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Titisee-Schwaerzenbach: Blick vom Russenkreuz nach Süden zum Feldberg am 11.2.2008

KlimaschutzUmweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung.
Dieses Natur-Quartett gehört zusammen – passt aber leider nicht.

 

 

Landwirtschaft: Zurück in die Zukunft
Zwei Fotografen klagen mit Bildern die industrielle Landwirtschaft an
Der Chemiker Wolf-Dietmar Unterweger und sein Sohn Philipp, Biologe, zeigen in ihren Bildbänden, was verloren geht durch die industrielle Landwirtschaft. Wir trafen sie in ihrem Dorf Wain in Oberschwaben.
…. Alles vom 8.9.2019 von Stefan Hupka bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/zurueck-in-die-zukunft-xqamuh7ax–176993233.html

Wolf-Dietmar und Philipp Unterweger: Echte Bauern retten die Welt! Leopold-Stocker-
Verlag, Graz 2018. 232 S., 250 Abbildungen,
39,90 Euro.
Die Autoren: Wolf-Dietmar Unterweger (75), geboren in Dresden, ist Diplomchemiker. Seit 1983 publiziert er Bücher über traditionelle Landwirtschaft; sein dreibändiges Hauptwerk ist “Die Bauern”. Sein Sohn Philipp Unterweger (33) hat in Biologie promoviert und sich auf Wiesenökologie, Biodiversität und Ursachen des Insektensterbens spezialisiert. Er ist als Berater auf diesen Gebieten tätig.

