Bauern-Protest

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Blick nach Süden 9/2019 über Weilersbach auf Oberried im Schwarzwald

Blick nach Süden 9/2019 über Weilersbach auf Oberried im Schwarzwald

 

  • Land schafft Verbindung: Bauernprotest in Berlin (29.11.2019)
  • Gelbwesten F – Grünkreuze D (28.11.2019)
  • Agrarlobby sollte Interessen im Dialog mit der Gesellschaft diskutieren (15.11.2019)
  • Bauernproteste: „Hoffentlich dreht keiner durch“ (1.11.2019)
  • Südbadische Landwirte protestieren am Münsterplatz in Freiburg (22.10.2019)
  • Land schafft Verbindung – Demos am 22.10.2019
  • 700 Landwirte demonstrierten (22.10.2019)
  • Bauernproteste in Deutschland: „Sie säen und ernten nicht, aber wissen alles besser“ (22.10.2019)
  • Dirk Maxeiner: Ernte-Dank an Jungbauern, Agrarforschern und Food-Importeure (20.10.2010)

 

Land schafft Verbindung: Bauernprotest in Berlin
Bauern ohne Bonzen
Protestbewegung „Land schafft Verbindung“: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen gehen Zehntausende Landwirte gegen die Bundesregierung auf die Straße
von Christian Vollradt
Traktoren so weit das Auge reicht, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, mitten in der Hauptstadt, geparkt entlang der Straße des 17. Juni. Berlin erlebte am Dienstag einen besonderen Protestzug. In kilometerlangen Konvois waren Bauern aus ganz Deutschland zusammengekommen, nach Veranstalterangaben rund 40.000 Teilnehmer und über 8.000 Schlepper. Es war die Fortsetzung der jüngsten Demonstrationen gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung (JF 45/19).
Ihre Kritik an verschärften Richtlinen beim Düngereinsatz oder Pflanzenschutz wollen die Landwirte nicht als Opposition gegen Insektenschutz beispielsweise, das Tierwohl oder bessere Grundwasserqualität verstanden wissen. Dies seien „alles Dinge, die auch Landwirten am Herzen liegen“, weil sie „auf eine intakte Natur angewiesen“ sind. Die Auswirkungen der im Agrarpaket zusammengeschnürten Beschlüsse seien jedoch keiner Folgeabschätzung unterzogen worden, „ihre direkte Auswirkung auf die regionale Landwirtschaft in keiner Weise beleuchtet und das Fachwissen und die vielfältigen Erfahrungen der Landwirte vor Ort“ nicht berücksichtigt worden.
Die Bauern bräuchten nicht permanent neue Bestimmungen, sondern wegen notwendiger Investitionen Planungssicherheit und eine Politik, die ihre Entscheidungen nicht „auf der Suche nach möglichst großem Applaus der breiten Öffentlichkeit“ treffe, sondern auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, heißt es in einem Aufruf der Demonstrationsanmelder. Besonders sauer stößt vielen, die seit mehreren Generationen ihre Höfe betreiben, auf, daß sie einseitig für ökologische Mißstände verantwortlich gemacht werden. Bauernfamilien beklagen, daß ihre Kinder in der Schule gemobbt werden. Und die Sorge, ob der stets weitervererbte Betrieb eine Zukunft hat, treibt alle um. Symbolisch stehen zahlreiche Trettraktoren und Kindergummistiefel vor dem Brandenburger Tor. Ein kleiner Junge trägt ein Schild: „Mama, lohnt es sich, einen Treckerführerschein zu machen?“

