Opfinger Storchenteich mit windkraftbetriebener Pumpe

Einen Storchenteich gibt es neuerdings im östlich vom Opfinger Quartier Sankt Nikolaus gelegenen Gewann “Moosmatt”: Kernstück der nun offiziell eingeweihten Anlage ist ein kleines Windrad, mit dessen Hilfe Grundwasser umweltfreundlich an die Oberfläche gepumpt wird. Das rund 10 000 Euro teure Projekt wurde zu 30 Prozent über Bürgerspenden finanziert, der Rest kommt als Zuschuss aus dem Landschaftspflegeprogramm. Insgesamt 63 Jungstörche hat Opfingens “Storchenvater” Gustav Bickel seit 1995 auf dem dortigen Kirchturm großgezogen, wo Familie Adebar (wie der Storch in Tierfabeln gerne genannt wird) zuvor elf Jahre lang verschwunden war. Doch trotz der geglückten Wiederansiedlung gibt es ein großes Problem: Für die beliebten Vögel ist es gar nicht so leicht, das ganze Jahr über an genügend Wasser und Nahrung zu kommen. “Die umliegenden Gewässer sind alle zu tief oder sie haben eine zu steile Böschung, als dass der Storch da ran gehen würde”, erklärte Bickel. Aus diesem Grund setzen sich die Opfinger Storchenschützer schon seit Jahren für den Bau einer Storchentränke ein. Lange Zeit konnte man sich mit der Stadt jedoch nicht auf einen Ort dafür einigen: Die von der Naturschutzgruppe vorgeschlagene Parzelle im Gewann “Steinriedle” war bereits als ökologische Ausgleichsfläche für Baumaßnahmen andernorts entwickelt, zudem gab es dort wasserrechtliche Bedenken (die BZ berichtete). Eine weitere Stelle befand sich recht nahe am Wald, weshalb die Störche sie wohl nicht angeflogen hätten. Geeinigt hat man sich dann auf die Wiese im Gewann “Moosmatt”. Mit 1,40 Meter ist dort aber der Grundwasserspiegel zu tief, als dass man nur ein Loch graben müsste. Die Lösung fand sich nun in Form einer Pumpe, wie sie anderenorts bei der Bewässerung von Weiden Verwendung findet: Sie wird mit Hilfe eines sechs Meter hohen Windrads betrieben und transportiert pro Minute bis zu 500 Liter Wasser nach oben. “Seit 2009 haben wir diese Idee verfolgt, jetzt können wir endlich Vollzug melden”, erläuterte Bickel. Je nach Witterung dürfte die Wasserfläche 200 bis 300 Quadratmeter betragen. Der neue, bis zu einem halben Meter tiefe Teich soll mit den angrenzen Wiesenbereichen ein kleines Feuchtbiotop bilden, das auch für Amphibien attraktiv sein könnte. Die Gesamtgröße der Parzelle beträgt rund 1500 Quadratmeter, für 50 Euro im Jahr wurde sie von der Stadt Freiburg an den Verein “SOS Weißstorch Breisgau” verpachtet, dessen Vorsitzender Gustav Bickel ist.

Bei der Einweihung, zu der rund 30 Teilnehmer kamen, dankte Bickel allen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Klaus Lehn vom Umweltschutzamt der Stadt zollte den Initiatoren ein großes Lob: “Als ehrenamtliche Naturschützer haben sie dieses Projekt auf bemerkenswerte Weise vorangetrieben”, betonte der Biologe. Ortsvorsteher Hans-Jürgen Stadelhofer hob hervor, dass durch dieses Projekt die ökologische Infrastruktur von Opfingen weiter verbessert werde, nachdem sich bereits Wiedehopf und Steinkauz wieder eingefunden hätten.

Gustav Bickel geht davon aus, dass der neue Lebensraum rasch angenommen wird: “Nicht nur von den Opfinger Störchen, sondern vielleicht auch von ihren Nachbarn aus Waltershofen.” Das Wasser würde Regenwürmer an die Oberfläche treiben und so für ein erhöhtes Nahrungsangebot sorgen. Dies sei notwendig, wenn man in Zukunft auf eine Fütterung der Tiere zu bestimmten Zeiten – etwa während der Jungenaufzucht – verzichten will: Langfristig gesehen sollen die Störche ohne künstliche Nahrungsangebote auskommen. Neben der Pflege von Horsten und Tieren ist die Schaffung geeigneter Lebensräume daher eine wichtige Aufgabe des Storchenprogramms.

In den Freiburger Stadtteilen gibt es insgesamt 15 Storchennester, von denen derzeit zwölf besetzt sind: Allein sieben Paare brüten auf dem Mundenhof, jeweils ein belegtes Nest gibt es in Ebnet (auf einem Holzmast beim Schloss), St. Georgen (auf einem Mast der Bahn) sowie in Hochdorf, Opfingen und Waltershofen (jeweils an der Kirche). Die Horste auf dem Kirchturm in St. Georgen, an der Betzenhausener Kirche St. Thomas sowie beim Munzinger Golfplatz sind derzeit nicht besetzt. Mit 24 Brutstörchen und 28 im letzten Jahr ausgeflogenen Jungvögeln ist die Freiburger Storchenpopulation in etwa wieder so groß wie vor 60 Jahren. 
Andreas Braun, 2.5.2012

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