Mund-Art Literatur-Werkstatt

28. Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt vom 18. bis 20. März 2016 in Weil, Schopfheim, Basel. Erste öffentliche Lesung ist schon traditionell am Freitag, 20h00 im Stapflehus in Altweil. Nach der Werkstattarbeit in der Stadtbibliothek Schopfheim am Samstag zum Thema „Sprache-Fluchtpunkt-Sprache“ und dem Empfang beim Bürgermeister ist abends um 20h00 der Auftritt in Sankt Agathen, Schopfheim-Fahrnau. Ebenso treten die Autorinnen und Autoren wieder am Sonntag, 11h00, in der Bibliothek der „Allgemeinen Lesegesellschaft Basel“, direkt neben dem Münster, auf. Es wird eine äußerst spannende Mischung von Dialekten zu hören sein, wenn zum Beispiel Heiko Gauert aus Damp mit seinem nordniedersächsischen Plattdüütsch auf die junge Basler Liedermacherin Jacqueline Schlegel oder den aus den Vogesen stammenden Elsässer Pierre Kretz trifft.

Folgende Mundartautorinnen und –autoren sind diesmal dabei:
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Max Faistauer
geboren 1934 in Lofer, Österreich, war Lehrer von Beruf. Bereits als Junglehrer ab 1954 veröffentlichte er Sachtexte, Gedichte und Erzählungen. Ab 1960 beschäftigte er sich verstärkt mit Mundartliteratur, erste Veröffentlichungen im Dialekt folgten. Bald hatte er viele Lesungen im Radio und Fernsehen, in vielen Orten Salzburgs, in allen Bundesländern Österreichs und in Bayern. Seit 1955 ist er in der Erwachsenenbildung tätig als Referent und Veranstalter. Er ist Mitbegründer und Mitarbeiter im Arbeitskreis “Regionale Sprache und Literatur” und war von 1996 bis 2012 dessen Leiter. Ebenso steht er einer freien Arbeitsgruppe Pinzgauer Mundartautoren vor und gibt Fortbildungsseminare für Mundartautoren und leitet Mundartschreibwerkstätten in Salzburger Schulen. Von 1995 bis 2005 war er Herausgeber des Salzburger Bauernkalenders. Bisher sind von ihm fünf Bücher in Mundart, eines in der Standardsprache erschienen. Die wichtigsten Auszeichnungen, die er erhielt, sind der 2004 erhaltene „Walter Kraus Mundartpreis“ und der 1. Salzburger Volkskulturpreis an den Arbeitskreis „Regionale Sprache und Literatur“, 2007.

Guten Moagen! Grüß Gott! Gutn Tag!
Baustelle:
1. Tag – Das Schaufel! Du schaufeln! So! Sand in Scheibtruch. – Scheibtruhe! Ja so! Gutt!
2. Tag – Heute auch schaufeln. Du prima Arbeit!
3. Tag – Ha! Servas Chaled! Guadn Moagn! Ja! daß i nit vagiß: Kimmst an Sunntag uma droi za mia Kaffetrinkn. Trinken Kaffee bei mir zu Hause. Daheim! Morgen. Um drei.
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Heiko Gauert.
Für ihn ging am 20. April 1949 in Eckernförde zum ersten Mal die Sonne über der Ostsee auf. Die Nähe zur See prägte sein Leben. In Husum ging er zur Schule, in Kiel und Flensburg studierte er und wurde dann Realschullehrer. Zuletzt war er Rektor in Hohenlockstedt. Schon als 15-Jähriger kam er zum Schreiben. Anlass war eine geschenkte Schreibmaschine und dann die Frage der Mutter, als er ihr die erste selbstgeschriebene Geschichte vorlas: „Wo hast du das denn abgeschrieben“. Seither ist er „Schriebersmann“. Er engagiert sich fürs Plattdeutsche. Zum Beispiel stammen die Erzählbände „Sünnschien un Wulken“ oder „Amor an de Diek“ von ihm. Er lebt mit seiner Familie in St. Peter-Ording.

Jan un Gret
Gau schoot dat Water as een siede lütte Beek öwer de Hitzsand in den Priel rin un dat weer ieskoold as jümmers meern in de Märzmaand. Awer Gret markte dütmol eer nakelte Fööt ni mehr, ok wenn se eerst jüst vör een poor Minuten de oolen Ledderschoh uuttrucken un Opstellung nahm harr, dor, wo se nu all siet veele Johrn Dag för Dag mit de Gliep stahn harr, Porrn to fangen…

Pierre Kretz,
Pierre Kretz wurde 1950 in Sélestat/Schlettstatt geboren und wohnt in Straßburg und . Sainte-Marie-aux-Mines. Seine Muttersprache ist Mittelalemannisch. Er hat Jura studiert in Saarbrücken und Strasbourg und war dort Anwalt bis zu seinem 50. Geburtstag. Bis dahin hatte er schon auf Elsässisch Theaterstücke und einen Essay auf Französisch über das Absterben der elsässischen Sprache geschrieben. Von da an widmete er sich ganz dem Schreiben. Zwei seiner Romane sind ins Deutsche übersetzt und bei Klöpfer&Meyer in Tübingen erschienen: ” Ich, der kleine Katholik ” und ” Der Seelenhüter ” Daraus hat der SWR ein Hörspiel gemacht. Sein letztes Buch – Ich ben a beesi frau – Je suis une méchante femme -, ein Prosa Monolog, ist zweisprachig veröffentlicht, mit Zeichnungen der Colmarer Künstlerin Dan Steffan.

