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Blick im Kaiserstuhl nach Osten über Bickensohl hoch in Richtung Totenkopf am 29.10.2012

 

Die Landwirtschaft in der EU ist faktisch verstaatlicht
Die Landwirtschaft ist in Deutschland und Europa komplett durchsubventioniert und bis ins letzte Detail durchbürokratisiert. Es handelt sich um eine faktische Form der Verstaatlichung, die sich zu totaler Misswirtschaft und zu einer bizarren Bürokratenherrschaft ausgewachsen hat – mit verheerenden Folgen; denn nun kämpfen zu allem Überfluss auch noch tausende von Agrarbürokraten um die Erhaltung ihrer Jobs, indem sie das krakenhafte Subventionsnetzwerk verteidigen. Jahr für Jahr verteilen die Staaten der Europäischen Union (EU) Subventionen in Höhe von 100 Milliarden Euro an die Landwirtschaft, davon 60 Milliarden direkt über Brüssel. Gut ein Drittel aller EU-Ausgaben fließt in die Agrarsubventionen.
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Als 1957 die Römischen Verträge abgeschlossen wurden und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) entstand, war es unter dem Eindruck der Nahrungsmittelknappheit in Kriegs- und Nachkriegszeiten ihr Hauptziel, die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Es sollte sichergestellt sein, dass niemand mehr Hunger leiden muss und immer genügend Nahrungsmittel zur Verfügung stehen …. Doch was ist aus diesen bescheidenen Anfängen geworden? Ein bürokratischer Wasserkopf-Zyklop in Brüssel, der Jahr für Jahr Milliardenbeträge um sich schleudert …..
28.4.2014, Alles zu “Das Delirium Subventionorum – Gruselgeschichten aus dem Irrenhaus” von Wolfgang J. Koschnick bitte lesen auf http://www.heise.de/tp/artikel/41/41557/
Eine Demokratie haben wir schon lange nicht mehr – Teil 21

 

 

 

ABEI-Großkonzerne:  ABEI = AgriBusiness + ErnährungsIndustrie

Unter „Agribusiness“ wird sowohl die dem Anbau vorgelagerte Industrie (Produktion von Saatgut, Pflanzenschutzmitteln, Veterinärmedizin, Kunstdünger etc.) verstanden als auch industrialisierte Formen der Agrarproduktion.
„Ernährungsindustrie“ bezeichnet die dem Agribusiness nachgelagerten Handelsunternehmen, Nahrungsmittel verarbeitenden Unternehmen und Supermarkt- sowie Fastfood-Ketten gleichermaßen.
ABEI = AgriBusiness + ErnährungsIndustrie: Die Verknüpfung zu ABEI ist weniger für den Privatsektor von Bedeutung (ein kleiner Landwirt und die Wurstfabrik sind zumeist getrennt), sondern für Großkonzerne, die in beiden Bereiche umfassend tätig sind – vom Saatgut über die Erzeugung und Verarbeitung bis hin zur Supermarkt-Theke).

ABEI-Konzerne begründen den eigenen Anspruch dabei auf die Verbindung beider Bereiche: Zum einen wird mit Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft argumentiert (AB), die notwendig sind, um die Weltbevölkerung zu ernähren und vor Hunger zu bewahren. Zum anderen wird auf die Wohlfahrtseffekte durch Großinvestitionen in der Nahrungsmittelindustrie (EI) verwiesen.

Das Forum Umwelt und Entwicklung in Berlin wurde 1992 nach der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung gegründet. Das ForumUE hat sich in folgendem Bericht sehr kritisch geäußert zu dem Anspruch der ABEI-Großkonzerne, das Hunger- bzw. Ernährungsproblem weltweit lösen zu können:
“Business Case” Hungerbekämpfung – Der fragwürdige Beitrag von Agribusiness und Nahrungsmittelindustrie zur Ernährungssicherheit:
http://www.forumue.de/uploads/media/Business_Case_Hungerbekaempfung_web.pdf

 

