Oberried – Haushalt Wald Wind

Dreisamtäler: Herr Vosberg, Sie haben Anfang des Jahres, nachdem Sie nun fast ein Jahr als Bürgermeister im Amt sind, Ihren ersten Haushalt in Oberried verabschiedet.
Vosberg: Der Haushalt wurde in diesem Jahr in Rekordgeschwindigkeit verabschiedet und das, obwohl wir während der Haushaltserstellung ohne Kämmerer auskommen mussten.
Dreisamtäler: Sie auch? Nicht nur Buchenbach?
Vosberg: Wir befanden uns in einer Übergangsphase. Unsere Rechnungsamtsleiterin ging in Mutterschutz und ihre Stelle wurde erst zu Jahresbeginn neu besetzt.
Dreisamtäler: Haben Sie denn Erfahrung mit Kommunalen Haushalten?
Vosberg: Ich war in Frankfurt a.M. Mitarbeiter im Haushaltsdezernat und habe von Verwaltungsseite das Erstellen des Haushalts miterlebt. In Freiburg arbeitete ich als Geschäftsführer der CDU-Stadtratsfraktion die Haushaltsberatungen aus Sicht der Gemeinderäte auf.
Dreisamtäler: Oberried arbeitet noch nach dem kameralistischen Prinzip?
Vosberg: Richtig! Der Gemeinderat hat jedoch die Umstellung auf das doppische Prinzip zum Jahr 2016 beschlossen. Das ist mir persönlich auch ein Anliegen. Ich komme mit dem doppischen System besser zurecht, zum einen vom Studium her, zum anderen war im Frankfurter Finanzdezernat das doppische Prinzip auch schon eingeführt.
Dreisamtäler: Wird ihr neuer Kämmerer jetzt schon für das neue System geschult?
Vosberg: Das ist nicht nötig, er kommt aus einer Kommune, die schon nach der Doppik arbeitet.
Dreisamtäler: Doch nicht etwa aus Buchenbach?
Vosberg: Doch.
Dreisamtäler: Welches sind die Schwerpunkte im Haushalt 2014?
Vosberg: Eine wichtige Investition ist der Umbau des ehemaligen Rathauses Hofsgrund, das künftig als Bürgerhaus genutzt wird. Es geht hier um etwa 1,1 bis 1,2 Millionen Euro. Die Initialzündung für die Realisierung waren die Zuschüsse vom Land mit 350.000,- Euro, die lange fraglich waren. Wir befinden uns nun mitten im Umbau, der sehr zügig vorangeht. Ich gehe davon aus, dass die Einweihung im Frühjahr 2015 stattfinden kann. Der Kindergarten, der ebenfalls in dem Gebäude untergebracht ist, wurde im vergangenen Jahr schon saniert. Im künftigen Bürgerhaus wird es dann einen Saal für Versammlungen und Feste geben, daneben kleiner Räume für die Vereine. Das hat bisher in Hofsgrund gefehlt. Der noch amtierende Ortsvorsteher Lukas Flamm hat sich dafür seit über zwanzig Jahren eingesetzt.
Dreisamtäler: Was ist im Jahr 2014 noch wichtig?
Vosberg: Wir modernisieren unseren Fuhrpark, sowohl für den Bauhof, als auch für die Waldarbeiter und zwar in einer Größenordnung von einer Viertelmillion. Die Verwaltung ist sich mit dem Gemeinderat einig, dass wir die Politik dahingehend ändern wollen, dass wir die Maschinen nicht mehr fahren, bis sie auseinanderfallen und die Reparaturkosten hoch werden. Künftig wollen wir sie, wenn sie unwirtschaftlich werden, abstoßen. Das bedeutet regelmäßige jährliche Investitionen.
Dreisamtäler: Um welche Maschinen geht es denn?
Vosberg: Wir haben ein großes Bauhoffahrzeug angeschafft, das multifunktional nutzbar ist. Es kann innerhalb kürzester Zeit vom Schneepflug zum Baufahrzeug „umgeswitcht“ werden. Für die Waldarbeiter und die Wasserwirtschaft gab es einen neuen Kombi, hinzu kam ein Gabelstapler für den Bauhof.
Dreisamtäler: Der Wald ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor Oberrieds?
Vosberg: Wir beschäftigen drei Waldarbeiter und mit den Gewinnen aus dem Wald finanzieren wir quasi unseren Winterdienst.
Dreisamtäler: Eine interessante Gegenrechnung …
Vosberg: … die nicht unberechtigt ist. Viele meinen, Oberried sei mit seinen über 1000 Hektar an Wald eine begünstigte Gemeinde. Wir haben aber auch ein Straßennetz von rund 60 Kilometern und extreme topografische Höhenlagen. Wir räumen konsequent Seitenstraßen und die Straßen zu den Höfen. Damit leisten wir einen Premium-Winterdienst, den wir den Bürgern gerne zur Verfügung stellen.
