Raymund Koslik, Lehrer RSS

Seit siebzehn Jahren ist Raymund Koslik als Lehrer an der Reinhold–Schneider-Schule tätig und wird zum Ende des Schuljahres in den (Un-)ruhestand verabschiedet. Montag. Bürgersaal Littenweiler. Erste Schulstunde: Die Tasten auf dem Klavier werden angeschlagen: „… so, jetzt noch mal die Strophe, mit mehr Power!“ ruft Raymund Kos­lik den Kindern zu. Die Mädchen  stehen rechts, die Jun­gen links, nicht weil hier nach Geschlechtern getrennt ge­sungen wird, aber in dieser ersten Stunde nach den Sommerferien haben sich 100 Kinder zum Singen im Schul­chor eingefunden und „…meiner Erfahrung nach, ist es wichtig, dass die Kinder sich immer wieder bewegen, so lasse ich sie im Wechselgesang immer wieder neue Plätze ein­nehmen“, strahlt Raymund Koslik. Ja, das glaubt man ihm gerne, denn nach siebzehn Jahren Lei­tung des Schulchors an der Reinhold-Schneider-Schule kommt einiges an Erfahrung zusammen. Raymund Koslik selbst, hat die einstige Grundschule in Kappel besucht und 1969 am Berthold-Gymnasium sein Abi­tur abgelegt. Bis 1972 studierte er Musik und Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, um anschließ­end seine erste Stelle an einer Sonderschule in Triberg anzu­treten. Er unterrichtete danach an der Grund- und Haupt­schule Nußbach. Für weitere zehn Jahre ging es dann an die Grundschule in Furtwangen. Zusätzlich absolvierte er eine Fortbildung zum Sportlehrer. Endlich klappt es auch mit der Versetzung an die damalige Grund- und Hauptschule, nach Littenweiler, denn „… ich wollte immer wieder nach Freiburg zurück“, führt Koslik aus. Musik, Deutsch und Sport unterrichtet er sowohl in der Grund- als auch in der Hauptschule und bekam unter Rektor Kemen die Aufgabe, den Schulchor zu leiten, die er bis heute mit großer Begeisterung wahrnimmt. Kein Wunder, dass so viele Kinder gerne seine Musikstunden und den Schulchor besuchen.
Der Schulchor lag und liegt ihm dabei immer am Herzen, denn gerade durch das Mitsingen im Schulchor bieten sich vielfältige Einstiegsmöglichkeiten in die Welt der Musik und der Sprache. Der Chor bildet eine gute Basis zum Veran­kern der eigenen kulturellen Identität und fördert die Ent­wicklung musikalischer Fähigkeiten bei den Kindern. Aber auch das Erleben von Gemeinschaft bei der Erarbeitung der Lieder und die Konzentration auf gesteckte  musika­lische Ziele, sowie die Repräsentation der Schule nach inn­en und außen prägen die Persönlichkeit der Kinder nach­haltig. So erklingen die Stimmen des Schulchors seit Schülergenerationen bei zahlreichen Dorfhocks in Littenweiler, bei der Be­grüßung von Erstsemester-Studenten an der Pädagogischen Hochschule, bei Verabschiedungen oder Amtseinführungen. „Musik machen und mit den Kindern zu erleben, ist mein ganz persönliches Interesse. Es hat mich selber gepackt und das hat viele Schüler angesteckt.“ Und wenn man ihn so bei der Arbeit beobachtet, glaubt man, seine Arme seien nicht lang genug, um alle Schüler, die sich eng um ihn herum gruppieren, mal kurz zu drücken.  Einige Kinder nennen ihn auch schon mal „Kossi“. „Das rührt überhaupt nicht an meiner Autorität. Die Kinder haben sich nie frech verhalten und das Verhalten blieb die ganzen Jahre hindurch korrekt“. So wächst auch das persönliche Verhältnis zu  Schülern und Eltern über die Schulzeit hinaus. Nicht umsonst ist Raymund Koslik seit 1997 Verbindungslehrer der SMV (Schül­ermitverantwortung) und „es gab Jahre, wo es mir ganz besonders wichtig war, dieses Amt auszuüben.“ Eine „tolle Sache“ war 2007 der organisierte Sponsorenlauf zur Anschaffung neuer Spielgeräte im Schulhof.
Als Mitte der 90er Jahre der Schulchor eingerichtet wird, singen ca. 40 Kinder im Schulchor, im darauffolgenden Jahr waren es nur 15 und Raymund Koslik ist mutlos. Doch Rektor Kemen macht ihm Mut und dann „waren es tat­sächlich wieder 40 – 45 Kinder.“ Probenzeiten auf der Hütte werden eingeführt und langsam wächst die Zahl der  Teilnehmer im Jahr 2005 auf 100 Kinder.  Die „Disziplin zu halten ist bei so vielen Schülern nicht immer einfach und auch belastend, aber das Ziel vor Augen hilft über vieles hin­weg.“ Dankbar führt Raymund Koslik aus, „dass  Eltern und der Förderverein meine Arbeit in vielerlei Form unterstützen und die vielen Musikerinnen und Musiker, die uns immer begleiten ebenso.“
Dreimal nimmt Raymund Koslik mit dem Schulchor der Reinhold-Schneider-Schule an den Schulchortagen in Müllheim teil, einmal am Landeskongress der Musikpädagogik der Pädagogischen Hochschule und im Europa-Park bei der „Euro-Musique“. Es werden Weihnachtstücke mit dem Titel „Im Himmel geht ein Fenster auf“ von Uli Führe und Sommerstücke wie der „Struwwelpeter“ von Cesar Bresgen oder „Als die Tiere die Schimpfwörter leid waren“ von Mechthild Schönebeck und Tanzlieder in Kooperation mit der Tanzschule Doris Brönnimann oder Großprojekte mit dem Musikverein und der Musikschule Freiburg einstudiert.

Im Schuljahr 2011/12 erfolgte ein Einbruch, da der Chor auf die Nachmittagsstunden verlegt wurde, doch seit Beginn dieses Schuljahrs findet die Schulchor-Stunde wieder in der ersten Stunde am Montag statt, eine lieb gewonnene Tradition kann somit weiter geführt werden!  Im laufenden Schuljahr studiert Raymund Koslik nun mit Matthias Klein „Das Krippenspiel“ von Gerd-Peter Münden ein, das am 9. Dezember auf dem Weihnachtsmarkt zum 25-jährigen Jubiläum des Fördervereins und beim Weih­nachtsabschluss-Gottesdienst vorgetragen wird. Der Vers: „Hast du dich erstmal ausgeruht, dann geht es dir auch wieder gut…“ scheint auf Raymund Koslik zugeschnitt­en, denn im August 2013 wird der beliebte Lehrer in den Ruhestand gehen. Zu seinen Plänen befragt: „Ich werde nicht in ein Loch fallen, denn ich möchte den Kirchenchor und die Orgelmusik in Buchenbach weiter führen, in Kirchzarten als Organist tätig sein und vor allem meinen Hobbys wie dem Wandern, Lesen, Reisen und der Pflege meines Freundeskreises nachgehen. Aber auch verschiedene Projekte an Schulen werde ich weiter führen. Ich bin ge­spannt auf meinen neuen Lebensabschnitt und hoffe, dass mir die Neugierde und die Gesundheit lange erhalten bleiben und dann ergibt sich sicher noch Vieles.“ Bis dahin kann man sich aber noch auf die nächsten Vorstellungen des Schulchors der Reinhold-Schneider-Schule freuen!
Beate Kierey, 17.10.2012, Littenweiler Dorfblatt

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