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Titisee-Schwaerzenbach: Blick vom Russenkreuz nach Süden zum Feldberg am 11.2.2008

KlimaschutzUmweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung.
Dieses Natur-Quartett gehört zusammen – passt aber leider nicht.

 

 

Landwirtschaft: Zurück in die Zukunft
Zwei Fotografen klagen mit Bildern die industrielle Landwirtschaft an
Der Chemiker Wolf-Dietmar Unterweger und sein Sohn Philipp, Biologe, zeigen in ihren Bildbänden, was verloren geht durch die industrielle Landwirtschaft. Wir trafen sie in ihrem Dorf Wain in Oberschwaben.
…. Alles vom 8.9.2019 von Stefan Hupka bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/zurueck-in-die-zukunft-xqamuh7ax–176993233.html

Wolf-Dietmar und Philipp Unterweger: Echte Bauern retten die Welt! Leopold-Stocker-
Verlag, Graz 2018. 232 S., 250 Abbildungen,
39,90 Euro.
Die Autoren: Wolf-Dietmar Unterweger (75), geboren in Dresden, ist Diplomchemiker. Seit 1983 publiziert er Bücher über traditionelle Landwirtschaft; sein dreibändiges Hauptwerk ist “Die Bauern”. Sein Sohn Philipp Unterweger (33) hat in Biologie promoviert und sich auf Wiesenökologie, Biodiversität und Ursachen des Insektensterbens spezialisiert. Er ist als Berater auf diesen Gebieten tätig.

