Ausgleichsflaeche

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Winter an der renaturierten Dreisam bei Freiburg am 31.1.2015

Winter an der renaturierten Dreisam bei Freiburg am 31.1.2015

 

Jeder Fläche im Ausgleichsflächenpool von Freiburg hat ein Ökokonto
Freiburg wächst. Es wird zunehmend schwierig, Flächen für Neubauten zu finden. Noch schwieriger ist es, Flächen für die sog. Ausgleichsmaßnahmen bereitzustellen, denn ein Neubau stellt einen Eingriff in die Natur das, und laut Gesetz muß dieser durch eine ökologische Kompensation in der Nachbarschaft oder sonstwo kompensiert werden. Hinter diesem Zwang zu Ausgleichsflächen steht also ein ‘Verschlechterungsverbot': Wird durch den Bau einer neuen Strasse eine bisherige Wiesenfläche versiegelt, dann muß irgendwo aus einem zuasphaltierten Platz eine Wiese geschaffen werden.
a) Aber nur bei einem geschützten Natur-Biotop gilt der 1-zu-1-Ersatz: Für ein zerstörtes Moor muß ein neues Sumpfgebiet entstehen.
b) Sonst kann die Aufwertung auch schutzübergreifend hergestellt werden: Anstelle des Moors kann ein Gewässer renaturiert, ein Monokultur-Fichtenwald in einen wertvolleren Mischwald oder ein  Maisfeld in einen Magerrasen gewandelt werden.
c) Oft ist es unmöglich, zum Zeitpunkt des Bauvorhabens eine Ausgleichsfläche zu schaffen. Über ein Ökokonto lassen sich Eingriff in die Natur und Ausgleichsmaßnahme zeitlich entkoppeln: Man schafft Ausgleichsflächen im voraus bzw. “auf Halde”. Dazu richtete die Stadt Freiburg im Jahr 2006 einen Ausgleichsflächenpool ein, der alle Böden ausweist, die sich als Ausgleichsflächen eignen. Jede Bodenparzelle hat ein Ökokonto mit dem Verweis auf ‘verbraucht für ….’ bzw. ‘frei auf Halde’. Beispiel: Große Flächen in Waltershofen am Tuniberg dienen als Ausgleichsflächen für das Neubaugebiet Gutleutmatten in Haslach, in dem Schrebergärten zu Strassen und Häuser werden. Der 900 m Streifen der Dreisam zwischen SC-Stadion und Sandfang im Freiburger Osten erzielte Punkte, die zur Kompensation der beiden Zusatzgleise der Rheintallbahn gebraucht werden.

Der vorgezogene Ausgleich birgt auch Probleme: Ökologische Aufwertungsprojekte müssen im voraus bezahlt werden und der spätere Verursacher eines Eingriffs wird zur Kasse gebeten. Bei Werteausgleich bzw. Kosten gibt es oftmals Probleme mit den jeweiligen Bauherren. Je wertvoller aus Naturschutzsicht eine zu bebauende Fläche ist, desto teurer die Ausgleichsmaßnahme. Dabei geht man im Ökokonto nach einem Punktesystem vor: Eine Streuobstwiese erhält viel mehr Punkte als eine Heuwiese.

Die Klagen der Stadt Freiburg über Mangel an Ausgleichsflächen gehören zum Geschäft, sind eigentlich unberechtigt,  wie ein Vergleich z.B. mit München zeigt. In Freiburg mit 150 qkm Gemarkungsfläche und 220.000 Einwohner kommen 1.440 auf einen qkm, in München mit  310 qkm und 1.400.000 Einwohnern sind es satte 4.530 Münchner je qkm.

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