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Mohnfeld auf der Baar östlich vom Hochschwarzwald am 1.8.2014

Mohnfeld auf der Baar östlich vom Hochschwarzwald am 1.8.2014

 

CO2, Klimarettung, Physiologie der Pflanzen, Rubisco, Photosynthese
„CO2 ist ein Segen für die Menschheit“
Umweltschutz ja – aber ohne hysterische Schüler, panische Politik und unwissenschaftliche Horrorszenarien des Weltklimarats. Das fordert der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera, denn die meisten „Klimaschützer“ verstünden nicht einmal die Bedeutung des Kohlendioxids
Interview von Moritz Schwarz

Herr Professor Kutschera, laut Studien sind sich 97 beziehungsweise 99 Prozent der Wissenschaftler einig, der Klimawandel sei menschengemacht. Weshalb stellen Sie sich dagegen?
Ulrich Kutschera: Das ist ein Mythos: 97 Prozent wurde 2013 vom australischen Kognitionswissenschaftler John Cook in die Welt gesetzt und 99 Prozent 2016 vom US-Geologen James Powell. Doch stellte sich heraus, daß die Aussagen nicht haltbar sind, wie David R. Legates und Mitarbeiter in Science et Education, Band 24, 2015, und Andrew Skuce auf www.skepticalscience.com vom 12. April 2016 belegt haben.
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Wie lautet Ihr Haupteinwand?
Kutschera: Cook und Powell haben eine willkürliche Zahl Klima-Publikationen nach fragwürdigen Kriterien ausgewertet und sogar Studien positiv interpretiert, in denen ihre Fragestellung nicht klar beantwortet wurde. Bestenfalls kann aus diesen Analysen geschlußfolgert werden, daß seit dem Jahr 1900 eine geringe globale Erderwärmung von circa 0,8 Grad Celsius gemessen wurde und ein menschlicher Einfluß sehr wahrscheinlich ist. Dieser These einer Zunahme der Lufttemperatur (nach Ende der Kleinen Eiszeit) stimme ich zu.

Sie haben im September auf einer Expertentagung in Berlin die „European Climate Declaration“ mitunterzeichnet, laut der es keinen Klima-Notstand gibt. Warum?
Kutschera: Ich wurde von Fachkollegen dazu aufgefordert. Obwohl ich nicht mit allen Punkten einverstanden bin, halte ich es dennoch für wichtig, daß endlich eine hoffentlich politisch neutrale professionelle Aufklärungsinitiative entsteht. Ich bezeichne mich als „Klimawandel-Realist“ und lehne beide Extreme ab: sowohl die „Klima-Alarmisten“, die einen fiktiven, baldigen „Erd-Hitzetod“ vorhersagen und so eine Art religiösen Kult betreiben, wie auch die sogenannten „Klima-Leugner“, die gar keine Umweltprobleme sehen.

Inwiefern sind Sie als Biologe beim Thema Klima überhaupt kompetent? Muß man dazu nicht mindestens Physiker sein?
Kutschera: Ich habe Biologie und Chemie (mit Nebenfach Musikwissenschaft) studiert und mich dann in den USA auf dem Gebiet der Biophysik des Zellwachstums (und Photosynthese-Forschung) qualifiziert. Da das Klima der Erdregionen maßgeblich von den Pflanzen bestimmt wird und die Physiologie der Gewächse auf physikalisch-chemischen Grundlagen basiert, fühle ich mich kompetent genug.

In Ihrem Buch „Das Gender-Paradoxon“ betonen Sie, wie wichtig die Definition von Begriffen ist. Wie definieren Sie Klima?
Kutschera: Kurz gesagt, „Klima“ bedeutet die Langzeitstatistik des Wetters – bezogen auf die vergangenen dreißig Jahre. Hierbei werden wesentliche Klimaelemente erfaßt und in Form einer abstrakten statistischen Größe wiedergegeben. Das „Klima“ kann man somit weder „leugnen“ noch „retten“ und auch nicht „schützen“. Es hat sich von Beginn an gewandelt, sprich der permanente Wechsel dieser statistischen Langzeitgröße ist eine Tatsache – wie etwa die Erdrotation oder die Evolution.