… wie der bulgarische Landwirt
Diese gescheiten Herren, die die sich auf CO2-arme Landwirtschaft konzentrieren und den Blattwanzen hinterhertrauern könnten erst einmal selbst damit anfangen, mit einer Pferderkutsche CO2-frei und nicht in einem Auto durch Europa zu tuckeln und ihre Visionen auf dieser Basis zu entwickeln. Diese Entschleunigung täte ihnen vermutlich gut, um die Probleme der Landwirtschaft noch besser zu verstehen. Ich vermute mal, dass der bulgarische Landwirt, der mit einer Eselkarre sein Heu einholt, keine Zeit hat um täglich an einem Golfplatz vorbeizujoggen.
8.9.2019, Friedrich Winter, BZO
Da eine und das andere
Industrieunternehmen für 100 Euro die Stunde zu beraten, wie man eine Blumenwiese anlegt ist das eine. Sich selbst und vier andere Menschen mit primitiven Mitteln ernähren zu müssen, für vielleicht 3 Euro die Stunde in einer 6-7-Tage Woche, ist das andere.
8.9.2019, B.M., BZ
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Landwirtschaft verstaatlichen!
Die ganze Welt darf sich weiter entwickeln, nur die Landwirtschaft soll produzieren wie vor Hundert Jahren! Sollen sie doch die Landwirtschaft verstaatlichen! Dann haben die Landwirte auch zwei Tage die Woche frei, können sich krank melden, haben sechs Wochen Urlaub und zumindest den Mindestlohn !
8.92019, A.H.,
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Herr Unterweger sen. und jun.,
warum immer nur die Landwirtschaft? Womit sind Sie unterwegs auf Ihren Touren? Wenn Sie einen Traktor vor dem Haus sehen, fahren Sie mit Ihrem Auto weiter. Welch ein Zynismus. Oder womit sind Sie unterwegs, wenn Sie z.B. aus Bulgarien schreiben? Etwa mit dem Fahrrad? Ganz ohne CO2-Ausstoß? Sind Sie auch bereit, die Zeitreise zurück zu machen? Ein Feuerherd in der Küche? Das Plumpsklo über den Hof? Weg mit dem Auto? Polaroidfilm statt moderne Digitalkamera? Wenn schon die Zeit zurückdrehen, dann aber bitte überall. Also auch beim Fliegen, bei Kreuzfahrten, Fahrten mit dem Auto und auch bei der Industrie. Zukunft geht uns alle an, nicht nur die Landwirtschaft.
10.9.2019, R+K.Leininger., BZ
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Industrielle Landwirtschaft
Zugegeben, allein der Titel des Artikels ist sehr polarisierend und lädt förmlich zu Kritik ein und sicherlich auch die Tatsache, dass Vater und Sohn Unterweger auf ihren Reisen selbst motorisiert sind. Wenn man allerdings das kritisiert, dann müssten Umweltforscher mit dem Rad oder zu Fuß an entlegene Stellen gelangen um ihre Untersuchungen zu machen. Ich kann die teils harsche Kritik in den Kommentaren gut verstehen, aber ich glaube trotzdem, dass am Kern der Aussagen und an den Beobachtungen und Ergebnissen der Unterwegers eine Menge dran ist.
Diese Thematik ist allerdings ziemlich komplex und brisant. Es lässt sich – glaube ich – kaum leugnen, dass die industrielle Landwirtschaft mit Großmaschinen, Monokulturen und ihrer Pestizidlastigkeit ein enormes Problem für die Entwicklung gesunder, humusreicher und lebendiger Böden darstellt. Solche Böden sind aber eine große Ressource gesunder Gesellschaften und mehrere Zivilisationen in der Menschheitsgeschichte sind zu Grunde gegangen, weil sie ihre Böden nicht genug wertgeschätzt und somit zerstört haben. Die nur sehr dünne Humusschicht ist unverzichtbar für gesundes Pflanzenwachstum. Ist sie gesund, kann sie große Mengen Wasser, Co2 und Sauerstoff speichern. Die Milliarden von Kleinstlebewesen in ihr produzieren eine Vielfalt an Nährstoffen, bauen Giftstoffe ab und um und leisten weitere Dienste, die wahrscheinlich noch gar nicht alle erforscht sind. Es gibt Studien, dass eine weltweite Vermehrung der Humusschicht so viel Co2 und Wasser im Boden binden könnte, dass die Klimakrise damit massiv entschärft wäre. Die Klimakrise ist also auch eine Bodenkrise. Sehr empfehlenswert ist zu diesem Thema das Buch »Die Humusrevolution« – ich war hoch erstaunt, was dort zu lesen ist.
Der weltweite Trend geht allerdings genau in die andere Richtung. In Richtung Verdichtung und Abtöten von allem, was keinen sichtbaren Nutzen hat. Die Agrarpolitik, die maßgeblich von agrochemischen Konzernen und Lobbyverbänden gelenkt wird, scheint blind für die Bedeutung von lebendigen und humusreichen Böden und belohnt die großflächige industrielle, pestizidgestützte Landwirtschaft. Ökologisch wertvoll und nachhaltig wirtschaftende Kleinbetriebe werden indirekt benachteiligt. Ich finde das ein echtes Dilemma und ich glaube keiner ist so richtig glücklich damit – weder die von der agrochemischen Industrie und den Lobbyverbänden abhängigen Landwirte, noch die ökologisch wirtschaftenden Bio-Landwirte. Es ist allerhöchste Zeit, dass unsere Politiker weiser, entschlossener und verantwortungsvoller diesen Missständen begegnen.