Sowohl bei den Organisatoren der erst im Oktober ins Leben gerufenen Gruppe „Land schafft Verbindung“ auf der Bühne als auch unter den Teilnehmern begreift man die aktuellen Proteste auch als Signal an die eigenen Interessenverbände. „Nehmt euch an uns ein Beispiel“, ruft einer der Redner dem Deutschen Bauernverband sowie dessen Konkurrenten in der Branche zu. „Hört auf, gegeneinander zu arbeiten! Und laßt euch nicht von Politikern gegeneinander ausspielen, nur gemeinsam können wir etwas erreichen!“
Sogar hauptamtliche Mitarbeiter des Bauernverbandes geben zu, daß diese Basisbewegung mehr Aufmerksamkeit für die Sorgen des Berufsstands erzielt hat als die in Berlin gut vernetzte Lobby. „Hier steht das Volk, keine Funktionäre“, meint einer von ihnen am Rande der Demonstration vor dem Brandenburger Tor. Allein über Kontakte durch Soziale Netzwerke und WhatsApp-Gruppen hätten hauptsächlich jüngere Landwirte ein Netzwerk geknüpft und Zehntausende auf die Straße gebracht, zeigte sich der Agrarwissenschaftler beeindruckt. „Die Leute sind echt wütend, das läßt sich nicht mehr einfangen. Denen macht keiner mehr etwas vor.“
Das bekamen auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei ihren um Beschwichtigung bemühten Auftritten vor den Demonstranten zu spüren. Deren Zorn auf die Politik entlud sich nicht nur in Buhrufen oder Pfiffen, sondern für eine Weile auch mit – verabredetem – Schweigen. Mucksmäuschenstill war es da auf einmal inmitten der Menschenmenge. Ein Zeichen, das seine Wirkung nicht verfehlte.
Eine kleine Gruppe Bauern aus Niedersachsen, die sich über die ihrer Meinung nach zu einseitige und allein an der Ideologie von Umweltverbänden sowie NGOs orientierte Berichterstattung der linken Tageszeitung taz geärgert haben, stattete vor Beginn der Demo der Redaktion einen kurzen Besuch ab. Mit einem Traktor sowie Transparenten zogen sie vor den Sitz der Zeitung in der Friedrichstraße, luden Redakteure zum Kaffee und Gespräch ein und überreichten eine goldene Schubkarre – befüllt mit echtem Pferdemist.
29.11.2019, Christian Vollradt , JF 49/19, Seite 7, http://www.jungefreiheit.de

http://www.land-schafft-verbindung.de

 