drei haikus
fluchtpunkt bis wo ànna
bis in d’ fenschter sàckgàss

hofnungslosigkeit
flechte uf de stell
kenn zitt fer noochzedanka
.
s’flàkkert eweràll
flechta het’r gsait
egàl wo àwer flechta
dàss d’sun andli schiint

Birgit Rietzler,
1961 geboren, stammt aus in Au im Bregenzerwald. Sie ist Absolventin der „Wiener Schreibpädagogik“ und leitet selber Schreibworkshops „Kreatives Schreiben“ für Schreibbegeisterte jeden Alters. Seit 2000 hat sie drei Mundart-Lyrikbände in Vorarlberger Alemannisch publiziert und einen in schriftdeutscher Sprache. Außerdem gibt es Veröffentlichungen von ihr in Anthologien und Zeitschriften, und im Rundfunk Vertonungen ihrer Mundartlyrik. Viele Vorarlberger MusikerInnen haben Texte von ihr vertont und auf ihre Tonträger aufgenommen. Sie ist Mitglied bei OEDA (österreichisches Dialektinstitut) und IDI (Internationales Dialektinstitut), bei BOes (Berufsverband österreichischer Schreibpädagogen/innen) und Literatur Vorarlberg.

Wählo
jedo Tag
uf odr ab
schtill sin odr redo
se ducko se rego
wahto odr mahto*

pariero rischkiero
se seolb nio odr ufgio
Jedo Tag
wählo
mahto: verhandeln

JACQUELINE SCHLEGEL
ist Liedermacherin, Sängerin, Poetin. Ihr Talent wurde ihr in die Wiege gelegt: von Mutter-Seite: Die Urgroßmutter eine Jenische. Die Mutter Appenzellerin, die nicht nur singen, sondern tatsächlich auch Jodeln konnte. Temperament, Stimme und Singfreude wohl von dieser Seite; von Vater-Seite: Der Urgroßvater Poet, Komponist und Hotelier. Der Großvater Kontrabassist und Musikkabarettist. Das Texten, die Musikalität und die Freude an Kulinarik wohl aus dieser Ecke. Die richtige Mischung!
Nachdem Jacqueline während eines Kinderkonzertes, bei dem sie nicht mitmachen durfte, weil das erst ab 5 Jahren erlaubt war, lautstark verkündete, dass sie DAS aber auch könne, erhielt sie die Gelegenheit, diese Aussage sofort zu bestätigen. Somit bestritt sie im zarten Alter von 4 Jahren erfolgreich ihren ersten Solo-Gesangsvortrag. Der Grundstein für die größte Leidenschaft ihres Lebens war gelegt. Seither erkundet sie Welt & Liebe, hat an der Musik-Hochschule Luzern studiert, ist Mitglied der Akademie für Liedpoesie & Musik «SAGO» geworden, hat diverse Projekte in den Bereichen Chanson, Worldmusic (v.a. jiddisch und irisch) und Erzähltheater mitgestaltet und viele Lieder, Gedichte und Geschichten geschrieben.
Ihre Programme aktuell sind: «Hexereien» – Eine magische Reise durchs Hexenjahr mit Liedern, Legenden & Geschichten; «Träum witer…» – Illusione für alli! Mundart-Chansons; «Peters Doppelleben» – Geschichten, Gedichte & Lieder zur stillen Nacht; «Chili & Erdbeeren» – Süss-scharfe Liebesgeschichten und Lieder mit dem Erzähltheater Salaam und «Bisch parat?» Mundart-Chansons.

Tuube
Lieber d’Tuube in dr Hand,
als dr Schpatz uff em Dach.
Schtatt em Ohr an dr Wand,
lieber Lärme und Krach.
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Lieber silbrig vil rede,
schtatt goldig nur warte.
Schwiige ka jede…
uff so vili Arte…

Markus Manfred Jung,
geboren 1954 in Zell im Wiesental, aufgewachsen in Lörrach, studierte Germanistik, Skandinavistik, Philosophie und Sport in Freiburg/Breisgau und Oslo/Norwegen. Er schreibt Prosa, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele in Hochdeutsch und alemannischer Mundart. Jungs Mund-Art Lyrik wurde inzwischen mit zahlreichen, auch internationalen Preisen bedacht, u.a. in Italien und Rumänien. Seine Gedichte sind in mehrere Sprachen übersetzt. Er ist Gymnasiallehrer in Schopfheim und Schriftsteller und lebt mit der Malerin Bettina Bohn in Hohenegg, Kleines Wiesental. Mit ihr zusammen gab er zuletzt den Bild-Gedichtband „Schluchten von Licht“ heraus. Außerdem schuf er alemannische Nachdichtungen für die Kinderbücher „Die Häschenschule“, Wilhelm Buschs „Max&Moritz“ und neu „Etwas von den Wurzelkindern“.  Er begründete 1989 mit Thomas Burth die „Internationale Schopfheimer Mund-Art Literatur-Werkstatt“.

abgholzt
kahlschlag am ufer
.
im wasser jetz
nackig de himmel
blutt un blank
.
eitönig
s ruusche vom wasser
wo s raschle verwahrt

d erinnrig
blatt für blatt

Volker Habermaier,
Studiendirektor am Schopfheimer Theodor-Heuss-Gymnasium,  Präsident des „Hebelbund Lörrach“, ist seit elf Jahren Moderator der Literatur-Werkstatt und der Mund-Art Veranstaltungen. Der aus dem Schwabenland stammende Germanist und Historiker publiziert wissenschaftliche Aufsätze zu literarischen, historischen und musikalischen Themen. Zudem ist er Schulbuchautor und Verfasser fachdidaktischer Arbeiten, auch zur Mundartliteratur. Er lebt  in Schopfheim-Kürnberg.

Markus Manfred Jung, 8.3.2016

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