22.9.2019, Michael PFleger, BZ
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Landwirtschaft verdient Wertschätzung und nicht Verunglimpfung
Als 1960 geborener führte ich mit meinen Schwiegereltern vor der Wende einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb. Da für Privatleute so gut wie keine Technik erhältlich war, wirtschafteten wir wie vor 100 Jahren. Meine Schwiegereltern haben die Schufterei mit schweren Knochenkrankheiten bezahlt.
Würde man heute so wirtschaften müssen, könnte man eine Bevölkerung, die zu 98 Prozent nichts mehr mit Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft zu tun hat, nicht ernähren. Von der Weltbevölkerung ganz zu schweigen. Es sei denn, die Menschen wären bereit, für ein Kilogramm Fleisch 50 Euro oder für einen Liter Milch fünf Euro zu zahlen – und den Verbrauch entsprechend einzugrenzen. So lange aber hochwertige Lebensmittel geradezu verramscht werden, wird es dafür keine Mehrheiten geben. Im Gegenteil: Sozialpolitische Diskussionen werden das Ganze ad absurdum führen.
Eine Rückbesinnung auf eine andere, schonendere Landwirtschaft ist nicht verkehrt. Gleichwohl darf das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet werden. Die Landtechnik hat die Arbeits- und damit Lebensbedingungen derer, die davon leben müssen, stark verbessert. Wir müssen jedoch darauf achten, wie weit der Einsatz dieser Technik geht.
Landwirtschaft verdient Wertschätzung und nicht Verunglimpfung, welche mittlerweile gesellschaftsfähig geworden ist und in den Medien stattfindet. Nicht die Arbeit anderer fotografieren, sondern diese selbst zu tun, führt zu richtigen Erkenntnissen. Wir benötigen ein Umdenken beim Verbraucher und bei den Medien, damit Landwirtschaft einen Gang zurückschalten und die Natur weniger ausbeuten kann. An den Zapfsäulen dieser Republik akzeptieren wir tägliche Schwankungen bis zu 20 Cent je Liter klaglos. Wird ein Liter Milch oder ein Stück Butter um zehn Cent teurer, betrachten wir das als ein Anzeichen für den Untergang des Abendlandes. Insofern sind Initiativen, wie die der Fotografen wichtig. So lange aber Sonderangebote so überzeugen, wie sie es regelmäßig tun, werden Landwirte ohne EU-Subventionen von ihrer Arbeit nicht leben können.
23.9.2019, Michael Harig, Bautzen(derzeit im Markgräflerland), BZ
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Maschinenfreie Landwirtschaft ist weltfremd
Im Magazin wurden von Fotografen Vorstellungen einer heutigen maschinenfreien Landwirtschaft verbreitet, die weltfremd sind. Wie viele Bauernhöfe um Offenburg herum wären nötig, wie viele Menschen müssten an 16-Stunden-Tagen ohne nennenswerten Urlaub zu welchem Lohn die Höfe betreiben, damit zum Beispiel ortsnah die Milch produziert werden könnte, die die Menschen in Ortenaus Zentrum benötigten? Und das alles dann mit Sense und Rechen, ohne Traktor und Maschinen! Wie viele Stunden müssten wie viele Menschen die Kühe morgens und abends von Hand melken? Wer könnte morgens auf den Höfen vor Ort die Milch mit dem Fahrrad abholen, bevor sie gekühlt werden müsste?
Wo gibt es die Wiesen und Äcker um Offenburg, die das Heu für die mit Pferdefuhrwerken eingebrachten Mengen für den Winter hergeben? Wo wachsen die Rüben, die auf den Äckern von Hand unkrautfrei gehalten werden? Dann gäbe es wieder Misthaufen in den Dörfern und alsbald Klagen von jemandem, den dieser Landgeruch und das Muhen der Kühe in seiner Dorfidylle stören würde.
Bilder aus den 1980er Jahren sollen bekräftigen, dass so etwas heute möglich sei. Schon damals lohnte sich hier in der Ortenau die Landwirtschaft im Vergleich zu anderem Lohnerwerb nicht mehr. Viele kleine Betriebe wirtschafteten als Nebenerwerb, bis auch sie ihre Erzeugnisse nicht mehr absetzen konnten. Die Fotografen scheinen keine Ahnung zu haben, wie viele Menschen für die Produktion von Milch mit mehreren Kühen übers Jahr nötig wären, wenn man auf Maschineneinsatz in Stall und Acker verzichten und alle Futtermittel selbst herstellen müsste. Sie sollten einmal einen Hof, der aufgeben will, pachten und ihre Ideen ausprobieren. Ob sie es besser hinbekämen als die, die vor Jahren einen solchen Versuch fernsehbegleitet starteten und scheiterten?
23.92019, Alois Lienhard, Offenburg