Kohlendioxid (CO2) wird in der Debatte meist als Schadstoff, als eine Art Klimakiller, beschrieben. In Ihrem Lehrbuch „Physiologie der Pflanzen“ betonen Sie, daß es allerdings der Grundnährstoff aller Pflanzen ist – ein Widerspruch?
Kutschera: Da in Deutschland leider eine pseudowissenschaftliche Pflanzen-Esoterik um sich greift – denken Sie an Bestseller wie „Das geheime Leben der Bäume“ – habe ich darin die Grundlagen der wissenschaftlichen Denk- und Arbeitsweise erklärt.
Und wie in meinem Buch dargelegt, sind Pflanzen unsere „lebenden Sonnenkraftwerke und Treibhausgas-Entsorger“. Das sogenannte Grünzeug steht somit im Zentrum jeder rationalen Klimadebatte. Da Pflanzen also CO2 als Grundnahrungsmittel benötigen, gäbe es ohne dieses Spurengas kein Leben auf der Erde.

Daß Pflanzen mit dem aufgenommenen CO2 Sauerstoff erzeugen, lernt man in der Schule. Warum aber wird das in der Debatte von den meisten Medien, Experten und Politikern ignoriert?
Kutschera: Der deutsche Biologe Julius Sachs – er lebte von 1832 bis 1897 – ist als Begründer der Pflanzenphysiologie weltbekannt. 1865 belegte er, daß grüne Pflanzen im Licht nur unter Zufuhr von CO2 in der Lage sind, unseren lebenserhaltenden Luft-Sauerstoff freizusetzen. Daher ist die Wissenschaftsdisziplin Pflanzenphysiologie von zentraler Bedeutung und CO2 somit ein Segen für die Menschheit! Seit etwa 1850 stieg der CO2-Gehalt von damals 0,028 Volumenprozent der Luft (280 ppm) auf heute 0,041 Volumenprozent (410 ppm) an. Das hat zur Erhöhung der globalen Photosynthese geführt – die Erde wurde durch uns Menschen also grüner!
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Warum hört man darüber kaum etwas in den Medien?
Kutschera: Weil die Klima-Debatte ein Politikum ist. Sie wird vom IPCC, dem Intergovernmental Panel on Climate Change, auch Weltklimarat genannt, dominiert, in dem leider nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Politiker und Medienleute aktiv sind. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die den „Dogmen“ des IPCC widersprechen, werden auf subtile Art und Weise bekämpft. Als Visiting Scientist in Stanford könnte ich Ihnen da erstaunliche Dinge berichten …

Bitte tun Sie das!
Kutschera: Das würde den Rahmen sprengen und wäre ein Thema für ein separates Interview. Mehr dazu wird 2020 in meinem neuen Buch zur Replacement-Migration und Klimahysterie nachzulesen sein.

Was genau sind eigentlich Treibhausgase und warum ist diesbezüglich das CO2 in den Debatten so prominent?
Kutschera: Auch das erkläre ich in „Physiologie der Pflanzen“: Wasserdampf, CO2, Methan und Ozon sind die vier wichtigsten gasförmigen Luft-Komponenten, die den natürlichen Treibhauseffekt verursachen. Denn ohne CO2 gäbe es keine Absorption der Infrarot-Strahlung – und eine exakte Quantifizierung der Photosynthese-Rate mit Hilfe von Infrarot-Gasanalysatoren wäre unmöglich. Da das CO2-Niveau – wie oben dargelegt und bedingt durch Verbrennung fossiler Energieträger – weltweit ansteigt, steht dieses als eines der vier Treibhausgase zu Recht im Zentrum der Diskussion. Und übrigens auch ich meine, daß eine Begrenzung der CO2-Emissionen vorgenommen werden sollte! Dennoch wird die Diskussion aber völlig einseitig geführt. Und die geplante, unsinnige CO2-Steuer ist eigentlich eine Art neue „Lebensmittel-Sonderabgabe“ an den Staat.