… wie der bulgarische Landwirt
Diese gescheiten Herren, die die sich auf CO2-arme Landwirtschaft konzentrieren und den Blattwanzen hinterhertrauern könnten erst einmal selbst damit anfangen, mit einer Pferderkutsche CO2-frei und nicht in einem Auto durch Europa zu tuckeln und ihre Visionen auf dieser Basis zu entwickeln. Diese Entschleunigung täte ihnen vermutlich gut, um die Probleme der Landwirtschaft noch besser zu verstehen. Ich vermute mal, dass der bulgarische Landwirt, der mit einer Eselkarre sein Heu einholt, keine Zeit hat um täglich an einem Golfplatz vorbeizujoggen.
8.9.2019, Friedrich Winter, BZO
Da eine und das andere
Industrieunternehmen für 100 Euro die Stunde zu beraten, wie man eine Blumenwiese anlegt ist das eine. Sich selbst und vier andere Menschen mit primitiven Mitteln ernähren zu müssen, für vielleicht 3 Euro die Stunde in einer 6-7-Tage Woche, ist das andere.
8.9.2019, B.M., BZ
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Landwirtschaft verstaatlichen!
Die ganze Welt darf sich weiter entwickeln, nur die Landwirtschaft soll produzieren wie vor Hundert Jahren! Sollen sie doch die Landwirtschaft verstaatlichen! Dann haben die Landwirte auch zwei Tage die Woche frei, können sich krank melden, haben sechs Wochen Urlaub und zumindest den Mindestlohn !
8.92019, A.H.,
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Herr Unterweger sen. und jun.,
warum immer nur die Landwirtschaft? Womit sind Sie unterwegs auf Ihren Touren? Wenn Sie einen Traktor vor dem Haus sehen, fahren Sie mit Ihrem Auto weiter. Welch ein Zynismus. Oder womit sind Sie unterwegs, wenn Sie z.B. aus Bulgarien schreiben? Etwa mit dem Fahrrad? Ganz ohne CO2-Ausstoß? Sind Sie auch bereit, die Zeitreise zurück zu machen? Ein Feuerherd in der Küche? Das Plumpsklo über den Hof? Weg mit dem Auto? Polaroidfilm statt moderne Digitalkamera? Wenn schon die Zeit zurückdrehen, dann aber bitte überall. Also auch beim Fliegen, bei Kreuzfahrten, Fahrten mit dem Auto und auch bei der Industrie. Zukunft geht uns alle an, nicht nur die Landwirtschaft.
10.9.2019, R+K.Leininger., BZ
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Industrielle Landwirtschaft
Zugegeben, allein der Titel des Artikels ist sehr polarisierend und lädt förmlich zu Kritik ein und sicherlich auch die Tatsache, dass Vater und Sohn Unterweger auf ihren Reisen selbst motorisiert sind. Wenn man allerdings das kritisiert, dann müssten Umweltforscher mit dem Rad oder zu Fuß an entlegene Stellen gelangen um ihre Untersuchungen zu machen. Ich kann die teils harsche Kritik in den Kommentaren gut verstehen, aber ich glaube trotzdem, dass am Kern der Aussagen und an den Beobachtungen und Ergebnissen der Unterwegers eine Menge dran ist.
Diese Thematik ist allerdings ziemlich komplex und brisant. Es lässt sich – glaube ich – kaum leugnen, dass die industrielle Landwirtschaft mit Großmaschinen, Monokulturen und ihrer Pestizidlastigkeit ein enormes Problem für die Entwicklung gesunder, humusreicher und lebendiger Böden darstellt. Solche Böden sind aber eine große Ressource gesunder Gesellschaften und mehrere Zivilisationen in der Menschheitsgeschichte sind zu Grunde gegangen, weil sie ihre Böden nicht genug wertgeschätzt und somit zerstört haben. Die nur sehr dünne Humusschicht ist unverzichtbar für gesundes Pflanzenwachstum. Ist sie gesund, kann sie große Mengen Wasser, Co2 und Sauerstoff speichern. Die Milliarden von Kleinstlebewesen in ihr produzieren eine Vielfalt an Nährstoffen, bauen Giftstoffe ab und um und leisten weitere Dienste, die wahrscheinlich noch gar nicht alle erforscht sind. Es gibt Studien, dass eine weltweite Vermehrung der Humusschicht so viel Co2 und Wasser im Boden binden könnte, dass die Klimakrise damit massiv entschärft wäre. Die Klimakrise ist also auch eine Bodenkrise. Sehr empfehlenswert ist zu diesem Thema das Buch »Die Humusrevolution« – ich war hoch erstaunt, was dort zu lesen ist.
Der weltweite Trend geht allerdings genau in die andere Richtung. In Richtung Verdichtung und Abtöten von allem, was keinen sichtbaren Nutzen hat. Die Agrarpolitik, die maßgeblich von agrochemischen Konzernen und Lobbyverbänden gelenkt wird, scheint blind für die Bedeutung von lebendigen und humusreichen Böden und belohnt die großflächige industrielle, pestizidgestützte Landwirtschaft. Ökologisch wertvoll und nachhaltig wirtschaftende Kleinbetriebe werden indirekt benachteiligt. Ich finde das ein echtes Dilemma und ich glaube keiner ist so richtig glücklich damit – weder die von der agrochemischen Industrie und den Lobbyverbänden abhängigen Landwirte, noch die ökologisch wirtschaftenden Bio-Landwirte. Es ist allerhöchste Zeit, dass unsere Politiker weiser, entschlossener und verantwortungsvoller diesen Missständen begegnen.
22.9.2019, Michael PFleger, BZ
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Landwirtschaft verdient Wertschätzung und nicht Verunglimpfung
Als 1960 geborener führte ich mit meinen Schwiegereltern vor der Wende einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb. Da für Privatleute so gut wie keine Technik erhältlich war, wirtschafteten wir wie vor 100 Jahren. Meine Schwiegereltern haben die Schufterei mit schweren Knochenkrankheiten bezahlt.
Würde man heute so wirtschaften müssen, könnte man eine Bevölkerung, die zu 98 Prozent nichts mehr mit Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft zu tun hat, nicht ernähren. Von der Weltbevölkerung ganz zu schweigen. Es sei denn, die Menschen wären bereit, für ein Kilogramm Fleisch 50 Euro oder für einen Liter Milch fünf Euro zu zahlen – und den Verbrauch entsprechend einzugrenzen. So lange aber hochwertige Lebensmittel geradezu verramscht werden, wird es dafür keine Mehrheiten geben. Im Gegenteil: Sozialpolitische Diskussionen werden das Ganze ad absurdum führen.
Eine Rückbesinnung auf eine andere, schonendere Landwirtschaft ist nicht verkehrt. Gleichwohl darf das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden. Die Landtechnik hat die Arbeits- und damit Lebensbedingungen derer, die davon leben müssen, stark verbessert. Wir müssen jedoch darauf achten, wie weit der Einsatz dieser Technik geht.
Landwirtschaft verdient Wertschätzung und nicht Verunglimpfung, welche mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist und in den Medien stattfindet. Nicht die Arbeit anderer fotografieren, sondern diese selbst zu tun, führt zu richtigen Erkenntnissen. Wir benötigen ein Umdenken beim Verbraucher und bei den Medien, damit Landwirtschaft einen Gang zurückschalten und die Natur weniger ausbeuten kann. An den Zapfsäulen dieser Republik akzeptieren wir tägliche Schwankungen bis zu 20 Cent je Liter klaglos. Wird ein Liter Milch oder ein Stück Butter um zehn Cent teurer, betrachten wir das als ein Anzeichen für den Untergang des Abendlandes. Insofern sind Initiativen, wie die der Fotografen wichtig. So lange aber Sonderangebote so überzeugen, wie sie es regelmäßig tun, werden Landwirte ohne EU-Subventionen von ihrer Arbeit nicht leben können.
23.9.2019, Michael Harig, Bautzen(derzeit im Markgräflerland), BZ
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Maschinenfreie Landwirtschaft ist weltfremd
Im Magazin wurden von Fotografen Vorstellungen einer heutigen maschinenfreien Landwirtschaft verbreitet, die weltfremd sind. Wie viele Bauernhöfe um Offenburg herum wären nötig, wie viele Menschen müssten an 16-Stunden-Tagen ohne nennenswerten Urlaub zu welchem Lohn die Höfe betreiben, damit zum Beispiel ortsnah die Milch produziert werden könnte, die die Menschen in Ortenaus Zentrum benötigten? Und das alles dann mit Sense und Rechen, ohne Traktor und Maschinen! Wie viele Stunden müssten wie viele Menschen die Kühe morgens und abends von Hand melken? Wer könnte morgens auf den Höfen vor Ort die Milch mit dem Fahrrad abholen, bevor sie gekühlt werden müsste?
Wo gibt es die Wiesen und Äcker um Offenburg, die das Heu für die mit Pferdefuhrwerken eingebrachten Mengen für den Winter hergeben? Wo wachsen die Rüben, die auf den Äckern von Hand unkrautfrei gehalten werden? Dann gäbe es wieder Misthaufen in den Dörfern und alsbald Klagen von jemandem, den dieser Landgeruch und das Muhen der Kühe in seiner Dorfidylle stören würde.
Bilder aus den 1980er Jahren sollen bekräftigen, dass so etwas heute möglich sei. Schon damals lohnte sich hier in der Ortenau die Landwirtschaft im Vergleich zu anderem Lohnerwerb nicht mehr. Viele kleine Betriebe wirtschafteten als Nebenerwerb, bis auch sie ihre Erzeugnisse nicht mehr absetzen konnten. Die Fotografen scheinen keine Ahnung zu haben, wie viele Menschen für die Produktion von Milch mit mehreren Kühen übers Jahr nötig wären, wenn man auf Maschineneinsatz in Stall und Acker verzichten und alle Futtermittel selbst herstellen müsste. Sie sollten einmal einen Hof, der aufgeben will, pachten und ihre Ideen ausprobieren. Ob sie es besser hinbekämen als die, die vor Jahren einen solchen Versuch fernsehbegleitet starteten und scheiterten?
23.92019, Alois Lienhard, Offenburg

