Knopfhaeusle

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Blick nach Westen am 6.11.2012 auf Schützenallee - Lycee Turenne links

Blick nach Westen am 6.11.2012 auf Schützenallee – Lycee Turenne links

  • Knopfhäusle am Alten Messplatz – Siedlung unter Denkmalschutz (11.1.2005)
  • Quartier

 

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(1) 12.4.2011                                               (2) 5.3.2014

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(4) 5.3.2014

Lycee Turenne am 12.4.2011: Blick nach Osten über die Knopfhäuslesiedlung zum ZO

 

 

Knopfhäusle am Alten Messplatz – Siedlung unter Denkmalschutz

Seit 1983 steht die Knopfhäusle-Siedlung unter Denkmalschutz, weil sie laut Landesdenkmalamt wegen ihrer “relativ großen Ausdehnung und frühen Entstehungszeit” als Arbeitersiedlung in Freiburg einzigartig sei. “Wegen ihrer vielfältigen Aussagekraft für Freiburgs Entwicklung im 19. Jahrhundert besteht an der Erhaltung der Siedlung aus wissenschaftlichen Gründen ein öffentliches Interesse”, befand das Landesdenkmalamts 1983 und sie erklärte die 1868 von dem Knopffabrikanten Jeremias Risler errichtete Siedlung sogar zum Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Mehrmals hatte es Gerüchte über den Abriss der nach heutigem Standard mangelhaft ausgestatteten Häuser gegeben. Schon damals, bevor sie hier einzogen, ging das Gerücht um, dass die Firma Risler der Stadt Freiburg die Häuser zum Abriss, will sagen das freie Grundstück zum Kauf angeboten habe, erzählt Luise Baiker, die seit 74 Jahren in einem der Knopfhäusle wohnt. Nachdem Emil Risler, der Sohn des Knopfhäusle-Bauherrn, in Herzogenrath bei Aachen die Rheinische Perlen- und Porzellanknopf-Fabrik gekauft hatte, verlegte er die Freiburger Porzellanknopfproduktion nach und nach ins Rheinland. Aus dem Grund wurden nach 1912 auch Mieter, die nicht in der Rislerschen Knopffabrik arbeiteten, in der Siedlung aufgenommen – so wie Luise Baikers beim Bau beschäftigter Vater. Als 1927 schließlich auch die Verwaltung der Knopffabrik ins Rheinland verlegt wurde, benötigte die Firma Risler ihre Werkswohnungen in Freiburg nicht mehr und bot sie einzeln zum Kauf an. Im Jahr 1928 kaufte die Stadt Freiburg das gesamte Areal.

1930 – kurz vor ihrer Einschulung in die Emil-Thoma-Schule – zog Luise Baiker mit ihren Eltern und sechs Geschwistern aus Herdern an den Messplatz, was sie damals gar nicht gut fand. “Es ist nicht so leicht, sich als Kind woanders einzuleben”, sagt die heute 80-Jährige. Aber dann sei es doch gegangen.Im Grunde war die Knopfhäusle-Siedlung ideal für Kinder: Vor dem Haus mit dem kleinen Vorgarten lag der freie Messplatz, auf dem die Kinder Ball spielen konnten. Wenige Meter weiter befand sich die Schule. Luise Baiker brauchte nur aus dem Haus zu treten und die Schützenstraße überqueren. “Damals gab es noch solche Autos, die man vorne mit einer Kurbel anwerfen musste”, erinnert sich Luise Baiker. Dann fällt der weißhaarigen Dame wieder ein, wie sie in den großen Ferien gemeinsam mit anderen Knopfhäusle-Kindern am Straßenrand gesessen und die Nummern der stadtein- und auswärts fahrenden Autos notiert habe. “Wir sind kaum auf zehn gekommen”, lacht sie. Überhaupt nicht lustig habe sie es dagegen gefunden, dass ihr späterer Mann, ein “Spielkamerad” ihres älteren Bruders, ihr immer den Puppenwagen umgedreht habe. “Er hat mich immer geärgert, wenn er zu uns kam. Das mit dem Puppenwagen habe ich ihm bis heute nicht verziehen”, sagt sie mit spürbarer Empörung, obwohl der Schabernack gut 70 Jahre zurückliegt.

Auf die Frage, wie ihr Gatte später mit dem Kinderwagen umgangen sei, wird sie wieder versöhnlich. Ihr Mann sei immer gerne mit dem Jüngsten im Kinderwagen spazieren gegangen. In der Zeit habe sie mit ihrer Mutter in Ruhe kochen können. Eine Art Schichtbetrieb machte durchaus Sinn in dem kleinen Häuschen – waren alle Familienmitglieder gleichzeitig anwesend, wurde es ziemlich eng auf den knapp 40 Quadratmetern, von denen etwas mehr als die Hälfte im Erdgeschoss und der Rest in der oberen Etage liegen. Wenn man das Haus betritt steht man mitten in der zwölf Quadratmeter großen Küche. Links geht eine Tür ins Wohnzimmer ab, bei der das Türblatt ausgehängt und durch einen Vorhang ersetzt ist. Die Tür rechts führt in einen winzigen Flur. Unmittelbar daneben ist die Toilette. Gegenüber steigt eine steile, verwinkelte Treppe zum Obergeschoss hoch. Im Winter hält sich Luise Baiker so gut wie gar nicht in den beiden Räumen unter dem Dach auf. Es ist dort einfach zu kalt. Bei vier eigenen Kindern und fünf Kindern ihres Bruders, die sie wegen der Krankheit ihrer Schwägerin über Jahre mit betreute, wurde jeder Quadratzentimeter gebraucht. “Gegessen haben wir zu der Zeit immer in Schichten.” Auch wenn ein eigener, abgeschlossener Wohnbereich für eine Arbeiterfamilie Ende des 19. Jahrhunderts ein absoluter Luxus war, und die Knopfhäusle-Siedlung als vorbildlich galt, so ist Luise Bakers Leben in dem Häuschen von klein auf von Enge geprägt. Und obwohl sie sich heute eine komfortablere Wohnung leisten könnte, wohnt Luise Baiker doch lieber in ihrem Knopfhäusle, denn für sie bleibt es, was es im übertragenen Sinn schon immer war: Wenn auch klein, so doch die eigenen vier Wände.
Manuela Müller am 11.1.2005 in der BZ

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