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Blick vom Schauinsland nach Westen über Eduardshöhe, Hohbühl, Horben (von links) zu Schönberg und Vogesen am 28.12.08

KlimaschutzUmweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung. Dieses Natur-Quartett passt zusammen – eben leider nicht.

 

Dirk Maxeiner: Am Rande des Irrwitzes – Umwelt-Ideologie
Dirk Maxeiner zählte einst zu den führenden Journalisten der Umweltbewegung. Heute gilt er als einer der schärfsten Kritiker ihres ideologischen Furors
Moritz Schwarz

Herr Maxeiner, erleben wir einen neuen Generationenkonflikt?
Dirk Maxeiner: So hat es Greta Thunberg formuliert: „Eure Generation hat uns die Zukunft gestohlen!“ Junge Leute suchen oft etwas, womit sie die Älteren herausfordern können. Sie wollen sich an uns reiben. Doch werden sie nun dafür prompt umarmt! Die Älteren sind ganz begeistert von dem, was die jungen da tun. Fast ist es tragisch.
Wo ist dann der Konflikt?
Maxeiner: Es ist kein Konflikt der Generationen, sondern der Lebensentwürfe. Die demonstrierenden Jungen, viele ihrer Eltern und ein großer Teil der herrschenden Kreise auf der einen Seite – auf der anderen der Rest der Gesellschaft, der deren radikalem moralischem Imperativ nicht folgen will oder kann. Mindestens zwei Drittel der Menschheit haben Mittel-Krisen – die anderen haben Sinn-Krisen. Zu jenen, denen es an Mitteln mangelt, zählen übrigens auch viele junge Leute, nur werden die von den meist mit der ersten Gruppe sympathisierenden Medien nicht abgebildet. In Frankreich hat man sich deshalb auf anderem Wege Gehör verschafft. Die Gelbwesten sind auch eine unfreiwillige Gegenbewegung zu Erscheinungen wie „Fridays for Future“ oder „Extinction Rebellion“.
Inwiefern?
Maxeiner: Der Slogan der Gelbwesten sagt eigentlich schon alles: „Ihr redet vom Ende der Welt, wir vom Ende des Monats!“ Sie vertreten vor allem jene, die sich den Lebensstil der ersten Gruppe nicht leisten können. Die mit den Problemen des Alltags ringen, statt mit moralischen Fragen. Und die froh sind, über jeden technischen Fortschritt der ihnen hilft. Die jungen Protestierer dagegen predigen Verzicht, halten Fortschritt für einen Quell des Übels.
Ein Loblied auf den Fortschritt – von einem ehemaligen Vorkämpfer des Umweltschutzes wie Ihnen?

Maxeiner: Umweltschutz ist mir nach wie vor sehr wichtig. Aber technischer Fortschritt ist kein Gegensatz zum Umweltschutz. Als Helden des grünen Zeitgeistes gelten gemeinhin Menschen wie Greta, die in erster Linie etwas verhindern wollen. Doch wie wäre es damit, auch was zu schaffen? Etwa eine revolutionäre Solarzelle oder eine neue Möglichkeit, um Energie zu speichern? Mit so etwas könnte man unendlich viel mehr erreichen als damit, für einen Tag den Verkehr lahmzulegen – allerdings muß man dafür zur Schule gehen. Techniker und Ingenieure sind doch auch Helden, nur nimmt das keiner wahr. Viele glauben, Greenpeace habe die Wale gerettet – in Wirklichkeit jedoch war es John D. Rockefeller. Wenn auch unfreiwillig – aber ohne seine Erdölbohrungen wären sie wegen des Walöls schon im 19. Jahrhundert ausgerottet worden. Diese Art, Umweltschutz zu denken, praktisch statt moralisch, ist fast völlig verlorengegangen.