Dreisamtäler: Gibt es weitere Ausgaben-Schwerpunkte für das Jahr 2014?
Vosberg:  Wir wollen die energetische Sanierung von Gemeindehäusern, die überwiegend aus den 60er Jahren stammen und noch mit Ölheizungen ausgestattet sind, in Angriff nehmen. Wir wollen die Gebäude künftig mit Rohstoffen beheizen, die hier vorhanden sind, also mit Holzpellets oder Hackschnitzeln. Es geht hier um zwei Gemeindehäuser mit Mietswohnungen im Finkenacker und beim künftigen Bürgerhaus in Hofsgrund wird zusammen mit dem Feuerwehrhaus eine kleine Nahwärme-Einheit entstehen.
Dreisamtäler: Es ist noch nicht so lange her, da haben die Kommunen ihre gemeindeeigenen Immobilien verkauft.
Vosberg: Eigentum sollte man nicht veräußern. Ich halte es für eine kommunale Aufgabe, dass die Gemeinde Wohnraum bereit hält. Und um noch einmal auf die Doppik zurückzukommen: mit einem doppischen Haushalt würde man den Wert, den die Gemeinde mit den Immobilien besitzt, erfassen und sehen. Man würde aber auch mit einkalkulieren, was an Investitionen nötig wäre, um den Wert zu erhalten. Ähnlich ist das mit dem Straßennetz. Oberrieds Straßen befinden sich in einem desolaten Zustand. In den letzten Jahren wurde viel geflickt. Wir planen jetzt eine Bestandsaufnahme mit dem Ziel, die Straßen peu á peu zu erneuern und instand zu setzen, vor allem auch den Untergrund, der den heutigen Belastungen nicht mehr standhalten kann. Diese Bestandsanalyse ist auch ein Baustein für den doppischen Haushalt.
Dreisamtäler: Alle Gemeinden sind damit konfrontiert, Flüchtlinge aufnehmen zu müssen.
Vosberg: Auch deshalb ist es wichtig, dass die Kommune über eigene Wohnungen verfügt. In Oberried müssen wir pro Jahr etwa zwei Flüchtlinge aufnehmen. Wenn man die aktuellen Brandherde auf der Welt anschaut, dann wird diese Zahl nicht zurückgehen. Wir müssen als Gemeinde Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen und wenn wir es ernst meinen, dann müssen wir das auch in der Mitte der Gesellschaft und nicht am Rand, damit die Menschen eine Chance haben, wieder eine Heimat zu finden. Die Suche nach Wohnraum allerdings ist extrem schwierig, da Wohnraum im Dreisamtal exorbitant teuer ist und die Nachfrage hoch.
Dreisamtäler: Im Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt …
Vosberg: Nachdem in Oberried beim Bürgermeister ein Generationenwechsel vollzogen wurde, steht dieser jetzt beim Gemeinderat an. Viele erfahrene und langgediente Gemeinderäte treten nicht mehr zur Wahl an. Ich bin froh, dass ich ein Jahr lang mit einem Gemeinderat arbeiten konnte, der mit Räten besetzt war, die lange Jahre Erfahrung hatten und mich sehr unterstützt haben. Ich freue mich aber auch auf den neuen Gemeinderat. Er wird sich mit großen Themen auseinandersetzen müssen und viele Gestaltungsmöglichkeiten haben. Das Mehrgenerationenprojekt ist ein richtig starkes Projekt. Weiter stehen an das Biospährengebiet, Energie, Windkraft …
Dreisamtäler: Was macht denn das Thema Windkraft?
Vosberg: Wir haben das Problem, dass die ornithologischen Gutachten aufgrund des nassen Frühjahrs 2013 im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen sind. Nach Ansicht der Experten war das Frühjahr nicht repräsentativ, deshalb müssen diese Untersuchungen wiederholt werden.
Dreisamtäler: Also Stillstand?
Vosberg: Stillstand nicht, aber Geldausgeben. Denn diese Untersuchungen kosten ja auch. Aber es gilt das ganz klare Bekenntnis: wir wollen rechtssicher Standorte für Windkraft ermöglichen!
Dreisamtäler: Herr Vosberg, vielen Dank für das Gespräch!
Mit Bürgermeister Klaus Vosberg von Oberried unterhielt sich Dagmar Engesser
26.3.2014, www.dreisamtaeler.de

 

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