Schweiz führend im Rohstoffhandel: Vitol, ABCD-Gruppe, Glencore

Obwohl die Schweiz weder über direkten Meerzugang noch über eigene Rohstoffe verfügt, ist das Land im Handel mit mehreren der wichtigsten Rohstoffe weltweit führend.
Vitol: Genf ist neben London der wichtigste Handelsplatz für Erdöl und Erdölprodukte. Namentlich werden rund drei Viertel des russischen Öls in der Rhonestadt abgewickelt. Vitol wurde 1966 gegründet mit Sitz in Genf und ist heute – noch vor Glencore – der größte unabhängige Ölhändler der Welt.
ABCD-Gruppe: Genf ist auch im Agrarhandel bedeutend, findet dort doch knapp ein Drittel des Welthandels und rund drei Viertel des europäischen Handels mit Getreide und Ölsaaten statt. Auch Zucker ist ein wichtiges Handelsgut, von dem – ex aequo mit London – etwa ein Drittel des Welthandels abgewickelt wird. Im Handel mit Baumwolle beträgt der Anteil der Schweiz rund ein Achtel des Welthandels.
Glencore; Der Handel mit Bergbauprodukten hat seinen Schwerpunkt in Zug, wo natürlich keine Minen, dafür aber Giganten von Bergbauindustrie und Handel ihren Sitz haben. Die beiden in Zug anwesenden Grossfirmen Xstrata und Glencore vollziehen eine Art Arbeitsteilung, wobei sich Erstere auf die Produktion und Letztere auf den Handel konzentriert. Die Handelsfirma ist zu 35% am Kapital der Produktionsfirma beteiligt. Ebenfalls in Zug ansässig ist die Gesellschaft Nord Stream, die Planerin der geplanten Ostsee-Gaspipeline.

Rohstoffgiganten „ABCD“ (ADM, Bunge, Cargill, Dreyfus)
Die ABCD-Gruppe teilt  sich inzwischen mehr als ¾ der globalen Getreidemärkte auf. Die Rohstoffhändler profitieren enorm von volatilen Preisen; Cargill und Bunge gaben im Jahr 2008 Rekordprofite von 4 bzw. 1 Mrd USD bekannt.
Der in den USA beheimatete, nicht börsennotierte Konzern Cargill hat in 2011/12 einen Umsatz von 134 Mrd. $ und einen Gewinn von 1,18 Mrd. $ ausgewiesen. Mit einem Umsatz im Geschäftsjahr 2011/12 von 90 Mrd. $ und einem Gewinn von 1,2 Mrd. $ ist ADM der weltweit zweitgrösste Agrarhändler. ADM ist dabei, mit Graincorp Australiens grössten Getreidehändler zu übernehmen.
Dahinter folgen die Handelsgesellschaften Bunge mit Hauptsitz in den USA und Louis Dreyfus mit Hauptsitz in Rotterdam.
Die ABCD-Gruppe hat ihre diminierenden Niederlassungen rund um den Genfer See platziert.
14.1.2014

 

Agrarsubventionen der EU

In der EU werden PRO TAG Agrarsubventionen in einer Höhe bezahlt, die der von Deutschland an Afrika IM JAHR gewährten Entwicklungshilfe entspricht.
http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/fluechtlinge-lampedusa-afrika/

 

 

Bauernhöfe statt Agrarfabriken

Das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Bürgerinitiativen gegen industrielle Tierhaltungsanlagen, Verbänden aus Umwelt- und Tierschutz, Vertretern aus dem kirchlichen Bereich und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Die Bündnispartner lehnen die Tierhaltung nach industriellen Maßstäben in Agrarfabriken ab.
www.bauernhoefe-statt-agrarfabriken.de

 

Atlas Agrarstatistik: Betriebsgröße, Öko-Anteil, Rinder und Schweine

 

agrar2010betriebsgroesse          agrar2010oekoflaeche                       agrar2010rinder

(1) Betriebsgröße 2010            (2) Öko-Flächenanteil 2010          (3) Rinder 2010

agrar2010schweine
(4) Schweine Agrar 2010

Der Atlas Argarstatistik von 2010 gibt Auskunft über die Nutzung und Verteilung der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland.
www.atlas-agrarstatistik.nrw.de

