Streuobst

Home >Natur >Landwirt >Obstbau >Garten >Streuobst

Bio-Äpfel Anfang Dezember 2012: Krumpelig, ungespritzt, gut gelagert, schmackhaft

Streuobstwiesen : Wiesen mit Hochstammobstbäumen

 

 

Apfelblüte im Eggenertal am 19.4.2015

Apfelblüte im Eggenertal am 19.4.2015

 

Streuobstwiese am Radweg (alte B31) von Zarten nach Ebnet

                   
(1) Bienenhotel 2.5.2013           (2) Reisig unterm Baum                          (3) Blick nach Westen zur Wiese

garten-asal140412
(4) 13.4.2014 – Apfel in Blüte

Die Streuobstwiese nahe dem Wangler Kreuz wurde 2011 angelegt und wird bewirtschaftet von Familie Asal vom Schweizerhof in, mit einem Wildbienenhotelwww.schweizerhof-zarten.de

 

 

Alte Obstsorten neu entdecken

Experimentierfreudige Grundstückseigentümer gesucht – Einblicke gibt das Obstmuseum in Eichstetten. Immer mehr alte Obstsorten verschwinden. Sie zu bewahren ist kein Selbstläufer. Doch jeder Gartenbesitzer kann dazu beitragen, indem er solche Sorten pflanzt. Die baden-württembergische Sortenerhaltungszentrale am Kompetenz-zentrum Obstbau-Bodensee (KOB) in Ravensburg sucht Grundstückseigentümer im Breisgau, die Flächen für Äpfel, Kirschen usw. zur Verfügung stellen.

Von 2009 bis 2012 haben Obstfachleute im Rahmen des grenzüberschreitenden Interreg-Projekts “Erhalt traditioneller Obstsorten am Oberrhein” rund 250 Sorten – darunter viele Kirschsorten – entdeckt, die verschollen geglaubt oder unbekannt waren. Nun geht es darum, diese Sorten wieder in der Fläche zu verbreiten – und das in ihrer angestammten Herkunftsregion. Von einigen steht bereits Pflanzgut zur Verfügung.
An diesem Projekt mitgewirkt hat auch die Stiftung Naturgarten Kaiserstuhl mit Sitz in Eichstetten, denn eines ihrer Hauptziele ist genau das: traditionelle Kulturpflanzen zu bewahren, ihre Vermehrung zu unterstützen und das Wissen über ihre Verwertung und Kulturtechniken lebendig zu halten. Bei Obstbäumen geht es dabei vor allem um den Schnitt.
Bekannt ist der Samengarten der Eichstetter Stiftung. Das ist ein Schaugarten, in dem rund 200 sowohl traditionelle als auch neue Gemüse-, Kräuter- und Getreidearten sowie Blumen vertreten sind. In Eichstetten befindet sich aber auch ein Schaugarten für alte Obstsorten, ein Obstmuseum sozusagen, das 40 verschiedene Apfel-, Birnen- und Zwetschgensorten zeigt. “Das ist nur ein Bruchteil der früheren Vielfalt, aber jeder einzelne Baum trägt zur Sicherung des genetischen Potenzials bei”, erklärt Monika Witte von der Stiftung Kaiserstühler Naturgarten.
Um 1900 waren im Deutschen Reich allein rund 2300 Apfelsorten bekannt. Sie sind entstanden durch zufällige Mutationen, aber auch durch eine regional differenzierte Züchtung, Selektion und Veredelung. Die Absichten waren die gleichen wie heute: Äpfel verschiedener Reifestadien und für unterschiedliche Nutzungen zu erzielen, sei es für die Most- und Saftkelterei oder für die Tafelobstvermarktung. Weitere Aspekte sind ein möglichst hoher Ertrag, eine geringe Empfindlichkeit gegen Krankheitserreger sowie Schädlinge und auch, dass die Sorte an die Bodenverhältnisse, die Niederschlagsmenge und die Höhenlage des jeweiligen Standorts angepasst ist. Die Obstkultur hat sich jedoch gründlich gewandelt: Heute dominiert die Tafelobstnutzung den Erwerbsobstbau, wobei nur noch zwölf bis 15 Sorten wirtschaftliche Bedeutung haben und allein vier Sorten fast 60 Prozent der Kulturen dominieren. Die Stars am europäischen Apfelhimmel sind Jonagold, Elstar, Gala und Braeburn. Bei anderen Obstsorten ist das Verhältnis ähnlich, wobei Züchter immer wieder neue Sorten hervorbringen. Die Stiftung Kaiserstühler Naturgarten hat zu beiden Aspekten des Interreg-Projekts Beiträge geliefert. Sie hat Kurse, Führungen und Unterrichtskooperationen mit Schulen ausgerichtet.