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Agrarlobby sollte Interessen im Dialog mit der Gesellschaft diskutieren
Endlich wird über die Lage unserer Landwirtschaft, aber auch die Lage von Umwelt und Natur öffentlich diskutiert. Bei aller notwendig gewordenen Heftigkeit nach so vielen Jahren des Aussitzens seitens des gesamten Agrarapparates bedarf es doch des genauen Hinschauens.
Es ist mehr als schade, wenn die BZ einen dpa-Bericht übernimmt, in dem die zwei gegensätzlichen Demonstrationen ineinandergerührt werden: einerseits der der ewig gestrigen Agrarlobby, die wieder einmal versucht, die notwendigen Reformen zugunsten unserer Umwelt aufzuhalten; andererseits die Demonstration eines Bündnisses von Landwirten und Umweltschützern vor dem Straßburger Europaparlament, die genau diese Reformen dringend einfordert.
Traurig, wie sich auch die badischen Bauernverbände wieder einmal in die Phalanx der norddeutschen Großbetriebe und Massentierhalter zwingen lassen, die es einfach nicht akzeptieren wollen, dass nach über zehn Jahren des Verschluderns und steigender Nitratwerte im Grundwasser endlich doch auch in Deutschland die Europäische Gewässerrichtlinie umzusetzen ist. Ähnlich gestrig und verstockt zeigen sich die badischen Agrarfunktionäre bislang bezüglich des Volksbegehrens “Rettet die Bienen”. Und selbst jetzt, wo ihnen die Landesregierung mit einem sehr moderaten Eckpunktepapier aus der Trotzecke helfen will, verbreiten sie lieber Weltuntergangsstimmung und die Spaltung der Gesellschaft. Es wird höchste Zeit, dass auch die Agrarlobby begreift, dass man seine Interessen nachhaltig nur im offenen Dialog mit der Gesellschaft durchsetzen kann.
15.11.2019, Eckhard Engert, Agraringenieur, Freiburg, BZ
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Zu: “Proteste gegen die Agrarpolitik”, Agenturbeitrag (Wirtschaft) vom 22.10.2019
https://www.badische-zeitung.de/bauern-protestieren-gegen-agrarpolitik–178623602.html
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Deutsch-französischer Demonstrationszug zum Europaparlament wollte nachhaltige EU-Agrarreform
Die BZ gibt dem Protest der großen Bauernverbände viel Raum: Gleich auf der Titelseite ein Foto mit Traktoren auf dem Münsterplatz, auf der Wirtschaftsseite ein zusammenfassender dpa-Bericht zu den Forderungen der protestierenden Bauern und Bäuerinnen. Dabei gilt das mediale Interesse vor allem denjenigen, die sich gegen Umweltauflagen wie zum Beispiel strengere Düngeregeln (Gewässerschutz) und Einschränkung des Pestizideinsatzes positionieren. Aufmerksamkeit bekommen also Befürworter einer industrialisierten Landwirtschaft, die mit verantwortlich ist für die Verödung von Landschaften und Dörfern (Agrarwüsten, Tierfabriken, Verlust von Artenvielfalt, Höfesterben).
Schade, dass die Badische Zeitung dem grenzübergreifenden deutsch-französischen Demonstrationszug zum Europaparlament so wenig Aufmerksamkeit gewidmet hat. Der fand zwar zeitgleich zu den Protesten von Bauernverband und Agrarindustrie statt, hatte aber eine deutlich andere Zielsetzung: eine nachhaltige EU-Agrarreform, die eine menschen-, tier- und umweltfreundliche Landwirtschaft fördert, durch entsprechende Rahmenbedingungen, auch bei der Vergabe von Subventionen. Für diese Ziele zogen die demonstrierenden Bauern und Bäuerinnen, Imker und Naturschutzaktive gemeinsam zum Europaparlament in Straßburg.
Dass dieses Ziel einer Agrarwende für mehr Tierwohl, Arten- und Umweltschutz erreicht wird, dafür sind wir als Konsumenten mit verantwortlich. Mit unserem Einkaufsverhalten zeigen wir nämlich unsere Wertschätzung für eine umweltfreundliche regionale Landwirtschaft. Ebenso wichtig ist außerdem die Unterstützung politischer Forderungen, also: keine Handelsabkommen mit Staaten, die die Abholzung von Wäldern und andere Umweltzerstörungen erlauben.
15.11.2019, Rita Makarinus, Offenburg,BZ
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Die Anliegen der beiden Kundgebungen waren völlig unterschiedlich
Zwei Demonstrationen zur Agrarpolitik gab es, die in ihrer Zielsetzung ganz unterschiedlich waren. Eine in Freiburg sowie in anderen deutschen Städten und eine in Straßburg, an welcher ich teilnahm. In Straßburg wurde vor dem dort tagenden EU-Parlament lautstark eine Wende in der Agrarpolitik und deren Subventionierung unter Beteiligung von Landwirten gefordert. Notwendig sind eine auf Nachhaltigkeit setzende Direktförderung und die Vermeidung klimaschädlicher Monokulturen, nicht artgerechter Massentierhaltung und die Vermeidung von Nitrat und Pestiziden in unserem Trink- und Grundwasser. In Freiburg protestierten Landwirte für den agrarpolitischen Status quo, gegen “Pro Biene” und überhaupt gegen das bescheidene Agrarpaket der Bundesregierung, das zukünftig strengere Düngeregelungen sowie das Verbot von Glyphosat für den Insektenschutz ab 2023 vorsieht.
Die Anliegen der beiden Kundgebungen waren von ihrer Ausrichtung her völlig unterschiedlich. Dass die Badische Zeitung diese in ihrer Berichterstattung vermengt, ist unsachgemäß und unangemessen.
15.11.2019, Benedikt Kaukler, Freiburg

 

 