Sie werfen der Bewegung Gesinnungsethik vor – nicht der Nutzen, die Haltung zählt?
Maxeiner: Ja, und deshalb ist sie auch so voller Verachtung für die Konsumgesellschaft, den Markt, Handel und Wandel, materielle Sicherheit, den parlamentarischen Pragmatismus und inzwischen auch die Demokratie selbst. Was sie übrigens mit Links- und Rechtsaußen gemeinsam hat. Mit denen teilt sie die Sehnsucht nach dem Unverfälschten, Natürlichen. Auch hält man die Demokratie und den dem Massenkonsum verfallenen Bürger für zu schwerfällig, um mit der gebotenen Dringlichkeit umsteuern zu können. Zwischen einen Klimapapst wie Hans Joachim Schellnhuber und einen rechten Denker wie Rolf Peter Sieferle paßt in dieser Beziehung kein Blatt Papier.
Fridays for Future und Extinction Rebellion als die deutsche Bewegung unserer Zeit?
Maxeiner: Das ist gar nicht erstaunlich, ihre Vorstellungen kommen zum erheblichen Teil aus der deutschen Romantik.
Aber die Bewegungen sind doch global.
Maxeiner: Ja, denn das zugrundeliegende Denken ist schon seit langem ein deutscher Exportschlager.
Sie gehörten bis in die neunziger Jahre zur „Elite“ der Bewegung. Wieso der Bruch?
Maxeiner: Ich habe mich nie als Aktivist, sondern immer als Journalist verstanden. Und der soll skeptisch sein und unabhängig bleiben – auch vom vermeintlich Guten. Irgendwann habe ich gemerkt, daß ein großer Teil der Bewegung weiterhin geradezu wie pawlowsch konditioniert Alarm geschlagen hat und nicht zur Kenntnis nahm, daß sich ab den achtziger Jahren vieles stetig verbesserte: der Zustand der Wälder, die Qualität von Luft und Wasser, die Umweltschutzgesetzgebung und vieles mehr. Als Chefredakteur von Natur ab 1989, der damals auflagenstärksten Umweltzeitschrift in Europa, habe ich versucht, das mehr zu thematisieren. Dabei aber erkennen müssen, daß ich nicht ein Presseorgan führte, sondern eine Glaubensgemeinschaft.

Im Klartext?
Maxeiner: Was die Leser mehrheitlich tatsächlich wünschten, waren keine Lösungen, sondern Katastrophen. Und da man kein Blatt gegen seine Leser machen kann, geriet ich 1993 auf die Rote Liste der bedrohten Chefredakteure.

Gab es für Sie ein Schlüsselerlebnis?
Maxeiner: Zum Beispiel der erste Natur-Kindergipfel, den ich 1991 in der Frankfurter Paulskirche organisieren ließ. Kinder sollten erzählen, wie sie sich die Zukunft vorstellen und etliche Promis, von Peter Maffay über Günther Jauch bis Klaus Töpfer, haben uns gerne unterstützt. In bester Absicht ging ich das an – aber auch naiv. Denn man hat die Kinder instrumentalisiert – die etwa vor den Fernsehkameras in Tränen ausbrachen, weil ein Buch in Plastik eingeschweißt war. Aus eigener Erfahrung weiß ich seitdem, daß es geradezu zwangsläufig so läuft. So wie auch heute wieder, wo die Mehrheit der für Klima und Umwelt protestierenden jungen Leute von einem politischen Lobbyapparat benutzt wird.
Das heißt, die Haltung, die wir derzeit „Klimahysterie“ nennen, war schon immer Bestandteil der Bewegung?
Maxeiner: Man darf nicht vergessen, daß die Umweltbewegung zu Beginn in vielem recht hatte. Heute kann man sich ja kaum noch vorstellen, wie Politik und Industrie in der Anfangszeit gemauert haben. Doch das hat sich schon nach wenigen Jahren geändert. Gleichzeitig wurden die Forderungen auf grüner Seite zunehmend irrationaler. Mich hat grüne Ideologie nie interessiert. Ich wollte die Technologie nie abschaffen, sondern Wege finden, sie für den Umweltschutz einzusetzen. Deshalb hatte ich vor Natur für den Bauer-Verlag bereits eine Öko-Zeitschrift namens Chancen entwickelt. Die sollte zeigen, welche Erfolge bereits erreicht waren und was sonst noch machbar sei – positiv und mutmachend. Das kam aber gar nicht so gut an wie ich dachte, weil wie gesagt Katastrophenszenarien viel gefragter waren. Alles, was sich unter dem Banner „grün“ versammelte, hat schon früh erkannt, daß Katastrophenhysterie sich großartig als eine Art panzerbrechende Munition verwenden läßt, um politische Inhalte durchzusetzen, die in normalen Zeiten nicht akzeptiert würden. Sogar Steuererhöhungen lassen sich auf einer Welle der Hysterie, auf einmal fast widerstandslos einführen. Dafür braucht man einen gefühlten Ausnahmezustand.
Haben Sie sich also geändert – oder sind es gerade Sie, der sich treu geblieben ist?

