Pedelec statt Dienstauto – FR plant Radschnellwege

Die Drahtesel-Offensive: „Es motiviert und macht richtig Spaß“, sagt Dieter Saier. Der Bauleiter des Garten- und Tiefbauamtes (GuT) ist zufrieden: Seit vier Wochen nutzt er ein Pedelec als Dienstfahrzeug – 850 Kilometer ist der GuT-Mitarbeiter seitdem schon geradelt. Der gesamte Fuhrpark solle ökologisch und ökonomisch optimiert werden, erklärt Frank Uekermann, Leiter des GuT. Zu den Maßnahmen zählten zum einen eine Verkleinerung des Fuhrparks, aber auch die Nutzung von E-Smarts – hier gehe Baubürgermeister Dr. Martin Haag mit gutem Beispiel voran – oder eben E-Bikes. Mehr Radverkehr und höhere Geschwindigkeit – das GuT reagiert auf diese Entwicklung. Und zwar nicht nur im eigenen Amt, sondern mit großen Plänen: Drei Radschnellwege soll es künftig durch Freiburg geben, wie Verkehrsplaner Dr. Peter Schick verrät. Sowohl die Ost-West-Verbindung, also der Dreisamuferweg, als auch die Nord-Süd-Verbindung sollen zu Radschnellwegen – mit grüner Welle – ausgebaut werden. Die Kosten würden sich auf etwa zehn bis zwölf Millionen Euro belaufen – zum Teil vom Land bezuschusst, wenn alles klappt.In Zukunft soll es also mit diesen neuen Wegen noch schneller und ohne Hindernisse durch die Innenstadt gehen. Die Gegenwart ist der Verzicht aufs Dienstauto zugunsten des Pedelec – Dieter Saier sagt, er habe sich sofort dazu bereit erklärt. Von seinem Wohnort Waldkirch aus radelt er nun täglich in etwa 20 bis 25 Minuten zur Arbeit nach Freiburg. Der Bauleiter koordiniert für das GuT vor allem die Baustellen in der Innenstadt und kommt mit seinem Rad mit Elektromotor sogar schneller zu seinen Einsatzorten, wie er erzählt. „Ich schaffe jetzt mehr Baustellen am Tag als zuvor.“

Dienstfahrzeug Pedelec in FR Frank Uekermann, Dieter Saier, Peter Schick (von links)

Dieter Saier fährt ein so genanntes Pedelec 45, also ein Fahrrad mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h. Dieses ist versicherungspflichtig und hat deswegen ein Kennzeichen. In der 30er-Zone geblitzt worden ist Saier bislang noch nicht…  Ein Nachteil: Mit dieser Höchstgeschwindigkeit darf das Fahrrad mit Elektromotor nicht auf normalen Radwegen verkehren. „Pedelecs können aber insbesondere im Bereich des Umlandverkehrs neue Potenziale für den Radverkehr erschließen“, ist sich Verkehrsplaner Dr. Peter Schick sicher. Dass das E-Bike boomt, beweisen die Verkaufszahlen. So stehen derzeit 1,2 Millionen Pedelecs kümmerlichen etwa 2.000 Elektroautos gegenüber. „Vor allem für Berufspendler bieten sich Pedelecs an, da leichter als mit dem normalen Rad und eher in normaler Kleidung auch größere Strecken zur Arbeit geradelt werden können“, so Schick. Dieter Saier macht es vor. Jetzt muss sich das Rad aber noch bei kalten Temperaturen und bei Wind und Wetter bewähren…

Zusätzlich hat das GuT zwei weitere Pedelecs 25 angeschafft, also mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Diese gelten als normale Räder, haben keine Versicherungspflicht und stehen allen Mitarbeitern des Garten- und Tiefbauamtes  bei Außenterminen zur Verfügung. Der Ablauf sei schnell und unkompliziert, so Uekermann. Vor dem Losfahren werde der Akku aus der Ladestation genommen. Damit gerüstet gehe es ab in den Fahrradschuppen des Technischen Rathauses, in dem die Pedelecs stehen. Je nach Sportlichkeit und Fitness könne jeder die gewünschte Unterstützung des Elektromotors wählen. Nach der Fahrt werde einfach der Akku zusammen mit dem Schlüssel wieder abgegeben. Das Haupt- und Personalamt, das für die städtische Fahrzeugbeschaffung zuständig ist, unterstützt diese Entwicklung. Amtsleiter Adrian Hurst: „Ich kann mir gut vorstellen, auch andere Ämter und Dienststellen mit den nachhaltigen Transportmitteln auszustatten.“ Ein Dienstfahrzeug, das gut zur „Green City“ passe. Unterm Strich profitierten mehrere: Die Umwelt, da Co2-Emissionen reduziert würden, und das GuT, indem es Geld spare. Und Dieter Saier, der jetzt per Velo gesünder unterwegs ist. Besondere Aufmerksamkeit würde er mit seinem Pedelec in der Fahrradstadt Freiburg nicht auf sich ziehen, meint der Bauleiter. Und man könne als Radfahrer in der Stadt viel mehr Wege nutzen als mit dem Auto.
13.4.2012, Katrin Hauf, www.stadtkurier.de

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