Bauernproteste: „Hoffentlich dreht keiner durch“
Moritz Schwarz
Zigtausende Bauern haben etliche deutsche Großstädte lahmgelegt. Denn ihre Lage werde immer verzweifelter, so Bauernbundpräsident Kurt-H. Klamroth, auch wegen der wachsenden Öko-Ideologie
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Herr Klamroth, lange haben die Bauern nicht mehr demonstriert. Warum jetzt wieder?
Kurt-Henning Klamroth: Was viele Bürger nicht mitbekommen haben ist, daß der Protest nicht von uns, den Bauernverbänden, organisiert wurde, sondern ein Aufstehen der Basis ist! Ich finde das gut, und natürlich haben wir ihn unterstützt. Denn er zeigt, wie groß Verzweiflung und Wut vieler Bauernfamilien inzwischen sind. Als sich vergangene Woche allein zweitausend Schlepper auf den Weg zum Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn gemacht haben und mit weiteren 13.000 Traktoren in anderen deutschen Städten demonstriert wurde, dachte ich nur: Hoffentlich dreht keiner unserer Bauern durch!
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Warum denn das?
Klamroth: Zum einen, weil die wirtschaftliche Lage vieler Höfe durch eine geradezu perverse Agrarpolitik inzwischen sehr prekär ist. Zum anderen wegen der permanenten Anfeindungen, die wir seitens Politik, Medien, Umweltverbänden und eines Teils der Gesellschaft erdulden müssen. Das hat Ausmaße angenommen, die nicht mehr erträglich sind!
Übertreiben Sie nicht? Es gibt auch viel Verständnis in Medien und Öffentlichkeit.
Klamroth: Was ich auch nicht leugne, aber viel häufiger sind unfachliche Diffamierungen: der Bauer als Buhmann, verantwortlich für Tierleid, Insektensterben, Chemie im Essen, Grundwasserverschmutzung und dank Klein-Greta jetzt auch noch für die Klimaerwärmung. Die Folgen spüren wir im Alltag: es reicht von blöden Sprüchen, wenn man in die Kneipe kommt, über wüsteste Beschimpfungen bei der Feldarbeit durch Passanten, die uns „Umweltvergifter“, „Tierquäler“, gar „Nazis“ nennen – bis hin mitunter zum Mobbing von Bauern-Kindern in der Schule. Das Maß ist voll!
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Aber Tierleid, Insektensterben, Grundwasserverschmutzung etc. sind doch Fakt.
Klamroth: Ist eine bestimmte Schadschwelle erreicht, sprühen wir natürlich Insektizide gegen Ungeziefer, also gegen die Ernte massiv bedrohende Schadinsekten. Das tut auch jeder Bürger zu Hause, vermutlich viel intensiver, wenn er gegen lästige Fliegen sprüht – und das garantiert ohne vorherige Schadschwellenanalyse. Dünger, der von der Pflanze in der aktuellen Vegetationsperiode nicht völlig verbraucht wird, bleibt natürlich erst einmal als positiver Saldo im Boden, das heißt aber noch lange nicht, daß er ins Grundwasser geht. Übrigens, bis er überhaupt ins dreißig Meter tiefe Grundwasser sickert, dauert es vierzig Jahre! In den lokal sehr begrenzten Gebieten mit Stickstoffüberschuß, etwa bei uns in Sachsen-Anhalt, diskutieren wir also über Altlasten oder Hinterlassenschaften der DDR-Ära. Bauern sind heute fachlich viel weiter und düngen umweltbewußter, als daß das von links-grünen Ideologen als „Argument“ mißbraucht werden dürfte. So werden schlagbezogene Analysen gemacht – ein Schlag ist ein landwirtschaflich genutztes Stück Land – und gemäß komplizierter Berechnungen wird exakt gedüngt. Wenn man wirklich wissen will, welchen Anteil die Landwirtschaft tatsächlich an der Grundwasserbelastung hat, sollte man Proben aus Auffanggräben von Feldern nehmen. Ich habe deren Wasser vor laufender Kamera getrunken – und erfreue mich bester Gesundheit! Übrigens, trotz, oder besser wegen, des Einsatzes von Chemie ist Menge und Qualität der Nahrung heute viel höher als davor – als sie oft von Krankheitserregern befallen oder von Schädlingen vernichtet wurde. Wir werden immer älter, und das ist vor allem wohl auf gesunde Ernährung zurückzuführen. Doch all das bleibt in den Medien gern unerwähnt. Dort werden wir lieber als die Verursacher von Problemen dargestellt, die in Wahrheit Folge unserer modernen Massengesellschaft sind.
Woher rührt die verzerrte Wahrnehmung?
Klamroth: Ich meine von einer immer massiver werdenden unfachlichen Öko-Ideologie, getragen vom Zeitgeist, vielen Medien, von fast allen Parteien, insbesondere den Grünen, und immer aggressiveren Umwelt-Lobbyverbänden. Letztere haben inzwischen solchen Einfluß auf die Politik, daß die ihren Forderungen oft folgt, ohne sie zu hinterfragen. So werden immer häufiger Maßnahmen ergriffen und Steuergeld verschwendet, die der Umwelt nichts bringen, wenn nicht gar schaden, den Bauern aber das Überleben schwerer, wenn nicht unmöglich machen.
Aber die Politik machen weder Grüne noch Lobbyverbände, sondern die Bundesregierung unter Führung der Union.
Klamroth: Das stimmt, und ich habe immer davor gewarnt, daß CDU/CSU mehr und mehr Richtung Rot-Grün rücken – um zu verhindern, daß linker ideologischer Unsinn in die Mitte der Gesellschaft vordringt. Wenn eine bürgerliche Partei sich Richtung Rot-Grün verändert, kann sie keine zukunftsfeste Wirtschaftspolitik machen, was ich für den Standort Deutschland sehr gefährlich finde!