 

Regeln für den landwirtschaftlichen Umgang mit Umwelt und Tier
Die Zahl der Bauernhöfe ist in Deutschland von 1,5 Mio in 1964 auf 285.000 in 2014 gesunken. die Ernten haben sich seit 1970 aber verdoppelt.
Trotz dieser Konzentration ist die deutsche Landwirtschaft im internationalen Vergleich immer noch vielfältig und kleinräumig.
Die von den Grünen propagierte “Agrarwende” (bio statt konventionell, Kleinbetrieb statt Agrarindustrie) hört sich gut an, polarisiert aber nur anstatt Probleme zu lösen. Es geht um die Formulierung und Durchsetzung der richtigen Regeln für den Umgang mit Umwelt und Tier, nicht aber um Demeter oder Normalfutter, Landwirtsfamilie oder Großbetrieb.  und wir müssen bereit sein, für diese Regeln zu bezahlen.
Ein erster Schritt: Die EU möge ihre Subventionen an die Landwirte nicht mehr pro Hektar Ackerfläche ausbezahlen, sondern für nachweisbaren Tier-, Umwelt- und Artenschutz – beim Biolandbetrieb wie herkömmlich wirtschaftenden Landwirt, beim Hochgebirgsbauern wie 1000-Rinder-Hof in Mecklenburg.
1.12.2014

Landwirtschaft in Deutschland – weder sozial noch nachhaltig

Die Exportstrategie der deutschen Agrarwirtschaft unterstützt Minister Friedrich ausdrücklich. Dabei ist es weder sozial noch nachhaltig, in Brasilien zu Lasten der örtlichen Bevölkerung erst wertvolle Flächen für den Sojaanbau zu roden, dann das Soja in riesigen Mengen nach Niedersachsen zu karren, dort Millionen Tonnen Fleisch zu erzeugen, um dieses dann in alle Welt zu verschiffen. …..
Alles vom 18.1.2014 von Bernhard Walker bitte lesen auf’
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/leitartikel-weder-sozial-noch-nachhaltig–79779354.html 

 

Agrarproduktion
Der Leitartikel ist in jeder Hinsicht großartig. Man kann dem Autor nicht genug danken. So klar wird unsere vorherrschende Agrarproduktion kaum einmal an entscheidender Stelle dargestellt, so deutlich auf ihre langfristigen Gefahren aufmerksam gemacht, so eindrucksvoll auf die sich anbahnenden Möglichkeiten hingewiesen, das Ausmaß an Stickstoff im Boden, der Antibiotika in der Tiermast, der großflächigen Bodenerosionen und des Artensterbens zu vermeiden. Sobald ein Artikel wie dieser in den richtigen Stuben hängt, wird unsere Landwirtschaft sich verändern.
29.1.2014, Gunhild und Prof. Dr. Uwe Pörksen, Freiburg

 