Maxeiner: Natürlich habe auch ich mich, wie jeder Mensch, verändert. Aber schon damals hegte ich ein grundsätzliches Mißtrauen gegenüber mit viel Macht ausgestatteten Institutionen und Organisationen – das ich mir bewahrt habe. Und heute sind die Machtverhältnisse umgekehrt: Am Anfang war die grüne Bewegung der David – heute ist aus David Goliath geworden. Die Grünen sitzen in Ministerien und Staatskanzleien und das „Green Thinking“ ist in Politik, Parteien, Medien und Institutionen geradezu hegemonial. Frappierend ist, daß diese Verkehrung meist nicht realisiert wird und man immer noch so tut, als sei man eine verfolgte Minderheit – die sehen sich nicht als die Mächtigen, die sie tatsächlich sind. Sie sind Kritik nicht gewohnt und deshalb auch so intolerant, wenn Kritiker ihnen vor Augen halten, daß mit ihrem Selbst- und Weltbild etwas nicht stimmt. Besonders unbeliebt sind dabei Fakten.
Wie weit geht das inzwischen?
Maxeiner: Bis an den Rand des Irrwitzes. Nehmen Sie etwa das beliebte Argument der Verantwortung für künftige Generationen. Hat jemand sich schon mal die Frage gestellt, welche Generationen da eigentlich gemeint sind? Die in fünfzig, hundert oder tausend Jahren? Stellen Sie sich einmal vor, jemand hätte vor tausend Jahren festgelegt, was für uns heute gut ist! Zudem: Es geht zwischendurch zwar immer mal bergab, aber insgesamt lebten spätere Generationen bisher besser als vorherige, und dieser Trend ist ungebrochen. Vermutlich werden auch künftige Generationen besser leben als wir. Wir haben weltweit immer noch große Probleme – Armut, Hunger, Krankheiten. Sollen die Armen von heute verzichten zugunsten der Reichen von morgen? Das erste Gebot der Nachhaltigkeit heißt doch, heute zu überleben, um für morgen etwas tun zu können. Nachhaltigkeit fängt bei den Lebenden an, nicht in irgendeiner fernen Zukunft! Im europäischen Fokus fällt mir da die EZB-Geldpolitik ein, denn es gibt kaum etwas, was weniger nachhaltig wäre und wo Probleme fahrlässiger in die Zukunft verschoben werden. Anders als beim Klima könnte man hier vergleichsweise einfach etwas tun.
Führt all das uns in eine Ökodiktatur, wie manche fürchten?
Maxeiner: Das weiß ich nicht, aber – außer daß dieses Wort inzwischen wirklich ziemlich ausgelutscht ist – ich möchte nicht übertreiben. Eine Diktatur ist das trotz allem noch lange nicht. Richtig ist aber, daß Ökomythen immer mehr für bare Münze genommen werden. 1997 konnte ich noch in der Zeit eine Kritik an der These vom ausschließlich menschengemachten Klimawandel und dem damit verbundenen Alarmismus veröffentlichen. Natürlich folgte ein Gegenbeitrag und heftiges Hin und Her. Aber damals schien es, als werde die Debatte offener. Irrtum, es war mehr End- als Anfangspunkt, denn heute, zwanzig Jahre später, gibt es die Debatte eigentlich nicht mehr. Und das liegt nicht daran, daß man in der Forschung sehr viel weiter gekommen wäre. Zentrale Grundfragen, etwa wie hoch die erwärmende Wirkung des CO2 nun tatsächlich ist, sind nach wie vor ungeklärt und unterliegen einer enormen Bandbreite von Schätzungen.

