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Blick nach Südwesten vom Kanonenplatz auf dem Freiburger Schloßberg zum Schönberg am 23.8.2006

 

         
(1) Unterlinden 4.10.2013                       (2) Colombi-Schlössle 23.4.2013

(1) Unterlinden am 4.10.2012 – Blick nach Norden

 

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Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon
“In Freiburg ist es nicht möglich eine Parkbank aufzustellen, ohne dass jemand dagegen klagt.”

 

Freiburg – a completely un-German-Stadt

Warum Freiburg so exotisch ist und von Touristen geliebt wird:
Als mehr oder weniger alt eingesessener Freiburger denkt man nicht jeden Tag daran, dass man eigentlich in einer seltsamen Stadt lebt. Ist aber so. Man muss nur einmal einen amerikanischen Reiseführer zu Rate ziehen. Einhelliges Urteil der Forscher in Sachen Tourismus: Freiburg ist eine „completely un-German“ Stadt, wie es in der Traveller-Fibel „Germany – the rough guide“ heißt. Das haben wir immer schon geahnt. Keine Einhelligkeit herrscht allerdings bezüglich der Frage, wie sich diese Ausnahmestellung erklären lässt.
Der „rough guide“ hängt der These an, dass Freiburg kulturell gesehen eigentlich zu Österreich gehöre, schließlich stand es bis ins 19. Jahrhundert hinein unter der Herrschaft der Habsburger. Freiburg von Österreich? Na ja. Da halten wir es doch lieber mit der US-Touristenbibel „Let’s go! Germany“, der zufolge Freiburg ungeheuer französisch sei. So französisch sogar, schreiben die „Let’s go!“-Autoren allen Ernstes, dass die deutsche Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs gar nicht anders gekonnt habe, als die eigene Stadt zu bombardieren. Sei ganz „logical“. Das haben wir dann doch nicht gewusst, dass die Frankophilie Freiburgs sogar hoch oben im Himmel zu spüren ist. Am Ende riecht es zwei Kilometer über dem Münster nach Rotwein und Camembert.

Ums Münster herum riecht es eher nach Bratwurst und nach Touristen, die auf der Suche nach der Freiburger Exotik sind. Was meist ziemlich schnell gehen muss. Das Gros der Städtlebummler bleibt, wie unrepräsentative Befragungen ergaben, nur für einen Tag. Scheint allerdings auch zu genügen, um das wieder zu finden, was man schon überall gelesen und gehört hat: Freiburg, das ist lovely-jolie-schön mit Münster und Bächle, Kaufhaus und Rathausplätzle, garniert mit etwas Studentenflair.

Blöd ist es nur, wenn man als Bahnreisender im Bahnhofsviertel ankommt und so gar nichts von den Klischees wiederentdecken kann: „Da war ich doch enttäuscht“, sagt Rusalka (20) aus Prag, aber jetzt, wo sie vor dem „schönsten Turm der Christenheit“ steht, ist die Touristenwelt wieder in Ordnung.
Münster, Bächle, Altstadt. Wer als US-Amerikaner kommt, ergänzt dieses Tagesprogramm um den Punkt „blackwood forest“. Wo denn dessen „Eingang“ zu finden sei, will Simon aus Chicago (28) von einem Passanten wissen. Der guckt dann doch etwas ratlos, und Simon beschließt, sich einfach in irgendeinen Bus zu setzen. Hoffentlich nicht in jenen Richtung Hochdorf. Exotisches Bächle-Freiburg.

Am begeistertsten, so scheint’s, sind nicht unbedingt die vielen Italiener, Spanier oder Franzosen. Die haben das ja auch: schöne Kirchen, schöne Plätze, schöne alte Gebäude. Fotos machen sie trotzdem. Nein, exotisch ist so ein Trip in den Südwesten vor allem für all die armen Deutschen, die nicht im Sonneneck zu Hause sind. Robert (39) aus Düsseldorf zum Beispiel kann es gar nicht fassen, dass man hier „in jedem Landgasthof ordentlich essen kann“. Und dann diese Gemütlichkeit! So wenig Hektik! „Für Wein braucht man eben mehr Zeit als für Bier – das merkt man den Freiburgern an“, sagt Robert, der Hobby-Volkskundler.

Ach ja, die Freiburger. „Genial und humor-loving“ seien sie, heißt es in „Let’s go! Germany“. So schöne Sachen muss man nicht übersetzen. Und was sagen die Gäste, die sich von solchen Versprechungen anlocken lassen? „Schwer zu beurteilen“, meinen Herr und Frau Stothouber aus Amsterdam. Ihnen sei nicht klar, ob ihnen auf ihrem Rundgang durchs Zentrum schon ein Freiburger begegnet sei – „oder nur Touristen“.

Wenigstens Robert, der Hobby-Volkskundler, weiß mehr zu berichten: „Die Freiburger stellen sich immer brav an.“ Und wir dachten immer, wir seien ganz französisch-legère. In Wirklichkeit sind wir zumindest in einigen Punkten komisch, wir Freiburger. Niemand kann das besser beurteilen als die Bildungstouristen, die Sommer-Ferienkurs-Studenten, die lange genug bleiben, um tiefere Einblicke zu bekommen. Barfußläufer in der Stadt? Anzugträger mit Sandalen? Oh, là, là, sagt Aurelie aus Lyon, das vertrage sich nicht mit französischen Vorstellungen von Eleganz. Und dann diese Eigenart, die Spaghetti-Soße erst auf dem Teller über die Nudeln zu geben und nicht gleich im Topf. „So isst man das doch nicht“, sagen Elena und Alessandra aus Ancona.

Und sonst? Tja: freundliche Menschen, Studentenflair, schöne Häuser, Bächle, Münster – da sind sie wieder, die Klischees. Auch bei den Bildungstouristen. Muss wohl was dran sein. Nur einer, ein einziger Tourist, zeigt sich von all den Postkartenidyllen völlig unbeeindruckt und liebt Freiburg für etwas, auf das wir nie gekommen wären. „Am schönsten ist“, sagt der kleine Markus aus Berlin, „dass es hier einen McDonald’s gibt“.
Tobias Löser, BZ vom 22.8.2001

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