(1) Betriebsgröße: Durchschnittliche Größe der landwirtschaftlichen Betriebe in Hektar im Jahr 2010. Kleinbetriebe 0-25 ha (weiß) über 100-200 ha (hellgrün) bis über 400 ha (dunkelgrün). Die großen Agrarkonzerne liegen also im Osten.
(2) Öko-Flächenanteil: Anteil ökologisch genutzter Fläche an der gesamten landwirtschaftlich genutzen Fläche in Prozent im Jahr 2010: Von 0.3% (weiß) über 10-20% (hellgrün) bis 30% und mehr (dunkelgrün).
(3) Rinder-Dichte: Anzahl der Rinder pro 100 ha landwirtschaftlich genutzer Fläche in 2010: Von 0-50 RInder (weiß) über 100-150 Rinder (hellgrün) bis 200 Rinder und mehr (dunkelgrün). Hohe Dichte der Rinderhaltung in Süd- und Ostbayern.
(4) Schweine-Dichte: Anzahl der Schweine pro 100 ha landwirtschaftlich genutzer Fläche in 2010: Von 0-25 Schweine (weiß) bis 900 Schweine und mehr (dunkelgrün).  Hohe Dichte der Schweinehaltung in Niederbayern und Hohenlohe im Nordosten von Baden-Württemberg.
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Vorteile von Kleinbauern: elternährungsorganisation FAO will den Hunger ganz ausrotten

Kleine Landwirtschaftsbetriebe haben zwei große Vorteile. Sie stellen erstens eine gerechtere Verteilung des Landes sicher. Wenn sich der Landbesitz auf wenige Eigentümer konzentriert, entfallen auch die Erträge und der daraus erwachsende Wohlstand auf wenige Menschen. Bei einer besseren Verteilung des Landes erzielen mehr Menschen ein Einkommen. Zweitens kümmern sich kleine Betriebe intensiver um ihre Produktion. Sie nutzen ihr Land besser, kombinieren Pflanzen und Fruchtfolgen effizienter.
Komplettes Interview mit José Graziano da Silva vom 21.1.2013 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft/die-welternaehrungsorganisation-will-den-hunger-ganz-ausrotten–68389812.html

Der 63-jährige José Graziano da Silva ist Generaldirektor der Welternährungsorganisation (FAO) und hat in seiner Heimat Brasilien bewiesen, dass Programme zur Ernährungssicherheit erfolgreich sein können. Seit Mitte 2011 leitet der Professor der Agrarökonomie die FAO.

 

Sind die deutschen Agrarexporte Fluch oder Segen?

Dass es ohne Nahrungsmittelexporte und Futtereinfuhren nicht mehr gehe, sagt auch Michael Schmitz, Professor für Agrar- und Entwicklungspolitik in Gießen. Umweltschützer fordern, dass jeder Bauer nur so viele Tiere halte, wie er von seinem Boden ernähren kann. Aber das funktioniere nicht mehr, sagt Schmitz. “Wir würden völlig verarmen, wenn wir nur geschlossene Kreisläufe hätten.” Schmitz mahnt aber eine Lösung für die Umweltfolgen in Deutschland an. Obergrenzen für Tierbestände seien eine Lösung oder eine Börse, an der das Recht, Stickstoff auszubringen, gehandelt wird – eine Art Emissionshandel für Gülle. Der Professor fordert: “Wir müssen die Kosten denen anlasten, bei denen das anfällt.” …..
Alles vom 19.1.2013 bitte lesen auf http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft/sind-die-deutschen-agrarexporte-fluch-oder-segen–68344527.html

 

