Plaetze in Isfahan und Freiburg

Nach Rückkehr von einer Iran-Bürgerreise 8.-20.10.2014 steht in der BZ vom 20.10.2014: Isfahans Meydan-e-Imam “ist fünfmal so groß wie der Platz der Alten Synagoge – und es gibt keinen einzigen Baum. Die Sommer in Isfahan haben 40 bis 45 Grad. … Früher wurde dort Polo gespielt, heute haben sie Wasserspiele und Blumenbeete angelegt. Aber Bäume gibt es dort nicht.” Sollte OB Dieter Salomon versuchen, im Vergleich mit dem Imam-Platz von Isfahan die Versiegelung des Platzes der Alten Synagoge in Freiburg zu rechtfertigen, dann wäre dies unangebracht:

In der 1,4 Mio-Stadt Isfahan gibt es über 30 Plätze, die in ihrer Größe mit Platz der Alten Synagoge in Freiburg vergleichbar sind. Diese sind allesamt mit Rasen, hohen Bäumen und Büschen begrünt und haben Wasserteiche und Kinderspielplätze. Niemand in Isfahan wagt es, auch nur einen dieser Plätze so zuzupflastern und zu versiegeln wie unseren Platz der Alten Synagoge demnächst.
Der Imam-Platz ist mit 1/2 km Länge und 150 m Breite einer der  größten Plätze der Welt – dieser läßt sich nicht mit Freiburgs kleinem Theater-Platz  vergleichen. Der Imam-Platz ist von zweistöckigen Arkaden bzw. Laubengängen umgeben, denen Terrassen vorgelagert sind, von denen man – da ca 10 Stufen höher als der Platz – zu den gegenüberliegenden Arkaden blicken kann. Um diesen freien Blick zu erhalten, findet man auf dem Imam-Platz keine großen Bäume, sondern Hunderte kleiner max. 5 m hoher Bäume und Büsche, die überall auf dem Rasen angepflanzt sind; diese spenden Schatten und dienen den auf der Wiese picknickenden Isfahanern als Sichtschutz. Und auf dem Rasen am westl. Platzende dürfen die Buben sogar Fußball spielen. Das Argument, auf dem Platz der Alten Synagoge keine hohen Bäume pflanzen zu dürfen, um den freien Blick über den Platz zu erhalten, zieht nicht, da dieser Platz nicht von anmutigen Arkaden, sondern von hässlichen Gebäuden wie Deutsche Bank-Hochhaus, Nachkriegs-Uni-KG, Stadttheater und Hochhaus Ecke Bertoldstrasse umgeben ist.

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Picknick auf dem Imman-Platz                Bächle in Isfahan

Der Zayandehrud-Fluss als ‘Dreisam von Isfahan’ ist seit drei Jahren komplett ausgetrocknet. Man rechnet in Isfahan nicht mehr mit Regen, deshalb wurden bei der 33-Bogen-Brücke Palmen ins Flussbett gepflanzt und die Ruderboote dienen als Blumenkübel. Das Grundwasser muß aus immer extremeren Tiefen hochgepumpt werden; in jedem Beet, Bächle, Rasen im Stadtgebiet liegen Schläuche zur permanenten Bewässerung – trotzdem erscheint das wüstennahe  Isfahan als viel grünere Stadt als das regen- und wasserreiche Freiburg: Keine größere Strasse ohne hohe Bäume rechts und links, kein Park ohne Wiesen, Wasserteiche und Brunnen. Einen Bachabschlag wie in Freiburg kann man sich in Isfahan nicht erlauben, denn dann würden die Bäume, die in den dortigen nach unten nicht zubetonierten Bächle wachsen, absterben. An den Plätzen WCs stets mit Seife – kostenlos oder für 2000 Real (5 Eurocent). An den Strassenecken in Isfahan Wasserhähne, um Hände und Obst zu waschen. Stellen Sie sich die Kronen-, Habsburger-, Schnewlin- und Heinrich-von-Stephan-Strasse beidseitig von dicht nebeneinenander und hochgewachsenen Bäumen gesäumt, die in 1 m breiten Bewässerungsbächen stehen – dann könnten Sie einen Hauch von grünem Isfahan-Feeling verspüren..
Fazit: In Sachen Begrünung und Sauberkeit kann Freiburgs vermeintlich grüner OB Dieter Salomon von Isfahans konservativem OB Hassan Rohani noch sehr viel lernen.
21.10.2014

Interview mit OB Dieter Salomon vom 20.10.2014 auf:
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/ob-salomon-in-isfahan-die-neugier-ist-enorm–93123732.html

Der Platzvergleich Isfahan – Freiburg des OBs ist widersinnig
Das interessanteste Erlebnis des Oberbürgermeisters bei seiner Reise nach Isfahan war laut Zeitungsinterview der zweitgrößte baumlose Platz der Welt, der Meydan-e Imam. Die damit vergleichende Rechtfertigung des geplanten ebenfalls “leeren” Platzes der Alten Synagoge ist jedoch widersinnig! Die Moscheenplätze sind ehemals zur Ehre und Verherrlichung Allahs erschaffen worden. Dies findet seinen Ausdruck in ihrer monumentalen Größe ohne jede diese durchbrechende Gestaltung, wie durch Bäume. Hitze, Aufenthalts- oder gar Klimaverträglichkeit standen dabei außerhalb jeder Überlegung. Der Platz der Alten Synagoge in Freiburgs Stadtmitte hat dagegen den heute gültigen Ansprüchen gerecht zu werden, und er muss für den Bürger da sein! Darum sollte seine Gestaltung in erster Linie bürgerfreundlich sein, nach dem neuesten Stand der Technik ohne den Platz zerschneidende Masten und Oberleitungen auskommen und auf das örtliche Kleinklima Rücksicht nehmen.
10.11.2014, Dieter Jacob, Freiburg

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