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Sie sind doch selbst CDU-Mitglied.
Klamroth: Sogar seit über dreißig Jahren – und wie sehr ich jahrzehntelang für die Union gekämpft habe! Um so bitterer ist es, heute erleben zu müssen, wie meine Partei in Teilen Agrarpolitik unter ideologischen Vorzeichen ausgerechnet der Grünen macht. Und wie sich deshalb immer mehr Bauern von ihr abwenden.
Wohin?
Klamroth: Immer mehr zur AfD. Inzwischen heuern selbst gute Leute, die sich mit der Materie auskennen, leider bei der AfD an, um dort Agrarpolitik zu machen. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2016 haben bereits 22 Prozent der Bauern AfD gewählt, 2019 in Sachsen waren es schon 34 Prozent – hauptsächlich zu Lasten der CDU. Im Grunde geht es uns wie Dieselfahrern oder Eigenheimbesitzern, die „klimagerecht“ renovieren müssen. Wir werden traktiert und so mancher ruiniert – nicht um Umwelt- und Naturschutz, sondern um eine Ideologie durchzusetzen, die oft bar jeder Vernunft und Wissenschaftlichkeit längst machtpolitischer Selbstzweck ist. Wir kämpfen also nicht nur für unsere Höfe und unseren Stand, sondern gegen eine Ideologie, die die ganze Gesellschaft im Visier hat und die nicht haltmachen wird, sollte es ihr eines Tages gelingen, die deutschen Bauern zu ruinieren.
Sie sind also enttäuscht von der CDU?
Klamroth: Nein, das ist das falsche Wort. Ich bin verärgert – darüber, daß wertvolle wertkonservative Grundsätze und eine treue, immerhin noch zu 75 Prozent konfessionell christlich gebundene Wählerschaft zugunsten des Zeitgeists aufgegeben wird. Die übergroße Mehrheit der Bauern betreibt eine leistungsfähige Landwirtschaft, die sich auf die Generationsverantwortung und den Schöpfungsgedanken bezieht. Der Liebe Gott hat uns als „Fleischfresser“ auf die Welt geschickt – aber solange wir mit Natur und Tieren leben, wird mit diesen anständig umgegangen! Dafür brauche ich bestimmt keine Nachhilfe irgendwelcher durchgeknallter Grüner! Und ich setze auch schon deshalb keine Mittel ein, die die Umwelt vergiften, weil ich damit die Existenz meines Sohnes, der zum Glück den Hof übernimmt, und damit Tradition und Erbe, zerstören würde. Für unsere Familie läßt sich die Zugehörigkeit zum Bauernstand nämlich bis ins Jahr 1632 dokumentieren. Sie müssen bedenken: unser Stand denkt in Generationen! Und oft ist nichts wichtiger, als daß der Hof eines Tages von den Kindern weitergeführt wird. Zum Schlimmsten gehört, wenn sie dir sagen, daß sie das nicht tun werden, weil die Landwirtschaft wegen der Agrarpolitik nur noch viel Arbeit und Sorgen, aber keine Sicherheit mehr bringt und man sich obendrein ständig rechtfertigen und beschimpfen lassen muß.
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Auch wenn es unzulässig ist, Bauern nur als Urheber von Umweltproblemen zu sehen, verursachen sie solche natürlich. Ein gewisses Reglement – jenseits von Ideologie – müßten Sie also doch akzeptieren, um Landwirtschaft ökologischer zu machen?
Klamroth: Dagegen ist nichts einzuwenden, und es ist im übrigen auch keine Erfindung des heutigen Zeitgeists. Denn spätestens seit den preußischen Reformen Hardenbergs und Steins ab 1807, zu denen auch eine Agrarreform gehörte, und dem bahnbrechenden Wirken Johann Heinrich von Thünens 1826 ist vernünftige Reglementierung Teil landwirtschaftlicher Produktion. Und werden Insektizide ordnungsgemäß eingesetzt, kann es zu keinem Bienensterben kommen. Aber solche „Details“ interessieren natürlich nicht – viel einfacher ist es, uns das Bienensterben in die Schuhe zu schieben und Maßnahmen zu erlassen, die uns kujonieren, den Bienen nichts bringen, aber den Eindruck erwecken, die Politik tue etwas. So läuft das!
Sie wollen behaupten, es gäbe in der Landwirtschaft ökologisch nichts zu verbessern?
Klamroth: Nein, aber das müssen sinnvolle, wissenschaftlich begründete Vorschläge sein. Etwa ist die teilflächenspezifische Ausbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln heute, dank modernster Prozeßsteuerung an der Optimierungsgrenze. In vielen Gesprächen mit Politik und Verwaltung habe ich, oft auch mit Zorn, zur Kenntnis nehmen müssen, daß viele zwar „quatschen“, aber keine Ahnung haben – was kümmern die Fakten, solange, was sie machen, ins einschlägige politische Meinungsbild paßt! Und wenn sich die eine oder andere Meßstelle nicht eignet – sprich, nicht die „gewünschte“ Grundwasserbelastung“ anzeigt –, wird nicht gesagt, alles in Ordnung, sondern man verlegt den Meßpunkt eben an einen anderen Grundwasser-„Hotspot“.
Die Lage der Bauern ist allerdings nicht nur Folge grassierender Öko-Ideologie.
Klamroth: Ja, das stimmt. Aber wenn ich diesen Faktor anteilsmäßig einschätzen sollte, würde ich sagen, er macht etwa sechzig Prozent – also immerhin über die Hälfte – unserer Problemlage aus.

