Freiburg1944

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Blick vom Stadtgarten nach Süden zum Freiburger Münster am 27.3.2014 - Demonstrationszug auf der Fussgängerbrücke

Blick vom Stadtgarten nach Süden zum Freiburger Münster am 27.3.2014 – Demonstrationszug auf der Fussgängerbrücke

 

                   
(1) Anfang Dezember 1944                        (2) Dezember 1945                         (3) Unterlinden 1944 – Meer aus Steinen

freiburg1944-ruinen         freiburg1944kajo
(4) Abbrucharbeiten 1944-45                 (5) Blick nordwärts 1945 über KaJo       (6)

freiburg1945ruinen          freiburg1994aufbau
(7) Freiburg April 1945                            (8) Freiburg April 1994

 

(1) Freiburg nach dem 27.11.1944 in Ruinen – die Häuser um das Münster wie offene Schachteln
(2) Blick vom Bertoldsbrunnen nach Nordosten über die geräumte KaJo
(3) Blick nach Norden zum Brunnen an Unterlinden nach dem Bombardement 1944
(5) Das historische Foto entstand Ende 1945: Kaiser-Joseph-Straße vom Bertoldsbrunnen in Richtung Siegesdenkmal

 

Freiburger Straßenbahnnetz bald nach dem Bombenangriff von 1944 wieder in Betrieb
Die hoffnungsvollen Zeilen aus Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ („… und neues Leben blüht aus den Ruinen!“) können auch für die Freiburger Bürger gelten, die sich bald nach dem verheerenden Bombenschlag vom 27. November 1944 daran machten, ihre Stadt von den Trümmern zu befreien und unter anderem den öffentlichen Personennahverkehr wieder zum Laufen zu bringen…. Alles von Hans Sigmund vom 21.11.2016 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg-mitte/das-freiburger-strassenbahnnetz-wurde-bald-nach-dem-bombenangriff-von-1944-wieder-in-betrieb-genomme–130066702.html
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siegesdenkmal1950      Bild: Archiv Hans Sigmund
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Im Jahre 1950 fuhren die Straßenbahnen der Linie 1 und 2 sowie der Linie 5 durch die Trümmer rund um das Siegesdenkmal. Im Vordergrund sieht man die Linie 2, die gerade aus der Habsburgerstraße kommt,

 

 

Vor 70 Jahren war der Krieg zu Ende
Am 21. April 1945 rückten französische Truppen in die stark zerstörte Freiburger Innenstadt ein (7). … Schon in den ersten Nachkriegsjahren entschied sich die damalige Freiburger Stadtplanung gegen einen modernen und verkehrsgerechten, sondern stattdessen für einen den historischen Freiburger Traditionen folgenden Ausbau der Stadt. Dies war schon nach wenigen Jahrzehnten weitgehend gelungen, wie die neuere Luftaufnahme (8) aus gleicher Perspektive – aufgenommen 1994 – zeigt. An die Grundprinzipien, die Hochbauamtschef Joseph Schlippe und seine Mitarbeiter nach dem Krieg aufgestellt haben, hat sich die Freiburger Stadtplanung bis heute weitgehend gehalten. Heute wirkt Freiburg vielfach wie eine alte Stadt, die in manchen Straßen einfach modernisiert worden ist.  ….’
Alles von Peter Kalchthaler vom 20.4.2015 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg-mitte/vor-70-jahren-war-der-krieg-zu-ende–103613971.html

 

Kriegs-Traumata sind über Generationen vererbbar
Die Traumata werden über die Generationen hinweg weitergegeben. Das ist auch über die Holocaustforschung bekannt. Ich hatte eine Frau in Behandlung, in deren Alpträumen die Kriegserlebnisse ihrer Mutter auftauchten. Die Eltern haben zwar geschwiegen. Aber Kinder nehmen gerade das Ausgesparte wahr. Eine sichere Bindung als Garant ihrer psychischen Gesundheit haben traumatisierte Eltern ihnen nicht geben können. Sie mussten ja auf ihre Minenfelder achten und konnten sich auf den emotionalen Lebensfluss gar nicht einlassen. Viele Kinder sind einsam geblieben. Es kommt vor, dass sie sich unbewusst mit ihren Eltern identifizieren oder Dinge leben, die die Eltern bei sich selbst nicht zulassen konnten. Viele haben ihren Kindern die Vornamen gefallener Geschwister gegeben und deren Leben an sie delegiert. Die epigenetische Forschung hat nachgewiesen, dass traumatische Stressmuster über die Generationen vererbbar werden. …..
Alles vom 28.4.2014 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/deutschland/es-hat-ihnen-die-sprache-verschlagen–83866518.html