2004 waren Sie Mitgründer des recht erfolgreichen Blogs „Die Achse des Guten“, wo es ebenfalls um Diskursöffnung geht, allerdings keineswegs nur in Sachen Umwelt, sondern auf allen Themenfeldern.
Maxeiner: Ja, wir verstehen uns als Hort skeptischen Denkens – und nicht als Aktivisten, sondern als Journalisten. Den Beiträgen auf achgut.com, die thematisch sehr breit angelegt sind, ist gemein, daß man sich nicht der Politischen Korrektheit unterwirft, egal ob beim Thema Migration, Gender, Ernährung oder Meinungsfreiheit – überall sind wir von Dogmen und Mythen umstellt. Gleichzeitig aber freuen sich immer mehr Menschen, wenn sie gute Texte lesen können, die diese Denkverbote durchstoßen – und sich dabei auch noch eine Prise Humor herausnehmen.
18.10.2019, Dirk Maxeiner, “Am Rande des Irrwitzes”, Junge Freiheit, 43/19, Seite 3
Dirk Maxeiner, der ehemalige Redakteur des Stern, Chefredakteur des Umweltmagazins Natur und Kolumnist der Welt ist Mitherausgeber des von ihm 2004 mitgegründeten publizistischen Netzwerks Die Achse des Guten sowie Chefredakteur des Portals neugier.de und redaktioneller Mitarbeiter des Schweizer Nachrichtenmagazins Weltwoche. Außerdem veröffentlichte er Gastbeiträge in zahlreichen Zeitungen, Zeitschriften und im Hörfunk sowie über ein Dutzend Bücher, darunter den Bestseller „Öko-Optimismus“ (Auszeichnung als Wissenschaftsbuch des Jahres 1996), „Lexikon der Öko-Irrtümer“ (1998), „Biokost und Ökokult“ (2008), „Alles grün und gut? Eine Bilanz des ökologischen Denkens“ (2014) und zuletzt seine Kolumnensammlung „Hilfe, mein Hund überholt mich rechts! Geständnisse eines Sonntagsfahrers“ (2018)
18.10.2019, Disk Maxeiner im Interview, Junge Freiheit, 43/19, Seite 3
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http://www.junge-freiheit.de
http://www.achgut.com
http://www.dirk-maxeiner.de

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Die Umwelt wird immer sauberer

“Die Umwelt wird durch den Menschen immer mehr verschmutzt” – diese Frage der repräsentativen ZEIT-Umfrage  “Leider geht es uns gut” beantworten 91% der Deutschen mit ja. Ein Volk von pessimistischen Ignoraten, könnte man meinen, denn diese 91% liegen grundfalsch und fern jeder Realität:
Die Luft wird immer sauberer. Der Feinstaub-Jahresmittelwert nahm 1970-2010 von 180 auf 25 Mikrogramm je Kubikmeter ab. Im Ruhrgebiet ist die Luft in den vergangenen 40 Jahren immer sauberer geworden, die Fläche der Naturschutzgebiete hat sich versiebenfacht.
Der Boden ist das Archiv der Umweltverschmutzung, bleiben doch Phosphor, Benzole, Quecksilberwie Dioxine lange erhalten. EU-Recht, BUND wie Flora-Fauna-Habitats führten zu Verbesserungen. Als größter Feind des Bodens sind gilt heute die Überdüngung durch Massentierhaltung.
Wasser: Nirgens in Europa ist die Kapazität der Kläranlagen pro Einwohner so hoch wie in Deutschland. Der Fluß Emscher im Ruhrgebiet, 1963 “die größte Kloake Europas” ist heute eine sauberes Flüßchen. Der Rhein ist nicht mehr mit Blei und die Elbe nicht mehr mit Quecksilber vergiftet. Lachse im Rhein. Der Bodensee ist so sauber, dass die Fische immer weniger Nahrung finden. Leitungswaser ist Trinkwasser deutschlandweit – großenteils ist die Qualität besser als die kommerzieller Flaschenwasser.
1.4.2013

 


(1) Gas gegen Unkraut 20.6.2013

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