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Dirk Maxeiner: Ernte-Dank an Jungbauern, Agrarforschern und Food-Importeure
Am 20. September 2010 erhielt der damaligen Bundespräsident Christian Wulff in der Friedrichstadtkirche im Französischen Dom zu Berlin die Erntekrone der deutschen Landwirtschaft. Ich wurde damals vom Deutschen Bauernverband gebeten, zu dieser traditionellen Erntedank-Veranstaltung eine kleine Rede zu halten. Sie hätte recht gut zu den gestrigen Demonstrationen (26.11.2019) vor dem Brandenburger Tor gepasst. Ich füge den Text deshalb hier noch einmal an:
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Sehr geehrter Herr Bundespräsident, meine Damen und Herren,
die Kirche ist heute voll. Das ist schön. Aber, wie sie wissen, eher die Ausnahme. Die neuen Kathedralen des dynamischen und aufgeklärten Stadtbewohners sind eher die Fitness-Studios. In einer säkularisierten Welt bleibt das Bedürfnis nach Seelenheil und Sinnstiftung offenbar konstant. Und so suchen sich viele Menschen eine Ersatzreligion. Davon gibt es viele, das Angebot ist groß. Der Körper- und Gesundheitskult ist nur eine davon. Ich will das hier nicht werten und auch nicht abwerten. Es führt aber dazu, dass eine Gesellschaft plötzlich vollkommen andere Anforderungen an das tägliche Brot stellt.
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An der Fitnesstheke bestellt sich der moderne Mensch einen Energydrink und ein Proteinpräparat. Und dann noch ein paar Vitaminpillen oben drauf. Ein Werbeslogan formuliert den Glaubenssatz dazu: „Für immer schlank“. Früher wurde ein Lebensmittel daran gemessen, was darin enthalten ist. Butter, Eier, Zucker oder Speck galten als wertvoll. Heute ist es genau umgekehrt. Ein Lebensmittel wird daran gemessen, was nicht drin ist. Es geht schon lange nicht mehr ums satt werden. Es geht um: Gesundheit, Fitness, Schlankheit, ewige Jugend und Schönheit, Prestige, Distinktion und Unterscheidung von der Masse. Und es geht um Wertvorstellungen und Sinnstiftung. Lebensmittel sollen umwelfreundlich und klimafreundlich sein. Und sie sollen in jeder Weise moralisch und ethisch vorbildlich produziert werden.
Das ist völlig in Ordnung. Es ist aber ziemlich viel auf einmal verlangt. Ein Landwirt hat es heute nicht leicht. Insbesondere deshalb, weil beim anspruchsvollen Endverbraucher die Einsicht in einfache Zusammenhänge oft völlig verloren gegangen ist. Dafür möchte ich ein Beispiel anführen: Eine wachsende Zahl von Menschen lehnt den Verzehr von Tieren ab und möchte sich vegetarisch ernähren. Da ist nichts dagegen zu sagen. Die gleichen Menschen fordern aber oft, dass Lebensmittel nur noch im Biolandbau angebaut werden sollen. Nun brauchen sie im Biolandbau tierischen Dünger weil mineralischer Dünger nicht erlaubt ist. Sie brauchen sogar reichlich tierischen Dünger. Keine Nutztierhaltung mehr, heißt keinen tierischen Dünger mehr und damit keinen Biolandbau mehr.
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Ich möchte diese Dinge nicht gegeneinander ausspielen, sondern als Beispiel für Zielkonflikte anführen, denen ein Landwirt heute ausgesetzt ist. Was auch immer der Bauer macht, es wird oft als falsch empfunden. Bleiben wir ganz kurz noch beim Dünger. Viele fordern aus Umweltgründen den gänzlichen Verzicht auf Mineraldünger. Ich möchte an dieser Stelle nicht darauf eingehen, ob zu recht oder unrecht. Aber eines ist klar: Ohne Kunstdünger würden die Landwirte der Welt wegen der geringeren Erträge nur etwa die Hälfte der Menschheit ernähren können. Und das ist ja nun moralisch und ethisch wirklich nicht erstrebenswert.