Welche Fakten und Befunde werden in der Debatte nicht angemessen berücksichtigt?
Kutschera: Um die Bedeutung des vom Menschen in die Atmosphäre gebrachten – also des anthropogenen – CO2 für die Umwelt einschätzen zu können, ist es unabdingbar, den sogenannten terrestrischen Kohlenstoff-Kreislauf zu kennen. Für alle, die es genau wissen wollen: Ich habe mir in „Physiologie der Pflanzen“ die große Mühe gemacht, diesen zentralen Befund auf aktuellem Niveau in grafischer Form darzustellen, wofür ich unzählige Fachpublikationen ausgewertet habe. Kurz: Jedes einzelne CO2-Molekül wird über ein Enzym (das chloroplastidäre Schlüsselenzym der Photosynthese, nämlich Ribulose-1,5-bisphosphat-Carboxylase/Oxygenase, kurz: Rubisco) in die pflanzliche Biomasse eingeschleust. Die „Antriebsenergie“ für diesen Vorgang liefert das Licht. Weitere Prozesse der Pflanzen sind die (mitochondriale) Zellatmung sowie die (mikrobielle) Boden-Atmung. Durch diese beiden Atmungsvorgänge wird ein Großteil des von den Pflanzen assimilierten CO2 in die Atmosphäre rückgeführt.

Sprich: Erst nehmen sie – durch das Enzym Rubisco – CO2 auf und dann „hauchen“ sie, durch Zell- und Boden-Atmung, das Spurengas wieder aus?
Kutschera: Ja, und dieser natürliche Kohlenstoff-Kreislauf wird durch das zusätzliche anthropogene CO2 derart verändert, daß derzeit etwa ein Drittel des von uns in die Luft gebrachten CO2 von den Pflanzen konsumiert wird, was ihr Wachstum steigert. Folge: Begrünung der Erde durch den Menschen, inklusive höhere Ernte-Erträge – wovon übrigens weltweit die Landwirtschaft profitiert – also vor allem arme Länder, die in viel höherem Maße von Ackerbau-Produkten abhängen als wir.

Wo liegt nun das Problem?
Kutschera: Leider reicht diese lichtgetriebene globale Photosynthese nicht aus, um unser „Extra-Anthro“-CO2 zu binden. Daher wäre vertiefte Erforschung der Photosynthese mit dem Ziel einer technischen Anwendung dieses sonnengetriebenen Prozesses zur CO2-neutralen Energiegewinnung sehr wichtig!

Stattdessen debattieren wir Klimamodelle und Vorhersagen von IPCC-Wissenschaftlern. Warum halten Sie nichts davon?
Kutschera: Zum Glück haben sich diese Zukunftsvorhersagen in den meisten Fällen als falsche oder übertriebene Horror-Szenarien erwiesen. Denn das „Klima“ – also der statistische Wert über das Wetter der letzten dreißig Jahre – hängt von zahlreichen Faktoren ab, weshalb Langzeitprognosen mit einer großen Fehlerquote behaftet sind. Wie in „Physiologie der Pflanzen“ dargelegt, ist in der Tat ein Stopp aller Pflanzenvernichtung, kombiniert mit Aufforstungsprogrammen, geboten, um diese künstliche CO2-Düngung der Vegetation – die leider auch negative Langzeitkonsequenzen mit sich bringt, zu reduzieren. Das aber bitte ohne Panik und Hysterie, wie sie derzeit von zahlreichen Wissenschaftlern im Fachjournal BioScience als „Klimanotstand“ verbreitet wird, etwa von William J. Ripple in der November-Ausgabe 2019.
Die besorgten Kollegen berufen sich auf Meßergebnisse ab 1980. Aber durch Weglassen der enormen Schwankungen seit etwa 1800 entsteht ein falsches Bild der Realität. Und noch ein Punkt: Pflanzen besitzen Stammzellen und können daher kaum komplett vernichtet werden. Sie verfügen über ein enormes Regenerationsvermögen und begrünen kahlgeschlagene Gebiete über Sproßneubildungen.