Weiter hat Monika Witte alte Kirschsorten ausfindig gemacht, indem sie die Einheimischen dazu aufgerufen hat, ihre Gärten und Böschungen genau unter die Lupe zu nehmen. Allein in und um Eichstetten wurden dadurch 13 Sorten identifiziert. Dass sich auch am Kaiserstuhl etliche Kirschsorten gefunden haben, ist kein Zufall. Denn der Kaiserstuhl war ebenso wie das südliche Markgräflerland und das Elsass schon im 19. Jahrhundert ein wichtiges Kirschanbaugebiet, wobei der Bau der Eisenbahnlinie Mannheim-Basel zwischen 1840 und 1863 durch das Großherzogtum Baden ein entscheidender Entwicklungsfaktor war. Denn dadurch konnte die Ernte in die Großstädte transportiert werden. Recherchiert hat das Manuel Oelke vom Freiburger Institut für Landespflege, das auch in das Interreg-Projekt einbezogen war. Am nördlichen Kaiserstuhl und im Markgräflerland ist der Kirschenanbau nach wie vor stark verbreitet, auf dem Vormarsch ist er im südlichen Breisgau. Wer heute in diese Kultur investiert, pflanzt allerdings auch keine traditionellen Sorten mehr, sondern großfrüchtige, marktgängige Neuzüchtungen, die vor allem aus Nordamerika stammen. Zentrale Kriterien sind festes Fruchtfleisch, ein ausgeprägtes Aroma, der Ertrag und der Reifezeitpunkt. Ebenso wie beim Apfel- und Birnenanbau stehen auch den Kirsch mittlerweile schwachwüchsige Unterlagen zur Verfügung, womit sich niedrige Kronen entwickeln lassen. Diese Bäume lassen sich mit einem geringeren Arbeitsaufwand als Hochstammbäume und vor allem auch gefahrlos bewirtschaften.

Bei Apfel- und Birnenkulturen hat sich dieser Strukturwandel in Baden-Württemberg schon Anfang der 60er Jahre vollzogen, und zwar gefördert vom Land, um den Erwerbsobstbau wettbewerbsfähig zu machen. Erst Anfang der 90er Jahre rückte das Ziel, traditionelle Sorten zu erhalten, wieder in den Fokus der Wissenschaftler und Agrarpolitiker, vor allem motiviert durch die Umweltbewegung. Denn Wiesen mit Hochstammobstbäumen, so genannte Streuobstwiesen, wurden als wertvolle Lebensräume für Insekten und Vögel erkannt. Oelke nennt einen weiteren Grund, warum es sinnvoll ist, die Sortenvielfalt nicht in den Geschichtsbüchern versinken zu lassen: “Es geht auch darum, für die Züchtung ein breit gefächertes Genpotenzial zu erhalten.” Und hier schließt sich der Bogen zum Erwerbsobstbau. Beispielsweise enthält die schorfresistente Neuzüchtung “Topaz” Gene der 1907 in England gezüchteten Sorte “Lord Lambourne”.
11.3.2013, Silvia Faller

Wer der Sortenerhaltungszentrale Flächen für alte Kirschsorten zur Verfügung stellen will, kann sich an das KOB wenden: Tel. 0751/79030, Ansprechpartner ist Manfred Büchele, er ist erreichbar unter buechele@kob-bavendorf.de, Stichwort “Grundstücksangebot für Sortenerhaltung”. http://www.kob-bavendorf.de 

Nähere Infos zum Interreg-Projekt gibt’s unter: http://www.obst-am-oberrhein.euFachwartkurse für den Schnitt, die Veredelung und Pflege von Obstbäumen bietet der Kreisverband Obstbau, Garten und Landschaft (KOGL) Emmendingen an: http://www.kogl-emmendingen.deErwerbs- und Hobbyobstgärtner können sich beim Lehr- und Versuchsgarten des Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald beraten lassen:
http://www.versuchsgarten-opfingen.de

Das Programm der Stiftung Kaiserstühler Naturgarten findet sich unter http://www.kaiserstuehler-garten.de

 

Obstwiesen – Horte der Biodiversität

In den Apfelbäumen unserer Gärten, Obstanlagen und Streuobstwiesen lebt die außerordentliche ökologische Bedeutung des Wildapfels fort: Biologen haben über 1000 Insekten- und Spinnenarten auf Apfelbäumen gezählt, 60 Vogelarten brüten in den Bäumen und 26 Säugetierarten tummeln sich im Ökosystem Obstwiese. Auf zweimal gemähten, weinig gedüngten Wiesen findet man zwischen 25 und 80 verschiedene Wildkräuter und Gräser. Kein Wunder also, das Obstwiesen heute als Hort der Biodiversität angesehen werden und für ökologische Ausgleichsmaßnahmen empfohlen werden. Dank seiner hervorragenden Schnittverträglichkeit und schwachwachsenden Unterlagen haben Apfelbäume heute auch in kleinen Gärten Platz. Neben Kulturäpfeln können auch Zieräpfel mit unterschiedlichen Blüten gepflanzt werden. Die kleinen, bunten Früchte der Zieräpfel werden von Vögeln gerne verzehrt und können teilweise auch zu Marmelade oder Gelee verarbeitet werden. Die bekannten Zierapfelsorten wurden aus asiatischen Wildapfelarten wie Malus floribunda, sargentii oder zumi gezüchtet und werden in Baumschulen vermehrt.
25.2.2013, Klaus Nasilowski

Klaus Nasilowski ist Diplomingenieur Gartenbau und gelernter Baumschulgärtner, als Fachberater für Obstbau im Landratsamt Lörrach tätig und außerdem Geschäftsführer im Kreisobst- und Gartenbauverband Lörrach.

Hinterlasse eine Antwort