Krieg – Trauma – Folgen
Noch bis Mitte Juni läuft die vom Freiburger Seniorenbüro koordinierte Veranstaltungsreihe “Kinder im Zweiten Weltkrieg – Spuren ins Heute”. Zu den Mitveranstaltern gehört das “Freiburger Bündnis gegen Depression” mit einem Vortrag von Werner Geigges über “Kriegskindheit – Trauma – Spätfolgen” am Mittwoch, 30. April 2014, um 19 Uhr im Hörsaal der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Freiburg, Hauptstraße/Ecke Karlstraße.

 

 

Zweiter Weltkrieg: Freiburger Opferliste – weitere Informationen?

BZ-Mitarbeiterin Carola Schark hat die Namen von 3000 Menschen zusammengestellt, die im Zweiten Weltkrieg bei Angriffen auf Freiburg starben. Wer dazu weitere Informationen hat, kann sich an die Autorin wenden. Basis der Liste von Carola Schark sind das städtische Gedenkbuch und die Bergungslisten. Wer Ergänzungen oder Korrekturen mitteilen will, kann diese der Autorin per Mail an folgende Adresse mitteilen: bergungsliste@web.de
Erinnerung an die Toten: Die Bergungsliste (Excel-Datei, Stand 22.11.2013)

Ales vom 27.11.2013 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/bombenangriff-auf-freiburg-im-november-1944-in-allen-ecken-hockt-das-grauen–77691739.html

http://www.badische-zeitung.de/opferliste

 

 

Schreckensnacht jährt sich zum 68. Mal am 27.11.2012
Am morgigen Dienstag jährt sich zum 68. Male die Schreckensnacht, die fast 2800 Menschen in Freiburg den jähen Tod brachte. Im Bombenhagel und im nachfolgenden Feuersturm wurden mehr als 20 Prozent des Freiburger Hausbestandes zerstört und unbewohnbar gemacht. Unser Autor hat den Bombenangriff als Kind selbst miterlebt. Bereits am 10. Mai 1940 hatte Freiburg einen Bombenangriff erlebt, der im Stadtteil Stühlinger – und dort vor allem auf dem Hildakinderspielplatz – 57 Menschen das Leben kostete. Während die Nazi-Propaganda diesen “feigen Angriff” zunächst den Franzosen in die Schuhe schob, kam später heraus, dass wohl irrtümlich mehrere Flugzeuge eines deutschen Geschwaders (“Edelweiß”) 69 Bomben abgeworfen hatten – in der irrigen Annahme, sich über französischem Territorium zu befinden. Trotz des Zwischenfalls hofften die Freiburger weiter, dass ihre so genannte “offene Stadt”, die keinerlei militärische Fertigungsanlagen besaß, von einem Bombenschlag verschont bleiben würde. So dachte auch am Tage des 27. November 1944 kaum jemand daran, dass Freiburg kurz vor seiner größten Weltkriegs-Katastrophe stand. Meine Mutter war an diesem Abend zusammen mit ihrer Schwester ins Casino-Kino an die Löwenstraße gegangen, nichts ahnend, dass sie dies beinahe das Leben kosten würde. So erlebten sie mitten in der Innenstadt das Bombardement. Als kurz vor 20 Uhr die Wochenschau unterbrochen und die Zuschauer gebeten wurden, sich in die Luftschutzräume im Keller des Schauspielhauses zu begeben, zogen die beiden es vor, den Weg nach Hause zu suchen. Über die Grünwälderstraße rannten sie Richtung Schlossberg, da sowohl die frühere Kaiserstraße, die damals offiziell Adolf-Hitler-Straße hieß, als auch der Münsterplatz schon lichterloh brannten. Über den jetzigen Schlossbergring erreichten sie den Stadtgarten, wo sie sich trennten. Meine Mutter eilte nach Herdern, wo wir Kinder mit der Großmutter im Keller saßen und weinten und beteten. Ihre Schwester, die in einem Haushalt in der Hebelstraße arbeitete, wollte nach ihren “Herrschaften” suchen. Sie kam dort nicht mehr hin, denn das gesamte damalige Institutsviertel lag in Schutt und Asche. Gott sei Dank haben auch ihre Brötchengeber überlebt, sie hatten sich in den Colombipark retten können.
So fand für unsere Familie diese Horrornacht ein vergleichsweise glückliches Ende. Für fast 2800 Menschen aber brachte sie den Tod, über 9000 Menschen wurden zusätzlich leichter oder schwerer verletzt. Im Nachhinein wurde bekannt, dass die englischen Bomber, die unter dem Codewort “Tigerfisch” den Angriff flogen, insgesamt 14 500 Brand- und Sprengbomben abgeworfen haben. Noch heute vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht noch bei Bauarbeiten Blindgänger gefunden werden, also Bomben, die damals nicht explodiert sind. Bereits wenige Tage nach der Zerstörung begann man in Freiburg mit den Aufräumarbeiten. Einsturzgefährdete Gebäude wurden abgerissen und vor allem die Straßen, durch die die Straßenbahn fuhr, geräumt. Die Schienen und Stromleitungen wurden instand gesetzt. Bereits im Oktober 1945 waren wieder fast alle Straßenbahnlinien in Betrieb. Zur Trümmerbeseitigung wurde eine Feldbahn eingerichtet. Die Schmalspurschienen verlegte man durch mehrere Straßen der Stadt, um den Bauschutt, der in Kipploren transportiert wurde, an den Karlsplatz zu befördern. Dort stand eine große Zertrümmerungsmaschine, die über verschiedene Rüttelsiebe Berge von unterschiedlich feinem Kies produzierte. Wir Kinder aber haben diese Trümmerwelt mit ihren Trampelpfaden, den zerstörten Hinterhöfen und geheimnisvollen Kellereingängen als Abenteuerspielplätze genutzt. Dass die Mütter dies streng verboten hatten, gab noch einen zusätzlichen Anreiz, sich dort aufzuhalten und auszutoben.
26.11.2012, Hans Sigmund, www.badische-zeitung.de

