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Blick im Eggenertal über Schallsingen zum Hochblauen am 1.4.2015

  • Soja mit Fruchtfolge gegen Vermaisung und Monokulturen (16.9.2016)
  • Landschaft als wert – Die Chinesen entdecken (noch?) unsere kleinteilige und idyllische Landschaft  (6.4.2015)
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Soja mit Fruchtfolge gegen Vermaisung und Monokulturen
Monokulturen und Vermaisung incl. zunehmender Einsatz von Pestiziden prägen die Landschaft im Oberrheintal bzw. Breisgau. Ist der Sojaanbau ein Ausweg?
Hochwertiger Eiweißlieferant (3-fach Lupinen), Genügsamkeit (halb so viel Phospor wie Getreide), Knöllchenbakterien (holen Stickstoff aus der Luft) und Pfahlwurzler (lockert Boden für Fruchtfolge).
Bauer Bernd Hug vom Baldenweger Hof bei Stegen erntet heuer im Dreisamtal Soja auf vier Feldern – und im nächsten Jahr werden es sicher mehr Sojafelder sein. Lesen Sie mehr hier.
16.9.2016

 

Landschaft als Wert – Die Chinesen entdecken (noch?) unsere kleinteilige und idyllische Landschaft 
Immer mehr Chinesen kommen aus dem abgeholzten und smogverseuchten Land der Sonne nach Deutschland. Weniger wegen Kultur, Kirchen, Industriebauten und Städten, sondern wegen der abwechslungsreichen und idyllischen Landschaft. Das gemäßigte Klima Mitteleuropas ist weltweit einmalig, es begünstigt die friedliche Koexistenz so vieler Arten und versöhnt das zum Glück extreme Auf und Ab der Jahreszeiten wie kaum irgendwo auf der Welt. Dies wissen die Chinesen zu schätzen, wenn sie in Deutschland nach mythischen Orten in der Landschaft suchen, von denen ihnen die Lyrik Eichendorffs und Goethe erzählt hat. Doch wir sind dabei, diese Idylle in der Landschaft zu zerstören bzw. auf 10% Flächenanteil mit vernetzten Biotopen bzw. Biosphärengebieten zu reduzieren. Dabei ist die Lage durchaus dramatisch: Wenn irgendwann die Automobilbranche, die immerhin bis zu 60% zum deutschen industriellen Exportüberschuss beitragen, weggebrochen ist, dann bleibt nur noch unsere Landschaft. Doch ist diese Landschaft  dann überhaupt noch für Touristen attraktiv? Wo sind dann die Matten, Bäche, Laubbäume, Hecken, Weiden, Waldraine, Verstecke, Tümpel, Moore, Steinwälle, Unterschlüpfe, Geröllhaden, Streuobstwiesen, Pfade, Dickichte, Tümpel, Nischen, Inseln, Böschungen, Knicks, Berghänge, Lichtungen, Hecken, … ? Wo ist das Unübersichtliche, Liebliche, Urige, Kontrastreiche, Abwechslungsreiche, langsam Gewachsene, Dunkle, Verschlungene, Krumme, Auf und Ab, Offene, Kleinteilige, …?

Im 18. Jahrhundert entdeckte die deutsche Empfindsamkeit die Natur, die vielgestaltige Landschaft.
Die Industrialisierung ignorierte Flora und Fauna als unverzichtbare Bedingungen für den ökologischen Kreislauf, Landschaft reduzierte sich zu Industrielandschaft.
Dass die Grünen als Fürsprecher von Natur und Landschaft starteten, mag man kaum noch glauben, denn heute wird Ökologie der Energie untergeordnet.

Nach dem 2.Weltkrieg wurden im Westen die Alleen begradigt und die Alleenbäume gefällt, nach der Wende war der Osten dran. Rast heute ein Motorradfahrer an einen damals in der zweiten Reihe nachgepflanzten Strassenbaum, dann ist gemäß RPS (Richtlinie für den passiven Schutz an Straßen) der Baum daran schuld und als “nicht verformbares punktuelles Einzelhindernis” zu fällen.
http://www.dnr.de/downloads/richtlinie-fuer-passenden-schutz-an-straen-_-b.pdf

Nachhaltigkeit hat im Wald wenig zu suchen, Nachwachsen braucht zu viel Zeit: Eichen und Linden werden 900 Jahre alt, Kastanien 400 Jahre, Buchen 350 Jahre und Fichten 300 Jahre alt. Deswegen sind bei Neuanpflanzungen zu gerne schnellwachsende Pappeln und Akazien zu finden – die Bioenergiebranche fordert es für Pellets, Hackschnitzel und Stückholz.

Flora und Fauna haben keine demokratischen Rechte? Stromtrassen, Windräderparks und Pumpspeicher haben Vorrang. Die ‘deutsche Landschaftsidylle’ wird nicht als Wert begriffen. Ein Flug von Berlin nach München verrät es: Monoton geometrische, großflächige Felder beherrschen das Landschafts-“Bild?”, sie grenzen dicht an dicht, damit die großen Maschinen der Agrarindustrie bequem arbeiten können. Vor lauter Mais und Biomasse ist kein Platz für die Feldlerchen mehr, und den Feldhasen und die Bienen.
6.4.2015

Idyll – Vernichtung der Landschaft
Wenn die Landschaft heute nicht mehr so aussieht wie auf den Bildern von Caspar David Friedrich, so ist das ein Wandel wie in Zeitungsdruckereien oder in den Schreibzimmern der ‘armen Poeten’. Man kann tropfende Dächer, unbeheizbare Räume und stinkende Klohäuschen idyllisch finden, aber die, die in der Idylle arbeiten müssen, tun das nicht. Die Ansicht von verwöhnten Edelfräuleins mit Kunstwissen und zeitgeschulter Ideologie hilft nicht gegen katastrophale Lebens- und Arbeitsbedingungen für Mensch und Vieh. Was für die einen verlorenes Idyll ist, is für die anderen ein Stück errungener Lebensqualität. Wem nützt eine maschinengerechte Flur? Es gab nie eine Wahl zwischen Idyll und Vernichtung der Landschaft. Wäre die Landschaft nicht der Technik angepasst worden, hätte der Wald davon Besitz ergriffen, wie von einer Zeitungsdruckerei, die dem idyllischen Bleisatz hätte huldigen wollen.”
Georg Heckl, Hannover, Die Zeit, 16.4.2015, zu: Ingeborg Harms “Alles abgeräumt”, Zeit 14/2015

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