Wir neigen dazu, von unserer kleinen Insel der Glückseeligen die Welt zu betrachten. Und das nicht nur in Deutschland. Es sind die urbanen Eliten überall in den wohlhabenden Ländern, die den Diskurs über Lebensmittel beherrschen. Das sind meistens kluge Menschen, sie haben aber in der Regel ein völlig romantisiertes Bild vom Leben auf dem Lande. Sie wissen nicht, dass das Leben auf Opas Bauernhof alles andere als angenehm war. Ich bin in der Eifel aufgewachsen und habe mit Söhnen und Töchtern von Bauern die Schulbank gedrückt. Keiner von denen wollte den elterlichen Betrieb übernehmen, weil sie wussten, was das für ein harter Job ist. Sie sind lieber Polizist oder Lehrer geworden. Landromantik ist ein Gefühl von Städtern, die selbst niemals bereit wären, 35-Stunden Woche, Urlaub und Freizeitgestaltung gegen die harte Arbeit im Stall und auf dem Feld zu tauschen. Ich möchte hier und heute anlässlich von Erntedank deshalb mal denen danken, denen sonst nicht oder selten gedankt wird.
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1) Jungbauern: Zunächst einmal den jungen Menschen, die überhaupt bereit sind, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen. Die meistens Betriebe werden ja aufgegeben, weil sich kein Nachfolger findet. Ein Bauer muss schon ein Überzeugungstäter sein. Die Qualifikationen für diesen Beruf sind mittlerweile genauso groß wie in einem leitenden Job in einem Industriebetrieb, die Verantwortung ist meist größer. Dazu kommt gleichsam ununterbrochener Bereitschaftsdienst. Und dann muss man auch noch einen Lebenspartner finden, der bereit ist, das alles mitzumachen. Ich wünsche jungen Bauern deshalb, dass es Ihnen gelingt, ein modernes Wirtschafts-Unternehmen aufzubauen, wie das vielfach ja schon geschehen ist. Werden Sie erfolgreiche Unternehmer, das ist das Nachhaltigste, was sie tun können.
2) Agrar-Forschung: Die zweite Gruppe, der ich danken möchte, sind die vielen Techniker, Ingenieure, Wissenschaftler und Forscher, die mit immer neuen Methoden und Ideen helfen, die Erträge zu steigern. Die Erde steuert in diesem Jahrhundert auf zehn Milliarden Menschen zu. Mehr Ackerland haben wir nicht, sonst müssten wir die letzten Naturgebiete zerstören. Wer die Menschheit also auch in Zukunft ernähren will, muss auf der gleichen Fläche beinahe doppelt so viele Lebensmittel anbauen wie heute. Das ist eine ganz einfache Rechnung.
Und deshalb sollten wir zunächst einmal über alle Ideen und Lösungsansätze froh sein, egal ob bio, konventionell oder unkonventionell. Es wird nicht ohne Intensivierung gehen. Das ist aber bei uns ein böses Wort. Und diejenigen, die daran arbeiten, werden als Giftmischer oder Frankensteins bezichtigt. Auch das zeugt von großem Unwissen.
Die Natur ist keine freundliche, friedfertige Mutter. Sie hat Klauen und Zähne. Durch Ratten übertragene Krankheiten haben mehr Menschen dahin gerafft als Kriege und Revolutionen. Mutterkorn im Getreide hat ganze Landstriche entvölkert. Die biblischen Plagen sind ja nicht erledigt. Schädlinge vernichten heute noch große Teile der Ernte in vielen Regionen. Würden die Bauern wirklich auf Pestizide verzichten, müssten wegen der geringeren Erträge viele Millionen Menschen verhungern. Natürlich müssen wir mit solchen Mitteln verantwortungsbewusst umgehen. Aber eines ist klar: Die Risiken ihrer Anwendung sind sehr, sehr viel geringer als das Risiko ihrer Nicht-Anwendung. Diese beiden Dinge müssen immer gegeneinander abgewogen werden, wenn man zu einer rationalen Entscheidung kommen will.
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3) Verbraucher: Und nun möchte ich noch einer dritten Gruppe danken, die sie vielleicht überraschen wird. Ich möchte denjenigen Verbrauchern danken, die ab und zu Bohnen aus Kenia und Äpfel aus Südafrika kaufen. Es fehlt ja nicht an Appellen, Lebensmittel nur noch aus der Region zu beziehen. Das ist häufig auch vernünftig. Aber häufig ist es auch nicht richtig.
Erstens kann die Energiebilanz durchaus für von weit her transportierte Ware sprechen, wenn sie unter klimatisch günstigeren Bedingungen oder mit effizienteren Methoden erzeugt wird.