 

Versteck des Kindersoldaten Herbert Vorgrimler im Carolus-Haus

Die Geschichte des Herbert Vorgrimler, der vor den Nazis floh.
Das Carolus-Haus ist eine ausladende, betagte Jugenstilvilla im Osten von Freiburg, mit einem bald hundertjährigen Kindergarten, mit Blumenbeeten, Rutschbahn, Kiesflächen und Laubengang. Dort, unweit des uralten Gasthauses zum Schiff und des Sportclub-Stadions, öffnet sich die Stadt zum Schwarzwald.

Carolus-Haus mit Kindergarten am 9.10.2010: Blick nach Norden – neue Rutsche rechts

In Sankt Carolus habe ich meine Kindergartenzeit verbracht. Und: In Sankt Carolus hat sich, knapp zwei Jahrzehnte zuvor, in der Endzeit des Zweiten Weltkrieges, ein junger, christlicher Pazifist vor der Hitlerarmee versteckt. Darauf stand im Dritten Reich die Todesstrafe. Der Deserteur hatte Erfolg. Er lebt heute noch, weil ihn damals ein sozial engagierter Priester, der Caritas-Prälat Alfons Eckert, versteckt hat, in seiner Wohnung unter dem Dach der 1910 gebauten Villa Carolus. Herbert Vorgrimler heißt der damals versteckte junge Mann; heute ist er ein über achtzig Jahre alter Theologieprofessor in Münster.
Was Vorgrimler als Jugendlicher in Freiburg während des Krieges erlebte, kann einem den Atem rauben. Der Dichter Reinhold Schneider (1903-1958) lebt damals in Freiburg, ein baumlanger, halb verhungerter Mann. Schneider schreibt Sonette, streng geformte Gedichte gegen den Krieg. Und er verfasst Erzählungen und Betrachtungen über christliche Haltung und politischen Anstand; Texte, die insgeheim abgetippt und abgeschrieben werden. Sie wandern von Hand zu Hand bei denen, die nicht einverstanden sind mit der Barbarei des Dritten Reiches. Vielerorts in Deutschland und selbst dort, wo Hitlers Armeen in Europa Krieg führen, stöbert die Geheime Staatspolizei Gestapo die von Reinhold Schneider stammenden, subversive Texte auf. Der Priester Alois Eckert möchte dem Dichter, der keine Lebensmittelmarken erhält, helfen. Also bittet er seinen Messdiener Herbert Vorgrimler, der ihm täglich frühmorgens bei der Heiligen Messe assistiert, ab 1943 regelmäßig nach Pfaffenweiler zu fahren, mit dem Fahrrad. Dort betreibt ein unauffälliges altes Geschwisterpaar einen Bauernhof. Die Leute sind Eckert verbunden. Sie geben ihm Brot und Wein – und der 14 Jahre alte Herbert Vorgrimler bringt die kostbare Fracht als Fahrradkurier in die Mercystraße unterm Lorettoberg, wo der Dichter Reinhold Schneider in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit riesigem Schreibtisch lebt, den er vom abgedankten, ehemaligen Kaiser Wilhelm II. geschenkt bekommen hatte.