EU weltweit größter Exporteur wie Importeur von Lebensmittel
Die EU ist die weltweit größte Exporteurin von Lebensmitteln. Sie ist aber auch gleichzeitig die größte Importeurin. Das klingt nach einem ausgeglichenen Geben und Nehmen, doch bei genauerer Betrachtung wird offensichtlich, dass der exzessive Agrarhandel keine win-win-Situation für alle Beteiligten darstellt. Mariann Fischer-Boel erklärte in einem ihrer Abschiedsinterviews: We and the sector have been very clever to add value to production. We are mostly importing raw materials – putting maybe soybeans through pigs – but then exporting high quality products worldwide. Die Profiteure dieser “cleveren” Politik sind jedoch nur einige wenige.
Die Mehrzahl der Bauern und Bäuerinnen auch in Europa gehört jedenfalls nicht zu den GewinnerInnen dieser Politik. Etwa ein Drittel der europäischen Betriebe befinden sich z.B. in Rumänien, sie sind durchschnittlich 1 ha groß und haben 2 Milchkühe. Sie werden vom Exportkuchen kaum etwas abbekommen. Ebensowenig profitieren die hunderttausenden migrantischen Arbeitskräfte, die für Hungerlöhne und zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen in spanischen Folienhäusern, österreichischen Spargelfeldern und sicher auch in Deutschland schuften müssen und ohne die unser kapitalistisches Landwirtschaftsmodell nicht funktionieren würde.
Die Folgen der europäischen Landwirtschaftspolitik für die Biodiversität und das Klima sind hinlänglich diskutiert worden. Weltweit trägt die Landwirtschaft je nach Berechnungen zwischen 25 und 38% zum Klimawandel bei. Wenn die europäischen Werte als weitaus geringer angegeben werden – die DG Agri berechnete vor kurzem 9% des CO2-Äqivalenteausstoß der EU 27 – dann wird aber die Inanspruchnahme außereuropäischer Flächen für den Bedarf der heimischen Landwirtschaft nicht mitgerechnet.
Die oberste Maxime der europäischen Agrarpolitik ist die Wettbewerbsfähigkeit. Im Prinzip ist es trotz aller Lippenbekenntnisse egal, wie viele Bauern und Bäuerinnen in Nord und Süd dabei auf der Strecke bleiben. In der EU schließt alle drei Minuten ein Bauernhof seine Pforten.  Laut Olivier de Schutter, Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, sind 50% der 1 Milliarde Hungernder Kleinbauern und -bäuerinnen. Die EU-Exporte ruinieren die Märkte im Süden, in Jamaika z.B. verkauften mehr als die Hälfte der MilchbäuerInnen ihre Kühe, nachdem billiges, mit Steuergeldern subventioniertes Milchpulver ab 2000 den inländischen Markt überschwemmt hatte. Auch in Indien, Burkina Faso, Kenia und der Dominikanischen Republik trieb das subventionierte Milchpulver tausenden MilchbäuerInnen in den Ruin. Laut Zahlen der EU-Kommission von 2008 gingen 32% der subventionierten Vollmilchexporte in die LDC-Länder, 15% der Magermilchexporte und 6% der Butter. Gleichzeitig hat sich die Zahl der europäischen MilchproduzentInnen in den letzten 15 Jahren um mehr als 60% verringert – trotz Exporterstattungen und subventionierter Lagerhaltung.
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Ein zentraler Punkt der zukünftigen europäischen Agrarpolitik muss die Regulierung des Angebots und der Märkte sein. Denn, wie Niek Koning von der Universität Wageningen schreibt: „Die Erfahrung zeigt, dass die Landwirtschaft auf einem liberalisierten Markt nicht gedeihen kann. Seit moderne Düngemittel die Erträge explodieren ließen und moderne Transportmittel den globalen Handel mit Agrarprodukten möglich machten, litten die landwirtschaftlichen Märkte unter immer wieder kehrendem Überangebot. Die BäuerInnen können dies nicht ausgleichen. Sie können ihre Produktion nicht wie große Konzerne managen, und spontane Anpassungen durch Schließungen von Höfen finden nicht statt. Die meisten BäuerInnen reagieren auf Preisabstürze, indem sie die Gürtel enger schnallen und neue Möglichkeiten suchen, ihre Produktion zu erhöhen. Aber weil ihre NachbarInnen dasselbe tun, sind sie in einer Tretmühle gefangen, die nur zu neuer Überproduktion führt. Auf einem freien Markt sind Nachfrage und Angebot nur ausgeglichen, wenn diese Tretmühle die letzten Margen, die BäuerInnen für Investitionen reserviert haben, herausquetscht. Das Ergebnis ist eine Stagnation in der Entwicklung der Betriebe und eine chronische Malaise der ländlichen Gesellschaft. Alle “entwickelten” Länder haben daher ihre BäuerInnen geschützt, um Spielraum für Investitionen zu lassen. Weil diese Schutzmaßnahmen aber das landwirtschaftliche Produktionswachstum verstärken, kommt es zu vermehrtem Überangebot auf den Weltmärkten. Dieses Problem war z.B. in den 1930ern akut und lehrte eine ältere Generation von EntscheidungsträgerInnen, dass Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft immer an eine Regulierung des Angebots und an eine multilaterale Regulierung der Weltmärkte gekoppelt sein müssen” (Koning, 2007). ….

1.12.2009, Irmi Salzer, La Via Campesina,  www.viacampesina.at

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