Zweitens, und das ist ein noch viel wichtigeres Argument, sind landwirtschaftliche Produkte oft das einzige, was Entwicklungsländer exportieren können. Ich habe gerade mit einer Journalistengruppe eine Kooperative ehemaliger Wanderarbeiter in der Nähe des südafrikanischen Port Elizabeth besucht. Sie haben sich dort eine kleine Farm aufgebaut, die immerhin 200 bis 300 Personen Arbeit gibt. Und sie suchen händeringend nach Möglichkeiten, ihre Ware in Europa zu verkaufen. Es war beinahe rührend, wie sie uns um Kontakte baten, die ihnen mit ihrer Ware Zugang zu unseren Lebensmittel-Geschäften und Supermärkten verschaffen könnten.
Wollen wir denen jetzt sagen: „Geht leider aus ökologischen Gründen nicht. Wir wollen euer Zeugs nicht. Es kommt von zu weit her.“ Das hieße konkret, ihnen die Entwicklungsmöglichkeiten zu rauben. Kann das richtig sein? Und dies ausgerechnet von einem Land, das sich Export-Weltmeister nennt?
Zum Schluss möchte ich daher dem lieben Gott danken für die Fähigkeit, die er uns gegeben hat, um uns selbst zu helfen. Mehr angewandte Vernunft und weniger Ideologie und Dogmatismus wäre der schönste Ernte-Dank, dem man ihm erweisen könnte.
20. September 2010 , Dirk Maxeiner,
Rede bem Deutschen Bauernverband
Anmerkung Anno 2019: Bundespräsident Christian Wulff war „not amused“ über diese Rede. Man müsse mit solchen „Provokationen“ vorsichtig sein.
… Alles vom 27.11.2019 von Dirk Maxeiner bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/mit_seiner_wut_ist_der_bauer_nicht_allein
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Einige Kommentare:
Eine bessere Rede zu diesem Thema habe ich bisher noch nicht gehört oder gelesen.
Sie erklärt alle Zusammenhänge und bringt die Probleme auf den Punkt. Ihre Argumentation ist sachlich und hält jeder Überprüfung stand. Kurzum: Sie steht im krassen Widerspruch zur grünen Ideologie und Klimareligion und ist daher eindeutig – „räächts“. Über die Zukunft des „rechten“ Autors unter einem grünen Kanzler muss ich nicht spekulieren – ein Blick in die 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts zeigt, wohin die Reise geht.
27.11.2019, G.B., AO
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Es reicht! Ihr Beitrag ist noch viel zu nett.
Ich komme aus dem ländlichen Bereich und bin selbst noch, im Rahmen der Traditionspflege, in der genossenschaftlichen Holzwirtschaft tätig. Wir forsten wieder auf, was wir an Holz der Natur entnommen haben und ich bewirtschafte zudem noch ein Kartoffelfeld. Kaum einer von den selbsternannten Naturschützern, Öko-Aktivisten, Klimaschützern und sonstigen Traumtänzern wäre überhaupt in der Lage dazu, ohne die Agrarindustrie und die großen Bauern, auch nur ein paar Wochen zu überleben. Der moderne, verzogene und wohlstandsverwahrloste Stadtmensch lässt sich in einem Bio-Markt irgendwelchen Hirsemist in den Jutebeutel abfüllen und lässt sich dabei einen Heiligenschein wachsen. Eine kleine Gruppe von hippen Stadtmenschen kann man mit Bio-Bauernhöfen, Öko-Märkten und anderen Nieschenfüllern ernähren, aber nicht über 80 Millionen Menschen. Dazu braucht es konventionelle Landwirtschaft. Die hiesigen Bauern sind das Herzstück der Lebensmittelproduktion und sollten als solches auch wertgeschäftzt werden. Ein einziger Bauer ist tausend mal produktiver und wertvoller für diese Gesellschaft als ein ganzer Sack voller Gesellschaftsklempner , Genderwissenschaftler, Klimaphantasten oder sogenannter Volksvertreter. Dem Wahren und Guten und Schönen sollte unsere Aufmerksamkeit gehören und nicht den Hassprdigern irgendwelcher Öko-Sekten, Weltuntergangsapologeten oder machtgeilen Politikern! Ich bin mir bewusst darüber, dass auch in der Agrarwirtschaft nicht alles in Ordnung ist. Teilweise beschämende Zustände in der Massentierhaltung, Antibiotikamissbrach und Überdüngung der Felder, müssen als Probleme benannt und behoben werden, aber unserer Agrarwirtschaft steht dennoch für das Leben und den den Erhalt der Natur und verdient somit unserern Respekt.