 

Regeln für den landwirtschaftlichen Umgang mit Umwelt und Tier
Die Zahl der Bauernhöfe ist in Deutschland von 1,5 Mio in 1964 auf 285.000 in 2014 gesunken. die Ernten haben sich seit 1970 aber verdoppelt.
Trotz dieser Konzentration ist die deutsche Landwirtschaft im internationalen Vergleich immer noch vielfältig und kleinräumig.
Die von den Grünen propagierte “Agrarwende” (bio statt konventionell, Kleinbetrieb statt Agrarindustrie) hört sich gut an, polarisiert aber nur anstatt Probleme zu lösen. Es geht um die Formulierung und Durchsetzung der richtigen Regeln für den Umgang mit Umwelt und Tier, nicht aber um Demeter oder Normalfutter, Landwirtsfamilie oder Großbetrieb.  und wir müssen bereit sein, für diese Regeln zu bezahlen.
Ein erster Schritt: Die EU möge ihre Subventionen an die Landwirte nicht mehr pro Hektar Ackerfläche ausbezahlen, sondern für nachweisbaren Tier-, Umwelt- und Artenschutz – beim Biolandbetrieb wie herkömmlich wirtschaftenden Landwirt, beim Hochgebirgsbauern wie 1000-Rinder-Hof in Mecklenburg.
1.12.2014

Landwirtschaft in Deutschland – weder sozial noch nachhaltig

Die Exportstrategie der deutschen Agrarwirtschaft unterstützt Minister Friedrich ausdrücklich. Dabei ist es weder sozial noch nachhaltig, in Brasilien zu Lasten der örtlichen Bevölkerung erst wertvolle Flächen für den Sojaanbau zu roden, dann das Soja in riesigen Mengen nach Niedersachsen zu karren, dort Millionen Tonnen Fleisch zu erzeugen, um dieses dann in alle Welt zu verschiffen. …..
Alles vom 18.1.2014 von Bernhard Walker bitte lesen auf’
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/leitartikel-weder-sozial-noch-nachhaltig–79779354.html 

 

Agrarproduktion
Der Leitartikel ist in jeder Hinsicht großartig. Man kann dem Autor nicht genug danken. So klar wird unsere vorherrschende Agrarproduktion kaum einmal an entscheidender Stelle dargestellt, so deutlich auf ihre langfristigen Gefahren aufmerksam gemacht, so eindrucksvoll auf die sich anbahnenden Möglichkeiten hingewiesen, das Ausmaß an Stickstoff im Boden, der Antibiotika in der Tiermast, der großflächigen Bodenerosionen und des Artensterbens zu vermeiden. Sobald ein Artikel wie dieser in den richtigen Stuben hängt, wird unsere Landwirtschaft sich verändern.
29.1.2014, Gunhild und Prof. Dr. Uwe Pörksen, Freiburg

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