“Er hat mit mir gesprochen, der riesengroße, schlaksige Mann”, so erinnert sich Vorgrimler an den Dichter. Schneider fragt den Jungen, was er denn vorhabe im Leben, wenn Hitlers Krieg erst mal vorüber sein werde. Mit der Zeit entwickelt sich fast so etwas wie eine ungleiche Freundschaft. Mit handschriftlicher Widmung schenkt Reinhold Schneider einige seiner Broschüren, die in dem von den Nazibehörden geduldeten Alsatia-Verlag in Colmar gedruckt werden, dem Jungen. Und der liest; liest und stellt Fragen. Der Dichter antwortet ihm, sofern es nicht zu riskant ist, zu antworten.Vorgrimlers Eltern sind eingeweiht. Sie finden den Kontakt ihres Buben zu dem vom Staat verfemten katholischen Poeten Reinhold Schneider gut. Der Vater, Martin Vorgrimler, arbeitet in der Auslands-Abteilung des Deutschen Caritas-Verbandes. “Er war durch ausländische Sender gut informiert über das, was die Deutschen in vielen Ländern anrichteten”, erzählt Herbert Vorgrimler. “Was ich an Reinhold Schneider weitergeben konnte von den Nachrichten aus der Schweiz, England oder von Radio Vatikan, das erzählte ich ihm weiter.”
Anfang Januar 1945 wird Herbert Vorgrimler 16 Jahre alt. Es ist das letzte Kriegsjahr und Hitlers besudelte Armee rekrutiert das letzte Aufgebot. Zigtausend halbe Kindersoldaten werden in Wehrmachtsuniformen gesteckt und an den zusammenbrechenden Fronten verheizt. Seit Ende 1944 hat auch Vorgrimler den Einberufungsbescheid. “Erstmal wurde ich ausgiebig krank, der Hausarzt spielte mit”, sagt Vorgrimler.

In dieser begrenzten, kostbaren Pause vom Krieg reift ein lebensgefährlicher Entschluss. “Prälat Eckert hatte die Idee, meine Eltern waren sofort einverstanden und mir selbst war aus den Gesprächen mit Reinhold Schneider klar, dass dies der richtige Weg ist”, sagt der alt gewordene Theologe: Herbert Vorgrimler desertiert. Er nutzt das anhaltende Chaos, das die damals kleine Universitätsstadt Freiburg beherrscht, seitdem sie – unerwartet – am 27. November 1944 fürchterlich bombardiert wurde. Vorgrimler erzählt: “Ich tauchte unter. Mein Versteck bis zur Befreiung vom Hitlerfaschismus durch die französische Armee war die Wohnung von Prälat Eckert im Obergeschoss des Carolus-Hauses.”

Es sind lange, schreckliche Wochen. Der örtliche Nazi-Blockwart Engler, ein Volksschullehrer, fragt wiederholt neugierig bei den Eltern in der Neumattenstraße, unweit vom Sandfang an der Dreisam nach, wo ihr Sohn Herbert denn stecke. Dem ist es in seinem zumeist ungeheizten Versteck im Carolus-Haus langweilig. Quälend langsam verstreicht die Zeit. “Ich erinnere mich vor allem an die Kondensstreifen der alliierten Bomberverbände, die in Formation an den eisigen Winterhimmeln nach Osten, in die württembergischen Industriegebiete oder nach Bayern flogen”, berichtet Vorgrimler.

Irgendwann in jenen schweren Tagen geht dem 16-Jährigen auf, was alles an katholischer Reformliteratur und Theologie in den Bücherschränken seines Versteckgebers Eckert steht. “Ich begann zu lesen, tagaus, tagein. Damals habe ich meine Leidenschaft für die Theologie entdeckt”, sagt Vorgrimler, der Jahrzehnte später Dogmatikprofessor wurde und Glaubensfragen gelehrt hat. Für das tägliche Brot des verborgenen Jugendlichen hat Prälat Eckert damals Tag für Tag gesorgt. Wie der Priester das bewerkstelligte, ist Herbert Vorgrimler heute noch ein Rätsel.

Der Autor, Thomas Seiterich, geboren 1955 in Freiburg, ist Redakteur für Theologie, Kirchen, Religionen und Nord-Süd-Fragen bei der Zeitschrift Publik-Forum.

5.4.2012, Thomas Seiterich

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