Sie kritisieren Ökoverordnungen, die den Bauern das Überleben unmöglich machen würden. Tatsächlich aber klagen diese über so wirkende Regulierungen schon seit Jahrzehnten, lange bevor CDU/CSU auf den grünen Zeitgeist eingeschwenkt sind.
Klamroth: Auch das stimmt. Doch war es von der damaligen bürokratischen Überregulierung zur heutigen ökoideologischen ein erheblicher quantitativer und qualitativer Sprung! Und auch wenn es nie gehalten wurde, damals hat jede Partei versprochen: Wählt uns, wir bauen Bürokratie ab! Heute dagegen werben sie mit dem Versprechen immer mehr grüner Regulierung! Dennoch, ja, nicht alles Unheil kommt von links. Ich habe schon beklagt, die Politik plage uns mit Öko-Regelungen, ohne zu wissen, wie die Situation wirklich ist. In der Tat findet sich dieses Problem auch unabhängig vom Öko-Thema. So behauptet die Politik unverdrossen, eine Arbeitskraft in der Landwirtschaft habe 36.000 Euro durchschnittliches Jahreseinkommen. Da bleibt mir die Spucke weg! Seit Jahren laufen wir gegen diese Phantasiebeispielrechnung Sturm, ohne Erfolg. Doch wie wollen Politiker verantwortungsbewußte Agrarpolitik machen, wenn sie die Lage der Bauern falsch ein- und überschätzen? Bauern finanzieren zum Beispiel Kredite für Grunderwerb aus ihrem versteuerten Einkommen: Erst bezahlen sie Einkommenssteuer und aus dem dann der Familie zur Verfügung stehenden Betrag noch den Ackerkauf.
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Was werden die Proteste bewirken?
Klamroth: Sie haben erst einmal eine große Aufmerksamkeit geschaffen, aber das politische Leben ist natürlich viel komplizierter. Es ist wichtig, daß die eigentliche Agrarpolitik gemeinsam mit den legitimierten Berufsständen gemacht wird, und deren hoher Sachverstand wieder Einzug in die agrarpolitischen Aktivitäten und Entscheidungen von Bund und Ländern findet. Für viele Betriebe ist es längst „nach zwölf“, und wenn wir uns nicht sofort und gründlich auf unsere konservativen Werte besinnen, gehen nicht nur Strukturen und Traditionen auf den Bauernhöfen verloren, sondern der gesamte ländliche Raum wird irreversiblen Schaden nehmen. Ich ärgere mich aber über den immer gleichen Gesichtsausdruck der abgewählten Politiker oder über ihren geheuchelten Kommentar: „Jetzt haben wir euch verstanden!“ Das ist dümmlich, und sie sind überbezahlt.
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1.11.2019, “Bauernproteste: Hoffentlich dreht keiner durch”, Junge Freiheit 45/19, Seite 3
http://www.junge-freiheit.de 

