Pfarrer Cabral weg von Oberried

Weggang von Pfarrer José Cabral beendet eine Ära – Nach Verschlechterung der Gesundheit lebt der Geistliche jetzt im Pflegeheim in Portugal. Das war in den Tagen vor Ostern für die Menschen in Oberried ein Schock. Rapide schnell hatte sich der Gesundheitszustand von Pfarrer José Cabral verschlechtert. Am Freitag vor Palmsonntag wurde er kurz in einer Klinik behandelt. Nach einem kurzen Pflegeaufenthalt in Bischoffingen holte ihn seine Familie in seine portugiesische Heimat, wo er selbst in den 1980er Jahren in Guarda ein Pflegeheim initiiert hatte. „Wir sind tief betroffen und traurig“, schrieb Pfarrer Werner Mühlherr an die Pfarrgemeinden Oberried und Hofsgrund, „dass wir von Pfarrer Cabral nicht persönlich Abschied nehmen konnten, respektieren aber die Entscheidung seiner Familie zum Wohle unseres geschätzten Pfarrers José Cabral.“ Es solle jetzt überlegt werden, wie eine Brücke zwischen Oberried und Portugal gebaut werden könne. 
Pater José Salvador Cabral da Costa MSJ, so sein vollständiger Name, wurde am 1. Juni 1936 in Fiaes/Trancoso (Portugal) als Ältester von neun Geschwistern geboren. Zunächst studierte Cabral in Guarda (Portugal) Philosophie, um dann nach dem Ordenseintritt bei den Missionaren vom Hl. Johannes in Leutesdorf an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Theologie zu studieren. Am 29. Juli 1962 weihte ihn Hermann Kardinal Volk im Mainzer Dom zum Priester. Verschiedene seelsorgliche Aufgaben, u.a. auch für seine portugiesischen Landsleute führten ihn in die Diözesen Mainz, Trier, Speyer und Limburg. Von 1975 bis 1983 war er Pfarrer in Offenbach. Dann erhielt er einen Ruf als Caritasdirektor in die Heimat nach Guarda sowie von der EU in Brüssel. Nach einem kurzen Engagement in Afrika kam José Cabral am 11. November 1995 als Pfarrer nach Oberried und Hofsgrund.
Was zunächst wohl nur für drei Monate geplant war, wurde für den lebensfrohen und kommunikativen Südländer zu einem fast zwanzigjährigen Seelsorgeeinsatz, der ihn den Menschen im Schwarzwald immer vertrauter werden ließ. „Er hat hier bei uns eine Seelsorge mit Herz verwirklicht“, erinnert sich Stiftungsratsvorsitzende Lioba Freßle vom Gemeindeteam. Und Ursula Steiert, die Sprecherin des Gemeindeteams Oberried ergänzt: „Stets brachte er sich mit seiner südlichen Lebensart ein. Er hatte eine lockere Offenheit, nicht streng nach dem Protokoll.“ Besonders dankbar sind die beiden in der Gemeinde engagierten Frauen, dass er sich immer nach den Wünschen der Gemeinde gerichtet habe und für die Anliegen der Vereine immer offen gewesen sei.

 cabral-oberried1404    Pfarrer José Carbral im März 2014

Als im März die renovierte Sparkasse in Oberried eingeweiht wurde, war Pfarrer José Cabral noch dabei und gab den neuen Räumen seinen Segen. Foto: Gerhard Lück

Pfarrer Cabral war seit November 1998 auch für die Seelsorge der Portugiesen in Freiburg und Südbaden verantwortlich. Diese Aufgabe habe er wunderbar mit seiner Pfarrarbeit verbunden und manches portugiesische Fest gemeinsam mit den Oberriedern gefeiert. Bundesweit kam José Cabral in die Medien, als er mit interessierten Menschen aus dem Dreisamtal die Oberrieder Klosterbibliothek mit der weltweit größten Fürstabt-Gerber-Sammlung öffnete und den Verein der Freunde der Klosterbibliothek ermöglichte. Aber auch seine Lamas, mit denen er besonders Kindern große Freude bereitete, machten den großen Tierfreund übers Dreisamtal hinaus „berühmt“. Kommunikation mit den Menschen war seine große Leidenschaft und so kümmerte sich Cabral um Orte der Begegnung, baute eine Grillstelle und initiierte den Minikeller und den Begegnungsraum in der Pfarrscheune. Cabral unterstützte die Peru-Partnerschaft und besuchte selbst einmal die Partnerpfarrei in Mollende. Bei der Caritas-Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ war er von Anfang an dabei, ganz nah dran an seinem Primizspruch: „Not sehen und handeln“.
Pfarrer Werner Mühlherr, der gemeinsam mit Lioba Freßle und Ursula Steiert vom Gemeindeteam mit dem „Dreisamtäler“ über den plötzlichen Weggang von Pfarrer Cabral sprach, stellte fest: „Damit ist eine Ära zu Ende gegangen. Hier in Oberried wird zukünftig kein Pfarrer mehr wohnen. Das ist eine epochale Veränderung.“ Dank der konzeptionellen Planung der neuen Seelsorgeeinheit Dreisamtal wären die Gottesdienste gesichert und auch das weitere seelsorgliche Tun. Aber wenn auch das Gemeindeteam eine wichtige Anlaufstation für die Fragen und Anliegen der Gemeindemitglieder sei, stellen Freßle und Steiert klar fest, könnten sie dennoch die bloße Anwesenheit und Offenheit des im schönen Klosterpfarrhaus wohnenden Pfarrers nicht ersetzen. Sie dankten allen, die sich in all den Jahren um Pfarrer Cabral gekümmert hatten und ihm mit mancher Hilfe zur Seite standen: „Wir hoffen, dass es unserem Pfarrer jetzt in Portugal wieder besser geht und wünschen uns bald ein Lebenszeichen von ihm.“
30.4.2014, Gerhard Lück, www.dreisamtaeler.de

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