Was ist also Ihrer Ansicht nach von der „Fridays for Future“-Bewegung zu halten?
Kutschera: Da ich seit meiner frühen Jugend im Naturschutz aktiv bin – Bau von Tümpeln etc. – bewerte ich die Bewegung grundsätzlich positiv. Ich befürchte aber, daß über 97 Prozent ihrer Aktivisten weder den Begriff „Klima“ definieren können, noch den Kohlenstoff-Kreislauf beziehungsweise die Funktion des Rubisco-Enzyms verstanden haben und daher rein politisch agieren. Da der irrationale Klima-Kult zunimmt, plädiere ich für eine „Fridays for Plant Physiology“-Agenda, also für eine „Freitage für Pflanzen-Physiologie“-Bewegung.

Kann Deutschland denn etwas zur „Klimarettung“ tun?
Kutschera: Deutschland kann mit einem Anteil von etwa 2,2 Prozent an der weltweiten CO2-Emission so gut wie nichts am wahrscheinlich anthropogenen Anteil der natürlichen Klimaveränderung ändern. Der Aufbau künstlicher Photosynthese-Systeme hingegen – das wäre einem „Wissenschaftsstandort“, der wir ja sein wollen, angemessen! Gerne auch in Zusammenarbeit mit legal eingewanderten, hochqualifizierten Biologen aus Japan, China etc.

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden sind Sie mit Ihrer Kritik am Gender-Mainstreaming. Weshalb beschäftigen Sie sich nun auch mit dem Thema Klima?
Kutschera: Mein Buch „Physiologie der Pflanzen“ ist den Leistungen Julius Sachs’, dieses deutschen Superstars der Biowissenschaften, verpflichtet. Und wie darin dargelegt, hat Sachs nicht nur die Sexualbiologie begründet, sondern war auch Pionier der Photosynthese-Forschung. Daher habe ich, basierend auf meinen eigenen Forschungsarbeiten in Stanford/USA, beide Themen in diesem umfassenden Werk dargestellt.
Die Pflanzen sind es, die über die Transpiration der Blätter zu siebzig Prozent den Wasserfluß durch die Biosphäre bestimmen – Stichworte: Wasserdampf und Wolkenbildung. Sie (die Pflanzen) sind also der zentrale „Klima-Regulator“ der Erde. Man muß die Biowissenschaften als Ganzes überblicken und erkennen, daß diese Lehrinhalte ein zusammenhängendes Erkenntnis-Netzwerk bilden, um mitreden und für die anstehenden Probleme vernünftige Lösungen erarbeiten zu können.
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29.11.2019, Ulrich Kutschera, JF 49/19, Seite 3, http://www.jungefreiheit.de
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Prof. Dr. Ulrich Kutschera,
ist ein in Deutschland und den USA tätiger Evolutionsbiologe und Physiologe. Der Autor von über dreihundert wissenschaftlichen Publikationen und zwölf Büchern ist bei ResearchGate – dem sogenannten „Facebook der Wissenschaft“ – in der Spitzenkategorie aller Naturwissenschaftler weltweit gelistet.
Bekannt wurde er unter anderem durch sein Buch „Das Gender-Paradoxon“ (2016).
Sein umfassendes Lehrbuch „Physiologie der Pflanzen. Sensible Gewächse in Aktion“ erschien 2019 und für 2020 ist „Migrationsmanie und Klimahysterie“ angekündigt.
Geboren wurde Ulrich Kutschera 1955 in Freiburg im Breisgau.

http://www.evolutionsbio-logen.de

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