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Tele-Blick vom Brosihof bei St.Märgen nach Südwesten über Schweighöfe und Spirzen zu Dreisamtal, Rheintal und Vogesen am 19.12.2007

 

 

Weltkriegsdenkmal Hartmannswillerkopf saniert

Zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges binationale Projekte geplant.
An diesem trüben Tag herrscht Stille auf dem Hartmannswillerkopf. Nur Gilbert Wagners Schritte knirschen im Kies. Sonst gibt es hier keine Seele, lediglich die Gebeine der Toten in der Krypta sechs Meter unter der Erde. “Im Volksmund haben sie ihn Menschenfresser genannt, den Berg”, sagt Wagner, als er den Schlüssel kratzend ins Schloss steckt und das Tor zur Krypta öffnet.
Wenn es eines Tages vielleicht doch mal wieder Sommer wird, und der Blick bei klarer Sicht zu Füßen der 956 Meter hohen Bergkuppe die ganze Rheinebene fasst, dann werden die Besucher wieder auf den südlichen Vogesenausläufer strömen. 60 Prozent der 250 000 Besucher, die über das Jahr den Weg zum Mahnmal auf dem Hartmannswillerkopf finden, kommen aus Deutschland. “Dort gibt es eben keine Schlachtfelder aus dem Ersten Weltkrieg, die man besichtigen könnte”, erklärt Wagner. Er ist der Präsident der örtlichen Abteilung des Nationalkomitees des Hartmannswillerkopfes und verantwortlich für Pflege und Führungen.

90 Kilometer Schützengräben lassen sich besichtigen. Wagners Führungen können bis zu einem ganzen Tag dauern, so viel hat er zu erzählen. Als er sich vor mehr als 30 Jahren für den Ersten Weltkrieg zu interessieren begann, traf er noch auf Veteranen, und das Drama des Krieges ließ ihn nicht mehr los. 25 000 Mann starben in den Grabenkämpfen auf dem Hartmannswillerkopf.
Das Mahnmal mit dem Ehrensarg hoch oben und die unterirdische Krypta, in der die Gebeine deutscher und französischer Soldaten unter einem monumentalen Bronzeschild ruhen, zählen heute zu den vier denkmalgeschützten historischen Schauplätzen des Ersten Weltkrieges in Frankreich. “Die Geschichte dieses Krieges und das Bauwerk am Hartmannswillerkopf an die künftigen Generationen weiterzugeben”, sagt Jean Klinkert, der Direktor des Tourismusverbandes im Südelsass, “ist für uns eine moralische Verpflichtung.” Es gehe um nichts weniger als ein deutsch-französisches Gedenken. “Wer wird sonst noch in 50 oder 100 Jahren wissen”, fragt er, “was die Männer hier oben erlebt haben?” Inzwischen wurde die bis 1932 von Robert Danis erbaute Anlage grundsaniert. Wasser war von oben eingedrungen. Die Erinnerungsstätte musste vor dem Zerfall gerettet werden. Heute schimmert der helle Stein wieder, der die unterirdische Kathedrale von oben umschließt.

Doch die Sanierung war erst der Anfang. Wenn sich im kommenden Jahr der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährt, wollen Deutschland und Frankreich gemeinsam an die Kriegsereignisse erinnern. Deshalb soll noch in diesem Jahr ein kommentierter, 4,5 Kilometer langer Rundweg hinter Mahnmal und Soldatenfriedhof entstehen. Bis zu den Hauptfeierlichkeiten, die für den Herbst 2015 geplant sind, will Klinkert zudem ein Museum bauen. Nicht allein das Kriegsgeschehen werde im Zentrum stehen, sagt Klinkert. “Die Besucher sollen verstehen, welche Umstände zum Kriegsausbruch geführt haben und wie das Leben am Oberrhein zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat.”
Bis es so weit ist, werden die deutschen Toten allerdings nicht erwähnt. “Es muss aber deutlich werden”, fordert Martin Lunitz, Landesgeschäftsführer Baden-Württemberg des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Konstanz, “dass es sich um eine deutsch-französische Erinnerungsstätte handelt.” Über die Zusammenarbeit lässt er grundsätzlich nichts kommen. Dennoch sorgt er sich: “Die Zeit läuft uns langsam davon.” Angesichts der deutschen Beteiligung an der Sanierung in Höhe von 350 000 Euro förderte die Europäische Kommission das Vorhaben mit der Hälfte der Sanierungskosten von 1,9 Millionen Euro. Lunitz weiß, wie zeitraubend Planungen und Genehmigungen sein können, erst recht, wenn die Finanzierung noch nicht steht. “Wir hoffen wirklich, dass beide Projekte bis 2015 fertig sind”, sagt er. Selbst die Finanzierung des Museums – es soll fünf Millionen Euro kosten – hängt noch von Sponsoren ab. Allerdings müsste die Aufmerksamkeit, die der Erste Weltkrieg in Frankreich genießt, alle Beteiligten optimistisch stimmen. “La Grande Guerre”, den Großen Krieg, nennen die Franzosen den aus ihrer Sicht letzten Bürgerkrieg des 20. Jahrhunderts.

So erklärt sich Klinkert auch die zahlreichen Reaktionen auf einen Aufruf für Veranstaltungsvorschläge zum Weltkriegsjubiläum. Allein aus dem Elsass haben mehr als 80 Gruppen oder Kommunen eine Veranstaltung angekündigt. Als der Volksbund für dieses Frühjahr die 40 damaligen Garnisonsstädte in Baden-Württemberg zu einer Tagung einladen wollte, um das Jubiläum vorzubereiten, sagten gerade mal acht zu. “In der breiten Öffentlichkeit”, ist sich Lunitz sicher, “wird der Erste Weltkrieg in Deutschland von den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust überlagert.”
22.5.2013, Bärbel Nückles

http://www.kaiserstuhl.eu/Umgebung/Elsass/hartmannswillerkopf-elsass.htm http://www.tourisme-alsace.com/de/240001398-Le-Hartmannswillerkopf-ou-Viel-Armand.html 
http://mal-raus.blogspot.de/2012/11/hartmannswillerkopf.html 

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