen werden könnten. Und sie betonen: „Das Wohnproblem ist zu ernst, als dass wir uns ein Tabu oder Denkverbot in Freiburg leisten könnten!“
12.3.2015, Stefan Ummenhofer, www.stadtkurier.de

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