Kurt-Henning Klamroth, ist Präsident des Deutschen Bauernbundes, einer von mehreren Dachorganisationen privater Landwirteverbände in Deutschland, mit Schwerpunkt in Mitteldeutschland. Der Landwirt bewirtschaftet in Thale im Harz (Sachsen-Anhalt) den in der DDR enteigneten Traditionshof seiner Familie mit 140 Kühen und fast 400 Hektar Land, der 1990 restituiert wurde. Dort wurde der auf Landwirtschaftstechnik spezialisierte Diplomingenieur 1952 geboren.
http://www.bauernbund.de

 

Südbadische Landwirte protestieren am Münsterplatz in Freiburg
Am Dienstag, 22.10.2019, treffen am Freiburger Münsterplatz immer mehr Traktoren und Landwirte ein. Sie demonstrieren im Rahmen der gesamtdeutschen Bewegung “Land schafft Verbindung” gegen die zunehmende Reglementierung und auch Verhöhnung der Landwirtschaft. Und auch gegen aktuelle Vorhaben wie “Pro Biene” und den Berliner “Agrarpakt”. Zentraldemo in Bonn.
Die Organisatoren in Freiburg sind private Gruppen von Bauern aus Hochwarzwald, Hotzenwald, Markgräflerland, Baar, Hegau, Kaiserstuhl, Breisgau und Ortenau – allesamt unabhängig von Bauernverbänden und politischen Parteien.

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(1) Hist. Kaufhaus am 22.10.2019          (2) Land schafft Verbindung

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(4)                                                           (5) Über 800 Besucher am Münster         (6)

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(7) Protest aus Oberharmersbach            (8) Martin aus Opfingen                           (9) Beatrix Jenne vom Kaiserstuhl

(1) Traktoren zuhauf auf dem Freiburger Münsterplaz zwischen Altem Kaufhaus und Münster.

(6) Zunächst spricht Kevin Vogel: “Wir wollen die kleinbäuerliche Landschaft erhalten.”

(8) Zweiter Sprecher ist Martin Linser, Landwirt und Winzer aus Opfingen:
“Wir Kleinbauern wehren uns, von NGO’s und selbsternannten Weltrettern gesagt zu bekommen, wo es lang geht und wie man die Natur und Landschaft richtig pflegt. … Sie sind sich nicht bewußt, was für eien psychischer Druck sie durch ihre Sprüche auf uns laden, und auch auf unsere Kinder. Die werden in der Schule gemobbt, z.B. mit “Dein Vater vergiftet unsere Pflanzen und Tiere”.
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(9) Dann spricht Beatrix Jenne von Landmaschinen Jenne in Königschaffhausen: “Wenn ProBiene eins zu eins umgesetzt wird, können wir unseren Betrieb schließen.”
22.10.2019
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Land schafft Verbindung – Demos am 22.10.2019
Die Bewegung „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch“ ruft zu Kundgebungen auf. Bundesweit organisieren sich Landwirte, weil sie von der derzeitigen Umwelt- und Landwirtschaftspolitik die Wirtschaftskraft und den sozialen Frieden im ländlichen Raum in Deutschland gefährdet sehen. Innerhalb weniger Tage nach Gründung haben sich auf Facebook schon mehr als 14.000 Menschen in der Gruppe Land schafft Verbindung zusammengefunden. Die Gruppe plant eine Zentralveranstaltung am
22. Oktober 2019 um 11:00 Uhr
auf dem Münsterplatz in Bonn
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Aber auch an vielen anderen Orten Deutschlands (Bonn, Bayreuth, Würzburg, Freiburg, München, Hannover, Rostock, Berlin, Oldenburg, Stuttgart, Rendsburg, Magdeburg, Freiburg im Breisgau, Lüneburg, Münster, Erfurt, Uelzen) werden sich Bauern mit ihren Landmaschinen auf den Weg in die großen Städte machen, um für Ihre Anliegen einzustehen:
Das Agrarpaket gefährdet bäuerliche Familienbetriebe. Wir wollen sie erhalten.
Die Verschärfung der Düngeverordnung führt zu Unterdüngung. In den sogenannten roten Gebieten schadet das dem Boden und dem Wasser mehr, als es nützt.
Buhmann der Politik und vieler NGOs: Die permanente negative Stimmungsmache, das Bauernbashing, führt zu Ärger und Frustration im Berufsstand. Diskriminierung, Benachteiligung und Mobbing von Angehörigen gehören zur Tagesordnung. Das gefährdet die Zukunft der Betriebe und des ländlichen Raums. Unter solchen gesellschaftlichen Umständen und ständig an den Pranger gestellt zu werden, oft weder fach- noch sachgerecht, verliert der Beruf des Landwirts seine Attraktivität.
Das Mercosur-Handelsabkommen gefährdet durch Billigpreise importierter Waren die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region.
… mehr vom 22.10.2019 bitte lesen auf https://landschafftverbindung.de/