27.11.2019, P.D., AO
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Die politische Agenda der Altparteienlandschaft hat sich zu einer Kampfansage GEGEN das eigene Volk entwickelt.
Wie weit sich Politik vom Bürger entfernte verdeutlichen die Bauernproteste in Ergänzung mit deren medialer Darstellung samt Politikerstatements. Gruselig! Ihre ‘kleine Rede’ Herr Maxeimer, ist ganz GROßE KLASSE!!! Ich kann mir direkt Wulffs indigniert-‘appeasigen’ Gesichtsausdruck während Ihres Vortrags vorstellen. Der LINKE Geist der Volksverknechtung verbreitet sich dank Internet und ‘Global-Playern’ wie Soros und Gore in der gesamten westlichen Hemisphäre. Eine Schweizer Schule streicht aus ihren Weihnachtsgesängen alle Lieder mit ‘christlicher’ Botschaft. Der Präsident und Koordinator der Schweizer Muslime bedauert, “wenn in einem christlichen Land, keine christlichen Lieder mehr gesungen werden.” Man muß annehmen, daß sowohl das Klima als auch der Muslim MITTEL ZUM ZWECK sind. Der Zweck ist die gesellschaftliche Transformation, chinesische Verhältnisse mit einer neuen Führungsspitze, die ihren persönlichen Profit undemokratisch aus der Arbeitskraft der Bevölkerung herauspreßt mittels einer werbestrategisch konzipierten Geschichte vom bevorstehenden Weltuntergang und den Armen und Geschlagenen der Welt, deren Rettung nur durch UNSER GELD stattfinden kann. Einstecken werden es aber ganz andere!
27.11.2019, S.SCH
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Eine tolle Rede, die Sie da formuliert haben Herr Maxeiner.
Nüchtern, sachlich und (länger) gültig wesentliches Zusammengetragen. Genau da fehlt es den Politikern, am empathischen Verstehen. Dinge ansehen und für gut befinden, die andere machen, ohne sich einmischen zu müssen. Das Menschen Dinge freiwillig und wenn fremdbestimmt nur machen wollen, wenn äußere Umstände es erfordern, ist Ihnen fremd. Ihr Drang im Mittelpunkt stehen zu wollen und persönlich Reputationsgewinne künstlich abzugreifen, einfach nur krank. Ihre Rede finde ich so gut, dass ich behaupte, sie hätte eigentlich von einem Bundespräsidenten gehalten werden müssen. Provokant? Sehe ich total umgekehrt. Wie Politiker die Bevölkerung sehen, wissen wir ……………(Joachim Gauck). Daher hoffe ich, dass die Bauern sich durchsetzen. Nun will ich mal die von Wulff gehaltene Rede auf krankhaft narzisstische Inhalte prüfen…….
27.11.2019, U.U.
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Christian Wulff not amused?
Ein Ritterschlag und heute weiß man, wie Recht Sie hatten und haben, Herr Maxeiner! Houllebecq’s Held in seinem letzten Roman “Serotonin” arbeitete im Landwirtschaftsministerium und unterstütze später die Proteste der Bauern. Zuerst sterben die Bauern durch die linksgrün globalisierte Kirche, und dann wir alle. Bauern sind hart ringende kreative Unternehmer, die mehr als andere den Irrsinn der grünen, sozialistischen Scheuklappen spüren, dieser Seismograph treibt einen weiteren Keil in die aktuellen politischen Kasten, von dem niemand sagen kann, er sei Nazi. Wenn ich Merkel und AKK wäre, würde ich die Traktoren als Räumkommando sehen. Dem Bauern ist genug, wenn er von Bauern Ehre genießt, sie sind unabhängiger, bodenständiger und vernunftbegabter als die meisten Beamten und Lobbyisten in Berlin. Luther konnte sie damals noch im Zaum halten und niederschlagen, ich hoffe, dass sie auch weiter in Berlin den Mist abladen, den Merkel und die Grüne Endzeitsekte angerichtet haben. Dabei stelle ich mir auch vor, wie ein geerdeter Bauer mit Ralph Stegner redet. Den ganzen Niedergang dieser Partei erkennt man in diesem fiktiven Bild. Wobei es dieser Partei nicht schaden würde, wenn sie mal wieder aufs Feld der Tatsachen ginge. Da sie es nicht macht, kommt das Feld jetzt nach Berlin. Gut so, weiter so!
27.11.2019, D.H., AO

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