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700 Landwirte demonstrierten
Rund 700 Landwirte aus der gesamten Region versammelten sich auf der Südseite des Münsters, vom Stadtrand lotste die Polizei währenddessen 85 Landwirte auf Schleppern in die Stadt, die vor und hinter dem großen Pulk der bäuerlichen Demonstranten in Aufstellung gingen. Mit rund 10.000 Pferdestärken wurde beeindruckend Präsenz gezeigt. “Wir hätten locker auch 500 Traktoren hier auffahren lassen können”, stellte Kevin Vogel klar, Winzer aus Kiechlingsbergen und Pressesprecher der hiesigen Initiative “Land schafft Verbindung”. …
Eugen Hensler, Simon Zimmermann, Michael Nutsch – sie alle waren sich einig: Das Gespräch mit Politik und Verbraucher muss das gemeinsame Nachdenken über sinnige Konzepte öffnen.
… Alles vom 22.10.2019 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/700-landwirte-demonstrierten-mit-85-traktoren-auf-muensterplatz

 

Bauernproteste in Deutschland: „Sie säen und ernten nicht, aber wissen alles besser“
Bei ihrer (Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber) Rede wurde das gesamte Dilemma deutlich. Es ist lauten NGOs, radikalisierte Tierschützern und städtischen Grünen gelungen, mit inhaltsleeren, aber hoch emotionalen Kampfbegriffen wie Klimawandel, Insektenschutz, Überdüngung, Massentierhaltung all diejenigen auf einen Gegenpol zur Landwirtschaft zu bewegen, die davon genauso viel Ahnung haben wie die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie frisst. Ein städtisches Publikum, das weder Weizen von Roggen noch Pflug von Egge unterscheiden kann, will Landwirten über Verordnungen ihre Betriebsweise vorschreiben.

Zuvor hatten Landwirte wie Georg Mayerhofer ihre Wut über die neuen Verordnungen und Reglementierungen in die Menge gerufen. Mayerhofer griff auch vehement die Medien an, die durch sehr einseitige Berichterstattung für die Stimmung gegenüber den Landwirten mitverantwortlich sein. Mayerhofer: »Es sind ja heute viele Medienvertreter da. Die haben auch eine Verantwortung. Medien und NGOs verunglimpfen häufig unser Tun und zeigen dabei meist nur völlig verkürzte und unvollständige Bilder unserer Branche.« Die Resonanz bei den Landwirten: Ein lautes Hup- und Pfeifkonzert. Er fuhr fort: »Teile der Politik treiben einen Keil in die grüne Branche. Aussagen wie »Ackergifte und Trinkwasservergifteter« beherrschen deren Rede. Das können wir uns so nicht gefallen lassen!«
…. Alles vom 22.10.2019 bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/bauernproteste-in-deutschland-sie-saeen-und-ernten-nicht-aber-wissen-alles-besser/

bauerndemo10-ernten191022  “Sie säen und ernten nicht, aber wissen alles besser” – als der dumme Bauer
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Städter, Medien und NGOs wissen alles besser?
„Ein städtisches Publikum, das weder Weizen von Roggen noch Pflug von Egge unterscheiden kann, will Landwirten über Verordnungen ihre Betriebsweise vorschreiben. “ Unsere politischen Gaukler haben auch keine Ahnung und maßen sich an, dem Volk vorzuschreiben, wie die Gesellschaft auszusehen hat. „Dann liegt es an uns zu diktieren, wie ne Gesellschaft auszusehen hat.“ Man kann nur hoffen, daß das Volk diese Gaukler zur Rechenschaft zieht und diesen diktiert, was eine Regierung ausmacht.
22.10.2019, Alf,

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